Karriere eines Kampfbegriffes.

Ich kann mich noch erinnern, als man an einem Montag endlich darauf verzichtet hat, der AfD das Wort „rechtspopulistisch“ voranzustellen. Ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich denke, dass der Begriff ebenso gleichgeschaltet flächendeckend über alle Medien eingeführt wurde, dass alle das Gefühl hatten, er wäre immer schon da gewesen. Einen Begriff einzuführen, dem nur eine schwammige Definition zugrunde liegt, muss auf irgendwelche Sprachakrobaten mit PR-Beratung zurückgehen. Man darf bei so einem Begriff auch nicht den Klang dieses Wortes unterschätzen, denn vor allem beim Wort „Rechtspopulismus“ kann man gleich sechs scharfe Konsonanten herauspressen, wo dann jeder wie bei einem forschen „zurücktreten bitte“ sofort auf hab Acht steht. Doch wie bei einer, die wegen einer Spinne jedes Mal einen hysterischen Anfall bekommt, rennt man vielleicht die ersten Male noch ins Zimmer, bis es nach dem hundertsten Mal höchstens noch nervt.

Am Anfang hieß es dann immer, Populisten hätten nur einfache Antworten, bis dann der eine oder andere doch mal gegoogelt hat, was der Begriff eigentlich bedeutet, der da so inflationär eingesetzt wird, und was die anderen Parteien so als Lösung für unsere Probleme anbieten.

Wer es getan hat, der wird feststellen, dass vor allem die SPD in Bayern gerade die ganze Litanei des Populismus direkt von Wikipedia übernommen hat: Soziale Gerechtigkeit, Gleichheit Umverteilung. Und weil diese schwammigen Allerweltsbegriffe noch nicht reichen, hat die Kohnen gleich noch mit „Haltung“ und „Anstand“ plakatiert.  Warum nicht gleich mit „Wir! Die Welt! SPD!“

Nun ist es ja zu blöd, dass man bei den populistischen Wahlprogrammen nicht so ins Detail gehen kann, weil die ja auch nicht auf den Kopf gefallen sind, und sich die Merkel auch zwangsläufig mit Kurz und Orban abgeben muss, ohne dass sie dabei eine zitronensaure Miene aufsetzen darf. Und wenn ein Populist wie Kurz oder Orban seine Lösungen zur Migrationskrise zum besten geben darf, dann könnten einige merken, dass unsere Elitepolitiker außer Humanitätsgefasel nicht allzu viel zuwege bringen. Unsere Blockparteien haben inzwischen den ganzen Populismus abgearbeitet und zeigen immer noch auf die vermeintlichen Populisten. Denn

Populismus ist häufig geprägt von der Ablehnung von Machteliten und Institutionen,

Na, die können sich schlecht selbst ablehnen und bei der Ablehnung von Institutionen, die den Laden noch einigermaßen am Laufen halten, sind sie ja Weltmeister. Da will man dem Chef der Bundespolizei Dieter Romann eine Klage anhängen, weil er einen Mörder, der untertauchen wollte, im Ausland abgegriffen und zurückgeführt hat. Da muss jeder Polizist, der einen Migranten nicht mit Samthandschuhen anfasst, nachdem er von dem beleidigt, angespuckt und getreten wurde, mit einem Verfahren rechnen.  Gerichte, Strafverfolgungs- und bald auch die Verfassungsschutzbehörden werden nur solange abgelehnt, solange sie nicht auf der links-grünen Linie sind.

Anti-Intellektualismus,

Wenn die Linken den nicht betreiben würden, dann gäbe es deren Wähler gar nicht. Das beschissenste Schulsystem, die schwächsten Schüler kommen immer aus rot-grün-regierten Bundesländern. Und damit niemand merkt, dass man von Hohlköpfen regiert wird, fährt man sogar ein funktionierendes Schulsystem wie in Baden-Württemberg an die Wand.

einem scheinbar unpolitischen Auftreten,

Ich habe im Konzentrationslager schon Schüler gesehen die unbefangen Selfies vor dem Verbrennungsofen gemacht haben. Das SPD-Grinsebild zum Trauermarsch in Chemnitz ist niveaumäßig etwa vom gleichen Kaliber. Als Politiker sollte man schon wissen, wo man angemessen auftreten sollte, wenn um Opfer getrauert wird, und führt sich nicht auf wie an der Strandbar auf Ibiza.

Berufung auf den „gesunden Menschenverstand

Keine Gefahr bei unseren Blockparteien. Bei denen führt sogar Nichthandeln zu einem besseren Ergebnis.

 Stimme des Volkes

Volk? Wer?

Polarisierung,

Sichert zusammen bisher zusammen mit den Medien ihr Überleben.

Personalisierung

Wie groß muss die Personalisierung in Deutschland fortgeschritten sein, wenn sich alle auf Merkel berufen, wenn der Rest mal zu einem Thema Stellung beziehen muss. Bei der dünnen Personaldecke in allen Parteien, kann die größte Gefahr höchstens noch durch die größte Peinlichkeit abgelöst werden.

Moralisierung und Argumenten ad populum oder ad hominem

Ist zwar legitim, wenn man aber mit Dieseleinspritzmotor, CO2-Sensitivität und Target-II-Salden nichts anfangen kann, dann sollte man als Ersatz nicht von Humanität und Weltenrettung faseln. Die nächsten beiden Begriffe sollte man sich genauer ansehen:

Argumentum ad populum (lateinisch) argumentum ad populum ‚Beweisrede für das Volk‘) bezeichnet eine rhetorische Taktik, bei der etwas als wahr behauptet wird, weil es der Meinung einer relevanten Mehrheit von Personen, z. B. der öffentlichen Meinung, entspreche.[1] Es ist eine Sonderform des Autoritätsarguments, bei dem eine Mehrheit als Autorität angeführt wird.

Ja, die sichtbare Mehrheit rekrutiert sich inzwischen aus bezahlen Demonstranten, staatlich gepamperten Verbänden und dem unproduktiven Teil der Gesellschaft, deshalb müssen die das mit der Mehrheit immer dazu sagen, „Wir sind mehr!“ Das betet die Kohnen in Bayern schon im Rosenkranz, denn rechnet man die Nichtwähler ein, dann kommt sie mit den Parteibuchträgern aus der Weimarer Zeit nicht mal mehr über 5%.

Unter einem argumentum ad hominem (lateinisch „Beweisrede zum Menschen“) wird ein Scheinargument verstanden, in dem die Position oder These eines Streitgegners durch Angriff auf dessen persönliche Umstände oder Eigenschaften angefochten wird.

Heute muss ihr Urgroßvater nicht mehr bei der NSDAP gewesen sein, heute reicht es aus Sachsen zu kommen.

Wie gezeigt, sind unsere Einheitsparteien nur gaaaanz, gaaaanz wenig populistisch, schließlich lehnen sie die Machteliten in keiner Weise ab und mit dem Volk haben sie ohnehin nichts mehr zu tun. Den Rest lassen wir mal unter den Tisch fallen. Man kann sich sicher nicht wünschen, dass über alles in direkter Demokratie nach Volkes Wille abgestimmt wird. Ob das Ergebnis wirklich schlechter wäre, als wenn kompetenzbefreite Parteisoldaten unsere Welt am Reißbrett entwerfen, wage ich zu bezweifeln.

 

 

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3 Gedanken zu “Karriere eines Kampfbegriffes.

  1. Bei denen führt sogar Nichthandeln zu einem besseren Ergebnis.

    Auch immer geil, „Hilfe, wir werden gestört. Jetzt ist die Regierung nicht mehr handlungsfähig.“

    Die meisten Sachen, über die im Zusammenhang mit „Populismus“ hergezogen haben, sind die Grundpfeiler der Demokratie. Ich denke, dass sich die Eliten langsam wirklich selbst „entzaubert“ haben.

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