Lobo bestellt-Relotius liefert.

Heute habe ich mal quergelesen, was die Vorzeigeblogger und Meinungsmacher so zum Fall Relotius zu sagen haben. Irgendwie habe ich mich dann gewundert, dass da der „Medienexperte“ Sascha Lobo nix zu sagen hat, aber dann las ich die Schlagzeile: „Spiegel deckt Betrugsfall im eigenen Haus auf“. Schon wieder Schnee von gestern, doch das war der Trigger, warum mir plötzlich eingefallen ist, dass der Sascha gerade abgetaucht ist. Er hat nämlich ausgerechnet in einer SPIEGEL-Kolumne dargelegt wie Journalismus heute aussehen muss. Und da ist es sehr erhellend, wenn der SPIEGEL die Verfehlung von Relotius wie einen Einzelfall behandelt. In der Kolumne vom 18.7.2018 geht es um die Berichterstattung über Trump, die er für viel zu neutral hält. Es gipfelt in den Satz

Man kann über Kotze nicht berichten wie über ein misslungenes Tellergericht. Man muss sagen, dass es Kotze ist. Auch außerhalb von Kolumnen und Glossen.

Interessant sind dann seine Einlassungen wie eine „gute“ Berichterstattung auszusehen hat:

Mir kommt es vor, als funktioniere die klassisch-journalistische Trennung von Berichterstattung und Meinung in Zeiten des autoritären Backlash nicht mehr. Denn sie wird missbraucht. Ich glaube, dass Journalisten heute qua Beruf auch Streiter für eine liberale Demokratie sind und dass sich dieser Umstand in den Nachrichten viel deutlicher spiegeln sollte. Man kann und sollte Berichterstattung und Meinungsartikel trennen: Aber man kann und sollte in diesen Zeiten nicht Berichterstattung und Haltung trennen.

Hier wird schon deutlich, dass man nicht mehr neutral über eine Sache berichten, sondern gleichzeitig die Haltung dazu mit einfließen soll. Er hat dazu auch ein Beispiel:

Wie gesagt sehe ich bisher keine simple Lösung für dieses Problem. Daueralarmierte Superlativ-Hysterie ist natürlich auch Unfug, aber Lügen auch Lügen zu nennen, wäre ein Anfang. Auch wenn vielen Journalisten widerstreben dürfte, in ihre scheinbar objektive Berichterstattung wertende Elemente einzubauen.

Die Notwendigkeit lässt sich aber etwa bei der Tagesschau beobachten. Zur reichweitenstärksten Sendezeit zwischen zwei WM-Halbzeiten wurden ohne jede Einordnung Statements des AfD-Vorsitzenden Gauland gesendet. Als sei die AfDeine normale Partei, aber das ist sie natürlich nicht. Um es mit den Worten des konservativen SPD-Abgeordneten Kahrs zu sagen: „Die AfD ist eine rechtsradikale Partei!“. Oder mit den Worten der linker Umtriebe enorm unverdächtigen CSU„Brauner Schmutz“.

Den Vorsitzenden einer „braunschmutzigen“ „rechtsradikalen Partei“ als Inhaber einer gewöhnlichen, akzeptablen, demokratischen Meinung zu präsentieren, halte ich für fahrlässig und gefährlich.

Dann ist auch klar, welche Haltung der Journalist zeigen soll. Es ist die fest betonierte, alternativlose Einheitshaltung der Blockparteien nicht nur gegenüber der AfD, sondern auch gegenüber Trump, Putin, dem Brexit, dem Klimawandel, der EU und sämtlich anderen relevanten Themen. Ich denke, dass Gauland in seinem Statement nichts gesagt hat, was man als verfassungsfeindlich einordnen würde, denn er ist im Grunde recht sachlich. Natürlich erregt man sich ausschließlich darüber, wenn er ein politisch nicht korrektes Wort wählt, so dass man auf den Inhalt gar nicht mehr eingehen muss. Dass der politische Gegner immer ad hominem argumentiert, ist das eine, das andere ist, dass es Aufgabe von Journalisten wäre, nicht auf diesen Empörungszug aufzuspringen, sondern die Regierung mit dem Inhalt zu konfrontieren, damit sie auch inhaltlich Stellung nehmen, und nicht als Gegenargument von diesen allein die Meinung gegenüber dem politischen Gegner einzuholen. Doch nicht so bei Sascha.

Mir kommt es vor, als funktioniere die klassisch-journalistische Trennung von Berichterstattung und Meinung in Zeiten des autoritären Backlash nicht mehr. Denn sie wird missbraucht. Ich glaube, dass Journalisten heute qua Beruf auch Streiter für eine liberale Demokratie sind und dass sich dieser Umstand in den Nachrichten viel deutlicher spiegeln sollte. Man kann und sollte Berichterstattung und Meinungsartikel trennen: Aber man kann und sollte in diesen Zeiten nicht Berichterstattung und Haltung trennen.

Da frage ich mich schon was der Unterschied zwischen Haltung zeigen und seine Meinung sagen sein soll. Vielleicht meint er ja mit Haltung, dass der Kleber bei einem Interview mit Alice Weidel eine Grimasse aufsetzen soll, als hätte er gerade seine Nase in die Biotonne gesteckt. Ja, Sascha. Du schreibst „in diesen Zeiten“ wäre das notwendig. Ja, das sind diese Zeiten, wo man sich zwar wie vor 30 Jahren in Vorträgen und Talkshows immer noch arrogant aufblasen kann, Deine Meinung aber durch das Internet zu einer unter vielen geworden ist und Dich nun dagegen behaupten musst. Ein Roland Tichy wirkt eben dann doch seriöser wie ein selbstverliebter, roter Gockel. Aber man kann und sollte in diesen Zeiten nicht Berichterstattung und Haltung trennen, sagst Du ja.

Das hängt ganz unmittelbar mit dem Journalismus und seiner Kontrollfunktion für die Politik zusammen. Diese Aufgabe können Medien nur in einer liberalen Demokratie ausüben, wo Pluralismus ein Wert für sich ist.

Man hat eher das Gefühl, die Aufgabe der Journalisten bestehe darin, abweichende politische Meinungen zu kontrollieren und klein zu halten und auch zu kontrollieren, dass bestimmte Meldungen, die der Block-Agenda zuwiderlaufen, es erst gar nicht in die Medien schaffen, bzw. alles aufzublasen, was ihr nützt. Diese Aufgabe können sie nur in dieser „liberalen Demokratie“ ausüben, die vorher das Feld der betreuten Meinung genau absteckt, alles was außerhalb liegt, gilt als demokratiefeindlich und arbeitet nicht an Lobos Welt, wie er sie sich vorstellt:

Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der eine jüdische, arbeitslose, lesbische She-Male im Bikini betrunken knutschend an jedem Ort mit einer stillenden schwarzen behinderten Ex-Muslima mit Kopftuch auf der Straße tanzen kann – ohne Angst um ihre Existenz haben zu müssen.

Der Witz ist nur, dass die liberalen Demokraten daran arbeiten, dass das nicht mehr möglich ist, wie es vielleicht vor 20 Jahren noch war, weil es niemanden interessiert hat. Heute werden wir dazu genötigt, es nicht nur zu tolerieren, sondern zu akzeptieren und für uns alle seligmachend ansehen sollen, während man der geflüchteten Ex-Muslima ihre ganze koran-gläubige, judenhassende Bagage hinterherreisen lässt.

Die „Haltung“ des Journalisten besteht darin, Saschas Traumwelt am Leben zu erhalten und die Realität auszublenden. Damit auch die Bürger die richtige Haltung bekommen, müssen Gegenmeinungen als brauner Dreck bezeichnet werden, der zur sozialen Ausgrenzung führt. Eine christlich-konservative, patriotische Haltung ist rechtsextrem, wertlos und kulturell rückständig und ist schuld an zwei Weltkriegen. „In dieser Zeit“, also den letzten fünf bis zehn Jahren, scheint jedoch die Realität gegenüber den von Politikern und Journalisten angenommen Traumwelt die Oberhand zu gewinnen. Da liegt es auf der Hand, dass es nicht mehr reichte, die der Sache nicht dienlichen Ereignisse in eine Nachricht mit Haltung umzugießen, sondern man erfindet wie ein Claas Relotius die passende Welt gleich selbst, damit genug Platz für die Haltung bleibt. Putzig, dass dieser Journalist genau die Sülze aus einem früheren Vortrag bestätigt.

Im autoritären Backlash zweifeln immer mehr Menschen sowohl an der liberalen Demokratie, als auch am Wert des Pluralismus. Es sind nicht zufällig die gleichen, die ständig fordern, Medien müssten „neutral“ berichten. Sie meinen damit, dass abweichende Meinungen gar nicht stattfinden sollen. (…) Aus Sicht der Feinde der liberalen Demokratie ist die liberale Demokratie selbst eine Verschwörung und Journalismus ein Teil davon.

Ja, die letzten drei Monate haben mit Chemnitz, dem Migrationspakt und als Krönung Claas Relotius bewiesen, dass es genau so ist. Die Mainstream-Journalisten sind die Huren der Eliten, die erst dafür sorgen, dass Gegenmeinung und Opposition in einer neutralen Berichterstattung erst gar nicht stattfindet, sondern sogar die passenden Geschichten erfinden, über die sie dann die vermeintliche Deutungshoheit haben. Vielleicht ändert man ja demnächst Lobos Wikipediaeintrag:

„Beneidet von seiner unmittelbaren Konkurrenz, den anderen Bloggern, verachtet von den analogen Medien, weil er ihnen die Deutungshoheit für einen wesentlichen Weltausschnitt entwunden hat, und verleugnet vom großen Publikum, das nicht gerne Teil einer Massenbewegung ist.“

Lobo hat die vermeintliche „Deutungshoheit für einen wesentlichen Weltausschnitt“ dadurch erlangt, dass er genau der gleiche Ausfluss der „liberalen Demokratie“ ist wie ein Class Relotius, denn dieser führte nur aus, was Lobo von Journalisten einfordert. Da wirkt Lobos Schlusssatz wie aus einer anderen Welt.

Aus meiner Sicht ist es das gegenwärtig sinnvollste mediale Mittel gegen die Schwäche der liberalen Demokratie, sich bewusst zu machen, dass freier Journalismus für sich bereits eine politische Haltung ist. Weil er nur in einer liberalen Demokratie möglich ist. Das bedeutet aber ehrlicherweise auch, nicht mehr so zu tun, als könne man neutral und objektiv über Vorgänge berichten, über die sich aus der Perspektive der liberalen Demokratie nicht neutral und objektiv berichten lässt.

Genau dieser „freie Journalismus“ ist im Kampf für die „liberale Demokratie“, wie sie einem Sascha Lobo vorschwebt, dazu genötigt, Haltung für sie zu zeigen. Ein Selbstwiderspruch. Frei sind nur die, die ohnehin auf den links-grünen Sozialismus gepolt sind, alle Journalisten, die sich davon freigemacht haben, stehen außerhalb der liberalen Demokratie, die sich als Hort des Pluralismus sieht.

Kein Wunder, dass man von Lobo nun nix hört, wo doch, wie gesagt, Relotius nur ausgeführt hat, was er selbst die ganze Zeit gefordert hat. Aber sicher kommt bald was mit „Die Rechten instrumentalisieren Relotius und bedrohen die liberale Demokratie“. Zum Glück neigt sich auch Lobos Deutungshoheit langsam dem Ende.

 

 

 

 

7 Gedanken zu “Lobo bestellt-Relotius liefert.

  1. Herrn Lobo wünsch ich die Pest an den Hals. Wenn ich mich ähnlich über den ausdrücken würde wie der über uns, inklusive seiner mal mehr mal weniger offenen Drohung, würde bei mir die Polente auf der Matte stehen. Aber genau das ist ja der linke Zauber. Die feigen Lutscher dürfen ohne Zügel angreifen, weil sie sich hinter der Macht verstecken können. In der Wüste, im Gebirge, fern der Zivilisation, würden sie ihre Worte wohl nicht so forsch wählen – jedenfalls nicht in unser Gesicht.

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  2. Lobo = medizinischer Fachterminus für Gehirnlappen auf spanisch, auf deutsch lobus, auf englisch lobe.
    Schon der Name weist darauf hin, wo man nach dem grundlegenden Fehler bei diesem Mann suchen könnte.

    Und loti-us mit dem präfix re (also re-loti-us/ re-lot-ius maskulinum) war zwar nicht aufzufinden, aber dafür der mögliche Wortstamm mit der Neutrum-Endung -um:
    loti-um, oder lot-ium. Lotium bedeuted Urin.
    Urin nahm/nimmt man zum Bleichen wie auch zur Schwarzpulverherstellung.
    Urin (lotium) wird in der Niere produziert, ein kidney lobe (englisch), lobo renalis (span.), ein Nieren-lappen (dtsch.) besteht aus innerer Mark-PYRAMIDE und äußerer Rinde.
    Re- bedeuted „zurück/wieder“.
    Sascha kommt von Alexander und wiki schreibt: Sascha-Filmindustrie, war von etwa 1920 bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1938, die größte Filmproduktionsgesellschaft Österreichs
    Sascha … ein aufrechter Deutscher, ein Lied der Band Die Toten Hosen.
    Nun lasse man seiner Fantasie etwas nötigen Freilauf….
    „the fundamental interconnectedness of all things“ (die fundamentale Verwobenheit aller Dinge) ist ein spannendes humorvolles Forschungsfeld.

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