Im Namen der Freiheit in den Kontrollstaat.

Kleinigkeiten geben oft einen guten Aufschluss darüber, wohin sich eine Gesellschaft entwickelt. Heute habe ich einen Bericht über den Besitzer einer Blumenwiese zum Selberpflücken und -bezahlen gesehen, der festgestellt hat, dass sich nicht wenige ohne Bezahlen oder ohne Entrichten des vollen Betrages aus dem Staub machen. Man hat einige Personen, ich meine es waren fünf, in der Innenstadt darüber befragt, ob sie den vollen Preis grundsätzlich entrichten würden und mussten das auch begründen. Zu meiner Überraschung sagte nur eine, sie würde grundsätzlich bezahlen, und zwar, weil sie dann ein wirklich schlechtes Gewissen hätte. Die anderen redeten sich durchaus heraus, dass es darauf ankäme, ob sie Geld dabei hätten und einer meinte, dass es durchaus eine Verlockung wäre, einfach ohne Bezahlen zu gehen. Das entsprechende Verhalten ist sicher nicht angeboren, sondern hat sich durch die Erziehung und Vorbilder entwickelt. Ich muss gestehen, dass mir in meiner Jugend durch das katholische Umfeld fast eingehämmert wurde, dass sich da die Frage gar nicht mehr stellt, so eine Situation auszunutzen. In kann mich in der Grundschule erinnern, dass eine Klosterschwester einen Schüler weggeschickt hatte, er solle sich die Nase schneuzen. Er kam einfach so zurück, weil er kein Taschentuch gefunden hatte, und als die Schwester nachbohrte, ob er es auch wirklich getan hätte, gab er nach kurzer Zeit zu, dass er gelogen hätte. Dann kam die ganze Litanei von Hölle und Fegefeuer und der Junge hat Rotz und Wasser geheult. Man wurde also frühzeitig in kulturelle Regeln gepresst.

Es geht hier bei dem Beispiel mit den Blumen allgemein um Verlässlichkeit, dass bestimmte Regeln eingehalten werden. Ein Imageberater gibt Aufschluss darüber, warum man sich heute auch nicht mehr darauf verlassen kann, dass die Leute nicht einfach ohne Bezahlen gehen, wenn sie unbeobachtet sind.

(…)Wenn man logischerweise davon ausgeht, dass jemandem, dem „Unzuverlässigkeit“ widerfährt, abgesehen vom persönlichen Ärger und vom Aufwand, die Unzuverlässigkeiten anderer zu bearbeiten, stets Zeit oder Mittel entgehen, ist unzuverlässiges Verhalten mit Diebstahl und Betrug gleichzusetzen. Vielen ist das nicht bewusst.

Im obigen Fall ist es ja wirklich Diebstahl.

Trotzdem sehen viele Menschen, aber auch Organisationen Vereinbarungen, Versprechungen und Termine ziemlich locker. Unzuverlässigkeit ist ein charakterliches Problem, aber auch ein gesellschaftliches Problem. Verlässliches Verhalten wird erzieherisch immer weniger abverlangt und unsere Gesellschaft wird damit sozialisationsbedingt immer oberflächlicher. (…)

Dies liegt daran, dass Unzuverlässigkeit häufiger toleriert wird als in früheren Zeiten, in denen entsprechende Sanktionen folgten. Abhängigkeiten kann man sich heute schneller entziehen, als früher. Dies betrifft alle Lebensbereiche in denen Verlässlichkeit gefragt ist, sowohl die Ehe, als auch eine Geschäftsvereinbarung.

Wenn Eltern ihren Kindern immer wieder eine Entschuldigung schreiben, weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, da man einen Ausflug gemacht hat oder bei einer Geburtstagsfeier war, so ist für dieses Verhalten schon ein Anfang gemacht.

Vielen ist die Schuldhaftigkeit ihrer Unzuverlässigkeit gar nicht bewusst – sie bezeichnen Menschen/Organisationen, die Verlässlichkeit anmahnen (Mahnung) sogar innerlich als Stalker, fühlen sich von dem, der Verlässlichkeit ggf. einfordert, geradewegs genötigt. (…)

Unzuverlässigkeit geht zumeist mit entsprechenden Ausreden einher, die zumeist nicht der Realität, sondern der Phantasie entsprechen. Insofern kann pathologische Unzuverlässigkeit auch als Indiz für eine psychische Problematik – sogar für eine schwere Krankheit – gewertet werden.(…)

Die seltenen ehrlichen „Entschuldigungen“ kann man am Schamgefühl der Unzuverlässigen erkennen, die meisten anderen an psychologischen Indizien (Verhalten z.B. Stimme, Augen), insbesondere aber am messbaren Wiederholungscharakter. (…)

Auffällig ist, dass der Unzuverlässige sich der Unglaubwürdigkeit seiner zumeist unwahren Ausrede oft nicht bewusst ist und sich damit gleich ein zweites mal negativ outet. Selbst auf Laien wirken derartige Ausreden wie eine schwere psychische Störung. Der pathologisch Unzuverlässige kann dies selbst jedoch nicht erkennen (Bspl.: Psychose) Ihm fehlt das Motiv. Er lebt in einer selbst konstruierten Scheinrealität, die er sich stets neu zusammenbastelt. Oft werden Ausreden immer abstruser. Das Peinliche für den Unzuverlässigen ist, dass er auf Grund seiner innerlichen Überzeugung bzw. seines unzuverlässigen Charakters gar nicht bemerkt, dass man seine wahren Intentionen sehr schnell entlarvt.(…) 

Als Begründung für Unverbindlichkeit (= bewusste Unzuverlässigkeit) wird gerne angeführt, sich nicht festnageln oder nicht einengen lassen zu wollen. Oft steckt dahinter eine tiefe Furcht, verletzt bzw. selbst versetzt zu werden.

Nimmt man die pathologischen Fälle weg, so ist das obige Verhalten damit zu erklären, dass man das Leben als eine Art Nullsummenspiel sieht: Wer weiß, wie oft ich schon betrogen wurde, ohne dass ich es bemerkt habe, so ist es nur recht und billig, mir diesen Nachteil an anderer Stelle auszugleichen. So kann man es auch hinbiegen, in anderen Situationen besondere „Haltung“ zu zeigen und für eine bessere Welt sogar „Zeichen zu setzen“. Im Grunde ein schizophrenes Verhalten. Der imaginäre Beobachter, zum Beispiel Gott oder die spießige Gesellschaft, wird als persönliche Einschränkung der Freiheit wahrgenommen und es wird jetzt sogar propagiert, dass jeder nach seinen Regeln leben darf und fordern kann, dass diese auch akzeptiert werden. Auch wenn die Beweggründe eher einer frühkindlichen Nötigung und der Angst entsprangen, so wurde unser Zusammenleben auf vermeintlicher „Freiwilligkeit“ geregelt. Die allermeisten taten nicht nur nicht, was verboten war, sondern auch das nicht, was sich nicht schickte. Zum Beispiel Vordrängeln, sich im Restaurant laut unterhalten oder zudringlich werden und schnorren.

An das, was sich nicht schickt, hält sich ohnehin keiner mehr. Ich habe an einem ziemlich vollen Bahnsteig erlebt, wie sich eine am Handy lautstark mit ihrem Freund stritt. Das juckt keinen mehr. Dass die Leute nicht ohne zu bezahlen einfach gehen oder andere Leute belästigen, stellt man jetzt Kameras auf, wie der Blumenhändler im obigen Beispiel. Auch bei dem Blumenhändler läuft es deshalb auch wieder mit dem Bezahlen. Da wirft unser Land alle Werte des Zusammenlebens zu Gunsten der persönlichen Freiheit des einzelnen über Bord und wundert sich dann, wenn man entsprechende Kontrollen braucht, dass die Leute wieder zu einem Verhalten gezwungen werden, zu dem sie früher freiwillig bereit waren. Wen es nervte, dass Leute im Restaurant laut telefonierten, der hat sich selbst daran gehalten. Heute beschwert man sich bei anderen darüber, nimmt sich selbst aber die Freiheit heraus. Nur wenn man beobachtet oder kontrolliert wird, hält man sich noch daran. So ein Verhalten findet sich vor allem in afrikanischen Ländern. Solange der Stammesälteste alle kontrolliert, läuft alles ganz friedlich ab, sobald die Kontrolle entfällt kann man die Sau rauslassen. Gleichzeitig folgen sie dem Stammesältesten, wenn beschlossen wird, dass man einfach mal jemanden lyncht, denn an ihn kann man auch die eigene Verantwortung abgegeben und alle folgen wie die Lemminge.

Das haben wir doch bei uns auch schon. Man schafft es durch Erziehung und Indoktrination, dass jeder so frei nach Belieben aufführen kann wie er lustig ist, so dass sich jeder einzelne schon als schützenswerte Minderheit darstellen kann, wobei man Kameras aufstellt und Menschen zu Denunziation anstiftet, damit durch diese Kontrolle auch ja keiner wagt, die von oben vorgegebenen Regeln zu übertreten. Gleichzeitig kann man eine hirnlose Masse, die vor lauter Kontrolle, gar nicht mehr selbst überlegen muss, was falsch oder richtig ist, wie Lemminge auf die Straße treiben, um gegen jeden Abtrünnigen Gesicht zu zeigen. Früher hat man uns Regeln aufgezwungen, die vor allem auch die Obrigkeit schützte, wie die blinde Ehrfurcht vor staatlichen Institutionen und der Kirche. Von denen haben wir uns soweit befreit, dass man sich dann nur mehr an das gehalten hat, wo man wusste, dass alle was davon haben. Das waren in meinen Augen die Jahre zwischen 1980 und 1990. Ganz banal, dass sich jeder alle Freiheiten nahm, solange die Freiheit des anderen nicht eingeschränkt wurde. Das war ungeschriebenes Gesetz. Durch die Identitätspolitik darf sich jetzt jede vermeintliche Minderheit jegliche Freiheit zu Lasten der Mehrheit herausnehmen, bei der man nicht nur das Übertreten der gewöhnlichen Regeln stärker verfolgt, sondern ihnen auch noch eine bestimmte politische Haltung aufnötigt, die es einzuhalten gilt.

Unsere westliche Kultur hat es über Jahrhunderte geschafft, dass sich Regeln des Zusammenlebens etablieren konnten, die von Millionen von Menschen ohne Kontrolle eingehalten wurden, weil jedem klar war, dass sie für jeden nützlich sind. Den Zenit haben wir längst überschritten und die zusätzlichen Neubürger aus kulturfremden Regionen beschleunigen nur den Niedergang, der längst eingesetzt hat. Wir entwickeln uns zu einer Gesellschaft, wo sich jeder selbst der nächste ist und nur mehr gröbsten Verstöße durch entsprechende Kontrollen und staatliche Eingriffe unterbunden werden. Und die Bürger wollen das, weil sie sich dadurch wenigstens etwas mehr Sicherheit versprechen. Dabei vergessen sie, dass die Politik der Verursacher der heutigen Zustände ist und die „Hardware“ nicht nur dazu genutzt wird, dass wir auch in Zukunft einigermaßen friedlich zusammenleben können, sondern auch dazu, die Bürger zu einem gewünschten (politischen) Verhalten zu nötigen und das auch zu kontrollieren.

 

 

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2 Gedanken zu “Im Namen der Freiheit in den Kontrollstaat.

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