Die Denunzianten mit den höheren Beweggründen.

Da hat nun also ein Bäcker die tolle Idee, Krapfen mit den Schriftzügen der im Moment wichtigsten Parteien in Bayern zu dekorieren, um die Leute ganz allgemein zur Stimmabgabe aufzurufen. Hätte er einen Lehrling im ersten Jahr, dann hätte er wohl anders entschieden, denn die Kultusministerkonferenz hat nämlich beschlossen: (Der Chef der Kultusministerkonferenz ist übrigens ehemaliges SED-Mitglied und hat in Moskau studiert).

„Elementar ist die Einsicht, dass es nicht ausreicht, sich auf den Willen einer Mehrheit zu berufen, um Demokratie als Herrschaftsform zu legitimieren. Entscheidend ist die Bindung an Menschenrechte und Menschenwürde, Gewaltenteilung und Minderheitenschutz sowie die Verfahren des Rechtsstaats, mögen diese auch mitunter langwierig und mühsam erscheinen.“

Da fehlte dem Bäcker wohl die vorauseilende Einsicht, dass er da die AfD aussparen hätte müssen. Warte nur, in ein paar Jahren trifft Dich der Protest schon bei der Schokosahne. AfD-Sympathisant oder Rassismus gegen Nega, das ist dann die Frage. Doch schon über die bisschen Krapfen empörten sich „normale“ Bürger im Internet; dass man dort nicht mehr einkaufen würde oder wie man es nur wagen könnte, auch einen Schriftzug der AfD zu setzen. Welchen Schatten müssen eigentlich solche Leute haben? Da ist einer, der um zwei Uhr nachts aufsteht und die Vitrinen voll hat mit den besten Sachen, während ich mich noch im Bett mümmle und dann hol ich mir als Ersatz die Industriesemmeln von der Tanke, weil er seinen Krapfen nicht politisch korrekt dekoriert hat. Wenn die paar, die noch Bäcker werden wollen, in der Schule erst richtig eingenordet sind, dann gibt es höchstens noch Waldmeistertorte oder Semmeln von gestern, um auf das Elend der 3. Welt aufmerksam zu machen. Sollte sich der sozialistische Würgegriff fortsetzen, dann bekommen wir ohnehin Konsum reloaded. Die Neo-Marxens müssen sich ja die Hände reiben, ob der willigen Helfer aus der Bevölkerung. Früher musste man die noch persönlich ansprechen, heute wirbt man direkt über die Medien. Das hatte sich damals nicht mal die Stasi getraut. Bei denen war nur jeder Fünfundzwanzigste informeller Mitarbeiter. Allein die Wähler von SPD, GRÜNE und LINKE machen über 18 Millionen potentielle Denuntianten, da sind also die Merkelfreunde noch gar nicht eingerechnet. Die Motive, für den Staat die Drecksarbeit zu übernehmen, Systemkritik schon in den Anfängen zu erkennen und zu melden, dürften noch immer die gleichen sein.

(Si)e waren davon überzeugt, dass die DDR das bessere, gerechtere System sei, und sahen in ihrer IM-Tätigkeit einen notwendigen Beitrag, dieses System zu stärken.

Das sind dann eher nicht die Malocher und die zwangsweise Doppelverdiener, denn die sind froh, wenn noch eine Bäckerei offen hat, wenn sie von der Arbeit nach Hause kriechen, um dieses System mitzufinanzieren. Eher sind es die, die wie damals das System professionell am Laufen gehalten haben oder wie heute wegen der richtigen Gesinnung nach oben gefallen sind (oder das noch vorhaben). Also wie damals auch nur wegen des eigenen Vorteils. Die Gruppe, die damals als IM eher selten anzutreffen war, dürfte heute die Mehrheit stellen.

Einige Menschen, besonders solche ohne feste soziale Bindungen, ließen sich auf die inoffizielle Zusammenarbeit ein, weil ihnen die Mitarbeiter/innen des MfS ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit gaben, sie scheinbar ernst nahmen und wertschätzten.

Gut. Heute müssen sie nicht mehr in der Normannenstraße klingeln, da genügt es bei Verdi, der evangelischen Kirche zu sein oder an einer Uni eingeschrieben. Wenn man dort über die Mensatische hinweg den Tagesbefehl ausgibt, dann hat das allerdings nichts mehr von einem konspirativen Treffen mit dem Führungsoffizier. Allerdings sind dann auch die angestrebte „Geborgenheit“, „Sicherheit“ und „Wertschätzung“ größer. Früher hatte man das bei Ungarnurlaub mit echten Freunden und man konnte die Möglichkeit als Regimekritiker aufzufliegen einigermaßen gering halten. Heute gibt’s schon mehr IMs als normale Bürger. Da ist es schon verdächtig, wenn „Freunde treffen“ nicht mehr zu Ihren Hobbies gehört, weil man sich verdrückt, wenn es heißt, Haltung zu zeigen, denn

Sie glaub(t)en, wenn das MfS die Blockparteien nur möglichst genau über die wirkliche Stimmung in der Bevölkerung informiert wäre, würde sich die Politik zugunsten der Bürger/innen ändern. (…) und sahen (sehen) in ihrer IM-Tätigkeit einen notwendigen Beitrag, dieses System zu stärken

Da müssen ihre Dienstherrn ganz schön ins Schwitzen kommen, wenn man sie über die wirkliche Stimmung im Volk informiert. Doch man muss sich im neuen Deutschland zum Glück nicht mehr auf die niederen Beweggründe der damaligen IMs verlassen, denn viele sehen sich inzwischen aus quasi-religiösen Gründen berufen das Gute in die Welt zu tragen, was gleichbedeutend ist mit den Regierungsprogrammen der Blockparteien und dem Kurs der christlichen Kirchen in Deutschland. Dushan Wegner zeigt in seinem Artikel wie Leute, denen man durchaus Verstand zutraut, auf Seminaren ihre persönliche Erleuchtung suchen und ihre Erfahrungen auf die ganze Welt übertragen. Verbittert über die Ungläubigen murmeln sie kopfschüttelnd „dieser Hass, diese Hetze“ und warum sollte man nicht ein Zeichen setzen, diejenigen an den Pranger zu stellen, die partout den schleichenden Sozialismus nicht als Bereicherung empfinden wollen. Ich denke, dass der Pranger der AfD für Lehrer, die ihre Schüler allzu stark mit dem Regierungsfutter indokrinieren, nicht aus den oben genannten Gründen eingerichtet wurde. Es ist nichts anderes als eine Retourkutsche, um wieder in den Medien präsent zu sein. Gleichzeitig könnten sich ja einige dadurch wirklich mal dafür interessieren, was in manchen Schulen unter politischer Bildung läuft.

Im Grunde sind diejenigen Gutmenschen, deren Vision von der besseren Welt den Titelblatt des „Leuchtturms“ ähnelt, für rationale Argumente gar nicht zugänglich. Eigentlich egal, solange sie nicht die Gelegenheit bekommen, die Welt in ihrem Sinne von oben umzugestalten. Allerdings bemerkt Wegener ganz richtig:

Was kreuzen solche Bürger wohl im Wahllokal an? Die Idee der Demokratie setzt voraus, dass der Großteil der Bürger seine Wahlentscheidung vernünftig, logisch und in Verantwortung vor der Zukunft trifft. Wie vernünftig ist die Wahlentscheidung eines Menschen, der Geld für eine »Reise durch unser Energiesystem« auf der Suche nach dem »dritten Auge« bezahlt?

Eben kam in der Tagesschau ein Demonstrationsteilnehmer von #unteilbar mit einer Aussage, die wirklich dazu passt:

Ich kämpfe gegen Rassismus und dagegen, dass Leute hier bedrängt werden, die hier in Freiheit und Recht leben wollen.

Wer könnte das nicht gutheißen und man kann durchaus die Vision haben, dass sich alle am Ende lieb haben. Leider machen es Länder wie Frankreich und Schweden vor, wohin diese Art der Politik führt.. Dummerweise nehmen sich eben viele Neuankömmlinge auch hier Rechte und Freiheiten heraus, die die Freiheit und körperliche Unversehrtheit der Deutschen bedrohen. Wenn man deren Sorgen nicht ernst nimmt und alles als Einzelfälle abtut, dann kriechen auch die Rassisten wieder aus ihren Löchern.

Die darf man auch ruhig an den Pranger stellen. Wer aber jeden denunziert und ebenfalls an den Pranger stellt, der es wagt, Argumente zu bringen, dass die sozialistische Umgestaltung der Welt mit offenen Grenzen und Umverteilung eben nicht ins Paradies, sondern in die Hölle führt, hätte genauso gut in der DDR als IM anheuern können. Und heute wie damals freut sich die Regierung, dass die Deutschen so gute Untertanen sind, dass sich unter ihnen auch immer wieder genügend Freiwillige finden, die die „Staatsfeinde“ denunzieren.

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9 Gedanken zu “Die Denunzianten mit den höheren Beweggründen.

  1. Auch so eine Sache: Ich wäre in meinem ganzen Leben nicht auf eine Demo gegangen, die von Regierungsmitgliedern erwünscht ist. Der ganze Witz von einer Demo ist, dass man GEGEN die aktuellen Machteliten was ansprechen will. Das ist der ganze WITZ! Alles andere hat auch Russland, Syrien, Iran usw. Pro-Mullah-Demo, Pro-Assad-Demo, Pro-Putin-Demo…Wären die grünen weltoffener, könnten die eigentlich den ganzen Tag demonstrieren.

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    1. Von dieser Hopkins können wirklich staatliche Interviewer etwas lernen. Lieber positioniert sich dieser klar, als eine legitime Position unter vielen, anstatt eine Pseudo-Neutralität vorzugaukeln, wo dann in eine bestimmte Richtung gestichelt wird. Wirklich angenehm.

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      1. Ich hab noch nicht mal was gegen kommunistische Journalisten, wenn sie sich denn wenigstens bekennen. Die Leute sind zurecht wütend auf ARD oder CNN, die ständig „neutral“ tun und Meinungen als Fakten präsentieren.

        Eigentlich lebt ein Blog davon, freier seine Bewertungen sagen zu können als Journalisten. Ich hab bei miri aber festgestellt, dass ich manchmal mehr so klinge wie eine Nachrichtenagentur klingen sollte als eine Nachrichtenagentur.

        Was den meisten linken Journalisten nicht einleuchtet ist, dass man halt Spekulationen und Bewertungen als solche KENNTLICH machen muss.

        Katie ist großartig. Und hat ein gewaltiges Arbeitstempo. SIe hat auch Michael Stürzenberger schon interviewt, der seine Verurteilung zur halbjährigen Haftstrafe in der Revision abwenden konnte.

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  2. „Sonderlinge und Originale braucht man bekanntlich nicht zu säen, sie keimen seit je von selbst. […] Sie verkündeten Thesen, die sich weder mit dem gesunden Menschenverstand noch mit der herrschenden Meinung vereinbaren ließen.“

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