AKK: Jetzt ist sie halt da.

Jetzt ist sie halt da. Die Annekröt. Nun sind sicher viele am Nachmittag vor dem Fernseher gesessen, um mal schnell die Abstimmung zu verfolgen, doch davor musste man noch die Vorstellungsrede der einzelnen Kandidaten genießen. Zuerst durfte AKK ran, dann Friedrich Merz, was ich auf n-tv nebenher verfolgte. In der Pause zwischen den Reden durfte dann der n-tv-Experte Heiner Bremer ran, der von der Rede alles andere als begeistert war. Er warf ihm vor, alles, was Merkel erreicht hatte, indirekt in Zweifel zog. Da ging mir dann ein Licht auf, denn es ging hier in keiner Weise darum, sich indirekt an die zukünftigen Wähler zu wenden, sondern allein darum, von den Delegierten wiedergewählt zu werden. Nun könnte man meinen, die Partei und diese Bewerber hätten erkannt, warum die Wähler der CDU weglaufen, und damit einen neuen Kurs mit der Partei einschlagen, um sie wieder zurück zu gewinnen. Schließlich wollen die Delegierten irgendwann auch wiedergewählt werden. Erst als alle Reden vorüber waren und Bremer dazu jeweils sein Statement abgegeben hat, war klar, dass es hier nicht um eine Richtungsänderung oder eine deutliche Akzentuierung ging.

Er lobte die emotionale Rede von AKK, weil sie auch Empathie zeigte. Wofür wurde mir nicht klar. Sie meinte, dass sie strikt gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Paare wäre, schließlich trage die Partei das „C“ im Namen. Das ist eine völlig gefahrlose Positionierung, denn in einer Regierung wird die CDU immer einen Partner brauchen und der steht sicher noch weiter links. Um nicht gleich den Sozialismus umsetzen zu müssen, kann man hier am ehesten Zugeständnisse machen. Die Lienen haben auf diesem Gebiet immer alles durchgedrückt. Erst die Ehe für alle, dann die gesetzliche Festschreibung von Phantasiegeschlechtern. Was als nächstes kommt, kann man sich bei den Jusos ansehen. Hier plädiert eine Rednerin dafür, Abtreibungen bis zum Ende der Schwangerschaft zu erlauben und den §218 und §219 ersatzlos zu streichen. Feminismus und sexuelle Selbstbestimmung der Frau gäbe es nicht mit einem „ja, aber“, denn die Frau allein solle über ihren Körper bestimmen. Wenn diese Weiber erst mal in die SPD-Posten hineingewachsen sind, dann wird auch das kommen. Ich habe gelesen, dass ein amerikanischer Ethikprofessor vorgeschlagen hätte, Kleinkinder bis zum Alter von 1,5 Jahren „abzutreiben“, schließlich fehlt ihnen das menschliche Bewusstsein, das den Menschen erst als vollwertigen Menschen auszeichnet. Da kann man erahnen, wo der Weg in Zukunft hinführt.

Darüber hinaus sagte sich noch, man dürfe kriminelle Ausländer nicht in die EU einreisen lassen. In einer Zeit, wo wir Kriminelle auf eigene Kosten einfliegen, klingt das wie ein schlechter Witz. AKKs Rede war trotzdem sicher kämpferisch und die beste der dreien. Die Stimme ging am Ende des Satzes kaum nach unten, alles laut und mit Nachdruck, sodass man keine Zeit hatte mal durchzuatmen. Man wunderte sich, dass eine solch graue Maus so auftreten kann. Da ist sie voll Merkel in der Anfangszeit. Solche Reden, aber bei Interviews immer ausweichend mit nichtssagenden Floskeln: Wir müssen, wir werden, ist ein wichtiges Thema usw. In den nachfolgenden Fragerunde für die Delegierten konnte man sich dann gleich ein Bild davon machen. Nichtssagendes Geschwurbel, ohne sich zu positionieren genau mit den genannten Floskeln. Also wirklich ein Merkel-Klon. Mit der Forderung in Bezug auf gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibung gaukelte sie vor, dass sie auch auf anderen Gebieten so rigoros sein würde, dabei ging es nur darum, das Bild der großen Führerin nicht zu beschädigen. Die Themen, die sie ansprach sind ja nicht auf Merkels Mist gewachsen, sie hat es einfach geschehen lassen.

Merz machte den Fehler, als er sagte, es hätte sich damals als er EU-Abgeordneter war, nicht vorstellen können, dass Europa einmal so gespalten sein könnte, dass die Briten die EU verlassen, die USA, die immer an Deutschlands Seite standen, es nun nicht mehr tun, Russland eine so große Bedrohung sein könnte und die Energiepreise durch die Energiewende so hoch sein würden. Er zählte nur auf, was ist. Bremer meinte, er hätte damit die Arbeit der Kanzlerin im Nachhinein beschädigt. Wenn sie sich angesprochen fühlen muss, dann muss man doch annehmen, dass sie maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt war. Das ist ja auch der Fall: Die Umsetzung der Russlandsanktionen am Beginn des Ukrainekonflikts, obwohl man ihn selbst maßgeblich mitinitiiert hat. Den Brexit, weil die sich die Folgen der Flüchtlingskrise durch Merkels Fehler 2015 nicht aus Auge drücken lassen wollten, und der Atomausstieg als 180°-Wende, um den Grünen ein Thema zu nehmen. Fast die Hälfte der Delegierten hat sich wohl insgeheim gedacht, endlich sagt es wenigstens mal einer durch die Blume. Doch bei den nachfolgenden Interviews zeigte sich wie der Großteil der Delegierten tickt. Da hatten welche Tränen in den Augen, weil Merkel geht, sprachen von bewegenden Momenten und waren ganz emotional. Da will man sich das tolle Gefühl, dass man der größten Kanzlerin aller Zeiten mal die Hand gedrückt hat, nicht nachträglich verderben lassen. Man hatte das gute Gefühl, dass man Merkels Politik jahrelang mitgetragen hätte, dabei hatte man einfach nicht den Mumm, mal ihre Fehler anzusprechen. Man entwickelte sich zu einer unterwürfigen, gleichgeschalteten Masse, die dadurch immer homogener wurde, weil sie alle Kritiker nach und nach kaltgestellt hatte.

Sogar beim Nachwuchs sieht man, dass die genauso ticken. Vor einigen Tagen waren zwei Jungspunde unter den Delegierten zu einem Interview zu Morgenmagazin. Ich kann mich dunkel erinnern wie emotional da eine berichtete, dass da bei den Regionalkonferenzen plötzlich ein Ruck durch die Partei ging und alle voll begeistert waren. Das erinnert an einen langweiligen Animateur im Ferienressort, der von einem Einpeitscher mit Entertainment abgelöst wird: Alle Gäste sind plötzlich begeistert. Der macht zwar den gleichen Käse an Aktionen und Übungen, fällt aber keinem auf, weil er es in schöne Worte verpackt. Kein Wunder, dass die nie erkennen, warum die Wähler nach allen Richtungen davonlaufen, wenn die Delegierten selbst sich von persönlichen Hochgefühlen leiten lassen, anstatt mal die Inhalte abzuarbeiten, die man dem Bürger über die Jahre zugemutet hat. Früher standen die Parteien für Inhalte, heute für gute Gefühle. Persönlich fand ich da eigentlich Spahn am besten, als er beschrieb, warum er in die Politik gegangen wäre, das klang recht glaubwürdig. Außer zur gleichgeschlechtlichen Ehe positionierte auch er sich nirgends inhaltlich. Merkel hat natürlich immer tolle Politik gemacht. Armer Typ, möchte gern, kann aber nicht und weiß selbst, dass er nicht das nötige Netzwerk hat, um bei der Wahl eine Chance zu haben.

Es bleibt die Erkenntnis, dass man den Bürgern wochenlang vorgegaukelt wurde, dass es hier um eine wichtige Neupositionierung der Partei ginge und hat die Wahl im Vorfeld entsprechend gehypt. Wohl um möglichst hohe Einschaltquote zu generieren. Dabei war die Parallele eher zu drei Rheumadeckenverkäufer: Wer kann das ausgewählte Klientel emotional so über den Tisch ziehen, dass sie ihnen minderwertigen Krempel abkaufen und am Ende trotzdem voll begeistert sind. Der Bezirksleiter, der Rheumadeckenverkäufer muss sich dafür nicht mehr zum Affen machen, wenn er alle aussortiert hat, die ihm gefährlich werden können.

Insofern ist die Annekröt für mich ein Merkelklon. Irgendwann wird auch sie sich das ganze Gedöns mit kämpferischen emotionalen Reden schenken, wenn sie erst fest im Sattel sitzt. Bis dahin wird sie auch ihren eigenen Floskelbaukasten haben, der sie so aalglatt machen wird, dass am Ende keiner mehr weiß, warum man die wählen bzw. nicht wählen sollte. Wer in ihrem Fahrwasser mit entsprechenden Pfründen hinterhergezogen wird, der wird sich diese Frage nicht mehr stellen.

Merkel sagte vor dieser Wahl sinngemäß, das wäre „Demokratie pur“. Sozusagen, das ist die beste Rheumadecke, die wir je hatten.

 

10 Gedanken zu “AKK: Jetzt ist sie halt da.

  1. Der Text ist geriatrisch, ups, ich meine, fantastisch.
    Bei der Überschrift musste ich schon kichern. Es ist fast ein bisschen bedauerlich, dass ich auf meinem Blog nicht solche Gemeinheiten wie Annekröt schreiben darf. Hab neulich ein neues Wort gelernt: Gimmegrants. *g*

    Es ist aber schon erschreckend, wie sich Deutsche immer so in ihren Führer verknallen. Das ist wie Leute, die noch nach Jahrzehnten Pipi in den Augen kriegten, wenn sie ein Foto vom Adolf geschenkt bekamen. Ich finde AKK noch schauriger als Merkel. Die sagt ja beim Reden gar nichts. So jemand hat weder Seele noch Gewissen. Die wird das Land noch viel massiver ruinieren als Merkel, wenn wir nicht alle deutlich aktiver werden.

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  2. Wer hindert Dich daran, Wörter wie Annekröt zu verwenden? Bei so einem langem Namen wie AKK schreibt man am besten mit „Text einfügen“, wenn man ihn häufiger braucht oder man sucht sich einen passenden Ersatz. Wer oder was ist eigentlich Gimmegrants?

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    1. Gimme= Gib mir
      Grants = Sowas wie Geschenke, Sozialleistungen, etwas „gegönntes“
      Gimme + grants klingt wie immigrants

      Ich hab einen Codex, den ich peinlichst genau einhalte, um nicht noch so ein Vertrauen verspielenden Wutblog zu werden.

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      1. Ich bin missionarischer drauf.

        Mich irritiert z.B. das da:

        Da hab ich noch nicht mal ne Meinung zu. Außer dass irgendwie versucht wird, die Leute zu Verschwulen und man mit Wehrmachtgrusel vielleicht ein paar Schwuppen erregt. Ansonsten versteh ich langsam überhaupt nicht mehr, was in den Redaktionen so vor sich geht.

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  3. Das Ergebnis entspricht meiner Prognose. Kaum war Merz angetreten, hat man gleich ueber seine kapitalistischen ‚Umtriebe‘ berichtet, nach dem Muster der DDR-Presse. Und ich sagte ja, wo soll der Umschwung denn herkommen, wenn die selben Delegierten jahrelang die Merkel mit fast 100% immer wieder waehlten. Auch diesmal wurde Merkel mit minutenlangem Applaus verabschiedet, wie es in jedem kommunistischen/totalitaeren System Pflicht war (und ist).

    Merz ist nun mal kein Trump. Er ist Bodensatz der Finanzelite mit Null Charisma. Der waere wie Butter in der Hand geschmolzen, wenn Soros ihm eine grosse Zahl am Stoeckchen vor die Nase haelt.

    Bei AKK hilft nur noch AK-47, hab ich getraeumt. War aber nur ein Traum.

    Preisfrage:
    Warum sind die Deutschen und die CDU so gegen das Clonen von Menschen?
    Antwort:
    Die brauchen das nicht, die haben das ideologische Cloning erfunden.

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    1. Mein Szenario ist im Moment, dass die EU wegen der Südstaatenschulden zusammenklappt, die Bonzen von den Osteuropäern irgendein Fördergeld zurückverlagen, die sich weigern, irgendwelche Schiffe und Straßen blockiert werden, ein paar Bomben an den Stellen hochgehen und das ganze dann in einem Wilden durcheinandern nahostisiert.

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