Söder gegen Hartmann. Eine Schellzusammenfassung.

Es ist kein Wunder, dass sich nun die CSU mit den GRÜNEN als zweitgrößte Partei im Bayerischen Rundfunk duelliert und nicht mit der SPD. Das Land war einfach immer zu katholisch und zu konservativ und zu Agrarland, um sich in der Fläche der ehemaligen Arbeiterpartei dauerhaft anzuhängen. Auch die AfD dürfte nicht den erhofften Zulauf bekommen, denn, wenn man sich die bayerische Verwaltung und das dreigliedrige Schulsystem ansieht, dann kann man echt froh sein, in Bayern zu leben und nicht in einem rot-regierten Bundesland. Auch boomt Bayern ja seit jeher auch wirtschaftlich. Die Grünen haben hier Erfolg, weil es einfach viele Bürger gibt, mit entsprechend hohem Lebensstandard, von denen viele beim Staat arbeiten, und für die Kriminalität, Wohnungsnot oder Arbeitslosigkeit kaum eine Rolle spielen und auch für deren Kinder nicht, wie ich selbst festgestellt habe. Der Spitzenkandidat der Grünen Ludwig Hartmann hat seine Ziele für Bayern so abgesteckt, dass das meiste eigentlich auch von der CSU sein könnte:

Niemand will einen weiteren Discounter oder noch ein Möbelhaus auf der grünen Wiese, niemand will eine weitere gigantische Umgehungsstraße. Aber viele vermissen die dörfliche Gemeinschaft, den Zusammenhalt, den Laden im Ortskern. Viele vermissen „das Wir“.

Man darf ihm nicht vorwerfen, dass sein Programm natürlich sehr allgemein ist, denn es möchte möglichst viele anzusprechen. Das mit „dörflicher Gemeinschaft und Zusammenhalt“ nehme ich ihm aber nicht ab, so internationalistisch sich diese Partei gibt. Dass die erneuerbaren Energien mit Windrädern nicht so gut ankommen, in einem Land, das im ländlichen Raum sehr vom Tourismus lebt, ist ihm wohl auch aufgefallen. Blöderweise war heute auch noch an manchen Orten der kälteste Septembertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Beim ersten Thema ging es um Wohnraum. Beide geben zu, dass die Mietpreisbremse nicht funktioniert. Söder hat zumindest erkannt, dass nicht die Inverstoren fehlen, sondern die Genehmigungen zu lange dauern und die Sozialbindung deutlich länger ist als in anderen Bundesländern. Beide vermieden zu sagen, dass man auch Wohnungen für Zuwanderer braucht und nicht nur für die, die aus anderen Bundesländern kommen. Söder versäumte es zu sagen, dass natürlich Städte und Kommunen besonders dafür verantwortlich sind. Hartmann ist es wichtig, dass alle einen angemessenen Wohnraum haben, sodass er eher weniger dafür ist, private Wohnraum zu fördern. Für ihn geht es rein um angemessene „Unterbringung“. Abschreckend dürfte es gewesen sein, dass Hartmann ökologisches und ästhetisches Bauen besonders wichtig findet und den Flächenverbrauch dadurch vermindern will, dass Tiefgaragen gebaut werden. Man hat ihm natürlich vorgeworfen, dass die Förderung aufgefressen wird, wenn man dafür irgendwelche ökologische Vorgaben umsetzen muss. Söder meinte, dass man im Alter wenigstens mietfrei wohnen und nicht 50 Jahre abzahlen sollte und unterschlagen wird, dass bei der Verminderung des Flächenverbrauches bei Wohnungen, dass hinter Wohnungen noch die ganze Infrastruktur mit Geschäften, Schulen usw. nachfolgt. Insgesamt schien durch, dass sich Söder ziemlich heraushalten will, dass das Land als Bauherr auftritt, sondern immer nur Anreize setzen will, dass privat gebaut wird. Er hat wohl an anderen Bundesländern gesehen, dass einfach nichts funktioniert, wenn der Staat sich hier zu sehr aktiv einmischt.

Erneuerbare Energien waren ganz wichtig. Hartmann will unbedingt flächendeckend Windräder, weil wir sonst ganz blöd vor unseren Enkeln dastehen, wenn wir nichts gegen die „Klimaerhitzung“ tun. Witzig, dass heute in Bayern an manchen Orten der Kälterekord seit Aufzeichnungen gebrochen wurde; Klingenbrunn Bahnhof  – 4°. Söder liegt richtig, dass Bayern eben kein Windland sei, bei einer Ausbeute von unter 20% der installierten Leistung. Nach seinen Angaben ist man bei den anderen erneuerbare Energien doch ziemlich mit vorne. Die 10H-Regel ist damit für Söder nicht verhandelbar. Wie es bei einer Koalition aussieht, weiß ich nicht. Da könnten sich die GRÜNEN in einer Legislaturperiode dauerhaft Denkmäler in den schönsten Landschaften Bayerns setzen. Wer will das?

Beim Thema Zuwanderung war es bei beiden die immer selbe Platte: Bei Söder geht es um Menge, bei Hartmann um die Einzelfälle und einen Abschiebestopp im Winter. Söder konnte punkten, dass er anmerkte, dass von 700000 der Flüchtlinge 100000 nicht mehr in Hartz 4 sind und man nicht noch zusätzlich Arbeitskräfte im Handwerk braucht, wenn man noch 600000 unterbringen muss. Hartmann will hier ein rechtsstaatliches Verfahren für Straffällige, Söder reicht es, wenn die einfach weg sind, also abgeschoben. Dann kam noch was mit Menschlichkeit blabla bis der Moderator zu Söder meinte, er mache einen Spagat zwischen mitte und rechts. Die Mitte dürfte da mehrheitlich inzwischen woanders liegen, als der denkt, denn Söders Argumente waren so, dass jeder mit gesundem Menschenverstand sie teilen würde, weil Söder immer herausstellte, dass Ordnung das wichtigste wäre und nicht Menschlichkeit oder Einzelfälle. Laut Hartmann sollen die Unternehmer selbst entscheiden, wer dableiben darf. Das mag zwar bei kleinen Betrieben eine gute Idee sein, wo man niemanden für eine Ausbildung findet. Konzerne dürften sich die Hände reiben, wenn man damit den Mindestlohn umgehen kann.

Bei der Familienpolitik setzt Hartmann auf staatliche Betreuung und bringt die Einzelfälle, weil Mütter dann nicht arbeiten könnten. Meiner Meinung nach ist die Familienplanung, bei der beide Elternteile dazu gezwungen sind zu arbeiten, die Folge einer Steuerpolitik, die dem Einzelnen immer mehr vom Lohn nimmt, um es an andere zu verschenken. Früher reichte ein Ernährer; also keine Wahlfreiheit zu arbeiten, sondern Zwang, dass beide arbeiten müssen.

Zum Kreuzerlass folgte dann von beiden Seiten das übliche mit christlichen Wurzeln usw. Allerdings müsste man bei dem Argument, der Staat müsse auf Neutralität in Schulen pochen sagen, dass man dann auch das Kopftuch verbieten müssten. Kam aber nicht zur Sprache. Bemerkenswert war, dass Hartmann auf die Eidformel „so wahr mir Gott helfe“ im Gegensatz zu Söder verzichten würde.

Bei der Schulpolitik reichte es für Söder darauf hinzuweisen, dass bisher jede rot-grüne Regierung das Schulsystem in ihrem regierten Bundesland an die Wand gefahren hat. Das dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben, da kann der Hartmann für seine Vorstellungen Werbung machen wie er will. Er monierte, dass man in Bayern an der Spitze sogar besser wurde, aber auch nach unten hin entsprechend schlechter. Dass man diesen Effekt in andern Bundesländern durch Absenken des Niveaus zum Teil verhindert, kommt nicht zur Sprache.

Zur Sicherheitspolitik ist nur zu sagen, dass Söder ein Zitat bringt …. Bullenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt. Hartmann weist darauf hin, dass gegen das Polizeigesetz christliche Gruppen und Journalistenverbände auf die Straße gegangen sind. Mit denen muss man heute wirklich nicht mehr angeben.

Zusammenfassend muss man sagen, dass Söder sich sehr an der Realpolitik orientierte, dass sich der Staat nur da einmischt, wo es notwendig ist. Wegen der guten Lage im Vergleich zu anderen Bundesländern kann man das auch machen, obwohl der Zuseher das womöglich als wenig gestaltend wahrgenommen hat. Hartmann hing einfach zu stark an grüner Ideologie, wo die negativen Effekte durch die staatlichen Eingriffe erst in der Zusammenschau der Themen auffiel. So waren seine Argumente zwar auf die einzelnen Themen bezogen überzeugend, würde man sie aber hinterfragen, wie bei der Familien-, Wohnungsbau- und Schulpolitik, so stellt man fest, dass die jeweiligen staatlichen Eingriffe, die er fordert, sich gleich wieder negativ auf andere Bereiche auswirken. Das typische Gewurschtel, das sich dann in anderen rot-grünen Bundesländern zeigt und dann noch mehr staatlichen Eingriff nach sich zieht.

Am Ende muss man sagen, dass Söder aus einer sicheren Position heraus argumentieren konnte, schließlich steht das Land im Vergleich gut da. Hartmann merkte man einfach an, dass er von einer Partei kommt, die meint, sie müsse alles staatlich regeln und von oben verordnen, gerne auch für höhere Ziele. Überdies unterbrach er Söder unangenehm häufig.

Zumindest dürfte Söder für die im Bund stark gebeutelte CSU gepunktet haben. Hartmann hätte sagen können was er wollte, die eingefleischten GRÜNEN wählen ihn so oder so. Ich bezweifle aber, dass er mit diesem Auftritt zusätzlich Werbung gemacht hat.

5 Gedanken zu “Söder gegen Hartmann. Eine Schellzusammenfassung.

  1. Klingenbrunn ist ein bekannter Kältepol. EINE kalte Nacht im September gegen einen extrem heißen und trockenen Sommer! Nicht wirklich überzeugend!

    Liken

    1. Das war Absicht,denn in der offiziellen Berichterstattung werden immer Temperaturverläufe verwendet, die nicht wärmeinselbereinigt sind, also nicht einberechnen, dass viele Wetterstationen, die früher im freien Land standen, heute in einer Bebauung stehen. Das verfälscht aber das Bild sehr deutlich, wenn man hier eine wärmeinselbereinigte Graphik der Deutschen Wetterdienstes ansieht. https://www.eike-klima-energie.eu/2017/01/25/eine-messstation-fast-ohne-waermeinseleffekt-wi-schwierigkeiten-bei-temperaturvergleichen/ (Bis ans Ende runterscrawlen). Wir selbst betreiben seit 20 Jahren selbst Tepmeraturmessungen immer am gleichen Ort und stellen eigentlich nur fest, dass sich in dieser Zeit je zwei Wellen mit kälteren Jahren und zwei mit wärmeren Jahren abgewechselt haben, ohne Temperaturanstieg insgesamt. Meine Aussage über Klingenbrunn hat genauso viel bzw. wenig Aussagekraft wie jede Station, die durch Bebauung keine Vergleichswerte mehr zu früher liefern, wenn man den Wärmeeffekt nicht bereinigt.

      Liken

  2. Dass es heute Mann und Frau braucht, um das Auskommen der Familie zu sichern, ist eine Tatsache – sie schreiben es oben. Da müsste ihnen doch einer wie luisman total auf den Senkel gehen. Der sagt von sich selbst, dass er nicht arbeitet, sondern von Kapitalerträgen lebt. Gleichzeitig überlässt er die Unterstützung von Frau und Kind dem deutschen Steuerzahler. Das nenne ich einen Volksschädling!

    Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.