Führerkult auf web.de.

Wer auf dem Weg zum E-Mail-Postfach an den Web.de-Nachrichten vorbeimuss, der weiß, dass hier Mainstream in Reinform läuft. Man gewöhnt sich ja an alles. Allerdings grenzt der Artikel über die Befragung Merkels im Parlament schon an Führerkult.

Angela Merkel kontert bei Regierungsbefragung Kritik – und geht in die Offensive.

Überschriften geben ja einer Meldung von vorne herein einen bestimmten Spin. Sieht man sich die Definition von „kontern“ etwas genauer an,

durch eine Gegenaktion oder eine entgegnende, besonders schlagfertige Äußerung entschieden abwehren, zurückweisen, sich zur Wehr setzen.

dann ist es eher ein Armutszeugnis, denn bei einer Befragung erwartet man doch, dass sich jemand bei Zweifeln mit guten Argumenten rechtfertigt, sich erklärt, Hintergründe ausleuchtet, die dem Frager nicht bekannt sind, und seine Entscheidungen möglicherweise in einen größeren Kontext setzt. Doch wie bei einer unfehlbaren Führerin genügte es, zu diffamieren, gewichtige Dinge abzubügeln und Kritik einfach abprallen zu lassen. Im Einzelnen sah das dann so aus. Als es um den Migrationspakt ging, warf sie der AfD Verbreitung von Falschinformationen vor. Im Kern geht es der AfD doch darum, in wie weit ein Pakt, der zwar nicht rechtlich, sondern politisch bindend ist, in Zukunft seinen Einfluss auf politische Entscheidungen und die Souveränität Deutschlands entfalten kann. Schließlich war die Implementierung von Gender-Mainstream auch eine nicht bindende Vereinbarung und trotzdem sind heue sämtliche Bereiche mit Frauenquoten und Genderesoterik durchsetzt und auch die Rechtsprechung hält sich daran. Hier jemanden Falschinformationen vorzuwerfen, dient nur der Diffamierung der Fragesteller, um sich nicht zur Sache äußern zu müssen. Das heißt sich dann bei web.de „streitlustig und schlagfertig“.

Als es um die Frage ging, warum DITIB-Moscheen nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird, meinte sie:

Die Entscheidung, den Moscheeverband Ditib trotz zum Teil verfassungsfeindlicher Handlungen nicht vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen, werde von den Sicherheitsbehörden selbst gefällt. Es sei keine politische Entscheidung.

Stimmt. Man muss in den Hinterzimmern keinen der Mitarbeiter mehr anstiften, passende Belege zu liefern oder zu inszenieren oder unliebsame Parteien unter Beobachtung zu stellen, um sie vor dem Wähler zu diskreditieren. Man schießt auch die letzten unabhängigen Beamten aus der Behörde und besetzt sie mit Leuten, die von Haus aus politisch genehm eingenordet sind. Die muss man fast hintragen, um zu erkennen, dass Organisationen, die für den Sozialismus werben oder einen demokratischen Diskurs mit Gewalt unterbinden, auch verfassungsfeindlich sein könnten. Insofern kann man sich eine politische Einflussnahme schenken, den Verfassungsschutz und Verfassungsgerichte sind inzwischen vom selben Teig. Man kennt sich.

Zu den Vorgängen in Frankreich meinte sie:

In Bezug auf Frankreich richtete Merkel zudem eine Forderung an die Linke. Sie rief die Oppositionspartei dazu auf, sich von den Ausschreitungen bei den „Gelbwesten“-Protesten in Frankreich zu distanzieren. Deren uneingeschränkte Unterstützung sei „skandalös“, weil die Linken „kein Wort zu der Gewalt sagen, die dort auf den Straßen angewandt wird“, sagte Merkel am Mittwoch bei der Regierungsbefragung im Bundestag.

Da ergibt sich das Henne-Ei-Problem. Haben die Medien die im Verhältnis zu den friedlichen Demonstranten geringe Zahl an Extremisten zur Mehrheit erklärt, um die ganze Bewegung zu diskreditieren oder hat man von Seiten der Politik den passenden Agent Provokateur in die Lager geschleust, um für die Gewaltausbrüche zu sorgen, damit die Medien darüber berichten und die Bürger entsprechend einnorden, damit sie nicht mit der Bewegung sympathisieren. Für die LINKE mit ihrem geringen Horizont war das egal. Als die Medien von „Rechtsextremen“ sprachen, distanzierten sie sich, als sich herausstellte, dass es Linke sind, schwenkten sie um 180° um. Denen ist es egal, ob inszeniert oder gelogen, Gewalt von links genießt so oder so Narrenfreiheit.

Für Merkel selbst ist jede Kritik an den Elite-Regierungen schon Gewalt genug, allerdings sorgt Gewalt für die passenden Bilder. Fehlen sie, dann verkündet man sie einfach. Die große Führerin ist glaubwürdiger als jedes Bild.

Des Weiteren ging es um Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien.

Merkel verwies auf den vollständigen Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien. Die Bundesregierung hatte als Konsequenz aus der Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi die Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien komplett gestoppt.

Was für eine Heuchelei! Nur, weil ein Journalist auf originelle und medienwirksame Weise beseitigt wurde, sah man sich genötigt. Dass man seit Jahren mit Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien dafür gesorgt hat, dass Männer, Frauen und Kinder auf gewöhnliche Weise zerrissen, zermalmt oder verstümmelt werden, war natürlich kein Grund. Die LINKE wies auf Gesetzeslücken hin und wie bei anderen Themen kam dann eine Leerphrase „wir werden daran arbeiten“ oder „ich werde mich noch intensiver damit beschäftigen“. Wenn die Leibhaftige spricht, dann nimmt man ihr das natürlich unwidersprochen ab. Dabei hat DIE ANSTALT schon mal gezeigt, dass die ganzen Gesetze zum Waffenexport im Grunde ein riesen Witz sind. Man könnte meinen, man hätte die Gesetze zusammen mit den Exporteuren gemacht, damit auch die am schärfsten klingende Beschränkung ohne viel Aufwand umgangen werden kann.

Bei den Fragen zum Brexit kam es nur vordergründig zu einem Widerspruch in ihren Aussagen als sie meinte

Wir haben nicht die Absicht, das Austrittsabkommen wieder zu verändern.

aber gleichzeitig

Wir arbeiten hart dafür, dass es zu einem geordneten Brexit kommt.

Eigentlich hätte sie sagen müssen, dass der geordnete Ausritt eines Landes so ablaufen muss, dass man dieses Land so drangsaliert und auflaufen lässt, dass möglichst viel Schaden für deren Bürger entsteht, damit ja keiner auf die Idee kommt, es ebenfalls zu versuchen. Leider kann man es nicht mehr so machen, wie die Franzosen mit abtrünnigen Kolonien:

Als der Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, versuchte, die französische Ausbeutung des Landes zu beenden, organisierte Frankreich einen Putsch. Während des langen Prozesses, Gbagbo zu stürzen, griffen französische Panzer, Hubschrauber, Kanonenboote und Spezialkräfte direkt in den Konflikt ein, schossen auf Zivilisten und töteten viele.

Dass man gegen die Gelbwesten mit Panzerfahrzeugen mit EU-Logo auffahren lässt, zeigt nur, dass man die französische Mentalität auf diesem Gebiet bei der EU längst übernommen hat.

Die Befragung Merkels im Parlament zeigt, dass das Parlament nur eine lästige Staffage für ihr eigenes, größenwahnsinniges Wirken ist. Das Parteiensystem, für das sie beispielhaft steht, hat so viele Hohlköpfe ins Parlament gespült, dass man sie mit weichgespülte Antworten abspeisen und die echte Opposition einfach öffentlich diffamieren kann. Das ist aber auch nur deshalb möglich, weil sämtliche gängigen Nachrichtenportale ihr trotzdem in fast pseudoreligiöser Manier huldigen.

Sollte Merkel doch mal sterben und nicht schon vorher in den Himmel aufsteigen, dann durfte das Bild dazu auf web.de dieses noch toppen.

3 Gedanken zu “Führerkult auf web.de.

  1. Die WELT und die ZEIT hatten den gleichen Führer-Kautau. Das war abgesprochen von der ach so gar nicht gleichgeschalteten Presse. In Wahrheit ***/Augenzwinker/*** war das Gelaber so beeindruckend, dass die alle unabhängig fanden, daraus einen Artikel zu machen.

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