Ronja von Rönne: Botschafterin des Nichts.

Sucht man nach weiblichen Kolumnisten in den großen Zeitungen, dann muss die leistungslose Frauenquote auch hier voll durchgeschlagen haben. Margarete Stokowski ist ein gutes Beispiel für eine, an deren Beiträge sich auch Männer mit Halbwissen hochziehen können, wenn sie nur halbwegs geradeaus denken. Wenn man sich nun eine zweite Ikone aus diesem Lager ansieht nämlich Ronja von Rönne, dann bleibt man erstmal ratlos zurück, wenn man einige ihrer Kolumnenbeiträge in der ZEIT liest. Nach zehn Artikeln und einem Kurzvortrag auf ihrer Seite fand ich inhaltlich einfach nichts, wo man dagegen argumentieren oder zustimmen könnte. Jeder Buchstabensetzkasten, den man auf den Kopf stellt und kräftig schüttelt, gäbe im Ergebnis mehr her. Da die aber ganze Sätze schreibt, für die sogar jemand bezahlt, kann man das nicht so einfach abtun. Zum Glück gibt es die Beiträge auch als Buch und da fallen die Kritiken fast je zur Hälfte in einen Stern und fünf Sterne auseinander. Die Mehrheit der Ein-Sterner liest sich in etwa so:

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1,0 von 5 SternenArmes Deutschland!

VonM. E.am 7. März 2017

Format: Broschiert

Was soll das? Das hast nicht einmal du verdient. Langweilige „Textchen“ unter Oberstufen-Niveau, die zwanghaft „unterhalten“ wollen, völlig schematisch, immer gleich. Das Niveau ist derart flach, dass bereits Momente mittelmäßiger Intelligenz erlösend (bzw: „brillant“) wirken. Schlechter Indie-Pop in Buchstaben!

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1,0 von 5 SternenSpätpubertär

VonNein90am 24. Februar 2017

Format: Kindle Edition

Es liest sich wie Julia Engelmann in Frustriert mit schlechter Laune und in Pseudointellektuell. Oberflächlich, aber auf Tiefgründig gemacht und eher wie ein langer Poetry-Slam Text oder Facebook-Post eines Bekannten, der sich echt wichtig vorkommt. Die 25-jährige Autorin steckt in einer spätpubertären Trotzphase fest und ist eher ca. 15. Auf dem Kindle schnell gelesen und ein paar ganz nette Sätze, aber verzichtbar. (…) Guilty Pleasure Trash. 1.5 Sterne.

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Und die Mehrheit der Fünf-Sterner in etwa so:

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wer Ronja liebt…

Vonsturmkindam 7. Dezember 2017

Format: BroschiertVerifizierter Kauf

…der hat eine herrliche Freude an diesem Buch 🙂 Mit ihrer spritzig-verstörten, humor- und liebevollen Rhetorik versprüht sie beim Leser ein angenehmes Jauchzen in der Bauchgegend. Geschichten, die man so manchmal selbst schon erlebt hat, es einem überhaupt nicht bewusst geworden ist. Mit diesem ollen Schinken wird sich das ändern 😉

Scharfsinnig beobachtet, pointiert geschrieben

VonAmazon Kundeam 14. August 2017

Aus der Sicht eines Millenials, um die es ja in diesem Buch auch geht: Tolles Buch. Einige Texte kennt man vielleicht schon von Facebook oder Sudelheft oder dem Print-Bereich aber auch die Zusammenstellung gefällt. Dank einer Lesung liegt mein Exemplar sogar mit Widmung zuhause, der krakelige Satz auf der ersten Seite rundet das Erlebnis ab.

Von mir volle 5/5 mit billigem Netto-Schnaps gefüllte Ikeagläser („Bedrünkdich“, 4,99€/Stk UVP) und noch eine Katze dazu. Zum Streicheln für einsame Abende an denen man dieses Buch liest.

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Und da wurde mir auch klar, warum die bei der Gruppe der Millennials so gut ankommt. Die finden sich genau darin wieder, worüber sie schreibt. Manchmal bekommt man das Gefühl, sie wäre eine Art Kunstfigur, denn um dermaßen Klischee zu sein, müsste man sie glatt erfinden. Die ist wie eine Figur aus den Daily-Soaps, wo jedem jungen Zuseher vorgegaukelt wird, man näht drei nette Kleider für die Verwandtschaft und nächste Woche dann schon für Gucci, obwohl man den Tag mit Aneinanderreihungen von Flachheiten verbringt. Rönne schreibt über die Belanglosigkeiten ihres Lebens und sie muss ziemlich einsam sein, weil sie immer Beispiel von Personen und Situationen bringt, die sind dermaßen abwegig, als wäre sie nie in Kontakt mit echten Menschen:

Zufriedenheit ist das gesunde Glück, selbst gezüchtete Avocadopflanzen, ein guter Tropfen Wein, den man „Vino“ nennt, und keinerlei Ansprüche darüber hinaus. Zufriedenheit stellt keine existenziellen Fragen, sondern lächelt und betreibt ein Mama-Blog

Oder

Wenn die beste Freundin von dem crazy Bondage-Sex mit ihrem Tinderdate (einem süßen Dobermannzüchter aus Bobenheim-Roxheim) erzählt, muss man das eigene öde Sexleben (gestern mal wieder einen Porno angemacht, die Handlung nicht kapiert und dann lieber Pringles mit Currywurstgeschmack gegessen) nicht mehr rechtfertigen, sondern einfach nur sagen: „Wie schön für dich, ich bin ja demisexuell, für mich wär das also nichts.“

Zudem zelebriert sie eine völlige Antriebslosigkeit, die in einem Kurzvortrag mündet mit dem Titel „Wer aufgibt, der darf ausschlafen“ Sie propagiert Ziellosigkeit als Ziel, für die man als Belohnung sinnloses Rumhängen bekommt. Sie begründet es durch alle ihre Beiträge damit, dass man zur Zufriedenheit „nix“ braucht und man ohnehin nur Belanglosigkeiten wie einem schönen Auto nachjagt. In einem Artikel scheint es, als wäre sie sogar des Schreibens überdrüssig. Es reicht einfaches Rumhängen und sich über die Welt da draußen Gedanken zu machen. Sie schreibt über das Gefühl des Neids oder über Komplimente. Dort meint sie, dass manche Komplimente heute gefährlich wären. Man erwartet, dass sie der Sache nach dem „Warum“ systematisch auf den Grund ginge, doch sie bringt dagegen völlig abwegige Situationen, die dann in einen völlig sinnentleerten Schluss gipfeln:

Manchmal reicht schon ein „Ich wollte nur kurz sagen, wie sehr ich mich freue, dass du meine Kollegin geworden bist und nicht die, die vor Meetings immer Knoblauch-Smoothies trinkt“. Das mag ab und zu schiefgehen und anfangs seltsam sein. Manchmal plant man eine Lasagne, und am Ende wirft man doch nur mit Ketchupnudeln. Aber selbst dann ist das Leben ohne Pasta eigentlich nicht lebenswert. Ohne Komplimente auch nicht.

Da bleibt man ratlos zurück, wenn man sich in solchen Sätzen wiederfindet oder wenn das jemand für originell hält. Doch sie spricht genau das Lebensgefühl der Millennials an. Da werden völlige Flachheiten gehypt, allein, dass man sich Gedanken über irgendwas macht, ohne Systematik oder der Neugier einer Sache auf den Grund zu gehen, weil es Anstrengung bedeutet, veredelt das eigene Leben. Alle Anstrengung ist Leid. Ich bin anders, im Sinne, mich gibt`s nicht zweimal, reicht völlig für das Selbstwertgefühl und für den Lebensinhalt aus. Sie lässt sich von nichts positiv anrühren. Sie lässt sich über Weihnachten und die eigene Familie aus, alles wertlos und anstrengend. Ganz abgesehen davon kommt nie etwas vor, woran man der Sache selbst Willen arbeiten könnte. Sport ist für sie reines bewegen müssen, dabei verschafft er sowohl ein tiefes Körpergefühl, manchmal ein Naturerlebnis oder ein ästhetisches Erlebnis. Dem Leben Sinn geben, ein Instrument zu spielen, sich von einer Sache anrühren und motivieren lassen und es als wert sehen, sich darin einzuarbeiten und darin aufzugehen sind ihr völlig fremd.  Schon das morgentliche Aufstehen ist Anstrengung genug und muss für die Welt gepostet werden. So liest sich auch ihr Lebenslauf:

Anschließend studierte sie zunächst an der Ludwig-Maximilians-Universität München Theaterwissenschaften, später auch Publizistik und Rechtswissenschaften. Später studierte sie „einen Monat lang“ Publizistik an der Universität Wien.[3] 2013 begann sie an der Universität Hildesheim das Studium Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus; sie schloss die Studiengänge nie ab.

Bei der Einstellung erwartbar. Sie kultiviert Nichtstun als erstrebenswerten Ziel und ergießt sich in Weltschmerz und Selbstmitleid.

Viel interessanter finde ich, warum man nicht schreibt. Ich kenne mich gut aus mit nicht-schreiben, ich kann ganze Tage lang nicht schreiben, ehrlich gesagt schreibe ich meistens nicht. Ich bin Experte in diesem Sachgebiet. Endlich Experte! (..)

Sehr oft schreibe ich nicht, weil es mir übel geht. Manchmal kommt ein Tag, an dem ich es schlicht nicht schaffe, aufzustehen. Und sehr oft kommt daraufhin noch so ein Tag und noch einer, manchmal geht das über Wochen, selten Monate.

Sollte ich doch mal das Bett verlassen, dann nur um Fertiggerichte zu kaufen, oder weil in irgendwelchen Ratgebern steht, man müsse mal das Haus verlassen, Bewegung sei das einzige was hilft. Also, Bewegung und Antidepressiva und Tavor. Ich kann an solchen Tagen sehr wenig, und schreiben geht meist gar nicht oder sehr schlecht. (hier)

Ja Ronja. Echt aufregend Dein Leben. Beim Öffentlich-Rechtlichen sponsern die so was im Online-Angebot funk in Form von „iam.serafina“. Wenn ich mir dieses Video von der ansehe (ab 1:00 min), dann gibt es für die nächste Stufe darunter nur noch  Kaminfeuer-hd 10 Stunden, wo ich dann mit leerem Blick und halboffenem Mund davorhocke, während mir der Sabber aus den Mundwinkeln tropft. Das Ganze aber ohne Ton, sonst wär`s zu stressig. Die Scheite brennen ohnehin schon nicht ab.

funk richtet sich an Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die ansonsten kaum oder gar nicht die Fernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender konsumieren.

Genau Deine Zielgruppe. Während die einen nur deshalb nicht ÖR-Medien schaun, weil sie zu faul sind die Fernbedienung zu suchen, lesen die anderen nur deshalb Deine Bücher, weil ihnen das Telefonbuch zu schwer ist. Da könnten sie einen Post darüber machen, welche Aufregung es war, als sie feststellten, dass da noch jemand anderes den gleichen Namen hat.

Wer liest oder schaut so was? Menschen wie Ronja. Die vollversorgten Mittelstandskinder, denen man zum 18. einen Wagen schenkt und sich dann über die Farbe beschweren. Junge Leute, die sich in Selbstmitleid ergeben, sich über die Falchheit ihres eigenen Lebens beschweren und dafür wie Ronja von Rönne leistungslos auf einen Thron gehoben werden wollen, um der ganzen Welt davon zu erzählen.

 

 

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6 Gedanken zu “Ronja von Rönne: Botschafterin des Nichts.

  1. Ich will mal zu Allem hier folgendes zitieren:

    „Kläglich sind diese unvollkommenen Genies, Titanen zwergenhaften Geistes, bei ihrer Geburt durch die Natur verstümmelt, die, in einem ihrer makabren Scherze, ihre Talentlosigkeit durch eine schöpferische Verbissenheit wettzumachen suchte, die eines Leonardo würdig wäre. Alles, was das Leben ihnen zu bieten hat, ist Gleichgültigkeit oder Spott, und alles, was man für sie tun kann, ist, ein oder zwei Stunden lang ein geduldiger Zuhörer und Teilhaber ihrer Monomanie zu sein.
    In jener Schar, die nur die eigene Dummheit vor der Verzweiflung schützt, tauchten vereinzelt andere Menschen auf – ich will sie weder näher bezeichnen noch sie verurteilen, das bleibt euch überlassen.“

    Erkennt sich jemand wieder ?

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  2. Hallo,

    seit Ihrem Debüt, warum sie der moderne Feminismus anekelt:

    https://www.welt.de/kultur/article139269797/Warum-mich-der-Feminismus-anekelt.html

    verfolge ich Ronjas Werdegang ein klein wenig, also über Twitter und so.

    Leider konnte ich keinen Text mehr von Ihr finden der ähnlich gut und gegen den Mainstream ist.

    Sie wurde für diesen Text hart angegangen, und ich denke auch wieder in die Spur gebracht (das Mädel ist Mitte 20…)

    Zu Deinem Text über sie, ich denke diese Verhaltensweise und Einstellung ist Ihrer depressiven Erkrankung zuzuschreiben welche sie auch recht offen kommuniziert.

    Das geht bis Selbstmordgedanken.

    Im Licht einer heftigen Depression ist dieses „herumliegen“ und auf nichts Lust haben gut erklärbar.

    Ich finde es persönlich sehr schade das ein so junger Mensch so heftige Depressionen hat (wenn man Ü50 ist hat man wenigstens einen Grund dazu…)

    Ob diese Depressionen auch, wenigsten teilweise, auf die von Ihnen bemerkte Einstellung und Haltung, zurückzuführen ist wäre aber auch denkbar.

    Guter Blog!

    Gruß

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  3. Wenn ich mal von der langweiligen Göre auf das Größere schließen darf….die Millenials sind die erste Generation, der es mal substanziell schlechter geht als ihren Eltern. In den 70ern und 80ern bekam noch so gut wie jeder mit mäßigem Aufwand eine vorzeigbare Berufslaufbahn. Die Generation Praktikum kennt nur Versprechungen, Wohnortswechsel, subventionierte zweifelhafte Stellen, deren Sinn sich kaum noch erschließen (wir spotten ja alle über diesen Genderscheiß), Automatisierung und ob der Laden wirtschaftlich nicht noch vor der Rente um die Ohren fliegt ist vollkommen unklar. Dem intellektuell auf den Grund zugehen, ist nicht jeder im Stande, aber die Antriebslosigkeit und Depression sind logische Folge. Es ist nicht dasselbe einfach nur ein Klo im Hof zu haben mit der Hoffnung auf Besserung oder mit schönem Bad aufgewachsen zu sein und aber nicht genau zu wissen, ob man im Alter pfandflaschensuchend sich in die Grünanlagen setzen muss.

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