Die Generation Langeweile.

Um sich ein Bild von der Welt zu machen, soll man ja immer versuchen aus seiner Filterblase herauszukommen und auch die andere Seite hören. Oft reicht es, wenn die Bekanntschaft nicht ausschließlich aus Lehrern, aus Hartz IV-Beziehern oder Bauarbeitern besteht wie man selbst. Allein von der Jugend weiß man nichts, außer, was man uns in den Medien präsentiert wie sie angeblich ist (also sein soll). Wer eigene Kinder hat und deren Freunde kennt, der weiß, dass sich Großteils nicht viel geändert hat, außer, dass der Freundeskreis kleiner ist, weil eben nicht mehr so viele Kinder in der Nachbarschaft wohnen. Man trifft sich bei uns noch zum Schafkopfen, zum Grillen, geht jährlich zum Wolfauslassen oder übers Wochenende zum Skifahren. Die Städter haben da sicher schon früher andere Hobbys gehabt, aber, dass sich deren Leben inzwischen einer Realsatire annähern soll, habe ich nicht gedacht. Seit einiger Zeit gibt es die Jugendserie Druck auf Funk, wo normalerweise Allerweltstypen für GEZ-Gebühren ihre flachsten Alltagserlebnisse zum Event aufblasen, die Serie ist jetzt das gleiche in Endlosschleife. Die Besetzung ist wie Lindenstraße für Pubertierende, denn dort wohnten im gleichen Haus auch alle Minderheiten der Welt zusammen.

Hanna lebt alleine in der ehemaligen Wohnung ihrer getrennten Eltern, hat Probleme mit ihrem Vater und ist auf der Suche nach ihrer Identität.

Ja, das ist auch ganz normal heute, dass der Vater nur Probleme macht. Vielleicht, weil er keinen Bock hat, dir deine Bude samt Nebenkosten zu finanzieren.

Mia (…) ist Feministin, Gerechtigkeitsfanatikerin (…) und lebt in einer WG mit ihrem schwulen Mitbewohner Hans.

In einer Szene ärgert sie sich über die vollgepinkelte Klobrille- die sieht allerdings aus als wäre ihr das wochenlang nicht aufgefallen- und stürzt in sein Zimmer, wo ihm gerade ein Bekannter einen bläst. Dann diskutieren sie vor der Tür, er mit einer rot-weißen Weihnachtsmütze auf dem Kopf, bis sie meint, sie würde keine Miete mehr bezahlen, wenn sich das nicht ändert. Kenn´ ich auch genügend junge Leute, die in einem ähnlichen Umfeld wohnen. Bei der heutigen Wohnungssituation würde ich mir da aber schon überlegen, wer da am längeren Hebel sitzt und Du am Ende nicht bei doppelter Miete mit einer plätzchenbackenden Ewiggestrigen mit Zöpfen zusammenziehen musst. Ergänzt wird das Team durch eine Veganerin, die viel Sport treibt und mit ihrem Körper unzufrieden ist, eine, die ein Kuscheltier-Kamel besitzt mit dem sie gerne intim wird und eine Vollverschleierte, die betet mehrmals am Tag und steht offen für Gleichberechtigung und Toleranz ein. Sie wurde außerdem schon häufig Opfer rassistischer Anfeindungen.

Die Truppe sieht aus, als wäre sie im Soziologen-Labor kreiert worden, doch nach dem Interview einem der Erfinder, weiß ich, dass die Redaktion von Funk, bento, ze:tt und so weiter genau in dieser Besetzung arbeiten müssen. Dort heißt es nämlich von Alex Lindh auf die folgenden Fragen:

„Druck“ ist eine der erfolgreichsten in Deutschland produzierten Jugendserien der vergangenen Jahre. Was hat die Serie, was andere Serien nicht haben? (…)

Druck“ schafft es, Dialoge und Situationen entstehen zu lassen, die realitätsnah und nicht aufgesetzt erscheinen. Woher nimmst du deine Inspiration dafür? Fließen deine eigenen Erfahrungen in die Serie mit ein?

Alex Lindh: (…) Die Sprache war mir dabei wichtig, aber auch die deutschen Schultraditionen. Dabei war natürlich meine eigene Schulzeit die größte Inspirationsquelle, aber auch die Schauspielerinnen und Schauspieler haben mir sehr geholfen. (…)

Außerdem haben wir das Casting genutzt, um Hunderte Interviews mit der Zielgruppe zu führen. In Staffel 2 hatte ich dann ein Autorenteam (…) Hier flossen dann unsere gemeinsamen Erfahrungen aus unserer Abizeit in die Geschichte ein.

Hilfe! Wenn man die Serie sieht, dann müssen die ihre Oberstufenzeit in einem Pflegeheim verbracht haben, so aufregend ist diese Serie. Diese gut 25 Minuten sind hard-core. Da fehlen mir echt die Worte, also selber anschauen. Ohne irgendwelche musikalische Untermalung im Hintergrund ist das Brachialfernsehen, so Szene aus dem Telekolleg Sozialkunde III.

Nach dem frustrierten Statement aus dem Off über seine Generation am Anfang der allerersten Folge hätte man fast schon selbst draufkommen können, was einen erwartet.

Vielleicht wirkt es wir wären politischer, weil es wieder klare Fronten gibt: Nazis im Reichstag, Donald Trump im Weißen Haus, Wladimir Putin, Erdogan (da kommt eine Fuck-AfD-Haube ins Bild, dann die Europafahne) Ich glaube aber, dass die meisten in meiner Generation unpolitisch sind, Politik ist so Teil unserer Jugendkultur geworden, dass unsere Fuck-Nazi-Handy-Hülle nicht dazu führt, dass das Herrschersystem aufhören wird, Schwache gegen Schwache auszuspielen. Unsere Fair-Trade-Schokolade zwar besser ist als die andere, aber nur ein radikaler und entschiedener Kampf für die Umverteilung in der Welt dazu führen wird, dass jedes Produkt fair ist. Die Generationen vor uns haben noch über Utopien nachgedacht, wir haben aufgegeben.

Ja, echt blöd. Die ganze Aufmüpfigkeit und Unangepasstheit der Jugend ist einfach dahin, weil nun wirklich jeder Dödel für irgendwas gegen Nazis auf die Straße geht und die eigenen Eltern und Großeltern ebenfalls mitlaufen. Ja, und die grün-linke Jugend von damals mit ihren Utopien sitzt jetzt im Bundestag und im EU-Parlament und hat längst mit der großen sozialistischen Umverteilung begonnen und ihr könnt nur noch blöd rumhocken und darauf warten durch die Hölle zu gehen bis das versprochene Paradies auf Erden Wirklichkeit wird. Da würde ich auch aufgeben und meinen Tage nur noch mit Rumhängen verbraten. Aber ich versprech´ Dir, es wird noch spannend genug werden. Anstatt euer Leben wie in der Serie in einer immer gleichen Dauerschleife von Labern, Einkaufen, Fressen, Saufen, Sex und Handy abzuspulen, würde ich mir auch mal Zeit für ein Buch nehmen: Zum Beispiel „Leben ohne Strom“ oder „Essbare Wildpflanzen“.

Die Scharia würde auch passen. Schließlich gibt allein die dauerbetende Islamtussi Amira mit ihren Ansichten über Alkohol, Sex und Jungen einen festen Halt in der Serie, wie man sein Leben auf die Reihe kriegt. Vielleicht könnt Ihr ja mal eine Staffel in Pakistan abdrehen, damit ihr mal seht wie man dort ein erfülltes uns diszipliniertes Leben führt, und mit Amira dort gemeinsam den Kampf für Toleranz und Gleichberechtigung führen. Da kann sie dann auch den rassistischen Anfeindungen in diesem scheiß Deutschland entkommen, wo die Frauen wie Schlampen rumlaufen.

Ich habe mir jetzt einige Folgen angeschaut, eigentlich das meisten vorgespult, weil Handlung, die man versäumen könnte, gibt´s ja nicht. Das ist Fernsehen für Einsame, die von den Eltern kein Haustier bekommen, was einer der Macher auch indirekt bestätigt:

Wir wollen mit unseren Geschichten auf Social Media auch das Gefühl verstärken, dass die Figuren mit den Zuschauern zusammenleben.

Hätte es die Gelbwesten bei Sendebeginn schon gegeben, könnte man meinen, das ist von der Regierung gefördert, so nach dem Motto: Seht her, die anderen in eurem Alter sind sooo langweilig, da passiert absolut nix, da braucht ihr nicht extra noch auf die Straße zu gehen, um die zu treffen. Auf eine Demo braucht ihr auch nicht mehr zu gehen, denn der Staat sorgt ohnehin dafür, dass Eure Utopien umgesetzt werden und ihr könnt auch keinen Erwachsenen mehr schocken, wenn ihr durcheinandervögelt oder ein Plüsch-Kamel, euch dem Islam oder einer Sekte anschließt, Cannabis raucht oder abtreibt und Feministin werdet. Hockt Euch vor die Glotze, schaut „Druck“ und alles wird gut.

Man hat das Gefühl, dass der Jugend auch der Protest abhandengekommen ist, weil der inzwischen staatlich organisiert ist, und es neben belangloser Zerstreuung keine sinnvolle und erfüllende Beschäftigung gibt, andererseits Fake-Bedrohungen aufgebaut werden, um ihre ganzen Kräfte und ihr ganzes Potential zum Wohle der politischen Eliten zu missbrauchen. Kein Wunder, dass in die flachen Dialoge immer wie zufällig kurze Statements der Darsteller eingestreut sind, wo einem durch die Blume reingedrückt wird, wie politisches oder gesellschaftliches Wohlverhalten auszusehen hat, damit auch der Erziehungsgedanke in der Serie nicht zu kurz kommt.

Am Ende muss man sagen, dass es fast schon erschreckend ist, wenn es unter den gut 5 Millionen der Zielgruppe 15- bis 20-jährigen über 500000 regelmäßiger Konsumenten von „Druck“ gibt, obwohl den meisten dieser Käse nicht bekannt sein dürfte. Sollte diese Serie wirklich einen groben Durchschnitt der heutigen Jugend abbilden, was nicht ausgeschlossen ist, wenn man sieht, wovon sich die Macher inspirieren haben lassen, dann kann man nur noch Mitleid bekommen. Nie war eine Generation so angepasst, gleichförmig und langweilig. Glaubt man der Serie, dann ist sie weitgehend nicht in der Lage ihrem Leben Sinn und Erfüllung zu geben. Dort ist keiner in einem Sportverein, spielt ein Instrument oder betreibt irgendein erfüllendes Hobby. Nichts. Nur Austausch von Nebensächlichkeiten.

Funk liefert mit „Druck“ das passende Symbol für die jungen Generation. Das erste vertonte Testbild.

 

Bild: Autor, Screenshots bearbeitet. 

 

 

9 Gedanken zu “Die Generation Langeweile.

  1. Steht „funk“ für eine Generation? Ich weiß auch nicht. Früher lief auch schon allerhand Mist … z.b. die gleiche Serie für Omas, die Lindenstraße. Ich weiß nicht, ob Frauen sich langweilen, aber der Kram, den die schauen, langweilt mich.
    Wenn man ehrlich ist, dann sieht Männer-Entertainment so aus: Mehrere Kerle kämpfen miteinander. Sie verbrennen, verbluten, verlieren Gliedmaße, leiden, schreien, sterben, alles gut seh- und hörbar, alles echt, und man weiß trotzdem, dass die hinterher, so nach ein paar Wochen, wieder putzmunter sind. Scheiß Realität ist im Weg. 😉

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  2. Nun, als Vater von 2 fast erwachsenen Kindern kann ich dich beruhigen: Wir leben in einer rheinischen Großstadt und weder meine Kinder noch ihre Gäste sind im Entferntesten so wie diese lächerlichen Witzfiguren.
    Mein Sohn macht aktive Jugendarbeit, kann mit Karte und Kompass umgehen, Feuer machen mit nassem Holz und bouldert. Er liest viel und ist interessiert in Politik und Philosophie.
    Die Tochter ist aktive Kampfsportlerin und hat einen Freund, der richtig zupacken kann und mir z.B. meine Küchenmesser rasiermesserscharf geschliffen hat.
    Beide Kinder können ordentlich kochen und backen und legen Wert auf frisch zubereitete und ausgewogene Speisen. Ohne bescheuerten Dödelkram wie Laktose- oder glutenfrei oder gar vegan. Und da muss ich zugeben. so weit war ich in deren Alter nicht.

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    1. Um so besser. Ich schreibe ja am Anfang, dass ich nicht weiß, ob die Jugend so ist oder nur so sein soll, wie die ganzen Ewigpuberierenden, die irgendwas mit Medien machen. Vielleicht sind die Anhänger dieser Sendung solche, die das eher als bescheuerten Gegenpart zu ihrem eigenen Leben als Belustigung ansehen. Solche Gestalten wie aus dieser Serie kenne ich nur vereinzelt von Gymnasien. Meine eigenen Kinder sind auch das genaue Gegenteil.

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  3. Es erschreckt mich zutiefst wie gleichförmig, angepasst und langweilig viele Jugendliche heute geworden sind. Ich habe lange die Schuld bei mir gesucht und gedacht, ich sei halt einfach zu alt, um die zu verstehen. Ausserdem sei sicher ich selbst die Langweilige, da ich einfach nicht weiss, was ich mit denen sprechen soll. Aber nein, echt jetzt, die sind dermassen gleichgeschaltet langweilig, dass ich es mittlerweile vorziehe mit meiner Pflanze zu reden. Ich bin immer ganz erschöpft, nach so einer flachen Konversation mit denen. Da kommt NICHTS! Gar NICHTS. Vor allem nichts Neues, Originelles oder gar Interessantes. Denken die überhaupt noch, oder plappern die nur Worthülsen nach? Ich hatte ja noch nie gerne smalltalk. Aber mit Jugendlichen zu sprechen ist nicht einmal mehr das. Nur noch warme Luft und eine Abfolge von totaler Banalität mit künstlichen Emotionen aufgeblasen. Ausserdem völlig ICH- und nochmals ICH und mein Selfie bezogen. Gott sei Dank gibt’s Bücher.

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  4. Ich habe mal in Folge 11 geklickt und die Kommentare überflogen; die kommen mir massiv manipuliert vor. Bsp.: „Serie gestern angefangen gleich alle Folgen geschaut. Schön sowas auf YouTube zu finden 👍👍“.

    „Gleich alle Folgen“ schreibt dort praktisch jede zweite. Durchgesuchtet (sic) hat sie jede dritte: „hab sie jez durchgesuchtet omg sie is mega gut😍😍“ Und alle, die die komplette Serie durchgesuchtet haben, haben gerade eben die Werbung dafür erhalten und teilen das auch als Grund mit. Alle vor 3 Wochen gleichzeitig. Wieso sollte so ein Unterschichtenmädel betonen, dass sie eine Werbung gesehen hat?

    Und alle diese Durchsuchter haben ein Herz vom Kanalbeteiber bekommen. Überhaupt haben fast alle Kommentare ein Herz. Da hat „Druck – Die Serie“ aber ganz schön zu tun…

    Ich halte die Nutzer und die Kommentare für generiert, und wenn das so ist, sind auch die Zugriffszahlen und die Abonnenten manipuliert.

    Alles begann mit dieser werbung auf YouTube und jetzt hab ich schon ne neue Lieblings Serie😂❤️❤️😍😍🥰🤩❣️🤷🏻‍♀️❣️😂😂

    Alles hat angefangen mit einer Werbung und jetzt suchte ich die Serie durch und omg ich liebe sie😍😍🤤🤤🤩🤤🤩♥️

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    1. Die schreiben so, wie die auf dem Verkaufssender QVC labern: „… und neben dem „Druck“-Video, schickte mir FUNK noch eine „Druck“-Kaffeetasse und einen „Druck“- Rohrreiniger! ICH BIN SO GLÜCKLICH!!!

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