Ausstellung zu Verschwörungstheorien: Ein Hoch auf das betreute Denken.

Wir kommen in einen präfaschistischen Strudel und Verschwörungstheorien dienen als Katalysator,

heißt es in einem Bericht über eine Ausstellung zu Verschwörungstheorien mit dem Titel Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung. (Alle fehlenden Quellen zur Ausstellung sind wegen Überschneidungen der Einfachheit halber am Ende des Textes)

Es hat eine Zeit gegeben, da sprachen Kunstwerke für sich selbst, doch, weil sich das Kunststudium inzwischen eher mit Selbstfindung durch spontane Eingebungen beschäftigt und nicht mit dem Erlernen und Umsetzen von Techniken und ästhetischen Prinzipien, hat man schon vor 50 Jahren die Kommentarkunst erfunden. Wer nicht eingängig mit dem Werk zeigen kann, was er meint, der muss sich eben in pseudo-tiefgründige Erklärungen versteigen, damit der Betrachter sich wenigstens einbildet, er hätte was verstanden und konsumiere große Kunst. So fällt auch die Kritik in der faz entsprechend aus:

Über den Zusammenhang von Wahrheit und Kunst etwa denkt die Ausstellung nur indirekt nach. Dabei hat gute Kunst immer mit Mehrdeutigkeiten zu tun, mit dem Spiel von Ästhetik und Symbolik, was im Idealfall eine neue Perspektive auf die Wirklichkeit eröffnet. Gerade hier jedoch, wo qua Konzeptkunst dezidiert verstörende Situationen kreiert werden sollen, herrscht oft eine schrille Eindeutigkeit der Botschaft.

Im Grunde ist so eine Veranstaltung nur ein Vehikel, um die Einheitsmeinung zu verbreiten, die man täglich in Magazinen, Nachrichtensendungen oder Talkshows zu hören bekommt. „Künstler“ sollen vorgaukeln, da hätten besonders Erleuchtete besonders stark nachgedacht und wären zum gleichen Ergebnis gekommen.

Eine Antwort auf die von Waldvogel gestellte Leitfrage, woher die große Unzufriedenheit und Angst in Deutschland stamme, die dem Aufblühen des mit Verdächtigungen und „postfaktischen“ Lügen operierenden Rechtspopulismus zugrunde liege, wird mit alldem nicht gegeben. Der kleinformatige, voluminöse Katalog, der auch historische und neue Essays zu Wahrheit und Lüge versammelt, zitiert – das macht sich immer gut – Michel Foucault als Zeugen der Anklage: „Die Wahrheit ist von dieser Welt.“ Ihre Produktion folge Zwängen der Macht. Zumindest die angewandte Diskurstheorie muss sich aber fragen lassen, ob ihr Brecheisen-Vordringen nicht doch auch dem um sich greifenden Relativismus Vorschub geleistet hat. Dass der stärkste Gegendiskurs einmal von rechtsaußen kommen könnte, haben sich Foucault und seine Adepten wohl kaum vorgestellt.

Ja, Verschwörungstheorien kommen nur von Spinnern von rechtsaußen, die die Ängste der Menschen wegen der unsichere und unübersichtliche Lage in der Welt ausnutzen, indem sie genau dort auf fruchtbare Boden fallen. Leider muss man sich über diese Ausstellung alles zusammensuchen und es bleibt ein unvollständiges Bild, doch der Grundtenor wird deutlich. Am Eingang basteln die Kinder Aluhüte, sozusagen die Ikone der Verschwörungstheoretiker. Dann werden alle Arten von vorgeblichen Verschwörungstheorien ineinander gerührt. Bielefeldverschwörung, Mondlandung, Kennedymord oder 11.September. Flache Erde ist sicher auch dabei. Die große (jüdische Weltverschwörung) gipfelt dann in ein Kunstwerk, das „skuril und witzig“ sein soll.

In diesem Umfeld, wo alles in einen Topf verrührt wird, dürfen dann die „Experten“ der Ausstellung ihren Senf dazugeben. Dass vor allem im Internet solche Theorien verbreitet werden, sich diese aber dann auch denen stellen müssen, die die Wahrheit kennen. Trump darf natürlich nicht fehlen, der die Medien einer Verschwörung bezichtigt, und der NSU. Ja, genauso hätte ich es auch gemacht. Kunstwerke, die laut Kritik eher nichts mit Verschwörungstheorie zu tun haben, und die plakative Darstellung, dass man sich durch Bildmanipulationen leicht täuschen lassen kann, man durch Ängste und dem Versuch die komplexe Welt zu verstehen ebenso leicht in Verschwörungstheorien abgleitet, was sich die Rechtspopulisten zu Nutze machen. Und, weil die Kunstwerke nur erwartbarer Krimskrams sind ohne jegliche erhellende Wirkung, hat man dann die Möglichkeit zu erklären, dass Verschwörungstheorien eben krude Aussagen sind, wenn´s mal im Land nicht so läuft und Dinge passieren, die man sich nicht erklären kann. Lächerlich und was für Dumpfbacken. Na, dann ist ja alles paletti und der Besucher ist glücklich, dass er nicht darauf reinfallen wird.

Echt witzig, dass die Ausstellung, im Zweifel für den Zweifel heißt, denn dafür würde ich auch plädieren, doch die Ausstellung und das Gelaber drumherum bietet genau das Gegenteil. Man legt diesen Maßstab nur bei den Verschwörungstheorien an. Es wird das Beispiel der wehenden Fahnen auf dem Mond genannt, obwohl es dort keinen Wind gibt. Dass sie sich nur bewegt, weil es dort keine Atmosphäre gibt, die durch die Trägheit die Bewegungsenergie durch das Einstecken absorbiert, ist eben der Gegenbeweis, der die Theorie an dieser Stelle aushebelt.

Ich bin aber der Meinung, dass die Fragen, die es zu gängigen Narrativen gibt, unter bewusst befeuerte Verschwörungstheorien, die die Zweifler in eine andere Richtung lenken, begraben werden. Ein Beispiel ist der 11. September. Es gibt unzählige Videos, die behaupten, die Türme wären gesprengt worden und es würde von den USA alles selbst inszeniert worden sein. In einem früheren Post habe ich schon darauf hingewiesen, dass dieses Bild die entscheidende Frage aufwirft, die auch sämtliche Theorien über eine Sprengung aushebeln. Je umfangreicher und komplexer die Verschwörungstheorien sind, die ins Netz gestellt werden, desto besser, um genau von der Frage abzulenken, die sich aus diesem Bild ergibt. (Gilt auch für die Aussagen der aus dem Turm geretteten Feuerwehrleute; habe schon mal auf dieses Buch bzw. den Vortrag hingewiesen). Erst, wenn man eine abgeschlossene (Verschwörungs-) Theorie präsentiert, ist es leicht, die berechtigten Zweifler an einem Narrativ ins leere zu laufen lassen.

Das gleiche gilt für die Theorie, dass Kennedy nicht von einem Einzeltäter erschossen wurde. Nur in diese Richtung gehen die Verschwörungstheorien. Die Frage, wer den größten Nutzen von seinem Tod gehabt hat, wird nicht gestellt. Auch, wenn es nichts mit seinem Tod zu tun haben sollte, so war es doch interessant, dass sein Nachfolger unmittelbar nach seiner Vereidigung in einem Flugzeug die Entmachtung der FED durch vom Staat gedrucktes Geld zurückgenommen hat. Die wenigen Scheine aus dieser Zeit haben heute sicher Sammlerwert.

Mit den gegenwärtigen Verschwörungstheorien gibt es aber ein Problem. Es wird behauptet, dass der Hype um den Klimawandel nur der Versuch ist, eine große Umverteilung von Geld bewirken soll. Es wird behauptet, dass die Flüchtlingskrise kein „Naturereignis“ ist, sondern bewusst befeuert wird, um die Nationalstaaten zu zerstören und eine für die Globalisten leichter manövrierbare Masse zu bekommen. Während man beim 11. September und den Waldbränden in Kalifornien noch gesunden Menschenverstand braucht und physikalisches Wissen, so ist das gängige Narrativ der obigen Beispiele einfach zu dünn, um sich der „Verschwörungstheorie“ zu stellen. Man hat schließlich Aussagen von Politikern und öffentlich zugängliche Dokumente, die das belegen. Deshalb gibt es auch keine Verschwörungstheorie zum Klimawandel und zur ungebremsten Migration. Die Zweifler mit der richtigen Frage heißen dann „Fremdenfeinde“ oder „Klimaleugner“ und es wird den Zweiflern erschwert, Informationen zu verbreiten (Internetzensur) bzw. wird der Zugang zu Daten erschwert. Kein Wunder, dass ein schlichter Datensatz über die Temperaturen der letzten 30 Jahre einer Wetterstation im Internet für über 800.-€ angeboten werden.

Judy Wood hat es mit ihrem Buch bzw. Vorträgen richtig gemacht. Sie zeigt nur, wo die gängigen Narrative und Verschwörungstheorien versagen, ohne selbst eine abgeschlossene Theorie aufzustellen, was sie auch am Anfang eines Vortrages betont. Diejenigen, die die Folgen der Waldbrände in Kalifornien nicht auf Waldbrände schieben, ebenso. Sie zeigen ungeschnittene Videosequenzen ohne Ton und Bilder, die offiziell von den Leitmedien verbreitet wurden. Eigentlich wird hier erst das Ausstellungsanliegen „Im Zweifel für den Zweifel“ erfüllt.

Die Ausstellung ist nur Klamauk, der talentlose „Künstler“ vor dem Verhungern rette soll und eine Plattform, um die Zweifel an gängigen Narrativen zu zerstreuen. Das hat auch der Autor in der faz erkannt aber wohlweislich nicht tiefer gebohrt. Denn eine Aussage in den oben verlinkten Videos, enthält seine eigene Jobgarantie. Sinngemäß wollen die Menschen eben spannende Geschichten hören, die ihre Ansichten am besten noch bestätigen.

Ach, ja. Es fand sich noch eine Schnepfe, die sich darüber beschwerte, dass unter den austellenden „Künstlern“ nur zwei Frauen waren. Dass Gender-Mainstreaming und Frauenquote nur dazu dienen, die westliche Gesellschaft zu zerstören und unfähige Sozialistenweiber leistungslos in gut bezahlte Posten zu hieven, ist natürlich auch nur eine Verschwörungstheorie.

http://www.geschichte.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Philosophische_Fakultaet/Geschichtswissenschaften/Geschichte_und_Kulturen_Osteuropas/Bilder/Caumanns/Introplakat.Ausstellung.pdf

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWY0ZWE0ZWNmLWFjNGItNGM5Yy04YzI2LWIyZDU5NTlhNDdjZg/

https://www.art-in-duesseldorf.de/kalender/eroeffnung-im-zweifel-fuer-den-zweifel-die-grosse-weltverschwoerung-9-20-18.html

https://www.deutschlandfunk.de/ausstellung-im-zweifel-fuer-den-zweifel-die-grosse.807.de.html?dram:article_id=428702

Rest im Text hier: https://derwaidler.wordpress.com/2018/09/11/9-11-die-einfachen-fragen/

https://derwaidler.wordpress.com/2018/11/22/der-horror-ist-schon-da/

 

5 Gedanken zu “Ausstellung zu Verschwörungstheorien: Ein Hoch auf das betreute Denken.

  1. > Dass der stärkste Gegendiskurs einmal von rechtsaußen kommen könnte, haben sich Foucault und seine Adepten wohl kaum vorgestellt.

    Linke sind banal. Nicht nur ist ihr denken schwarz-weiß, „ich oder Faschismus“ und eindimensional, „Alle öffentlichen Themen liegen auf einer Links-rechts-Achse“, sondern auch noch stupide von ihrer machtgeilen Doppelmoral überrascht, „Wer hätte gedacht, dass das, was für uns in gut ist, auch von anderen gewollt und gemacht wird?“.

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    1. Bei dieser Eindimensiionalität machen die Linken auch immer Gesetze, wo sie zwar im Auge haben, was sie sich wünschen, aber von der Realität so weit weg sind, dass sie nicht erkennen, was es wirklich bewirkt. Man denke nur an die Mietpreisbremse oder die Energiewende.

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