Eine Rede an die besseren Deutschen.

Unser Bundeshäuptling Steinmeier sprach bei Butterkuchen und Baklava am Mittwoch mit deutsch- und türkischstämmigen Bürgern aus der Nachbarschaft von Schloss Bellevue in Berlin, so heißt es in einer Meldung. Ganz schön ausgrenzend die Besetzung für dieses Kränzchen, wo es wohl nicht um ein heimeliches, privates Zusammensein ging, sondern um die Befriedigung der eigenen Eitelkeit mit passenden Bildern zusammen mit einer Migrantenstaffage:

Steinmeier

Dazu hat er auch eine Rede gehalten, wo am Ende klar ist, wer bei uns am Katzentisch sitzt.

Herzlich willkommen im Schloss Bellevue! Ich freue mich, dass Sie meiner Einladung zu einer „türkisch-deutschen Kaffeetafel“ gefolgt sind – sogar heute, während des Opferfests.

Schön, dass Sie kurz das Messer aus der Hand gelegt haben, – hat er natürlich nicht gesagt, aber sicher haben viele seiner Berater überlegt, ob man nun bei der Kaffeetafel türkisch oder deutsch voranstellt. Er wurde, glaube ich, schlecht beraten, weil, wenn jetzt der Mesut plötzlich Turk-Deutscher Nationalspüler genannt wird, dann sagen alle, sie hätten es immer schon gewusst.

Dann kommt eine Zeitlang etwas weichgespültes Gelaber und dann weiter:

(…) In den vielen Wortmeldungen der letzten Wochen tauchten immer wieder dieselben Fragen auf: Wer gehört in Deutschland dazu? Wie muss jemand sein, was muss er dafür tun? Und vor allem: Wer entscheidet über all dies?

Also Steimi. Laut Claudia Roth sollen ja inzwischen alle dazugehören. Wie die so sind, interessiert inzwischen kaum mehr eine Behörde, wenn sie jemanden die Staatbürgerschaft verleihen. Eher verfahren die nach dem Buchtitel von Precht: Wer bin ich und wenn ja wie viele? Und die Antwort auf die Frage, wer darüber denn entscheidet, das würde mich auch interessieren, wenn ich sehe, welche Gestalten hierbleiben dürfen und welche man abschiebt. Du hast aber einen Posten, wo Du da auch mal anrufen könntest.

Manchmal wurde der Eindruck erweckt, als könne, ja, als müsse es endgültige Antworten auf diese Fragen geben. Aber unsere Gesellschaft ist kein starres Gebilde. Zugehörigkeit wird nicht von oben verliehen wie ein Abzeichen und dann vielleicht wieder entzogen. Nein. Unsere Heimat, der Ort, an dem wir in Freiheit leben und uns zuhause fühlen – diesen Ort schaffen wir erst gemeinsam, immer wieder neu. Das beginnt mit unseren Geschichten – indem wir unsere Geschichten erzählen und die der anderen hören.

Das hat zwar jetzt viel Pathos, geht aber ziemlich an der Realität vorbei, weil sich ja nicht alle 80 Millionen jedes Wochenende zu einem Kränzchen treffen und sich die Hand schütteln. In den größeren Städten trifft man an jeder Ecke Leute, wo ich mich schon frage, wer da entschieden hat, dass die dazugehören sollen. Wer mir schon recht, Steimi, wenn sich solche nicht zu sehr wie zu Hause fühlen würden.

Dann kommt ein Teil, wo er froh ist, dass Italiener, Griechen, Portugiesen und vor allem Türken unser Land erst zu dem gemacht haben wie es heute ist, mit dem ganzen Wohlstand. Ja, schönen Dank auch von mir.

Ihre Geschichten gehören zu Deutschland. Sie machen uns aus! Unser Land ist für viele neue Heimat geworden, doch deshalb muss niemand seine Wurzeln verleugnen. Denn Heimat, gefühlte und gelebte, die gibt es auch im Plural. Heimat ist kein Mittel zum Zweck der Ausgrenzung. Heimat lädt ein – so wie heute unsere gemeinsame Kaffeetafel. Aber die Wirklichkeit – das haben die letzten Wochen gezeigt – sieht für viele Menschen in unserem Land anders aus. Unter dem Hashtag „MeTwo“ erzählen sie ganz persönlich von ihren Erfahrungen. Von Diskriminierung oder Rassismus im Alltag, von Ausgrenzung in politischen Debatten.

Ja, Steimi. Deutschland ist echt ein Scheißland mit den ganzen Ursprungsdeutschen, wo die ganzen Wir-wollen-von-zu-Hause-weg leider nur dieses von Rassismus und Ausgrenzung triefende Land erreicht haben. Diese Köter von der Köterrasse sind sogar sauer, wenn die ihre Frauen messern oder vergewaltigen, anstatt sich mal in der Rückbesinnung auf die eigene historische Schuld ein bisschen zurückzunehmen. Die paar Opfer kultureller Eigenarten ergeben im Vergleich ja nicht mal einen vollen Güterwaggon der Reichsbahn.

Und immer wieder höre ich von Einwandererkindern oder sogar von Einwandererenkeln: „Obwohl ich hier geboren bin, obwohl ich mich ganz besonders anstrenge, gehöre ich trotzdem nicht dazu.“

Das halte ich jetzt für ein Gerücht, wenn sich jemand besonders anstrengt. Da ist der Köterdeutsche wohl der letzte, der den nicht akzeptieren würde, außer jener sieht es als belangloses Beiwerk an, seinen „Besitz“ zu Hause einzusperren, Schafe in der Badewanne zu schächten oder fünfmal am Tag zum Bückbeten zu rennen.

Ein permanenter Verdacht gegen Zugewanderte, egal wie lange sie schon in Deutschland leben, ist verletzend nicht nur für den Einzelnen.

Ja. Ist auch irgendwie blöd, wenn man immer gleich an Zuwanderer denkt, wenn jemand seine Rechnungen mit Messer begleicht oder Brüder, Onkel und Cousins zu einer ganzen Horde zusammenzieht, um sich über ein Knöllchen wegen Falschparken zu beschweren. Kleinen Tipp: Bei Männer/Messer assoziiert man eben jemanden anderen als bei Männer/Baseballschläger. Da müssen die noch dazulernen.

Denn es gibt keine halben oder ganzen, keine Bio- oder Passdeutschen.

Doch. Der ausdrücklich Deutsche einer Straftat mit Messer ist der Passdeutsche. Dann kommt was mit Zusammenhalten und ich bin gerne Bundespräsident.

Ich bin Ihr Bundespräsident und ich bin es mit gleichem Respekt und gleicher Hingabe für alle in unserem Land, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Religion!

Natürlich: Eine solche Gesellschaft ist anstrengend. Vielfalt ist anstrengend – die Vielfalt durch Zuwanderung übrigens genauso wie die Vielfalt unserer Lebensentwürfe, Religionen, Konfessionen, oder politischen Haltungen. Was jeder aus seiner eigenen Familie kennt, warum sollte das nicht auch für unser Land als Ganzes gelten?

Es ist ein Irrtum, zu glauben, Integration ginge ohne Konflikte, und es gäbe so etwas wie einen harmonischen Endzustand. Ganz im Gegenteil. Die offene Gesellschaft ist voll von Widersprüchen und Konflikten, und trotzdem wollen die allermeisten von uns in keiner anderen Gesellschaft leben!

Ach was! Auf einmal! Die ganzen Jahre hat man uns vollgesülzt, dass wir mit der ganzen Vielfalt und dem Multikulti in kürzester Zeit den Himmel auf Erden und einen harmonischen Endzustand bekommen würden. Bei jedem bunten Straßenfest, wo man ein paar Flüchtlinge als Staffage auffuhr und afrikanisches Essen servierte, wurde uns suggeriert, wir stünden deutschlandweit kurz vor dem Paradies.

Aber eines müssen wir noch lernen: Die Konflikte unseres Zusammenlebens auszutragen, ohne darüber gleich Zugehörigkeit infrage zu stellen.

Ja, mit dem Nachsatz ist gleich klar, wer bei wir noch was zu lernen hat. Spätestens, wenn man genügend Deutsche durch das neo-marxistische Schulsystem geschleust hat, wird die Zugehörigkeit der ganzen Welt zu Deutschland niemand mehr in Frage stellen. Denn dann berichten die Geschichtsbücher über die schwarzen Elitekämpfer Karls des Großen, den türkischen Wiederaufbau nach dem Krieg und afrikanische Erfindungen wie BMW oder VW. Wenn die Schüler erst groß sind, werden sie für diese Errungenschaften so dankbar sein, dass sie auch Ehrenmord, Scharia und den Muezzin-Ruf als typisch deutsch ansehen werden. Die etwas anstrengende Übergangsphase bis wir das verinnerlicht haben, kann man auch zu einer Bereicherung umdeuten.

(…) Viel zu lange haben wir darüber gestritten, ob unser Land nun ein Einwanderungsland ist. Tatsache ist: Zuwanderung findet statt, weil wir immer wieder Menschen aufgefordert haben, zu kommen. Das wird auch in Zukunft so sein. Und es ist gut, dass dafür jetzt klare Regeln geschaffen werden.

Wir haben aufgefordert? Ihr habt aufgefordert und ihr wollt auch so weitermachen und wir sollen es ausbaden. Und ihr Schnellmerker habt jetzt endlich festgestellt, dass dazu auch ein paar Regeln nicht schlecht wären.

Allein die Feststellung, dass Zuwanderung stattfindet, reicht aber nicht. Aus ihr muss etwas folgen: für den Staat, der die Verantwortung hat, zu organisieren, dass unser Zusammenleben funktionieren kann; für die Politik, die die Leitlinien dafür vorgeben muss; und für jeden Einzelnen von uns.

Zusammenleben organisieren, dass es funktioniert? Leitlinien vorgeben? Hilfe! Die rot-grünen Pappnasen und ihre schwarze Führerin haben es doch schon durch bloßes Gewährenlassen geschafft, dass unser Zusammenleben nachhaltig beschädigt wurde. Gott bewahre, wenn die das jetzt auch noch aktiv gestalten wollen!

Dann kommt noch die Platte, die bei jedem Kirchentag, Straßenfest oder bunten Preisverleihungen abgespielt wird und dann wird gefressen.

Man muss schon fast von Vorsatz sprechen, wenn man dauernd etwas von Spaltung faselt und dann so ein Event mit so einer Rede abhält. Die ersten Gastarbeiter wurden uns über die Amis für den NATO-Beitritt der Türkei aufgenötigt und keiner von denen, die damals kamen, glaubten nur im Entferntesten daran, dass wir ihnen etwas schulden würden. Die waren froh, dass sie in einem Land leben durften, wo man sich für sein Geld etwas kaufen konnte, fließend Wasser hatte und sich auch ein eigenes Fahrrad oder später ein Auto leisten konnte.

Dass wir deren Kindern oder allen, die sich jetzt bei uns breitgemacht haben, irgendwie dankbar sein oder ihnen in irgendeiner Weise entgegenkommen müssten, halte ich für ein Gerücht, das nur in der SPD oder den Grünen stark verbreitet ist. Der Bundespräsident hutscht jede Gruppe extra: Türken, Afrikaner, Lesben, Moslem, Frauen, nur, wenn es um die geht, die schon länger hier deutsch sind, dann haben immer wir alle -also die, mit uns als identitätsloses Anhängsel- das geleistet. Wir werden nur explizit genannt, wenn er die Gruppe der Vorzeigerassisten, Ausgrenzer und Kulturlosen meint, für die wir uns schämen müssen. Während auf der einen Seite jeder Furz aus der Fremde angeblich das Land voranbringt und preisverdächtig ist, phantasiert er hinter jeder Kritik eines weißen, männlichen Heteros das Ende der Demokratie herbei. Ich könnte immer kotzen, wenn er mit dieser Arroganz und der leichten Verbitterung nach Mitteldeutschland blickt und den Kritikern gar nicht auf Augenhöhe begegnet, sondern ihre berechtigten Argumente gegen eine Multikulti-Gesellschaft als Ausdruck derer persönlicher Probleme und geistiger Schwäche vorab entschuldigt, als wären das lauter Behinderte.

Eigentlich hätte er sich die ganze rhetorische Deko sparen können, denn im Kern sagt er folgendes:

Wir haben Euch geholt und ihr wolltet das gar nicht, deshalb sind wir ja so dankbar, auch für die, die noch in Zukunft kommen werden.

Die schon länger hier leben, haben sich auch vorher schon gestritten und das war furchtbar anstrengend, da fallt ihr gar nicht auf, wenn der Streit noch vielfältiger wird.

Alle finden das toll und möchten genau so leben, bis auf die paar Nazis, die schon länger hier leben.

Wulff, Gauck und jetzt Steinmeier. Bei solchen Plaudertaschen muss man sich fragen, ob es noch eine Steigerung gibt. Den Rahmen für die Zukunft kann man zumindest schon abstecken: Frau, Lesbe, Moslemin und Migrationshintergrund dürften als Qualifikation reichen.

Advertisements

4 Gedanken zu “Eine Rede an die besseren Deutschen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.