Syriengipfel: Zwischen Größenwahn und Unterwerfung.

In der vergangenen Woche fand ein Syriengipfel in Ankara statt mit Frankreich, Deutschland, Russland und der Türkei, um über die Zukunft Syriens zu beraten. Dass sich Länder absprechen wie die Zukunft eines souveränen Landes aussehen soll, finde ich eine ziemliche Anmaßung. Nach der Aussage des Föderationsmitgliedes Alexej Puschkow waren die Europäer nun mehrere Jahre nicht im Nahen Osten präsent und müssen sich nun entscheiden, ob sie Russland, die Türkei und den Iran alleine darüber bestimmen lassen. Mit Macron, Merkel und Putin führte Erdogan Einzelgespräche. Nach einer gemeinsamen Erklärung wollen sie eine bessere Koordinierung der Konfliktparteien erreichen. Sie setzen sich für eine freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge ein und nachdem die Infrastruktur zerstört wurde, braucht es die Koordinierung der UN, um für ausreichende Wasser-, Strom- und Gesundheitsdienste zu sorgen. Sie lehnen alle jede Agenda ab, die die Souveränität und Integrität Syriens untergraben könnte. Natürlich geht es auch darum eine Verfassung auszuarbeiten, wobei die Diaspora-Gruppen auch beteiligt sind.

Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen, aber die ganze Heuchlerei lebt davon, dass die meisten Leute zu vergesslich und zu uninformiert sind, um dieses Spiel zu durchschauen. Syrien war eines der sichersten Länder des Nahen Osten, wo alle Religionsgruppen friedlich zusammenlebten, bis sich der Westen unter Obama dazu entschloss, dass die Karawane vom zerstörten Libyen jetzt weiterziehen sollte. Dazu wurde die ganze Propagandamaschine gegen Assad angeworfen, der angeblich Krieg gegen das eigene Volk führt, Waffen ins Land gebracht und verschiedenste terroristische Gruppen als Proxykrieger damit ausgestattet. Wie der Krieg eskalierte, habe ich in Anlehnung an das Buch von Tim Anderson, Der schmutzige Krieg gegen Syrien bereits hier getan. Nun hat Trump die Unterstützung für die beendet und als Dank darf er jetzt bei den Verhandlungen über Syrien nicht mal am Katzentisch platznehmen. An der Seite Obamas wollten die Europäer das Land mitfiletieren und durch die Abwanderung der Bevölkerung ausbluten lassen. Nein, sie haben eigentlich nicht gekämpft, sondern fleißig dafür gesorgt, dass deutsche Waffen über Saudi-Arabien ins Land gepumpt werden. Daneben durften dann deutsche und französische Flugzeuge ein bisschen Staffage spielen, während Obama wie schon im Iran-Irak-Krieg alle Konfliktparteien mit Waffen versorgte, um die Lage entsprechend eskalieren zu lassen, ohne dabei eigene Soldaten im „angeblichen Krieg gegen den Terror“ zu opfern. Die Europäer wollten mit den USA Assad bei Seite räumen, Russland als Verbündeten Syriens düpieren und ihm den weiteren Zugang zum Mittelmeer verwehren und darüber hinaus eine willige Marionette an die Spitze des Landes setzen, um dort wieder präsent zu sein. Ja, Gaddafi und Assad haben gegen das eigene Volk gekämpft. Aber man hätte dazusagen sollen, dass es vor allem die von den Briten geförderte Muslimbruderschaft war/ist, mit der man immer versuchte, jede nationale Identität arabischer Länder zu unterbinden. Jedes Land, wo man diesen radikalen Anhängern des Islam nur einen Fuß breit lässt, ist ein Land auf Dauer verloren und das haben beide Staatsmänner gewusst. Nun hat Russland aber den Europäern und den USA gezeigt, wo der Hammer hängt, so dass vor allem die Europäer nix von der Beute bekommen.

Nun versuchen sie auf und hinter dem diplomatischen Weg trotzdem noch Einfluss zu gewinnen. Da trifft man sich mit Erdogan zu persönlichen Gesprächen und die medial gleichgeschalteten Zuschauer und Leser finden das bestimmt ganz ehrenhaft, dass man jetzt mit der Erklärung zeigt wie viele Sorgen man sich um Syrien macht. Man versucht den Syrern eine neue Verfassung aufs Auge zu drücken und lässt nicht mal zu, dass sich das Land selbst reformiert, wozu Assad auch bereit ist und unter Russlands Einfluss sogar gezwungen. Da wüsste ich ja zu gern, wer da hinter den Diaspora-Syrern steckt. Der Westen hat diese Land mit seinen Proxykriegern ins Mittelalter zurückgebomt, die Infrastruktur und wertvollste Kulturgüter zerstört und die Menschen in die Flucht getrieben (wie war das, mit Fluchtursachen bekämpfen?). Immer wieder hat man den Kampf der syrischen Soldaten gegen den IS mit angeblichen Giftgasangriffen diskreditiert und jetzt sollen die Syrer so blöd sein, sich genau von den Urhebern ihre Zukunft diktieren zu lassen. Wenn die UN sich in den Wiederaufbau der Infrastruktur einmischt, dann springen sicher lukrative Aufträge für europäische Firmen heraus wie schon damals nach dem Jugoslawienkrieg, wo man die heimische Konkurrenz einfach weggebomt hat, anstatt Syrien von den unsäglichen Sanktionen zu befreien, damit sie ihr Land selbst wieder aufbauen können. Damit die Europäer ein Fuß in die Tür bekommen, müssen sie sich natürlich mit Erdogan einig werden und das, was sie hier treiben, widerspricht sofort ihrer gemeinsamen Agenda. Ist ja zu blöd, dass man die ganzen Terroristen bis an die Türkische Grenze getrieben hat, sozusagen das Druckmittel Erdogans, denn in der Türkei dürften sie kaum Schaden anrichten, kann sie aber jederzeit aktiv nach Europa schleusen. Bisher hat er sie gegen Kohle zurückgehalten und deutsche Firmen investieren fleißig in türkische Infrastruktur. Einen Tag nach der Erklärung wurde sofort deutlich, wohin jetzt die Reise geht.

As a new AFP report finds in the northwest Syrian town of Azaz: „From Turkish-language classes for Syrian children to the state-owned Turk Telekom company erecting its first cell towers on Syrian soil, Ankara’s role in the rebel-held region around Azaz has been expanding.“

And on Sunday amidst a continuing slow onslaught of pro-Turkish forces, the Associated Press reported:

The Turkish army shelled on Sunday positions held by the U.S.-backed Kurdish fighters in northeastern Syria, east of the Euphrates River, in a new spike in tension along the borders.

Die Türken richten sich also im Norden Syriens schon häuslich ein und schrecken auch nicht davor zurück, auf die von den USA unterstützen Truppen zu schießen. NATO-Mitglied schießt also auf NATO-Mitglied und alles unter den Augen und dem Wohlwollen der Europäer. Weil Trump das Gemetzel beendet hat, weil er den Terroristen eine weitere Unterstützung versagt, sollte man ihm eigentlich dankbar sein, doch weil er ihnen damit auch die erhoffte Beute versagt hat, wird er von den Europäern, allen voran von Merkel, links liegengelassen und ziehen die Türken als Partner vor. Soweit sind wir gekommen, dass man sich dafür mit den USA entzweit. Das grenzt schon an Größenwahn. Die Europäer sind nur Bittsteller, damit sie was vom Kuchen abbekommen und noch dazu nicht mit Terroristen geflutet werden. Glaubt doch keiner, dass Erdogan sich von Deutschland mit seiner Schwuchtlarmee irgendwie beeindrucken lässt, wenn er sein Einflussgebiet in Syrien ausweitet und ethnische Säuberungen vornimmt. Was war nochmal ein genannter Grund für den Krieg? Syrien verweigerte den Obama-Verbündeten Katar und Saudi-Arabien einen Durchgang mit einer Pipeline nach Europa. Syrien bevorzugte iranisches Öl. Wäre es für die Russen nicht ohnehin wünschenswert, wenn man das Öl gleich über türkisch kontrolliertes Gebiet laufen lassen würde und die Türkei zum Drehkreuz europäischer Energieversorgung machte?

Glaubt wirklich jemand, dass die Europäer ohne die Hilfe der USA auch nur einen Quadratmeter im Nahen Osten erobern könnten? Das, was man in Ankara gesehen hat, waren keine Verhandlungen auf Augenhöhe, sondern man hat den Deutschen und Franzosen die Bedingungen diktiert, um wenigstens das schlimmste zu verhindern: Die ungehinderte Ausreise der Terroristen über die Türkei nach Europa.

Manchmal fragt man sich, von wem sich Merkel beraten lässt, oder ist sie beratungsresistent und macht hier ihr eigenes Ding. Wohin der Größenwahn Deutschlands führt, wenn man nicht einen der Großmächte an seiner Seite hat, sondern die Türkei, haben zwei Weltkriege gezeigt. Die USA werden die Europäer außenpolitisch in den nächsten Jahren völlig an die Wand fahren. Nachdem Trump schon beim Merkel- und beim Maas-Besuch gezeigt hat, was er von den Deutschen hält, dürfte er ihnen den Deal mit den Türken und Russen an den USA vorbei erst recht übelnehmen.

Vielleicht hatte eine Margaret Thatcher doch Recht mit ihren Bedenken gehabt, einer deutschen Wiedervereinigung zuzustimmen, weil Deutschland wieder eine Gefahr für Europa werden könnte.

Aus den Dokumenten geht hervor, dass in Großbritannien große Unsicherheit darüber herrschte, ob ein wiedervereinigtes Deutschland zu seiner aggressiven Politik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückkehren würde.

Eine Expertengruppe, die im März 1990 zusammenkam, konnte sich nicht einig werden. Im Protokoll des Treffens ist zu lesen, „die Art wie die Deutschen derzeit ihre Ellenbogen einsetzen und ihr Gewicht in die Europäische Gemeinschaft einbringen, legt nahe, dass sich vieles nicht geändert hat“.

Merkel hat Europa bzw. die EU und das eigene Land entzweit und genau durch diese aggressive Gangart Unfrieden gestiftet. Wenn Deutschland nun wieder mehr „Verantwortung“ (Steinmeier) in der Welt übernehmen will, dann sollte es bedenken, dass es militärisch ohne die USA eine Lachnummer ist und wir uns auch immer welche zum Feind machen, die wir unbehelligt ins Land gelassen haben.

Nach diesem Ankara-Treffen stellt sich für Deutschland eigentlich nur die Frage: Dummheit oder Vorsatz?

3 Gedanken zu “Syriengipfel: Zwischen Größenwahn und Unterwerfung.

  1. Perfide wie sie Kriegsflüchtlinge mit Terroristen gleichstellen, jenen Bestien vor denen diese Menschen geflohen sind.

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    1. Alle Terroristen und deren Anhang konnten mit jeder befreiten Stadt nach Idlib abziehen. Man konnte das immer mitverfolgen. In welcher Richtung würden sie als Syrer flüchten, wenn Sie bis jetzt in Idlib geblieben wären? Was sich hier an der Grenze zur Türkei sammelt, rekrutiert sich überwiegend aus Kämpfern und deren Anhang.

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