Der Weg ins Social Credit System.

Plastikverbot, NetzDG, Diesel-Fahrverbot, Rauchverbot, um nur einige zu nennen. Strafen gab es früher eigentlich nur dafür, dass man jemanden wirklich geschädigt hat, mal abgesehen von Blasphemie oder Hexerei. Die obigen Verbote dienen aber zum großen Teil nur dazu, Menschen zu einem bestimmten Wohlverhalten zu nötigen. Je enger man ein Volk mit Verboten knebeln will, desto schwerer wird es und desto mehr Ressourcen braucht man die Einhaltung der Verbote zu überwachen. Da Geldstrafen meistens nicht wirken oder die Verstöße einfach zu geringfügig sind, hat man den sozialen Pranger sozusagen neu erfunden. Damit kann man die Bevölkerung ins Boot holen, eine Strafe auszusprechen, die der Staat nur indirekt über die Medien aussprechen kann, Normalsterbliche mit einem dicken Fell kann man damit eher wenig treffen. Facebooksperren für kritische Posts stoßen auch in der Mitte der Bevölkerung auf Ablehnung. Die DDR hat gezeigt, dass man auch mit größtem Aufwand der Überwachung mit den damaligen Möglichkeiten die Bürger nicht zur Gänze kontrollieren konnte. Viele verhielten sich einfach so wie wenn oder hielten den Mund, wo es angebracht war. Obwohl sich die etablierten Parteien größte Mühe geben, kritische Meinungen und unkonventionelle Lebenspläne zu unterdrücken, scheint der Grenznutzen solcher Maßnahmen schon erreicht. Man braucht für die Zensur im Netz und das Herausfiltern kritischer Personen aus Vereinen, Institutionen oder der Verwaltung einfach schon zu viele Ressourcen und auch Normalbürger empfinden Vieles inzwischen als überzogen und als  Gängelung.

Wohin wird es also hinlaufen. Dazu sollte man das große Ganze im Blick haben, was der Staat will. Der „Staat“ ist immer der Teil, wo sich die Eliten offen zeigen müssen und ihre Macht sichtbar wird. Durch Wahlen ist sie ja in Deutschland durch die Blockbildung kaum bedroht, die Gefahr ist die latent schlummernde Unzufriedenheit im Volk, die sich auf manchen Demonstrationen auch offen zeigt. In Frankreich sieht man aber jetzt, dass es eine Grenze gibt, wo die Unzufriedenen plötzlich aktiv und zur Gefahr für die Eliten werden. Was wird also geschehen?

Dazu kann man in der Geschichte zurückgehen. Man brauchte immer eine leichtgläubige, ungefährliche, leicht manövrierbare Masse. Die Sklaverei wurde unter anderem abgeschafft, weil Menschen unter Zwang nicht zu produktiv sind wie freie Menschen und man auch für den Zwang Ressourcen verbraucht. Die befreiten Sklaven und die Arbeiter malochten wie blöd, weil sie ihren Lebensstandard gegen vorher deutlich verbessern konnten. Irgendwann war aber durch die Arbeiterverelendung eine Grenze erreicht, die erst durch das Schuldgeldsystem endgültig behoben wurde. Kreditfinanziert konnte man Wohlstand schnell erreichen und diesen dann abarbeiten, allerdings um die Mehrarbeit die Zinsen zu tilgen. Weltwirtschaftskrisen schafften es immer wieder die faulen Eier aus der Bilanz auf Kosten der einfachen Leute zu tilgen. Nun sind wir beim Nullzins angelangt und der Konsum lässt sich nicht weiter befeuern und es werden immer mehr, die wie in der damaligen Industrialisierung nichts mehr zu verlieren haben, weil sie auch mit Arbeit kaum mehr als ein Hartz IV-Empfänger haben. Freiwilliges Wohlverhalten wird man da auf Dauer nicht erwarten können. Im Grunde hat Habeck im letzten Illner-Talk den Startschuss gegeben, als er sagte, man sollte Hartz-IV und Sanktionen abschaffen, dem ganzen bei höheren Sozialleistungen einen anderen Namen geben und auf das „Wohlverhalten“ der Bezieher setzen und dieses belohnen. Woher kenne ich das bloß?

Es läuft auf das chinesische Modell des Social Credit System hinaus. Nur wer sich nach staatlichen Vorgaben „wohlgefällig“ verhält, wird damit belohnt, dass er an allen Leistungen teilhaben kann. Dieses System hat nun mit 400 Millionen Kameras , Gesichtserkennung und Internetüberwachung auch die Möglichkeit das „Wohlverhalten“ zu kontrollieren und die Menschen an den Pranger zu stellen, wenn man die Verfehlungen mit Namen und Bild öffentlich macht. Hier gibt es ein nettes Video dazu, allerdings auf Englisch. Die Bevölkerung selbst verbreitet es dann durch seine Geschwätzigkeit wie gewollt von selbst. Es gibt ja in Deutschland schon genügend freiwillige Denunzianten, die Menschen mit der falschen Meinung an den Pranger stellen oder ihre Karriere zerstören. Da ist sicher Potential, allerdings ist es auch begrenzt, so dass der Staat selbst auch eingreift. Man denke nur an das Professorinnen-Programm, wo eine Uni nur finanziell belohnt wird, wenn sie eine Frau einstellen.Das Upload-Gesetz hat im Gegensatz zum NetzDG einen großen Vorteil, weil es Beiträge schon vor der Veröffentlichung überprüft. Ausgeweitet auf andere soziale Netzwerke kann man nicht mal seine Beschwerde darüber posten. Es ist so, als  existiere das Ganze gar nicht.

Geht man auf Habecks Vorschlag zurück, dann hat der erst mal keine Schlagkraft. Doch wenn die staatlichen Medien immer wieder positive Beispiele bringen, wo Hartz-IV-Empfänger „freiwillig“ eine Weiterbildung besuchen und dafür 50.-€ mehr bekommen, dann kann man mit der entsprechenden Penetranz das Ganze auch auf andere Felder ausweiten. Vor Kurzem kam ein Film über Nachbarn, die sich zusammengetan haben, um sich gegenseitig zu unterstützen. Das ist lobenswert, war aber früher eine kulturelle Selbstverständlichkeit. Man muss nur ein wenig warten, dann stellt sich ein Steinmeier hin und meint, dass man solche Dinge generell „sichtbar“ machen müsste. Aus den ganzen Einzelwürdigungen wie Christopherusmedaille , XY-Preis oder Ehrennadeln muss ein zentrales System werden, weil viele Arbeiten in der häuslichen Pflege oder Nachbarschaftshilfe unter den Tisch fallen. Ich wette, dass das Fernsehen sicher bald über eine tolle „spontane“ Aktion berichtet: Wir fahren weiß! Mensch, die im öffentlichen Nahverkehr ihre Fahrkarte ans Revers heften, um ein gutes Vorbild zu sein. Wer es nicht tut, kann sich dann schnell mal auf einem Video auf Facebook finden. Wartet zwei Jahre, dann hat sicher eine Stadt die Idee „Weiße Kontrolleure“ in die U-Bahnen zu schicken, wo die Fahrgäste nicht mehr umständlich die Fahrkarte herauskramen, sondern schon von weitem damit Winken: „Besonders erwähnt wird eine Frau Schmitz, die die Weißen Kontrolleure auf einen Fahrgast hinwies, der seine Fahrkarte nicht ans Refere geheftet hat.“ Weil aber schon viele mit Handy bezahlen, wird man dann die Opfer der Kampagne zeigen und nach einer anderen Lösung schreien, damit die Wohlverhalten auch weiter belohnt wird. Und schon sind wir beim Punktesystem und dem sozialen Pranger wie in China.

Die Wühlmäuse nach dem ungerechten Einzelfall bei den Medien werden den Anstoß geben, dass die Menschen nach der Ausweitung des Systems schreien werden. Herr Müller schippt schon seit Jahren den Schnee auf dem Gehweg in X, weil es sonst keiner tut: 2 Sozialpunkte. Frau Meier reinigt seit Jahren gefundene Plastiktüten und verwendet sie wieder: 3 Sozialpunkte.  Die Belohnung besteht aus einer vermeintlichen Vorzugsbehandlung, obwohl auch die „Unsozialen“ das mit ihren Steuergeldern mitfinanzieren, dabei entsteht diese Vorzugsbehandlung nur dadurch, dass man wie in China den „Unsozialen“ diese Leistungen vorenthält. Nun hat man den Vorteil, dass China relativ homogen ist und nicht davor zurückschreckt ihre Gegner gewaltsam zu eliminieren oder zu unterdrücken. Man denke an die Moslems in derem Land. Allerdings verfahren diese in den Ländern, wo sie die Mehrheit stellen, genauso.

Nun ist Deutschland ein Vielvölkerland und die Moslems dürften auch hier das Problem sein. Islamkonferenzen dienen meiner Meinung nicht dazu, die Moslems zu integrieren, sondern gute Verbindungen zu deren Führern zu erhalten, die würden sich nämlich nicht um Sozialpunkte scheren. Allerdings besteht hier die gegenseitige Kontrolle, wenn es um das korankonforme Wohlverhalten geht und das genügt. Denn wer die Imame kontrolliert oder mit ihnen in einem Boot sitzt, der hat nichts zu befürchten. Nicht umsonst wirkt die Drohung „Ich sag es deinem Imam“ gegenüber einem aufsässigen, moslemischen Schüler besser, als „Ich sag es deinem Vater:“

Dieses System ist der Nährboden, auf dem auch das nachfolgende wachsen kann. Irgendwann wird die Wirtschaft und die Sicherheitslage so darnieder liegen, dass für die meisten das größte Problem sein wird, wie sie ihren Magen füllen sollen. Der Staat als Retter wird sich dann auf genügend Denunzianten verlassen können, um wenigstens nicht verhungern zu müssen. Da wird es auch keinen mehr geben, der sich dann vor der Arbeit drückt, die ihm zugeteilt wird, weil er ja dem Wohl aller schadet.

Die einzige Gefahr ist dabei aber noch das Bargeld und der Privatbesitz. Mit der Landflucht und der entsprechenden Besteuerung  kann man letzteres Problem sicher lösen. Auf Bargeld werden die meisten sicher irgendwann aus Bequemlichkeit verzichten, wer es nicht tut, wird sich sicher am sozialen Pranger wiederfinden, denn dahinter können nur Schwarzarbeit und kriminelle Machenschaften stehen und das ist „unsozial“.

Irgendwo habe ich gelesen, dass die Befürworter des RFID-Chips für Menschen gesagt haben, dass die  Menschen ihn irgendwann freiwillig haben wollen. Da kann ich nur zustimmen, wenn man die Sache weiterdenkt. Wir sind einfach zu blöd zu erkennen, wie sich der Welt-Totalitarismus mit unserer eigenen Mithilfe immer weiter ausbreitet.

Für den einzelnen bleibt nur die Option sich so weit zu wehren, dass er sich an seinem Ende nicht vor Scham mit dem Gesicht nach unten eingraben lassen muss.

6 Gedanken zu “Der Weg ins Social Credit System.

  1. 1) China ist auch ein Vielvölkerstaat und auch wenn die hiesigen Medien so tun, werden Muslime dort auch nicht mehr unterjocht als andere religiöse und abtrünnige Geister, v.a. die Falun Gong.
    2) Kein Mensch hat argumentiert, dass Sklaven nach der Befreiung produktiver würden. Belege?
    Ansonsten ein irre guter Text. Bravo.

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    1. zu 2) Gemeint ist „produktiver“ für den Herrn. Wenn jemand als Sklave befreit wurde und dann selbstbestimmt für sein eigenes Fortkommen arbeitete, dann arbeitete er auch für den geringsten Lohn. Für die gleiche Arbeit unter Zwang braucht es aber Kontrolle und Versorgung, für die man früher auch Menschen und Ressourcen bezahlen musste. In der Bilanz ist der freiwillige Malocher in einem Belohnungssystem, der sich selbst versorgen muss billiger, als der Zwangsmalocher, den man durchfüttern muss.

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  2. @ Benjamin Goldstein sagt:
    2. Dezember 2018 um 11:07 Bearbeiten
    Das hat keiner argumentiert, oder?

    Stimmt. Da war ich wohl zu ungenau. Das hat damals sicher keiner offen ausposaunt, doch die Entwicklung zeigt, dass sich für die Eliten mehr Geld verdienen ließ, als durch Sklaverei und inzwischen können ja Länder und Unternehmen auch an den sozialen Pranger gestellt werden, was den Gewinn schmälert.

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