Die Gelbwesten: Eine Herausforderung für deutsche Medien.

Wer die Berichterstattung über die Proteste der Gelbwesten in Frankreich verfolgt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, welchen wechselnden Spin man der Meldung von Beginn an bis heute gab. Als es nur wenige waren, da verniedlichte man die Gelbwesten auf einen Haufen, der gegen eine Erhöhung des Benzinpreises auf die Straße geht. Da hätten bei den Korrespondenten schon die Alarmglocken klingeln müssen, denn allein die Gruppe der Bauern fährt da nicht vor dem Amtssitz des Präsidenten mit ein paar Plakaten auf und ab, sondern die blockierten schon vor 30 Jahren Autobahnen in Südfrankreich und waren alles andere als friedlich. Diesmal ist aber eine riesige Schicht betroffen und das war bei der französischen Revolutionsmentalität klar, dass sich das auswachsen würde, vor allem, weil die Zustimmungswerte für Macron inzwischen hinter denen von Hollande von damals liegen. Als nun die Bewegung wuchs und es erste Randale in Paris gab, da hieß es, dass das vor allem Links- und Rechtsextreme seien. Natürlich blöd, wenn man nicht einen photogenen Rechtsradikalen mit Hitlergruß zeigen kann, um die Behauptung zu untermauern. Man glaubt in der Deutschen Blase, dass man es mit Kritikern so treiben kann wie im eigenen Land. Egal, ob Familien gegen Frühsexualisierung auf die Straße gehen, Christen gegen Abreibung, Frauen gegen die tägliche Gewalt, es sind grundsätzlich immer fast ausschließlich Rechtsextreme, denen sich die Abgehängten und Zukunftsverlierer anschließen. Bei den Franzosen lassen sich aber die Statistiken über die Wirtschaftsleistung, Kriminalität und Arbeitslosigkeit nicht schönreden, indem man einen Exportüberschuss in den Traget-II-Salden anschreiben lässt und am Ende selbst bezahlt, Arbeitslose in Maßnahmen parkt oder Kriminalität als Einzelfälle verkauft, weil es sich nicht verbergen lässt, dass manche Stadtteile in Paris und Marseille Hochburgen der Gewalt sind.

Deshalb hieß es plötzlich, dass die Protestbewegung der Gelbwesten von Links- und Rechtsextremen unterwandert wäre, leider gibt es aber unter den protestierenden Normalbürgern keinen Anführer, dem man das Label umhängen könnte. Sicher hätte man dem nachgewiesen, dass er mit Le Pen im selben Zug gesessen und sich radikalisiert hätte. Nun war es recht unpassend, dass Macron die Proteste verurteilte und man dann über das tolle Menu beim Weltwirtschaftsgipfel berichtete. Merkel hat ja Proteste gegen sie und ihre Politik auch immer verurteilt, allerdings heißen die bei ihr grundsätzlich rassistische, fremdenfeindliche und rechtsextreme Aufläufe, von denen sich die Bürger tunlichst fernhalten sollen. Die deutschen Medien belegten das immer gleich mit entsprechenden Bildern, weil sich bei größeren Protesten gegen Merkel immer genügend glatzköpfige Stiernacken mit Hitlergruß zu zeigen, um der Sache zu schaden. Vielleicht ist das sächsische Hinterland ja so dünn besiedelt, dass diese Dödel noch keinen Fernsehanschluss haben, um selbst zu sehen wie dämlich sie beim Rest der Republik rüberkommen. Oder der Verfassungsschutz kommt lieber gleich selbst mit seinen Leuten, weil es genügend von solchen Blödianen in echt gar nicht gibt.

Nun ist Macron ja Franzose. Eigentlich wollte er ja wegen der Europawahl bei den GRÜNEN fischen gehen mit Ökosteuer und Klimaschutz, doch was bei uns höchstens lauwarmen Widerspruch erzeugt, kann in Frankreich den Druck im Kessel endgültig so weit erhöhen, dass der Deckel endgültig wegfliegt. Als Franzose weiß er, dass so ein Zustand in der Geschichte nicht mit einem Stuhlkreis zwischen Regierenden und dem Volk endete.

Darum gab es plötzlich ein Gesprächsangebot an die Gelbwesten. Upps, haben sich da die deutschen Medien gedacht. Macron kann sich schlecht mit Extremisten an einen Tisch setzen, deshalb hieß es dann plötzlich, dass Links- und Rechtsextremisten den friedlichen Protest für ihre Randale nutzen. Das haben wir aber noch nie gehört, wenn tausende gegen Merkel und ihre Politik auf die Straße gingen, da genügten ein paar rechte Kasper, um die ganze Demo zu einem rechtsextremistischen Auflauf mit „Hetzjagden“ zu machen. Wie es scheint haben sich aber die Franzosen auch nicht mit mahnenden Worten abspeisen lassen und mit einem Versprechen, irgendwann was dagegen zu tun, sondern er ist wirklich erst mal eingeknickt und hat nun die Steuererhöhungen auf Anfang des Jahres verschoben. Er hat auch die Vertreter ALLER Parteien zu einer Sitzung geladen, um die Lage zu diskutieren, auch Marie le Pen und sie in den Nachrichten sogar interviewt. Man stelle sich vor, Merkel hätte nach Chemnitz Weidel und Gauland zusammen mit den anderen Parteichefs in Kanzleramt geladen, um die Lage zu besprechen. Da wäre es erst gar nicht nötig gewesen auch noch „Hetzjagden“ zu erfinden und, dass die Medien sie nach Kräften unterstützen. Auch so wäre so ein Treffen unmöglich gewesen, denn die anderen Parteien behandeln die AFD-Mitglieder auch so, als hätten sie die Krätze. Seit heute heißt es bei uns in den Nachrichten nur noch Protestbewegung ohne den Zusatz rechts- oder linksextrem. Haben unsere Medien daraus gelernt? Mitnichten. Es wurde gleich die nächste Stufe gezündet. Es hieß, dass die Protestbewegung nicht einheitlich wäre und es unzählige Forderungen an die Regierung gäbe, die sich sogar widersprechen: Sie wollen saubere Luft in den Städten aber kein Dieselverbot. Sie wollen mehr staatliche Zuwendungen aber die Steuern müssen gesenkt werden. Ach ihr kleinen gelben Dummerchens! Ihr wisst a gar nicht, was ihr wollt. Die Welt ist zu komplex, als dass ihr sie verstehen könntet.

Das glaubt keiner. Die Gelbwesten diskutieren sicher nicht darüber, ob man beim Gang durch die Banlieues eher an Feinstaub stirbt oder an einer Messerattacke. Blöd aber auch, dass Macron eigentlich die Schuld auf die EU und die Deutschen schieben müsste und so auf seine beste Freundin Angela. Die Währungsunion hatte die Mark so unterbewertet, dass Deutschland rationalisieren und zum Billiglohnland werden musste, um wirtschaftlich bestehen zu können. Frankreich stand plötzlich viel besser da, denn man konnte billiger konsumieren und Kredite bekommen, weshalb es für die Firmen auch nicht möglich war zu investieren, weil man von „billigen“ Waren aus Deutschland überschwemmt wurde. Da war plötzlich ein BMW drin und nicht nur ein Renault. Und jetzt geht die Party langsam zu Ende und Macron will sich in einen gemeinsamen Haushalt mit den Deutschen retten, um das Versagen seiner hochgelobten EU zu kaschieren.

Die Sache ist nur zu retten, wenn Merkel auf Umwege über die EU unser Steuergeld nach Frankreich pumpt oder der Mirgationspakt schnell seine Wirkung entfaltet, so dass der Spritpreis für alle europäischen Länder schnell das kleinste Problem sein dürfte.

Haben sich Macron und Merkel verzockt oder ist es gewollt? Schäuble sagte mal sinngemäß, dass es die große Krise bräuchte, um das EU-Projekt zu vollenden. Kommt das Aufbegehren etwa zu früh und richtet sich gegen die Herrschenden, anstatt gegen die geplante Flut an Migranten mit seinen negativen Auswirkungen, wo der Staat dann als Retter auftreten kann, als wäre das Ganze eine Naturkatastrophe?

Wenn ja, heißt es für unsere Medien aufgepasst, damit sie nicht versäumen, die Protestierenden rechtzeitig wieder in Extremisten zu verwandeln.

 

 

4 Gedanken zu “Die Gelbwesten: Eine Herausforderung für deutsche Medien.

  1. Bei den Franzosen gibt es eine Tradition, wegen jedem Scheiss gewalttaetig auf die Strasse zu gehen. Meist flaut das nach nach einer Beruhigungspille durch die Regierung bald wieder ab. Der wirkliche Widerspruch ist, dass die vielen Sozialisten dort gegen die Konsequenzen ihrer eigenen Politik protestieren. Mal sehen, ob die von Macron angebotene Pille ausreicht, oder er noch nachlegen muss.

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.