Die Geschichte zwischen den Zeilen

Ich kann mich erinnern, wie vor einem Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag gewarnt wurde. Man sprach von Rechtsextremen, Gefahr für die Demokratie und, dass zukünftig Nazivokabular ins Parlament getragen würde. Nun kann man jetzt schlecht behaupten, dass sich das nicht bewahrheitet hat und man sogar zugeben muss, dass die AfD in den Ausschüssen kompetente Leute hat und an konstruktiver Arbeit interessiert ist. Liest man aber quer, was über die Partei in den Leitmedien steht- bei der Suche nach dem Lebenslauf eines Abgeordneten hatte ich heute das Vergnügen- dann muss der Leser annehmen, dass sich dort lauter pöbelnde Braunhemden breitgemacht haben. So fallen auch die Behauptungen von Claudia Roth weitgehend widerspruchslos auf fruchtbaren Boden

Wir erleben eine Entgrenzung von Sprache, einen Angriff auf demokratische Institutionen und den Versuch der Umdeutung der Geschichte.

(Eine) antidemokratische, autoritätsfixierte Partei mit heftigen Verstrickungen ins rechtsextreme Spektrum. Sie haben Angst.

Allein Bundespräsident Wolfang Schäuble meint durch die Blume, dass hier Roth und Kubicki ziemlich dick aufgetragen haben. Nun werden irgendwann die Politik und die gesellschaftliche Gegenwart zu Geschichte geronnen sein. Zu meiner Zeit konnte man das plakativ in der Unibibliothek sehen, wo die Ausgaben des SPIEGEL und die Bundestagsprotokolle vergilbt und in gebundener Form Regale füllten. Und ich habe diese gerne genutzt, denn Bücher über diese Zeit müssen und können immer selektieren und die Autoren haben immer den Vorteil, dass sie das kennen, was damals noch in der Zukunft lag. Das wird in dreißig oder vierzig Jahren nicht anders sein, wenn Bücher über unsere Gegenwart geschrieben werden. Sollten die Wissenschaften an den Universitäten den schwedischen Weg nehmen, dann werden die Arbeiten nicht der Wahrheitsfindung dienen, sondern allein der Volkserziehung unter Auslassung von allem, was nicht politkorrekt ist. Da wird man die Welt von heute genauso interpretieren und darstellen wie sie uns von den Leitmedien und einer Claudia Roth beschrieben werden. DER SPIEGEL als Quelle. Man kann nur hoffen, dass die früheren Chronisten ihrer Zeit die Welt nicht ebenso mit erfundenen und aufgebauschten Geschichten bereichert haben. Der Chronist von Karl dem Großen hat auch viel ausgeschmückt, was man aber mit der Zusammenschau mit anderen Quellen „glätten“ konnte.

Da links in der Geschichte immer gescheitert ist, egal, ob rot-links oder braun-links, kann man davon ausgehen, dass es über unsere Zeit auch wieder eine objektive Geschichtsschreibung geben wird. Das Scheitern des Neomarxismus deutet sich ja schon an. Die US-Unis produzieren ja schon Unmengen arbeitsloser Uniabgänger mit Fake-Studium, die es geschafft haben, dass sachliche Kritik immer als rassistisch, homophob, u.ä. gebrandmarkt wurde und so die verquersten Theorien und blödsinnigsten Studien heute als Wissenschaft gelten. Durch die Behauptung, dass auch Jungen angeblich menstruieren können und so auch auf deren Klos Eimer für Binden stehen müssten, zeigt jetzt auch dem Nichtakademiker, dass man hier lauter Hohlköpfe auf leitende Positionen gehievt hat.

Es wird sich also irgendwann auch ergebnisoffen dieses Bundestagsprotokoll unserer Gegenwart untersuchen lassen, um unsere Zeit besser zu verstehen, weil Zeitungsmeldungen ja schon vor dem 1.Weltkrieg eher der Propaganda dienten, so wie heute auch der SPIEGEL. Da wird man die Behauptung der Verrohung der Sprache im Parlament durch die AfD nicht einfach glauben, sondern dies auch überprüfen.

Vielleicht kommt jemand dann über diese Stellen mit den Zwischenrufen:

Für die universellen Menschenrechte gibt es noch eine weitere Gefahr. Sie kommt aus dem Islam. Verräterisch ist da die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam.

(Steffi Lemke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie vergessen den Rechtsextremismus!)

Nur unter dem Vorbehalt der Scharia sollen die Menschenrechte gelten.

(Helin Evrim Sommer [DIE LINKE]: Das steht gar nicht da drin! Was erzählen Sie da für einen Mist? – Ulli Nissen [SPD]: Sie sind eine Gefahr!)  pdf S. 97

In dreißig Jahren wird jeder in Deutschland am eigenen Leib erfahren haben und auch wissen, dass in der Kairoer Erklärung die Scharia unseren Vorstellungen von Menschenrechten vorgezogen wird. Der angehende Historiker wird sich fragen: Wussten die Zwischenrufer es nicht besser? Warum reagieren sie auf die Wahrheit dermaßen aggressiv? Warum sollte der, der die Wahrheit sagt, eine Gefahr sein?

Die Zwischenrufe bei einer Rede von Detlev Spangenberg über die Forderung der linken Parteien nach einer Frauenquote in den Ärztekammern sind ebenso erhellend:

(Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was sagt er? Ich verstehe Sie irgendwie nicht!)

Ich erkenne das erst mal als gesellschaftlichen Unsinn, was Sie hier vortragen; das sage ich in aller Deutlichkeit. Und ich muss Ihnen einfach sagen: Sie müssen das einfach mal mit Arbeit probieren. Die Männer, die in diesen Positionen sind, haben sich dort hochgearbeitet, mit ungeheurer Energie.

(Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der ist doch besoffen, oder was?)

Wenn Sie das Gleiche tun, würden Sie das auch schaffen. Das ist einfach mit Arbeit verbunden; so einfach ist das.

(Beifall bei der AfD – Lachen bei der CDU/ CSU, der SPD, der FDP, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Spangenberg spricht darüber, dass für Frauen ohnehin schon zu genügend Förderprogramme und Quoten aufgelegt würden und es nicht notwendig sei, überall zur Hälfte Frauen zu installieren:

Jetzt sagen Sie, die Interessen von Frauen werden nicht gewahrt. Lächerlicher geht es gar nicht. Sie meinen also, wenn in der Führungsetage in einem Unternehmen eine Frau sitzt, in der Finanzabteilung oder irgendwie im Gesundheitswesen, entscheidet die anders als ein Mann. Keine Bohne! Die entscheidet genauso. Das sind fachbezogene Entscheidungen. Diesen Unternehmen ist vollkommen egal, ob eine Frau oder ein Mann da sitzt.

Diese Aussage beschreibt genau die Realität in Unternehmen und Institutionen, wo es am Ende um den Gewinn und das eigene Überleben geht und nicht nur um schöne Worte und die Illusion einer Tätigkeit. Trotzdem erntet der Redner nur Gelächter und unqualifizierte Zwischenrufe:

(Lachen der Abg. Hilde Mattheis [SPD] – Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist peinlich! – Zuruf der Abg. Karin Maag [CDU/CSU]) –

Hören Sie mir erst mal zu. Sie können sich dann aufregen. (…)

– (Zurufe und Lachen von der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

(…)

(Lachen bei der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dabei zählt er nur auf, dass Frauen allein in den eher gehobenen und angenehmen Berufen teilweise sogar die große Mehrheit bilden.

(Lachen bei der CDU/CSU und der SPD)

Ja, meine Damen und Herren, jetzt gehen wir mal weiter in der Statistik. Ich will Ihnen mal was erzählen: Ich habe hier zum Beispiel eine Bilanz von tödlichen Unfällen und von nichttödlichen Unfällen, die in einer großen Schar angefallen sind. 3,2 Millionen Unfälle, davon zwei Drittel Männer.

(Lachen der Abg. Hilde Mattheis [SPD] – Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hören Sie auf, die Frauen hier zu verarschen!)

Haben Sie sich damit schon mal beschäftigt? Interessiert Sie nicht. Bei den tödlichen Arbeitsunfällen – 3 900 pro Jahr – haben wir zu 95 Prozent Männer. Das ist auch klar und interessant. Darüber können Sie sich totlachen; ist ja auch klar. (…)

Die Lebenserwartung der Männer ist um fünf Jahre geringer als die von Frauen. Schon mal was davon gehört? Wenn das jetzt anders wäre, dann hätten Sie doch schon eine Gleichstellungsbeauftragte für die Anhebung der Lebenszeit, oder nicht? Garantiert!

Was muss sich der Leser dieses Protokolls denken, wenn ein Redner einfach mit schlagenden Argumenten bloßstellt, dass Quoten und Förderungen für Frauen völlig einseitig sind, nur die „angenehmen“ und gut bezahlten Stellen betreffen und dort, wo es darum geht, produktiv sein zu müssen, Mitarbeiter eben nah Qualifikation ausgewählt werden, und nicht deshalb vornehmlich an Männer, weil man Frauen oder Minderheiten unterdrücken wollte. In einer anderen Rede wird darauf hingewiesen, dass es ein Widerspruch sei 50 Geschlechter anzuerkennen, aber nur selektiv Frauen fördert, weil sie angeblich benachteiligt seien, und gleichzeitig völlig ausblendet, wo Männer weit größere und gravierendere Nachteile haben.

Man erntet nur Gelächter. In den Wortprotokollen wird das wesentlich deutlicher als in den Videos, weil man sich dort sehr auf die Rede selbst konzentriert. Etwer wird sich später fragen: Warum lachen die? Was sind das bloß für Leute, vornehmlich Frauen, die sich eigentlich ertappt fühlen müssten, aber nur Spott und Häme für die Argumente übrig haben? Die Zwischenrufe geben mehr Aufschluss darüber, wie es damals (also heute) im Parlament zuging, als das Gesülze einer Claudia Roth.

Die lachen nicht, weil hier jemand permanent Witze macht, sondern aus Spott und Häme, weil

der Angreifer weniger Gegenangriffsfläche bietet, als wenn er sachlich vorgehen würde. (…)

Spott ist das bewusste Lächerlichmachen („Verspotten“) eines Menschen, einer bestimmten Gruppe oder deren echter oder vermeintlicher Werte. Er wird als Demütigung und daher oft schmerzhafter als eine äußerliche (= körperliche) Verletzung empfunden. Treten Verachtung und Ehr­abschneidung hinzu, wird von Hohn gesprochen.

Lachen dient

als Abwehrmechanismus gegen spontane Angstzustände (und ist)

dienlich zur Festigung sozialer Beziehungen. (hier)

Im Blick zurück wird man feststellen, dass auf der linken Seite keine linke Politik mehr gemacht wurde, die das Soziale und den Arbeiter in den Mittelpunkt stellte, sondern es nur noch um die Durchsetzung von Partikularinteressen und einer Ideologie ging. Wer in der Position ist, dass der politische Gegner zwar recht hat, aber einfach zu schwach ist das zu verhindern, wird klugerweise einfach den Mund halten und den Redner einfach demonstrativ ignorieren. Das tun die Abgeordneten der linken Seite aber nicht. Sie führen sich auf wie kleine Kinder, die man beim Lügen ertappt hat. Sie lachen

zur Abwendung drohender sozialer Konflikte

weil es jetzt Stress mit den Eltern gibt. Sie leugnen und stampfen auf den Boden, werden aggressiv und sagen, dass das alles Mist wäre. Bei Kindern sind es oft lässliche Dinge, wo gelogen wird, doch warum lassen sich Erwachsene zu so einem infantilen Verhalten hinreißen?

Man wird feststellen, dass die Abgeordneten selbst die größten Profiteure ihrer Politik sind. Sie haben keine brauchbare Qualifikation oder gleich gar keine und wollen die Verantwortung für ein ganzes Land übernehmen und sind das, was sie sind, nur durch Seilschaften und wegen der Qualifikation „Frau“ geworden. Ich kann mich an eine Rede eines AfD-Abgeordneten erinnern, einem Doktor der Mathematik, der antwortete auf den Zwischenruf, was ihm das Recht gäbe, das zu behaupten, dass er Mathematiker wäre und eben Ahnung davon hätte. Der Club der Pseudoexperten im Bundestag, wo keine Krähe der anderen nicht wirklich ein Auge aushackt und man nur Scheingefechte führt, im Hintergrund aber Konsens über die neoliberalistische, marxistische Politik besteht, wird durch die AfD mächtig aufgescheucht. Die Lebensläufe der aufgebotenen Redner und Ausschussmitglieder zeigt, dass man den Ankündigungen, dass jetzt lauter Dumpfbacken ins Parlament einziehen würden, von Anfang an den Wind aus den Segeln genommen hat. Wie gerne hätte man sie in dieser Richtung vorgeführt.

Was heute keiner tut, wird später die Geschichtsforschung ausleuchten: Die Lebensläufe und Qualifikationen der Abgeordneten. Häme, Spott und Gelächter wird man dann auch richtig interpretieren, nämlich von der eigenen Unfähigkeit und der Bereicherung auf Kosten der Steuerzahler abzulenken. Die Energiewende wird schon aus physikalischen Gründen scheitern, die Zerstörung der Autoindustrie durch irrwitzige Grenzwerte wird auch der Laie erkennen. Dies und die Folgen des Multikulturalismus und des Migrationspaktes werden so bald schon deutlich werden, da sitzen die Urheber überwiegend noch im Bundestag.

Gelächter, Häme und Spott auf die Reden können nur mehr ein Zeichen der Angst sein, dass man argumentativ nichts mehr entgegensetzen kann und man für das eigene Versagen zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Hoffen wir, dass die Verwerfungen durch ihre Politik nicht so gravierend sein werden, dass wir vergessen es auch zu tun. Hoffen wir zumindest, dass es später noch eine Geschichtsschreibung gibt, die auch zwishen den Zeilen liest und uns so wenigstens die Genugtuung gibt, dass ihr Versagen und ihr mieser Charakter der Nachwelt erhalten bleiben.

 

 

 

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