„Rechte“ verunglimpfen den Wortbaukasten der Leitmedien!

Eine Katja Thorwarth lässt sich hier darüber aus, dass jemand die Unverschämtheit hatte, neben dem offiziellen Unwort des Jahres noch ein alternatives zu suchen. Um wen es sich handelt, wird dem Leser gleich in der Überschrift mitgeteilt:

Hassworte der rechten Propagandaschmiede

Die Crème de la Crème der rechten Propaganda-Schmiede kürt erstmals das „Alternative Unwort des Jahres“. Die Auswahl der Jury fällt einigermaßen einseitig aus. Ein Kommentar.

Zuerst werden erst mal alle Plattformen genannt, die sich an der Aktion beteiligt haben, jeweils einzeln eingeordnet, damit sich der Leser anschnallen kann: politische Inzestveranstaltung, islamfeindliche „Hassseite“ , das rechte (…) Blog“, die neurechte Plattform, (…) des völlig nach rechtsaußen abgerutschten Theologen, die verschwörungstheoretische Gaga-Seite.

Diese Plattformen jenseits des äußersten rechtsextremistischen Rechtsaußenrandes bringen allein deshalb als Vorschläge nur „Hassworte“, weil sie nicht links sind. Einleuchtend. Da kann man das betreute Denken live miterleben, wenn schon geurteilt wird, bevor die eigentlichen Alternativen genannt werden, damit der Leser sich ja kein eigenes Urteil bilden kann. Nachdem sich Torwarth  den Schaum vom Mund abgewischt hat, kommt sie zum ersten Beispiel:

„Klimaflüchtling“ beispielsweise steht zur Wahl, womit den Klimawandelleugnern schon einmal Genüge getan wurde. Sollen sie doch alle ersaufen, wenn der Meerespegel steigt; wen kümmert es, ist ja Sache von Mutter Natur.

Ja, wenn. Einfach zu blöd, dass all die angeblich bedrohten Inseln in keiner Weise vom Untergang durch den steigenden Meeresspiegel bedroht sind, sondern vom Raubbau durch die eigenen Regierungen und Meeresströmungen, die den Sand eben dort wegnehmen, wo man ihn gerne hätte und dort anlagern, wo man ihn nicht braucht (hier; witere Links am Ende des Artikels). Wie schön wäre es, wenn man uns Bilder liefern könnte, wo man den letzten Südseehäuptling auf einer Sänfte durch Berlin trägt mit dem letzten Eimer Sand seiner untergegangenen Insel. Man würde die Kohlekraftwerke noch heute abschalten, noch bevor der erste „Rechte“ ertrinken muss..

Dann bringt sie „Schutzsuchende“, wo sie meint:

Es ist schon gruselig, wenn Menschen, die aus einer existentiellen Not heraus ihr Land verlassen, die Schutzbedürftigkeit abgesprochen wird.

Dazu „Seenotrettung“, sowie „Hetzjagden“ und „Zusammenrottungen“.

Hetzjagd“ (…), Mehrzahl und ergänzt durch „Zusammenrottungen“. Wenn Deutsche sich zusammenfinden, um Nicht-Deutsche potentiell zu „klatschen“, wie der Rechtsextreme gerne formuliert, dann ist das natürlich keine Hetzjagd.

Ja, das hängt jetzt genau an einem Wort, das Du selbst gebraucht hast, warum das in die Auswahl gekommen ist, nämlich „potentiell“. Eine „potentielle“ Hetzjagd wie in Chemnitz gleich zu wirklichen Hetzjagden umzudeuten und soweit aufzublasen, dass man bei Kritik daran gleich seinen Posten als Verfassungsschutzpräsident verliert, erfüllt dann genau die Vorgaben der offiziellen Vorgabe:

Die Aktion „möchte auf öffentliche Formen des Sprachgebrauchs aufmerksam machen und dadurch das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Sie lenkt daher den sprachkritischen Blick auf Wörter und Formulierungen in allen Feldern der öffentlichen Kommunikation, die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen.

Auch, wenn man die Vorfälle in Amberg gerne in „Rangeleien“ umdeuten möchte, so zeigt dieser Vorfall doch viel eher den Tatbestand der „Hetzjagd“. Genau dieses Wort erfüllt auch die Forderung nach „Sensibilisierung gegenüber Wörtern die gegen die sprachliche Angemessenheit verstoßen“. Das gleiche gilt auch für „Schutzsuchende“. Man wollte die Deutschen mit diesem Wort nur emotional anrühren und weichkochen, dabei kommen überwiegend diejenigen, die sich selbst noch am besten schützen könnten bzw. in ihrem eigenen Land die noch schwächeren: Junge, kräftige Männer. Warum ist man nicht bei dem Wort „Migrant“ geblieben, das Asylbewerber, Flüchtlinge und Arbeitsmigranten unter einem Begriff zusammenfasst? Mit dem Wort „Schutzsuchende“ hat man erst die Lunte zu weiteren alternativen Unwörtern gelegt wie „Einzelfall“ oder „traumatisiert“, weil man diesen Trigger unbedingt retten wollte. Dass die Kreationen der Sprachingenieure nur Propagandainstrumente sind, führt dazu, dass diejenigen, die sie an der Realität messen, sie gerne dort verwenden, wo sie sich selbst entlarven. Man denke nur an „Bereicherung“.

Am Ende des Artikels schreibt sie:

Stellt sich abschließend die Frage, was die sechs Jury-Mitglieder eigentlich gemacht haben in ihrem Zirkel, außer die Keywords aus ihren eigenen Texten abzuschreiben.

Ja, da hat sie recht. Die meisten der Vorschläge sind inzwischen auch Keywörter der „Rechten“, doch ursprünglich wurden sie doch fast inflationär von den Leitmedien gebraucht, um abzulenken, zu beschönigen oder Zweifel zu streuen. Heute verwenden die „Rechten“ sie eben dort, wo man sie nicht so gerne sieht. Wäre die Autorin mutig gewesen, dann hätte sie auch diese genannt:

kultursensibel, haftempfindlich, instrumentalisiert, bunt, weltoffen,

Diese werden dort so übermäßig gebraucht, dass es eher darum geht einem Artikel den gewünschten Spin zu geben, als irgendetwas sachlich zu berichten. Mein Lieblingswort ist deshalb „mutmaßlich“. „Mutmaßlicher Täter“ zu schreiben, während er vor Augenzeugen einen abmetzelt und beim Eintreffen der Polizei noch die halbe Schlachtschüssel an seinem Arm hängt, der sollte mal den Duden zur Hand nehmen:

mutmaßlich = aufgrund bestimmter Tatsachen, Anzeichen möglich, wahrscheinlich“; der mutmaßliche (in Verdacht stehende) Täter“

Ich halte das für eine bewusst gesetzte Irreführung der „Haltungsjournalisten“, indem man sowas nicht zu Morden rechnen muss, die Migranten an Deutschen begangen haben, solange die Schuld nicht bewiesen ist. Wenn er „traumatisiert“ war oder „psychische Probleme“ hatte, kann er ja noch aus der Statistik fallen. Das Wort „mutmaßlich“ ist einfach nur verlogen. Nach dem Fall Relotius ist das Wort „Lügenpresse“ dagegen fast zum Bumerang geworden, denn es ist keine Verunglimpfung der Leitmedien mehr, sondern es beschreibt genau deren Arbeitsweise. Sollte man vielleicht aus den offiziellen Unwörtern streichen.

Sprache verändert sich, doch das hat nur Substanz, wenn sie von unten kommt und sich die Worte an der Realität messen müssen. „Formulierungshilfen für Journalisten“ versuchen nur Wörter für ihre Propaganda zu kreieren und sie in einer fast konzertierten Aktion aller Staatsmedien zu verbreiten, sodass der Leser bzw. Zuschauer meint, das wäre jetzt allgemeiner Sprachgebrauch. Man denke nur an das Wort „rechtspopulistisch“. Ich kann mich erinnern, wie dieses Wort ab einem Montag plötzlich immer bei der AfD vorangestellt wurde und es in gemeinsamer Absprache (?) wiederum an einem Montag weitgehend verschwand. Inzwischen wird es mit jeder Neukreation immer schlimmer, besonders, wenn man immer wieder nachlegt: Von Asylant, zu Migrant, zu Flüchtling, zu Schutzsuchender. Oder von Klimaerwärmung, zu Klimakatastrophe, zu Klimawandel. Mit „Heißzeit“ oder „Klimaerhitzung“ hat man sich endgültig lächerlich gemacht. Da ist es zusätzlicher Witz, wenn die Autorin den „Rechten“ Komplexitätsreduktion vorwirft. Was haben wir gelacht. Die ganze ÖR-Berichterstattung ist so schwarz-weiß ausgelegt und so faktenbereinigt zu Gunsten von Meinung, Gefühl und Haltung, dass jedes Kindermärchen einen Sachverhalt komplexer und vielschichtiger darstellt als die.

Ja. Torwarth hat sich getraut, das Thema aufzugreifen und auch die Gegenseite zu zeigen. Die Kommentare unter ihrem Artikel geben ihr aber recht und kann sich also auf die Schulter klopfen, dass Propaganda, Indoktrination und Haltungsjournalismus trotz allem immer noch „nachhaltig“ ihre Wirkung zeigen.

 

9 Gedanken zu “„Rechte“ verunglimpfen den Wortbaukasten der Leitmedien!

  1. Argghhhh …. Warum ist überhaupt alles, was vor zehn Jahren normal war, heute „Faschismus“.

    Neulich war auch so ein Bericht über Polen in der Zeit. Der Autor hat übrigens Tatjana Festerling wegen Volksverhetzung angezeigt und ist stolz drauf. Jedenfalls merkt man den meisten Kommentaren auch so total an, dass ihnen die Nazisache überhaupt nicht die Bohne leid tut. NICHT DIE BOHNE. Kein Wunder, dass Faschismus so leicht über die Lippe geht. Bedeutet denen ja nix.

    Ich bin nur noch müde. Mir war bis vor wenigen Jahren nicht klar, welcher authoritäre Abschaum hier das Land eingenommen hat. Dieses die Sprache auch noch bis ins kleinste zu kontrollieren ist nur ein Mosaik davon. Abstoßend.

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    1. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass wir bei einer Nachrichtensendung oder nach dem Lesen eines Berichts richtig schlecht wird. Es ist diese schleimige Überheblichkeit, die moralische Arroganz gepaart mit grenzenloser Dummheit. Wenn sich jemand durch Quote und Arschkriecherei und Schleimerei qualifikationslos in eine Position gebracht hat, dass er auf alle hinunterschaut, als wären es lauter charakterlich verkommene Hohlköpfe. Diese Thorwarth ist das beste Beispiel. Deren Kommentar ist so bescheuert, dass es schon weh tut.

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      1. Die sind auch so blind vor Hass. Die merken nicht mal, dass deren eigener Preisverleihzirkus nur etwas spielerisch auf die Schippe genommen wurde. Aber prima, dass die FR drüber schreibt. Vorschläge wurden wenige Tage lang auf Jouwatch gesammelt. Die meinen, dass sei jetzt der Nazi-Oskar. Mein Gott, wie hohl.

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      2. Das schlimme ist, dass ich auch so manche Lehrer in meiner Schulzeit mit dem Denken von heute identifiziere. So Deutschlehrer. Mein Gott waren die überlegen, weil sie ihre Zeit mit Büchern verschwenden, die zu irrelevant und zu langweilig für alle anderen sind.

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  2. Wer dauernd Nazis sucht, Nazis, sieht und angeblich Nazis findet, der sieht irgendwann aus wie eine biologische Waffe. Ich habe das Bild gesehen aber nicht verlinkt; verstößt gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

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  3. Die Amis (die poehsen Rechten natuerlich) nennen das „word wizardry“ (Wortzauberei), wenn im mainstream mal wieder ein Begriff, abgesprochen, in seiner Bedeutung umgewandelt wird, so dass er ins linke Narrativ passt. Das ist Postmodernismus in reinster Form. Ich weiss jetzt nicht, ob die Johannes 1:1 einfach uebersehen haben, oder meinten sie koennen das mindestens genauso gut.

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