Bei Schwarz sieht sie rot.

Es muss daran liegen, dass es inzwischen, Spülmaschine, Thermomix und Staubsauger gibt, dass Frauen die Zeit haben, dort eine Krise zu sehen, wo vorher nicht mal ein Problem war. Eigentlich wird der Käse, den eine Fabienne Sand verbreitet, in ähnlicher Form jedes Jahr zu Weinachten wieder aufgewärmt, nämlich, wenn die Sternsinger an die Haustüren kommen. Trotz der vielen Zeit, die sie anscheinend hat, schießt sie sich trotzdem gleich in den ersten beiden Sätzen ins Knie, wenn man berücksichtigt, was sie uns eigentlich sagen will.

Die Drei aus dem sogenannten Morgenland, nichts Böses haben sie gewollt. Und doch greifen Jahr für Jahr wieder Eltern und Ministrant*innen beherzt in die Schuhcreme: Caspar erscheint zum Spendensammeln mit seinen zwei Gefährten nicht nur im prunkvollen Gewand, sondern im Blackface noch dazu. Eine karikierte Schwarze Person aus dem sogenannten Morgenland, dargestellt von einem weißen Menschen mit dunkel geschminktem Gesicht. Die Symbolhaftigkeit des vielleicht berühmtesten Trios des Christentums hinterfragen und eventuell ohne Blackface beim Krippenspiel und an der Nachbarstür erscheinen? Eine Diskussion, die den meisten wieder schwerer fällt als gedacht. Nur leider war ein Blackface, zu Deutsch die Gesichtschwärze, schon immer ein Problem.

Ich lass mich gerne eines Besseren belehren, doch, wenn man den Anfang ins Gegenteil verkehrt, dann wird deutlich wie sie sich vergriffen hat. Dann stünde nämlich hier:

Die Drei aus dem Morgenland haben Böses gewollt und dennoch greifen die Eltern und Ministranten nicht zum Schminkkasten, um einen Schwarzen zu kreieren.

Die Frau meint also, dass die Eltern versäumen, wenigstens einen König schwarz anzumalen, weil sie doch Böses im Schilde führen, heißt wieder umgekehrt, wie kann man einen schwarz schminken, wo die Könige doch in guter Absicht kommen. Womöglich sind ihr die vielen „Einzelfälle“ zu Kopf gestiegen, während die Eltern und Kirchenvertreter trotzdem daran festhalten, einen der drei als Schwarzen darzustellen, auch wenn sie nicht mehr davon ausgehen, dass es sich bei drei Schwarzen in der U-Bahn-Unterführung um gütige Könige handelte. Vielleicht hätte die Fabienne mal googeln sollen, denn die Heiligen drei Könige stehen nämlich symbolisch für die drei Erdteile, die in der damaligen Welt bekannt waren. Man ging also vorurteilsfrei davon aus, dass die Christen aus allen Erdteilen Jesus als den Messias verehren würden. Das Christentum war nämlich die erste Religion, die Menschen nicht nach Stand, Herkunft und Aussehen unterschied, weshalb man sich als Erkennungszeichen den stilisierten Fisch gab. Im Zweifel zeichnete man die eine Hälfte in den Sand und nur ein Christ sollte wissen wie er zu ergänzen ist. Deshalb wirkt auch der Schwarze Morgan Freeman in Kevin Costners „Robin Hood“ nicht als Quoten- Fremdkörper als es auf die Kreuzzüge ging. Ja, Fabienne, er hat im Kampf genauso viele Moslems abgemurkst wie sein weißer Partner. Willst du nun unterstellen, man hätte ihn nur deshalb genommen, weil Schwarze in den USA und in überwiegend von Schwarzen bewohnten Ländern unsagbar grausamer sind im Mann gegen Mann als die Weißen der Gegenwart?

Nach diesem verbockten Anfang passt natürlich der Rest auch nicht so recht, denn Du schlägst dann gleich den Bogen zum Blackfacing.

Bekannt geworden sind Bezeichnung und Praktik des Blackfacings durch US-amerikanische Minstrel Shows aus dem 19. Jahrhundert. Weiße* Menschen verkleideten sich hier als Schwarze**, inszenierten die ihnen bekannten Stereotype auf Theater- und Showbühnen für ein mittelständisches Arbeiter*innenpublikum und stellten die angeblich einfältigen Schwarzen humoristisch zur Schau. Minstrel Shows zeigten in stilisierter Form den Weißen, die oft keine Schwarzen aus ihrem Alltag kannten, zahlreiche Stereotype von Menschen, die sie nur als Untergebene verstanden. Sie wurden als ständig fröhliche, singende und naive Versklavte oder Hausangestellte dargestellt, die ihre Besitzer*innen trotz harter Arbeit lieben.

Da stecken nun zwei Dinge drin. Den Leuten, die oft keinen Schwarzen aus dem Alltag kannten, wurden Stereotype von Schwarzen gezeigt. Ja. Zu blöd. Die konnten das damals nicht schnell googeln, ob das Ganze auch wahr wäre. Es gab damals noch keine polit-korrekte Sprache und, weil ein Albert Schweitzer später sogar den Friedensnobelpreis bekam, konnte man davon ausgehen, dass er sie nicht angeflunkert hat, als er über die Afrikaner schrieb:

Ich habe mein Leben gegeben, um zu versuchen, die Leiden von Afrika zu lindern. Es gibt etwas, das alle weißen Männer, die hier gelebt haben, wie ich, lernen und wissen müssen: dass diese Personen eine Sub-Rasse sind. Sie haben weder die intellektuellen, geistigen oder psychischen Fähigkeiten, um sie mit weißen Männern in einer beliebigen Funktion unserer Zivilisation gleichzusetzen oder zu teilen. Ich habe mein Leben gegeben, um zu versuchen, ihnen die Vorteile zu bringen, die unsere Zivilisation bieten muss, aber mir ist sehr wohl bewusst geworden, dass wir diesen Status behalten: die Überlegenen und sie die Unterlegenen.

Denn wann immer ein weißer Mann sucht unter ihnen als gleicher zu leben, werden sie ihn entweder zerstören oder ihn verschlingen. Und sie werden seine ganze Arbeit zerstören.

Erinnert alle weißen Männer von überall auf der Welt, die nach Afrika kommen, daran, dass man immer diesen Status behalten muss: Du der Meister und sie die Unterlegenen, wie die Kinder, denen man hilft oder die man lehrt. Nie sich mit ihnen auf Augenhöhe verbrüdern. Nie Sie als sozial Gleichgestellte akzeptieren, oder sie werden Dich fressen. Sie werden Dich zerstören.“

Schweitzer hat sicher auch Schwarze kennengelernt, die seiner Aussage in gewisser Weise widersprachen, womöglich, weil sie sich ihm angepasst haben. Sein Schluss legt aber nahe, dass das generell nicht der Fall war. Dass man das für sein Publikum aus Sensationslust noch überzeichnet hat, darf man durchaus annehmen, denn schließlich bläst man Trump oder die „Rechtspopulisten“ heute aus dem gleichen Grund zur Gefahr für die Menschheit auf.

Im zweiten Teil schreibst Du: Sie wurden als ständig fröhliche, singende und naive Versklavte oder Hausangestellte dargestellt, die ihre Besitzer*innen trotz harter Arbeit lieben. Im letzten Post habe ich darüber berichtet, dass eine Nigerianerin selbst sagt, dass sich die Schwarzen lieber bei einem unterstellen, der eine weiße Rasse hat, selbst wenn ein Schwarzer in gleicher Stellung kompetenter sein sollte. Sie werden „singend und ständig fröhlich“ dargestellt. Ja, Fabienne, die schwarzen Frauen singen und tanzen heute noch gerne bei der traditionellen Arbeit und sind fröhlich, weshalb man dies auch gerne bei Staatsbesuchen zum Besten gibt und es nicht selbst für eine unkontrollierte Zwangshandlung hält. Deshalb lädt man in Deutschland auch nicht das Kölner Dreigestirn mit ihrer gepressten Bespaßung zum Staatsempfang für fremde Gäste ein, um deutsche Fröhlichkeit zu demonstrieren.

Nun beschwerst Du Dich, dass man im Westen sich traditionelle Kleidung anderer Kulturen aneignet und der Schwarze „treibt sein Unwesen“.

Auch der Zwarte Piet, zu Deutsch Schwarzer Peter, ist ein Beispiel für die rassistische Praxis des Blackfacings zur Weihnachtszeit. Er treibt als Helfer von Sinterklaas in den Niederlanden sein Unwesen. In Pumphosen und, na klar, Blackface. Und die Traditionalist*innen sind empört: Schon wieder will sich niemand nehmen lassen, was schon immer da war.

Die deutschen Kolonialherren haben sich höchstens bei den eigenen Frauen beschwert, dass sie den schwarzen Frauen das Nähen beigebracht haben und noch heute in selbstgenähter deutscher Miederware rumlaufen und nicht mehr so freizügig oben ohne wie ursprünglich. Nix gehört von Dir, dass wir da durch kulturelle Aneignung diskriminiert würden.

Da treibt der Schwarze also sein Unwesen, so wie auch beim Spiel „Schwarzer Mann“ im Kinderturnen oder beim „Schwarzen Peter“. Glaub mir, bis vor etwa drei Jahren habe ich nie daran gedacht, dass damit ein „Neger“ gemeint sein könnte. Vielleicht, weil die schwarzen US-Soldaten im Bayerischen Wald nach dem Krieg Schokolade verteilt haben und nicht wie die afrikanischen Söldner der Franzosen, das eroberte Land mit Plünderung und Vergewaltigung überzogen haben.

Trotzdem steht auch der Zwarte Pit nicht für einen buchstäblich Schwarzen, sondern er symbolisiert nur den bedrohlich Fremden. Bei einer damals ethnisch recht homogenen Gesellschaft war es schwierig, einen Menschen zu finden, der das Fremde schon äußerlich symbolisiert, doch es war naheliegend einen Schwarzen zu nehmen, denn man kann sicher sein, dass schon damals der eine oder andere an einem holländischen Hafen angelandet ist. Eher als in Süddeutschland, weshalb der Krampus dort als heruntergekommene, geisterhafte Figur dargestellt wird. Womöglich ein Bezug auf Streuner und Wegelagerer in den Wäldern. So wie bei den beschränkten Sprachpolizisten, bei denen ein Wort an sich böse ist und nicht der Kontext, so ist auch Fabienne in ihrer Wahrnehmung von schwarzen Personen beschränkt, wenn sie unter ihren Artikel schreibt:

Schwarz: Der Begriff beschreibt in diesem Fall nicht die Hautfarbe als Farbe, sondern ist als gesellschaftlich-soziales Konstrukt zu verstehen, in welchem Schwarze und Indigene People of Color Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt sind.

Blöd nur, dass bei normalen Menschen eben keine Platte von Schweitzers Worten im Kopf abgespielt wird oder ein Opfergewinsel über Diskriminierung, sobald sie „Schwarzer Mann“ oder „Zwarte Pit hören“, und die Welt wie Du sie siehst, so eben nicht existiert.

So wie Du aussiehst, hast Du ja auch afrikanische Wurzeln, es ist den allermeisten aber völlig egal und das ist schlimmer als gelobt oder diskriminiert zu werden. Stell Dir vor, man würde für die Sternsinger traditionell blonde Jungen mit der Statur von Jungspunden der Reichsjugendturner auswählen, dann wärst Du mit Deinen Gendersternchen die erste, die mehr Diversität fordern würde und deshalb auch Mädchen, Schwarze und Asiaten vertreten sein müssen.

Ham wir aber schon. So zeigt sich, dass Dein Gesülze nur auf rassistischen Unterstellungen beruht. Diese weibliche Logik konnte sich nur dadurch entwickeln, dass böse, weiße Männer Spülmaschine, Staubsauger und Thermomix erfunden haben und Frauen wie Du nun genügend Zeit haben, sich eine eigene Welt zu basteln, weil sie in der realen anscheinend zu wenig zu tun haben.

 

 

4 Gedanken zu “Bei Schwarz sieht sie rot.

  1. Na ja, das ist eine abgehängte Frau, die sich nicht verstanden fühlt, und deshalb in einer Zeit zurück will, die es so nicht gegeben hat und in der Schwarze eben total von Weißen befreit mords glücklich waren.

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  2. Die Dame scheint mir – ausgehend von den Bildern, die ich so von ihr gefunden habe – selbst eine Art mentales Blackfacing … Blackbraining oder so … zu betreiben.
    Zumindest ist sie eine der weißesten Schwarzen, die ich je gesehen habe.
    Da hilft auch Minipli und Schlauchbootlippe wenig.

    Ich halte das Ganze bei der Dame daher eher für eine Art der Überkompensation, weil sie sich selbst nicht für schwarz genug hält und die fehlende Farbe mit ideologischer Durchgeformtheit auszugleichen sucht. Was auch irgendwie wieder rassistisch wäre, könnten „Schwatte“ denn rassistisch sein.

    Vielleicht sollte sie es einfach mal mit Schuhcreme versuchen. Dann ginge sie ihren Mitmenschen (und übrigens auch Mitnegern) zumindest nicht so auf den Nerv.

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