Ende im Gelände.

Bekannte von mir haben einen kleinen Laden am Ort, so als Zuverdienst, und die kommen mit ihrem Geschäft auch weiter herum oder unterhalten sich mit Gästen aus anderen Teilen Deutschlands. Und wenn man eins und eins zusammenzählt, dann muss man sagen: Deutschland ist fertig und der eigene Ort und die eigene Umgebung ist kein Einzelfall. Der hintere Wald erstreckt sich von Bodenmais über Regen und Zwiesel über Frauenau nach Grafenau hinein ins südöstliche „Hinterland“ mit vielen kleineren Dörfern. Und überall ist das Gleiche zu beobachten. Im Nachbarort macht jetzt das letzte Lebensmittelgeschäft zu, obwohl die über 2500 Einwohner haben. Zwiesels Stadtplatz besteht aus zwei Drittel Leerstand, während sich an einem Ende der Stadt alle großen Ketten wie ALDI, real, Lidl, Obi usw. zusammenballen. In Bodenmais haben sie einem Bekannten angeboten seinen Laden mietfrei weiterzuführen, weil das immer noch besser ist, als dass er verfällt und nicht beheizt wird. Im ganzen Landkreis bleiben nur noch alteingesessene Betriebe übrig mit einem festen Kundenstamm und deren Inhaber nicht größenwahnsinnig geworden sind und in den guten Zeiten geglaubt haben, es liefe immer von selbst so weiter. Die sind heute pleite. Zwiesel hat nicht mal mehr eine Schlosserei.

In den kleineren Orten denk ich mir immer, wie so kleine Läden mit Wanderbekleidung oder Glassouveniers überleben können. Denen gehört das Haus mit dem Geschäft selbst und haben in den guten Zeiten Immobilien gekauft und vermieten die, sodass man die Schwankungen bei den Einnahmen wegstecken kann. Die stehen heute kurz vor der Rente, bei den Ehepaaren um 50 arbeitet mindestens einer beim Staat oder halbstaatlichen Einrichtungen. Als Lehrer, Stadtangestellter, Polizist, im Krankenhaus usw. Ansonsten gibt es ein paar Start-ups und Unternehmen mit ganz speziellen Fertigungen für den internationalen Markt, wie bei Bischofsmais und Teisnach, wo viele Pendler angestellt sind. Sozusagen München in ganz klein.

Nur 15 Millionen erwirtschaften bei etwa 45 Millionen Erwerbstätigen die Steuern für über 80 Millionen. Der Rest besteht aus denen die direkt oder indirekt von Steuergelder, oder staatlichen Zwangsabgaben oder Zwangsgebühren leben. Dazu alle aus der Schmarotzer-, Sozial-, Asyl- und der Helferindustrie. Nun kommen noch alle hinzu, die nicht, nicht mehr oder nie arbeiten werden.

Und die Realität sieht dann so aus. Wer als Träumer einen eigenen Laden aufmacht, wo er in Vorkasse gehen oder tausende Auflagen erfüllen muss, der kann sich gleich ins Knie schießen. Wenn Sie als Service in ihrem Laden für die Wartenden selbstgebackenen Kuchen und einen Kaffee anbieten und einen Stuhl dazustellen wollen, schenken Sie sich das. Es findet sich sicher ein Denunziant, der Sie beim Landratsamt hinhängt. Denken Sie auch an die Toiletten für die diversen Geschlechter für Ihre Mitarbeiter, auch wenn Sie den ganzen Tag nur mit Ihrer Frau im Laden stehen. Von 100.-€ Einnahmen bleiben Ihnen vielleicht 10.-€. Lebensmittelgeschäfte haben eine Nettorendite von 2%(!). Was jetzt im Kommen ist, sind Läden mit arabischen Lebensmitteln, Schischa-Bars und Hochzeitskleidern. Dass der eingefleischte Straubinger dann nicht mehr in die Dönerbude geht, wo er mit Kopftuch bedient wird, das versteht sich von selbst. Und wo kommt das Geld her? Aus Geldwaschanlagen oder sie sind selbst welche. In Nürnberg gibt es Straßen, wo übertrieben jeder zweite Laden ein Glücksspielbetrieb ist. Da steht ein Porsche davor und drinnen vor den Automaten sitzen den ganzen Tag drei Leute. Da wird am Abend das Geld aus Drogenhandel, Schieberei, Hehlerei und Prostitution nach und nach in die Kasse gelegt und rechtmäßig versteuert. Da will man wenigstens den Lamborgini als Firmenwagen oder das Familienessen als Geschäftsessen abschreiben. Kein Wunder, dass jemand ein geerbtes Haus in der Augsburger Innenstadt, heruntergekommen und ohne Heizung, für 400000.-€-Sofortzahlung nur an einen Türken verkaufen konnte; das Doppelte wie erwartet. Sowas gibt es auch bei uns. Da fährt der Besitzer einer eher unterdurchschnittlichen Pizzeria einen Porsche und tritt auf wie das volle Klischee eines Zuhälters. Da fragt man sich schon wie das möglich ist, wenn man im Schnitt 500.-€ Umsatz am Tag macht und Miete und Angestellte bezahlen muss.

Arbeiter, die früher in mittelständischen Betrieben arbeiteten, stehen heute am „Arbeiterstrich“ an den Einfallstraßen von Frankfurt, die abends zu den Ausfallstraßen für den „Billig-Straßenstrich“ für 5.-€-Beischlaf werden (stimmt wirklich). Die Arbeiter aus ganz weit weg ohne ein Wort deutsch bekommen 8.-€ die Stunde, keine Ablöse und freuen sich, wenn am Ende der Frankfurter Messe die Aussteller die übrigen Getränke und Fressalien an sie verschenken, wenn sie nicht vorher schon die Kühlschränke aufbrechen. Die einzigen Ausländer, die neben den Deutschen noch bis 70 malochen, sind die, die damals während des Balkankrieges aus Ex-Jugoslawien kamen, denn die würden mit ihren Rentenansprüchen verhungern. Die sagen, sie bekommen zwar mehr als der sudanesische Parkplatzanweiser, aber immer noch weniger wie die, die er täglich in der U-Bahn sieht und die den ganzen Tag gar nix tun.

Ich kenne Lehrer, die hassen inzwischen ihre Schüler, und Pfleger ihre Patienten. Den Polizisten, Rettungsdienstlern und Feuerwehrleuten und den meisten, die heute mit die Menschen zu tun haben, ballt sich in der Tasche die Faust, wenn sie einen sehen, in der Erwartung für ihre Arbeit auch noch blöd angesülzt oder gar bedroht zu werden. Die schwenken schon mit fünfzig im Geiste Richtung Ruhestand.

Und jetzt kommen die ganzen vollstudierten Kinder von Eltern, die über Steuergelder noch ein gutes Auskommen haben, und denken an Spaß im Beruf und Work-Live-Balance. Die denken, dass man sie am Ende von 14 Semestern mit einem Esoterikstudium begeistert von der Uni abholt. Die träumen davon, dass wir die ganze Welt hier mitdurchfüttern können und alles so weiterläuft, während sie mit 3000.-€ Netto sich im Büro den Arsch warmhalten und sich nutzlose Dinge über Gleichstellung und Feinstaub ausdenken. Die glauben, dass in 10 Jahren noch eine Polizei kommt oder ein Rettungswagen in zehn Minuten oder jemand noch so blöd ist, einen Bus oder eine Straßenbahn zu fahren oder zu begleiten. Und die, die das dann noch erledigen, ist dann der Bodensatz, wo man dann besser entscheidet zu Fuß zu gehen. Irgendwann werden die Ingenieure der Stromnetzbetreiber sagen, die ganzen Energiewende-Träumer sollen ihren Krempel alleine machen, weil niemand mehr die Verantwortung übernehmen wird, dass der Laden auch weiterläuft. Im jedem Jahr wandern etwa 200000 qualifizierte Deutsche aus. Es fehlen aber die, die nur noch hier angemeldet sind und längst ihr erstes Standbein in Südostasien oder den USA haben. Uns wird täglich vorgegaukelt wir wären der Mittelpunkt der Welt, dabei berichten südostasiatische Zeitungen kaum mehr über Europa. Da fährt die neuste U- und S-Bahn von Siemens, während in Berlin eine fährt, die man dort längst an Entwicklungsländer verschenkt hätte. Dort baut man Flughäfen in zwei Jahren mit Unmengen an Arbeitern, während wir hier nicht mal mehr in der Lage sind einen einigermaßen anständig überhaupt fertig zu bringen, geschweige eine Bahnstrecke auf zwei Gleise auszubauen.

Was wir sehen, ist nur mehr die Illusion eines wohlhabenden Landes. Wir haben schon mehr vom Staat Abhängige wie zu Zeiten des Sozialismus und leben nur mehr von Scheinbeschäftigungen und gedrucktem Geld, das man fast für Umsonst ins System pumpt. Jeder fährt SUV oder zumindest einen Mittelklasseschlitten, doch er ist nur geleast oder gehört der Bank und im Moment ist man dabei auch diese Industrie platt zu machen.

Eine Krise wie Ende 2007 wird sich wiederholen, doch die Fallhöhe wird wesentlich größer sein und wenn der Staat seine Leistungen zurückfahren muss, dann wird es deshalb große gesellschaftliche Verwerfungen geben. Angereichert mit Menschen aus Kulturen, die so schon leicht die Selbstbeherrschung verlieren, könnte das eine explosive Mischung abgeben.

Ich hoffe auch für meine Kinder, dass politische Entscheidungen so ein Szenario noch abwenden können. Bei der jetzigen Besetzung der Regierung halte ich das aber für unwahrscheinlich. So blicke ich trotzdem nicht mit Angst, sondern mit gespannter Erwartung auf diese Zeit, die da kommen dürfte.

(Alle genannten Fakten sind selbst beobachtet oder aus erster Hand.)

 

4 Gedanken zu “Ende im Gelände.

  1. Vor einigen Jahren las ich einen Roman von der renegade-Feministin Fay Weldon: Chalcot Crescent. Die war, bevor Sie mit dem Schreiben berühmt wurde, u.A. Buchhalterin und hatte – glaub ich- auch Wirtschaft studiert. Entsprechend haben ihre Romane immer auch so einen ökonomischen, bodenständigen Geruch.

    Bekanntestes Werk ist „die Teufelin“, der mit Roseanne und Meryl Streep verfilmt wurde. Dort werden u.a. die Besitztümer der reichen Gegnerin buchhalterisch aufgeführt und der Steuerbetrug etc. werden auch ausgewaltzt wie es für einen Frauenroman unüblich ist.

    Jedenfalls las ich also im Flugzeug Chalco Cresent. Es spielt in einem „Paralleluniversum“. Und in dem gab es 2007 einen Wirtschaftseinbruch. Die weitere Zeitreihe hier nur sinngemäß, weil ich es nicht mehr habe. Also etwa

    Nach dem Absturz kam es überraschenderweise zu einer Erholung. Doch dann brachte der Schuldenberg die kreditgebenden Staaten in die Klemme. 2011 erholte sich die Lage, „the phony recovery.“ Und dann 2012, „the Bite“ wie der freie Fall in die nationale Verarmung genannt wurde.

    Ich kann das nicht so gut nachmachen. Aber hatte herzlich gelacht. „The bite“. Auf den wartete ich damals schon und bin überrascht, dass er nicht kam oder doch kam. Denn in Wahrheit ist das ländliche Deutschland ausgeblutet und die Städte folgen – schwerer zu sehen. Alle arbieten für den Staat, für vom Staat subventionierte Organisationen oder für Läden, die einen der vorgenannten als Hauptkunden haben. Es gibt noch das bisschen „Mittelstand“ für die Spezialtaschenlampe.

    Fay Weldon erzählt von einem England in der Diktatur und die Diktatoren haben klar eine „grüne“ Ideologie. Die Widerstandsgruppe „Red Peace“ ist ein „angry breakaway from Greenpeace“. Das Wasser hat Soma wie in Brave New World. Gegessen wird „National Meet Loaf“. In Großbritannien heißen soziale Dinge „national“. Auf der Packung steht „geeignet für Vegetarier“ und das zeigt, was Weldon von Vegetariern so hält. Volltreffer.

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