Mathematik ist unbestechlich.

Wer kennt nicht die Berichte in den Boulevard-Magazinen, wo Ehepaare ihr ganzes Erspartes für das Schnäppchen von 2% mehr Redite verbraten haben, Leute, die sich eine Windkraftanlage in den Garten stellen lassen und sich wundern, dass es sich täglich dreht und es sich trotzdem nicht von alleine abbezahlt oder panikende Eltern wegen erreichter Grenzwerte vermeintlich schädlicher Stoffe im Essen, CO2-Fußabdrücken oder diverser Lebensrisiken.

Am Ende sagen alle, sie hätten sich im Internet vorher schlau gemacht, dabei haben sie alle eine Schule besucht und könnten selbst mit Zettel und Stift überprüfen, ob das ganze mathematisch plausibel ist, zumindest mit Abitur dürfte das möglich sein. Auch Ratgebersendungen und Magazine erschöpfen sich in reinem Alarmismus und machen sich nie die Mühe diese Dinge mathematisch anschaulich zu machen, obwohl das eher Banalitäten wären. Da dürfen Esoteriker wie Schellnhuber darüber fabulieren, dass wir nur dann nicht verbrennen, wenn wir den C02-Ausstoß in Deutschland um 50% senken. Ein bisschen Prozentrechnen deckte den ganzen Irrsinn auf.

Also 0,038 Prozent CO2 sind in der Luft; davon produziert die Natur 96 Prozent, den Rest, also vier Prozent, der Mensch*. Das sind dann vier Prozent von 0,038 Prozent also 0,00152 Prozent. Der Anteil Deutschlands hieran ist 3,1 Prozent. Damit beeinflusst Deutschland 0,0004712 Prozent des CO2 in der Luft. (hier)

Nun fragt man sich bei so einer hoch gebildeten Nation, warum man sich von selbsternannten Experten und angeblichen Elitejournalisten so verarschen lässt, anstatt auf seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Zu dumm? Zu faul? Zu obrigkeitshörig?

Zumindest kann man darüber nachdenken, ob die erwachsenen Deutschen in der Lage sind, das mit ihren mathematischen Kompetenzen zu meistern. Die Schulabgänger über alle Schularten gerechnet schließen mit einem Schnitt zwischen 2,4 (Gymnasium) und 2,9 (Hauptschule) ab. Obwohl sie zwischen gut und befriedigend liegen, geben in einer Studie nur 28% an, in Mathematik gut gerüstet zu sein, doch nur 21% geben an, dass sie Angst haben, das Studium deshalb nicht zu schaffen. Witzigerweise sagen dazu noch fast die Hälfte der Abiturienten heute, dass sie Probleme beim Kopfrechnen hätten. Da scheint in den meisten Fächern Mathematik keine Rolle zu spielen oder man fällt wie in den Sozialwissenschaften unter den ganzen Nullen nicht auf, wenn man selbst auch keine Ahnung von Statistik hat.

Behalten wir im Kopf, dass 31% der Bevölkerung die Hochschulreife besitzen, bei den 20 bis 29-jährigen besitzen bereits 51% die Fachhochschul- oder Hochschulreife, d.h. diese Leute sollten nicht nur die Grundrechenarten, Prozentrechnen und Dreisatz beherrschen, sondern auch von Wurzel, Logarithmus oder Exponentialfunktionen eine Ahnung haben.

Nun hat man die Kompetenzen von Erwachsenen untersucht und zwar die Anwendung von Mathematik im Alltag und nicht das formal-operationale Können, also bestimmte Rechenaufgaben zu lösen. Dabei hat man Aufgaben entsprechend von fünf verschiedenen Kompetenzstufen gewählt. Der Schnitt aller getesteten liegt zwischen diesen beiden Beispielaufgaben.

Bei dieser Aufgabe wird eine Abbildung einer gefalteten Schachtel mit vier möglichen Faltplänen gezeigt. Die Maße der Schachtel sind vorgegeben. Die Person soll bestimmen, welche der vier möglichen Faltpläne am besten die zusammengesetzte Schachtel abbildet.

(Aus einem Fahrtenbuch ist eine Kilometerzahl abzulesen) „Ein Vertreter benutzt sein eigenes Auto und muss die zurückgelegten Kilometer in einem Fahrtenbuch angeben. Für Geschäftsfahrten zahlt ihm sein Arbeitgeber 0,35 € pro Kilometer und zusätzlich 40,00 € pro Tag für verschiedene Ausgaben wie zum Beispiel Mahlzeiten.“ Die Person soll berechnen, wie viel für die Fahrt am 5. Juni bezahlt wird.

Und jetzt kommt’s: Nur 15% konnten Aufgaben meistern die schwieriger waren und die haben wirklich nur Mittelstufenniveau. Nun ist es aber so, dass aus meiner Erfahrung schon die meisten Handwerker in ihrem Bereich bezüglich ihres mathematischen Könnens weit über diesem Niveau liegen, im Alltag, der außerhalb liegt, aber höchstens Durchschnitt sind.

Deshalb ist meine Vermutung die, dass mathematische Fertigkeiten genauso gepflegt werden müssen wie sportliche. Der Durchschnittsbürger kann in einer bestimmten Disziplin überdurchschnittliche Leistungen erbringen. So kann man beobachten, dass Jugend-Fußballspieler, die im Verein gute Leistungen bringen, nicht in der Lage sind einen Handstand zu machen, während sportlich vielseitig begabte dagegen kein Problem haben zwischen Disziplinen zu wechseln, vor allem, wenn es entweder eher um Bewegungsgenauigkeit geht wie vom Turnen zum Stabhochsprung oder eher um Bewegungsökonomie geht wie vom Laufen zum Schwimmen.

Sieht man sich hier die Verteilung der Intelligenz in Deutschland an und die Berufe, die ihnen entsprechen, dann müssten mindestens 40% mathematische Kompetenzen zeigen, die über dem obigen Aufgabenniveau liegen, diese sich aber wahrscheinlich einen Bereich mit wenig Alltagsbezug erstrecken. Allerdings ist dann beim Vergleich erschreckend, dass die Hälfte der Lehrer und auch der Journalisten nicht in der Lage sind diese Aufgaben zu lösen. Und aus meiner persönlichen Erfahrung gibt es solche.

Eigentlich dürfte sich die Hälfte der Bevölkerung von irgendwelchen Zahlen in den Medien nicht blenden lassen, doch eine Aufgabenstellung aus der Studie, die ich in der Art auch schon im Schulbuch meines Sohnes gelesen habe, zeigt, dass permanente Indoktrination wohl die größte Rolle spielt, warum wir gar nicht mehr in Betracht ziehen, dass die falsch liegen könnten.

Dort heißt es nämlich unter der Angabe der produzierten Strommenge eines Kernkraftwerkes und einer Windkraftanlage: Wie viele Windkraftanlagen braucht man um ein Atomkraftwerk zu ersetzen? Das ist nämlich so realistisch wie das Verkaufsargument für eine Windkraftanlage zu sagen, Nennleistung x 365 Tage = produzierte Jahresstrommenge. Da wird die produzierte Strommenge zusätzlich in direkte Abhängigkeit zur Windgeschwindigkeit gesehen, dabei fällt sie in der 3. Potenz:  Halbe Windgeschwindigkeit = 1/23 = 12,5 %

Und das wird dann noch mit der Einspeisevergütung multipliziert, so dass alle gleich ausrechnen, wann sie Millionär sind. Da wird mathematisch „bewiesen“, was in der Realität einfach nicht der Fall ist, während man das bei den ach so wichtigen CO2-Einsparungen, wie oben gezeigt, tunlichst unterlässt.

Während wir in der Mathematik zugeben oder uns sogar damit brüsten, dass wir keine Ahnung haben, glauben wir aber, dass wir in den Bereichen Politik, Kunst, Religion, Philosophie usw. überall kompetent sind und mitreden können, obwohl wir da auch alles ungesehen fressen, was uns vorgesetzt wird. Dabei wäre gerade die Mathematik unbestechlich, behandeln sie aber wie ein Klotz am Bein.

Dass nun eine Uni-Tussi eine feministische Mathematik fordert, weil sie ihrer Meinung nach von weißen Männern erfunden wurde, um patriarchalische Strukturen zu festigen, grenzt wohl an völlige Hirnentkernung. Wirklich die Allerwenigsten wissen, wie elegant sich die Natur mathematisch beschreiben lässt, wer sich näher damit befasst, der hat das Gefühl, die Natur selbst wäre sichtbarer Ausdruck der Mathematik.

Die Anzahl der Blütenblätter an den verschiedenen Blumen ist nicht willkürlich, sondern entspricht der Fibonacci-Reihe. Die Körnerreihen, die in einer Sonnenblume in sich überschneidenden Spiralen wachsen, treffen sich im Winkel des goldenen Schnittes von ca. 137,5°. Die Spiralen von Schnecken und Muscheln folgen mathematischen Mustern und die Streifen auf Tieren wachsen wie die Interferenzen von Wellen. Kein Wunder, dass Mathematiker manchmal etwas seltsame Typen sind, wenn sie die Welt mathematisch so intensiv wahrnehmen wie der Normalbürger Farben.

Am Ende bleibt, dass viele weder die Zeit noch die Fähigkeiten haben, präsentierte Zahlen oder Statistiken zu hinterfragen. Das muss man akzeptieren. Wer sich selbst zu den vermeintlich höher Gebildeten zählt, der sollte sich nicht zu sicher sein, dass das, was er nachplappert, auch der Wahrheit entspricht, nur, weil die Medien dafür einen Experten aufgefahren haben. Schön und nützlich für alle, wenn sich der eine oder andere die Mühe macht, das mathematisch zu hinterfragen. Persönlich finde ich es aber schade, wenn so wenige die Schönheit der Mathematik entdecken.

Wer sie trotzdem entdecken will, dem seien folgende Bücher empfohlen, die auch für mathematisch weniger Begabte spannend und kurzweilig sind. Von oben nach unten werden sie anspruchsvoller und manche sind leider nur in Englisch erhältlich.

Musik der Primzahlen

Life’s other secret

Fermants letzter Satz

Die Zahl e

An imaginary tale the story of √-1 (Gibt’s auch als pdf)

Die Entdeckung des Unendlichen

Poincares Vermutung

 

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5 Gedanken zu “Mathematik ist unbestechlich.

  1. Wir bewerten Intelligenz über. Gerade in Deutschland. Vielleicht mach ich kurz ein Zugeständnis und sage, dass ich natürlich auch unterscheide. Gerade bei den Linken, die ich versuche zu ergründen. Der schlaue Linke weiß, dass nicht Hinz und Kunz ein Nazi ist. Der lügt aber gerne taktisch. Davon gibt es viele. Dann gibt es die Sorte der Klugen, die noch nicht die Zeit hatten über die Propaganda nachzudenken. Das sind sogar noch mehr. Und dann gibt es die Leute, die faktisch die Worte, die sie benutzen nicht erklären können und auch nicht verstehen, welchen Inhalt deine Aussage hat. Die Kunst ist es, solche Leute schnell zu entlarven und am Besten auflaufen zu lassen (Gegenfragen) und rapide die Konversation zu beenden, weil sinnlos.

    Das Solardach wird nicht gebaut, weil sich das rechnet, sondern weil die Frau das will. Sie will es, um im Kindergarten darüber reden zu können. Die konkrete Rechnung wird aus Zeitmangel ersetzt mit „Der Heinrich hat auch eins.“

    Meiner Meinung nach können die Leute genug rechnen und ich bin auch nicht mathefern (ich gebe keine persönlichen Infos über das Web, muss man mir abkaufen).

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    1. Vielleicht ist meine Frau zu (un)normal. Die denkt wie ich nicht im Traum daran, etwas zu tun oder zu kaufen, bloß weil es andere tun. Ich kann mir nicht vorstellen wie das Hirn da verschaltet sein soll, sich bei einer Anschaffung nach dem Nachbarn zu richten.

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      1. Die meisten Leute sind so geschaltet. Da gibt es etliche Untersuchungen. Du kannst Genies wie Steven Hawking dazu bringen sich dem BDS Mob anzuschließen. Hat er getan. Da waren halt genug Sozialwissenschaftler in der Kantine. Da kann man nix machen.

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