Vorwärts ins Mittelalter.

Der Aufstieg der westlichen Welt begann im Grunde damit, dass man kollektiv nicht mehr jeden Bullshit, der von Kirchen oder Blaublütigen verbreitet wurde, unwidersprochen hingenommen hat. Nannte sich Aufklärung. Und weil man aus Adel und Klerus langsam die Luft rausgelassen hat und es so keinen mehr gab, der irgendeinen Stuss zur Wahrheit veredelt hätte, hat man sich auch auf wissenschaftliche Methoden geeinigt. Was man als Ergebnis kriegt, sind dann nicht absolute Wahrheiten, sondern eben nur etwas, was ihr mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst nahe kommt. Weil sich das so gut bewährt hatte, dachte ich nicht, dass wir irgendwann wieder ins Mittelalter eintauchen könnten, wo eine selbsternannte Kaste zum eigenen Vorteil den Bürgern wieder unwidersprochen jeden Käse verkaufen kann. Dabei hat jeder einzelne Bürger weit besseren Zugang sich Wissen anzueignen, als jeder Gelehrte vor 200 Jahren. Eigentlich müssten Augen und Ohren schmerzen, wenn man sieht, was einem täglich zugemutet wird. Da ist zum Beispiel Schellnhubers Klimakirche.

Und so paradox es auch erscheinen mag, der Klimawandel könnte die komplexe Dynamik in der Atmosphäre weiter stören – und uns so nicht nur mehr heiße Extreme im Sommer, sondern möglicherweise auch Kälteeinbrüche im Winter bringen.

Die dachten, sie könnten die Presseerklärung vom Sommer recyceln, doch leider sind die Dezembertemperaturen so kalt, dass mancher Gläubige vom Glauben abfallen könnte. Als Klimaerleuchteter kann man dann die Banalerkenntnis, dass es Kälteeinbrüche im Winter geben könnte, als neuste Wissenschaft verkaufen. Das ist in etwa die von Karsten Schwanke gezeigten Prognosen von deutschen und US-Instituten, ob es weiße Weihnachten geben würde. Die US-amerikanischen kamen jeweils haargenau zu der gemeinsamen Erkenntnis, dass weiße bzw. grüne Weihnachten zu je 50% eintreten würden. Bei den deutschen war das Verhältnis etwa 2/5 zu 3/5. Die Macher des 100-jährigen Kalenders sind gegen diese Institute wahre Überflieger, denn im Gegensatz zu heute sparte man sich Voraussagen wie:

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich`s Wetter oder es bleibt wie`s ist.

Da können die Schellnhubers und Konsorten das Ganze noch so mit pseudo-wissenschaftlichem Geschwurbel von komplexen Vorgängen ausschmücken, es bleibt trotzdem das Gleiche wie die obige Bauernregel. Im Schlepptau befinden sich dann die ganzen Anhänger der Energiewende. Dass die bisherigen Anstrengungen, um eine nicht vorhandene Bedrohung zu beseitigen, in etwa so viel bewirkt haben wie der „Klimatanz“ eines Medizinmannes, stört in der Gegenwart niemanden mehr.

Im Mittelalter gab es sicher schon genügend, die dem Gesülze der Kirche und der Obrigkeit nicht mehr glaubten, doch es fehlte bei vielen das Wissen, dass Naturphänomene eben keine Strafe Gottes sind. Heute rennt die Hälfte der Schüler auf die Unis, haben potentiellen Zugang zu allen Informationen und glauben trotzdem alles was aus dem Mund von Kardinal Clausi Kleber kommt. Man kann dieser Meute mit wertlosen Bildungstiteln in etwa schon den gleichen Blödsinn erzählen, wie der Müller Annamirl vor 200 Jahren, die nie eine Schule von innen gesehen hat.

„Volksabstimmungen gefährden die Demokratie“, „es kommen nur Fachkräfte“ oder „der Migrationspakt ist rechtlich nicht bindend“. Bei letzterem kann sich die heilige Angela hinstellen und alle als Lügner bezeichnen, wenn sie das Gegenteil behaupten, und zwei Tage später verkündet dann ein UN-Fuzzi:

Due to the legally binding nature of the document it’s for the participating states to implement the GCM at the national level.

Also:

Wegen der rechtlich bindenden Natur des Paktes ist es jetzt an den Mitgliedsstaaten, den GCM auf nationaler Ebene umzusetzen.

In etwa so wie die heilige Angela machten es auch die Kirchenfürsten anno dazumal: Diffamieren und als Lügner bezeichnen. Im Mittelalter wagte keiner nachzufragen, wie es möglich wäre, dass 1000 Engel auf einem Stecknadelkopf Platz haben sollten und keiner traute sich die Schriften, vor denen die Kirche warnte, überhaupt anzurühren. Da genügte ein vollgefressener Pfarrer als Verkünder, dass einem schon bei einem unzüchtigen Gedanken der Schweiß auf der Stirn stand. Heute kann ein Witzbold wie Heiko Maas davor warnen, Verschwörungsseiten oder rechtspopulistische Portale im Internet zu besuchen, und die meisten reagieren genauso wie damals, allein wenn ein Link dorthin in den Suchergebnissen auftaucht. Wann die Annamirl damals was nicht wusste oder jemanden bei ketzerischen Äußerungen erwischt hatte, ist sie zum Herrn Pfarrer gerannt. Heute schaltet man den Kleber ein oder meldet die Ungläubigen bei der Amadeo-Stiftung.

So ein abergläubisches und verblödetes Volk war seit 500 Jahren nicht mehr. Da genügt ein Streifzug durch die heutigen Meldungen: Eine Brauerei darf nicht Wohl bekommt´s auf das Etikett schreiben, weil, das vorgaukelt, Bier wäre bekömmlich. Ein Özdemir bekommt einen Rhetorik-Preis für eine Rede, weil er in der Lage war, die Emotionalität seines Beitrags mit starken Argumenten zu unterbauen, obwohl sich darin kein einziges Argument findet. Die Jusos sind für Abtreibung bis zum 9. Schwangerschaftsmonat und eine Dozentin aus der Genderesoterik schiebt einen Artikel hinterher: Abtreibung kann auch Glück bedeuten. Ob für das Kind, steht da nicht.

Menschen, die nur fressen und nachplappert, was man ihnen vorsetzt, sind gleichzeitig hohl wie Brot und selbstgerecht, wie jeder bigotte Schleimer aus dem Mittelalter, der um soziale Anerkennung buhlt, weil er darüber hinaus, nichts kann, wofür er diese bekommen könnte. Und dort sind wir wieder angekommen. Nur mehr die Haltung zählt. Kein Wunder, dass man in den USA jetzt Kurse für junge Erwachsene anbietet, in denen sie die Grundkennnisse im Kochen lernen, Zeitmanagement und sogar, wie man jemanden sagt, dass man ihn liebt. Letzteres könnte in den USA inzwischen schwierig sein, ohne wegen sexueller Belästigung angezeigt zu werden.

Manche reale Meldung ist so bescheuert, dass ich manchmal nachprüfe, ob es nicht Fake-News sind. Der Quoten- und Gleichstellungsschnickschnack hat dazu geführt, dass sich der TATORT inzwischen zu einer Satire-Sendung verwandelt hat, an den Nachrichten muss man gar nix ändern, die Realität gibt das locker her.

Ich warte nur noch darauf, dass man Wallfahrten zu Windrädern organisiert, als Maßnahme, dass die Energiewende gelingen möge.

 

6 Gedanken zu “Vorwärts ins Mittelalter.

  1. Ein Ethikprofessor in den USA hat schon vorgeschlagen, dass man das auch möglich sein soll, denn diese Kinder haben noch kein eigenes Bewusstsein. In einem früheren Artikel habe ich das sogar verlinkt.

    Liken

    1. Hatte ich bei auch schon so ähnlich kommentiert: Warum nicht Abtreibung bis zum 15. Monat, schließlich will man sich den Balg ja noch anschauen, bevor man ihn umbringt.

      Gefällt 1 Person

      1. Gute Idee! Vielleicht sollte man aber sogar warten können, ob der Balg überhaupt den Übertritt aufs Gymnasium schafft, weil andernfalls die Frau wegen dieser Blamage einen Karriereknick bekommen könnte.

        Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.