Heribert Prantl zur Hessenwahl.

Mit seinem Kommentar zur Hessenwahl zeigt Heribert Prantl sein ganzes Können.

Einen Plural von Zeitgeist gibt es laut Duden in der deutschen Sprache nicht. In Bayern, in Hessen, in der politischen Realität ist das anders. Es gibt derzeit zwei Zeitgeiste, einen Zeitgeist I und einen Zeitgeist II, die sich an Wahltagen materialisieren. Zeitgeist I ist schon länger bei der AfD zu Hause, Zeitgeist II wohnt neuerdings bei den Grünen.

Zeitgeist I ist nationalistisch, fremdenfeindlich und europafeindlich; er ist dem autoritären Denken zugeneigt und hat manchmal braune Tupfen.

Da hat der Heribert wohl in seinen alten Exemplaren seines nichtverkauften Alpenschund geblättert und geschaut, was er damals über die AfD geschrieben hat. Schön langsam, kann er es ja auswendig runtersagen. Die AfD ist so nationalistisch und fremdenfeindlich, dass sie den anderen Ländern das auch zugesteht, die verstanden haben, dass das antidemokratische EU-Sowjetkonstrukt eben nicht das Europa der vielfältigen Kulturen ist. Ungarn ist so fremdenfeindlich, dass sie alle willkommen heißen, die diesem Joch entfliehen wollen. Und Heribert, ich glaube, dass es die AfD auch in 20 Jahren nicht schafft, so autoritär zu regieren wie Merkel, schließlich braucht es wichtige Blätter wie das Deine, die ihr auch bei dem größten Mist noch die Stange halten.

Zeitgeist II ist europafreundlich, liberal und ökologisch; er ist grundrechtsbewusst auch dann, wenn es um Minderheiten geht. (…)  Zeitgeist II propagiert Aufgeschlossenheit und Öffnung. Der Zeitgeist I und der Zeitgeist II stehen für die gespaltene Mentalität des Zeitalters.

Was für eine originelle Einleitung. Da sind wir schon ganz gespannt, welche Parteien des Zeitgeistes damit noch gemeint ist. Zeitgeist I war mir bei den braunen Tupfen schon klar- übrigens eine tolle Metapher. Jetzt habe ich eigentlich bei Zeitgeist II an die Grünen gedacht, aber die sind ja EU-freundlich und nicht europafreundlich, liberal beißt sich einfach mit ihrem Hang alles mit Verboten zu regeln und ökologisches Planieren von Märchenwäldern zwecks Windkraftanlagen und ökologisches Schreddern kenn´ ich jetzt auch nicht so wirklich.

Die beiden unterscheiden sich durch unterschiedliche Lebenshaltungen und durch eine gespaltene Denk- und Fühlweise, so schreibst Du. Hättest Du jetzt geschrieben, dass eine Partei eine Denkweise und die andere eine Fühlweise hat, wäre ich gleich auf die Grünen gekommen. Die AfD hat ja die Denkweise, dass sich Politik an der Realität orientieren soll und nicht an fernen Visionen, für die man erst durch die Hölle gehen muss. Nun hat mich aber meine Bäckereifachverkäuferin, wo ich immer die Brezen hole, auf die richtige Spur gebracht. Da liegt immer ein Stapel BILD aus, letztmals mit dem Habeck vorne drauf. Da hab ich sie ihr vor die Nase gehalten und gefragt: „Is er ned a scheena Mo?!“ Da hat sie gesagt: „Schee is a scho!“ (stimmt wirklich, dass sie das gesagt hat) Und das, obwohl sie die GRÜNEN überhaupt nicht mag. Da war für mich klar, warum vor allem die Weiber jetzt die Grünen wählen. Die haben jetzt einen, der nicht so versoffen ausschaut wie der Bouffier oder ein Windspiel ist wie der Maas, sondern einen, der auch für Unterhosen modeln könnte. Weil die Grün-Wählerinnen sind ja nach einer Studie eher unpolitisch, auch wenn es ums Wählen geht. Dabei heiraten sie, wenn´s ums Heiraten geht, den Schönen auch erst, wenn er eine fette Brieftasche hat, mit der er sie aushalten kann. Die Nur-Schönen sind ja zum Spaßhaben. In der Politik sollte man aber keinen zum Spaß wählen, bloß weil er photogen rüberkommt. Die Männer sagen bei der Katharina Schulze ja auch nicht: „Zum vögeln taugt´s schon“ und wählen sie dann.

Dann ist Dir wie jedem aufgefallen, dass man die anderen Parteien nicht mal mehr unterscheiden könnte, sogar die Mauermörder fügen sich nahtlos ein, obwohl Du das nicht explizit geschrieben hast. Macht nichts. Den Schulz hast Du damals auch gehypt, obwohl sich die anderen Parteien sofort mächtig über diese Fehlbesetzung gefreut haben. Da kriegt das Wort „Nachrichten“ für Dein Blatt gleich die richtige Bedeutung. Irgendwann muss sich auch die Süddeutsche nach der Realität richten. Dauert aber immer etwas. Nachdem seit der Gründung der AfD alle ausdrücklich gesagt haben, dass sie nie niemals mit der AfD koalieren würden, ist Dir aufgefallen, die Grünen eine ganz andere Machtoption haben, weil mit denen jeder will. Und dann ist Dir aufgefallen, dass in Hessen CDU und SPD immer die gleichen Leute aufbieten. Da ist es dann für die Wähler egal, wenn das Land nach Umfragen (vorhin in der ARD) hervorragend dasteht. Vor allem Frauen wollen dann auch mal einen anderen sehen, wenn sie zum Anschauen der Tagesschau genötigt werden. Da kann man dann im Gegensatz zu Germanys Next Topmodel mal selber wählen, wer weiterkommt. Und streiten tut der auch nicht wie die anderen, so schreibst Du. Und dann hast Du einen lichten Moment:

Der Zeitgeist ist ein Rauschmittel, und das Erwachen kann so böse sein wie bei jedem Rausch.

Stimmt, denn, wenn die ganzen Zugereisten ins Wohlfühlviertel drängen und meinen, dass sie jetzt so lange hier sind, dass sie Anspruch auf deren SUV haben und das Glockengebimmel lange genug angehört haben, dann hilft dagegen auch nicht, wenn der Habeck seinen schönen Arsch am Fernsehen herzeigt. Der Heribert nennt das „wetterwendisch“ und nennst es „gerecht“, wenn man irgendwann für seine Wahl geradestehen muss.

Der Zeitgeist ist ein Rauschmittel, und das Erwachen kann so böse sein wie bei jedem Rausch.

Bist Du innerlich etwa schon zu der Erkenntnis gekommen, Heribert, dass europafreundlich, liberal und ökologisch nur ein leeres Label sind, für eine zutiefst intolerante, selbstgewisse und faschistische Partei? Die AfD mit ihren grade mal 12%, mit der eh keiner will, kannst Du ja nicht gemeint haben.

Ja, Herry. Das ist der Zeitgeist bei den Journalisten, wenn die Realität auch bei Euch durchschlägt. Mit diesem Kommentar kannst Du später sagen, Du hättest es schon immer gewusst, dass wir die irrationale grüne Politik irgendwann ausbaden müssen. Zum Glück hast Du in Deinem Blatt, die Leser so hingetrimmt, dass sie alle nach rechts schau´n, sodass auch das Gegenteil richtig sein kann, ohne dass es einer merkt. Egal, was passiert, Du kannst immer auf dieses Geschreibsel verweisen, Du hättest es immer schon gewusst, dass es so kommen würde. Nachdem ja die Süddeutsche bei den Verkaufszahlen auch im Sinkflug ist, kannst Du es Deinen Lesern dann vielleicht sogar persönlich sagen.

Übrigens kommt dann noch ein Gebrabbel über Nahles und so, kann man sich aber sparen.

5 Gedanken zu “Heribert Prantl zur Hessenwahl.

  1. Ach wissen Sie, Frauen, die einen dicken Geldbeutel heiraten und der muss nicht einmal attraktiv sein, gibt es auch in Ihren Reihen, denken Sie nur an die von Ihren geschätzte… Und wer kann es den Frauen verübeln. Die Biologie gibt es vor: Finde den Partner, der das Überleben deiner Nachkommenschaft bestmöglich sichert. Das ist kein Privileg der Grün-Wählerinnen.

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