Bunt und totalitär.

In einem Artikel in der Berliner-Zeitung bringt der Autor aus dem Buch von Wieland Giebel Aussagen von Bürger aus dem Jahre 1934, weshalb sie denken, warum Hitler an die Macht gekommen wäre. Natürlich ist mir nicht bekannt, warum der Autor genau diese vier Aussagen gewählt hat und ob sie repräsentativ sind.

Einer meinte, dass Hitler der erste gewesen wäre, der Frauen explizit angesprochen hat mit Volksgenossinen und Volksgenossen. Die SPD und die Linke reden sich ja heute noch als GenossI_nnen an und sind womöglich froh, dass er noch nicht Binnen-I und Unterstrich gekannt hat, sonst müsste man das glatt auf den Index setzen. Besonders hervorgehoben wird, dass die Parteien der Weimarer Republik untereinander völlig zerstritten waren und keinerlei Gemeinsamkeiten betonten und Hitler war derjenige, der das Deutsche als verbindendes Element (fast) aller Bürger erkannte.

„Sie müssen sich einander wieder verstehen lernen, die Arbeiter der Stirn und der Faust. Keiner kann ohne den anderen bestehen.“

Der Autor gibt im letzten einen Wink darauf, dass es heute wieder so weit sei.

Aber wer heute in politisch vergleichsweise schläfriger Zeit wissen möchte, warum nationalistische Ideen wieder Massen ergreifen, wird in den politischen Lebensberichten deutscher Normalos von 1934 einige Antworten finden.

Was nervt heute? Parteiengezänk, laute Minderheiten, unfähige Politiker. Wir sehen den Zorn der Abgehängten, den Neid der Zukurzgekommenen, die Furcht vor neuer Konkurrenz, Abstiegsängste. Und erkennen sie wieder.

Man kann sicher sein, dass er heute eine Parallele zur AfD sieht, der Partei der Neider, der Zukurzgekommenen und Abgehängten. Wäre sie nur stark genug, würde ein charismatischer Führer auftreten und die AfD alleine würde sozusagen wieder zu einer Einheitspartei wie sie damals die NSDAP war, würde die anderen Parteien einverleiben oder verbieten. Sie würden alle Fraktionen auf einen gemeinsamen Feind einschwören, mit dem man in fortwährendem Kampf steht, weil er den Fortbestand Deutschlands bedroht. Alle Vereine und Organisationen würden auf die Bekämpfung verpflichtet und müssten nun die gleichen deutschen Werte vertreten. Die Opposition würde mundtot gemacht, Kritiker an der Regierung ausgegrenzt und diffamiert, die Medien würden gleichgeschaltet und die Veröffentlichung unliebsamer Nachrichten unterbunden. Universitäten, Schulen und die Geheimdienste würden für das gemeinsame Ziel auf Linie gebracht werden, um Deutschland in ihrem Sinne umzugestalten, und Schlägertrupps würden gewaltsam Zusammenrottungen stören und unterbinden, um eine Opposition erst gar nicht entstehen zu lassen.

Hier sieht man das Versagen unserer hochgelobten Erinnerungskultur. Man nimmt das Label „rechtextrem“ und hängt es nach Belieben demjenigen an, der von dem Schmutz abbekommen soll, weil er durch seinen Deutschenhass nicht fortwährend Ablass leistet und nicht auf Linie ist. An diesem Beispiel sieht man, dass die Schule darin versagt hat, dass Schüler auch aus der Geschichte lernen. Alles erschöpft sich im Implantieren einer Dauerschuld, das Aufbegehren gegen den Konsens muss die Wiederkehr des Nationalsozialismus sein, weshalb man es mit allen Mitteln bekämpfen muss, denn der Totalitarismus könnte mit einer plötzlichen Ermächtigung über uns kommen, wie das bei Hitler der Fall war.

Blind in der Erwartung, dass eine finstere Gestalt wie Bernd Höcke sein Nachfolger werden könnte sind wir durch eine verfehlte Erinnerungskultur so wahrnehmungsgestört, sodass wir nicht erkennen, dass der neue Totalitarismus mit Frauen, Party und buntem Gehabe daherkommt und sich trotzdem der gleichen Mittel bedient. Die oben genannten Einschränkungen der Bürgerrechte sind ebenfalls totalitär, auch wenn sie im Namen der guten Sache passieren.

Die Führerin ist zwar alles andere als charismatisch, sondern eher farblos der Typ „Mutti“. Umso leichter lassen sich Gesetze und Maßnahmen am Parlament vorbei und klammheimlich durchsetzen, weil dies nicht mit lautem Getöse geschieht. Ihre Schergen behandeln sie inzwischen wie eine unnahbare Alleinherrscherin. Wie könnte es sonst von der Opposition und den Medien unwidersprochen bleiben, wenn man jemandem zum Rücktritt auffordert, weil er

die Kanzlerin öffentlich kritisiert hat?

Parteien und Medien gebärden sich, als versuchten sie eine Art kommende Naturgewalt schon im Kleinen zu verhindern und die Bürger werden genötigt sich mit Haltung und bunten Fähnchen mit entgegenzustellen. Dabei haben sich die Ausläufer des Totalitarismus von links mit dem gleichen Gesicht wie nach 1933 schon längst wie ein Krebs in unsere Gesellschaft gefressen. Das Aufbäumen dagegen kommt von den alten, weißen Männern und Frauen, die ihn noch aus erster Hand kennen oder am eigenen Leib erlebt haben und unter die sich die echten Ewiggestrigen einreihen, um etwas vom Kuchen abzubekommen, ohne zu merken, dass sie damit den ganzen Kampf diskreditieren. Sie sind die billigsten Helfer für ein Regime.

Es geschieht alles vor unseren Augen und wir erkennen es nicht.

 

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3 Gedanken zu “Bunt und totalitär.

  1. „Die Führerin ist zwar alles andere als charismatisch“
    Hitler war auch schon uncharismatisch. Neulich gab es eine Studie, die belegte, dass die Umfragen sich nicht verbesserten, wenn Hitler irgendwo Wahlkampfauftritte veranstaltet hat. Das ist ziemlich einzigartig in der Politikgeschichte. So einen schlechten Redner gab es wohl noch nie und selbst Merkel ist wohl besser. Allerdings haben sich die Leute hinterher von ihrer Verantwortung lossprechen wollen und was von seiner angeblich total beeindruckenden Erscheinung gelabert.

    Du wirst mal sehen, also wenn wir das überleben, dass Merkel auch als total mütterliche Charmoffensive betitelt werden wird.

    Gefällt 1 Person

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