Der Verlust des Schamgefühls.

Sieht man sich Sendungen oder Internetseiten für Kinder an bis hinauf zu den Portalen für den ewig Pubertierenden, dann fällt auf, dass hier ein Weltbild verkauft wird, gegen das es vor allem aus den Reihen der ab 40-jährigen Widerstand gibt. Sei es nun die Esoterik von 60 Geschlechtern, die Energiewende samt dem angeblich menschengemachten Klimawandel, Islam ist Frieden und die multikulturelle Gesellschaft würde die Menschheit retten und alle müssten ein breites Bündnis schmieden gegen die Kritiker von Rechts. Je jünger die Konsumenten, desto häufiger wird jede konservative Position und jede Kritik irgendwie mit Nazis in Verbindung gebracht.

Gleichzeitig wird man von klein an zu einem physischen und psychischen Exhibitionismus getrieben. Alles und jedes soll gepostet und mit virtuellen Freuden geteilt werden. Was früher in Kinderköpfen gar nicht vorkam, die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, wird heute aktiv mit der Frühsexualisierung in Grundschulen und Kindergärten getragen. Hier werden Kinder genötigt, jegliches Schamgefühl zu überwinden, offen über intimste Dinge zu reden, über Masturbation, Analverkehr oder Gruppensex. Und dauernd würde gesagt, dass alle Triebe wünschenswert wären und wir unser Geschlecht beliebig durch eigene Entscheidung verändern könnten. Familie und feste Beziehung sind out, in ist, was gut tut und Spaß macht mit wechselnden Partnern beiderlei Geschlechts in variierender Anzahl. Was zählt, ist das eigene Wohlbefinden und die eigene Selbstverwirklichung und um beides zu bekommen trägt man all seine Gefühle und Bedürfnisse ohne jedes Schamgefühl nach außen, während man sich als moralisch höherwertig sieht, weil man alles und jedes toleriert und gutheißt, was das Leben des einzelnen und der ganzen Welt vermeintlich verbessert.

Nun werden diese Kinder natürlich erwachsen und älter und manche kamen schon in den 70-iger Jahren in den Kontakt mit solcher Erziehung und Vorstellungen. Solche Leute fand und findet man dann oft auch in kirchlichen Laienorganisationen, obwohl es da eher um Gefühle geht als um blanken Sex.

Nun muss man solche Leute ja mal live treffen, um sich ein Bild zu machen. Im normalen Leben habe ich mit denen nichts zu tun oder halte mich von denen fern. Nun war bei meiner Reha ein freiwilliges, wöchentliches Abendangebot „Singen, Rhythmus, Bewegung“, wo man schon sicher sein konnte, wer da freiwillig hingeht. Ein Bekannter nahm eine Woche zuvor teil, nur um sich den Laden anzusehen. Als ich fragte, wie denn das so war, meinte er lachend, dass man das nicht beschreiben könnte, das muss man einfach selber gesehen haben. Also bin ich ebenfalls hin.

Es kamen etwa 20 Leute in einer Art Konferenzraum mit Teppich, wo man die Stühle beiseite geschoben hatte. Die nach und nach kamen wurden jeder so freudig von den anderen begrüßt, als wäre es ein verschworener Zirkel, der die innere Befreiung schon hinter sich hat. Die Leiterin war so ein Typ hager-vegane Dauerquasslerin Mitte 40. Die andere etwas älter hinter einem Elektropiano war so billig-fein gekleidet mit hohen Stiefeln, knielangem Rock und drapierten Tuch um den Hals. Wenn sie beim Spielen den Rücken durchdrückte und den Fotz spitze, musste ich immer an die Serie „Unsere kleine Farm“ denken, wenn die Lehrerin auf der Billigorgel vorspielte.

Am Anfang wurde irgendein Rhythmus geklatscht und die Leiterin meinte immer das wäre leicht, das kann jeder und geht einfach so und so. Weil die aber keine Ahnung hatte wie man sowas passend ansagt, war das ein rechtes Durcheinander, weil jeder auf sie starrte und selber an sich herumdoktorte. Das war recht chaotisch, fiel aber nicht so auf, weil das Piano alles ausreichend übertönte. Am Ende meinte sie immer, dass das ganz super gewesen wäre und bei jedem Lied klatschten sich alle sich selbst Beifall. Dann sollten wir die Schulter kreisen zum Lockern. Nun weiß jeder wie Schulterkreisen normal aussieht. Aber die Dame hinter dem Piano stand dabei auf, schloss die Augen und legte den Kopf etwas nach hinten. Dann kreiste sie die Schultern bei halb offenem Mund so inbrünstig, so dass der ganze Oberkörper hin und her wippte. Das habe ich zum letzten Mal auf einem Video vom Woodstock-Konzert bei irgendwelchen zugedröhnten Leuten gesehen. Wenn dabei nach ihrem Joint eine 20-jährige Blümchen im Haar trägt und bunte Lappen, sieht das ja ganz stimmig aus, wenn das eine 50-jährige im Sekretärinnen-Outfit macht, ist es dann schon schräg.

Dann wurde was gesungen, was angeblich jeder kennt und ganz leicht ist. Ich kannte weder Text noch Melodie, aber wenn alle irgendwie mitbrummen und das Piano alles in einen Teig verrührt, dann war am Ende wieder alles „super“.

Der Höhe Punkt war aber, als man sich mit je 10 Männer bzw. Frauen gegenüberstand und eine Gasse bildete. Da wurde dann ein Lied gesungen: Manamanam booh booh booh booh, manamanam. Kannte sogar ich. Am Ende jedes Durchgangs sollte jeder, der sich traut, irgendwas singen. Da war einer aus Mainz, der gebärdete sich wie James Brown und imitierte eine rauchige Stimme. Da johlten alle und klatschen, weil das so toll war. Als die andere Seite keine hatte, die singen wollte, hakte der bei zwei Frauen unter und sang „Alle meine Entchen“ mit Bewegungen eines Rocksängers. Und dann haben alle gejohlt und geklatscht. Da fiel mir spontan der Satz ein: Der Verlust des Schamgefühls ist der erste Schritt zum Schwachsinn.

Dann musste noch jeder mit dem gegenüberstehenden Partner von einem Ende zum anderen durch die Gasse tanzen. Ich hasse tanzen. Als ich mit meiner Partnerin dran war, sagte ich nur: Bei mir gibt’s nur durchgehen. Nachdem ich schon knapp eine Stunde Programm hinter mir hatte, registrierte ich dabei gar nicht mehr, dass da bei jedem rhythmisch mitgeklatscht wurde. Manche meinten, sie müssten jetzt einen auf Dirty-Dancing machen, damit auch gejohlt wird. Irgendwann war dann endlich Schluss. Nun hatte ich das Gefühl, dass hier nicht einzelne Teile aneinandergereiht waren, sondern die Leiterin verrührte das durch ihr Rumgehopse zu einem Teig, ohne dass es ein Problem war, dass da meist nur völlig unbrauchbare Ergebnisse herauskamen, wenn man sie mit ihren Ansagen vergleicht, was rauskommen hätte sollen. Hauptsache alle bewegten sich wie aufgescheuchte Hühner und keiner hatte mal Zeit eben den Nachbarn zu fragen wie´s geht.

Nun muss ich feststellen, dass man durch einen gewissen Gruppendruck irgendwann nicht einfach zwischendrin gehen kann und in die ekstatischen Gesicherter sagen kann, dass die alle einen an der Waffel haben, weil normalerweise hat man die Zeit, das bei seinem Nachbarn anzukündigen oder ihn zu der Meinung zu der Veranstaltung zu fragen. Ging aber nicht. Mit dieser Erkenntnis kam man wirklich viel Geld verdienen. Ich habe danach im Internet nachgesehen, dass Wochenendkurse für Selbstfindung und energetisches Gleichgewicht locker 1000.-€ kosten. Und die Kursbeschreibungen legen dann nahe, dass hier das innerste Gefühlsleben von innen nach außen gekehrt wird und mit der entsprechenden Gruppendynamik alle Grenzen des Schamgefühls fallen.

Wenn man nun den Bogen zurückspannt, dann wird es in ein paar Jahren ganz normal sein, dass sich Leute im Cafe laut darüber unterhalten, wie man die Vagina mit einer Gurke reinigt, den Penis massiert oder in der Anwesenheit des eigenen „Lebensabschnittspartners“ erzählt, wie man letztes Mal Gruppensex mit wildfremden Leuten und einem Dobermann hatte.

5 Gedanken zu “Der Verlust des Schamgefühls.

  1. Die Zerstörung des Schamgefühls bewirkt eine Enthemmung auf allen anderen Gebieten, Brutalität und Missachtung der Persönlichkeit der Mitmenschen. (vgl. S. Freud). Menschen, denen in der Kindheit das Schamgefühl abtrainiert wird, mutieren zu Werkzeugen, werden empathiefreie, formbare Soldaten des Globalismus, deren Lebensinhalt sich in gelegentlichen freudlosen multiethnischen Gangbangs erschöpft …

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  2. Das Zweitschlimmste ist doch, dass bei dieser ganzen schamlos vorgeführten Sex- und Lust-Show alle so unlustig und total lustbefreit sind. Schrecklich. Es wird alles zur Show oder zur Aufgabe (Pflicht) umgedeutet. Da hat echte Lust oder gar Erotik weiss Gott keinen Platz. Lachen und Liebe erst recht nicht. Alles ist einfach schamlos dumm und traurig. Wer schaut das eigentlich? (Ich nicht. Ich beziehe mich nur auf den Artikel.) Ohne Einschaltquoten wäre dieser Quatsch doch längst vom Tisch.

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