Kohleausstieg 2038: Warum hinterfragte niemand die Machbarkeit?

Über die Kohlekommission und ihre Entscheidung ist ja schon viel geschrieben worden, doch niemand weiß wie diese Sitzungen abgelaufen sind. Den Leitmedien nach soll der Bürger glauben, hier säßen lauter unabhängige Experten zusammen, doch ein Blick auf den Vorstand und die Mitglieder zeigt, dass hier nur die Absicht der Regierung, aus der Kohle aussteigen zu wollen, bestätigt werden sollte. Trotzdem sitzen hier die unterschiedlichsten Leute mit unterschiedlichsten Interessen zusammen und trotzdem fürchtete man im Vorhinein nicht, dass sich einfach verfestigen könnte, dass es technisch, physikalisch und wirtschaftlich eine Unmöglichkeit ist, wenn sich in der Kommission die richtigen Leute zum Wortführer aufschwingen? Es war als nötig, dass die Machbarkeit nicht in Frage gestellt wird, also diese nicht erst in der Kommission erarbeitet werden muss. Ist das geklärt, dann weiß man wie es läuft: Die ganzen Klimafanatiker und deren Organisationen ist es egal, ob es funktioniert, denn sie leben davon, die Bedrohung am Leben zu erhalten. Die ganzen SPD- und Gewerkschaftsfuzzis wollen nur, dass irgendwas verkündet wird, dass man sie wegen der wegfallenden Arbeitsplätze nicht in der Luft zerreißt. Die anderen sind die Aa-Dabeis, die eben was für ihr Ego tun wollen, dass sie am Ende etwas für „die Menschen“ getan haben oder dort nur ihre Zeit absitzen.

Es gibt meiner Meinung nach zwei Gründe, warum es gar nicht um die Frage der Machbarkeit ging: Zum einen spielte Geld keine Rolle, so dass man um keinen Kuchen streiten musste. Zum anderen lag das Konzept zur Machbarkeit schon vor und war abgesegnet. Hier kommt die Volkswirtin und Politikwissenschaftlerin Barbara Praetorius ins Spiel, die neben den Vertretern von CDU und SPD im Vorstand sitzt. Sie arbeitete bei agora-energiewende, welche die Bundesregierung in dieser Frage beriet und ist Professorin für Volkswirtschaft und Politik.

Ich habe mal ein wenig über sie recherchiert. Sie war in der Stunde Null dabei, als es um die Reduktion von Klimagasen (1994) ging, da redeten die meisten noch über das Waldsterben. Sie arbeitete für Ikarus, die mit ihren Prognosen im Jahr 2000 für die folgenden 20 Jahren genial danebenlagen, obwohl man jetzt schon Milliarden sinnlos verbraten hatte und sich der CO2-Ausstoß doch nicht verringert hat. Sie entwarf für Greenpeace eine ökologische Steuerreform (1995) und dann kommt der für mich interessante Teil. Sie promovierte über “Reform des Elektrizitätssektors und Systemwechsel in Südafrika. Sektorale politische Steuerung im Kontext der Demokratisierung 1990-1999″. (alles hier) Es ist anzunehmen, dass sie im Zusammenhang mit einer Forschungsarbeit bei tips steht.

Leiterin,

Forschungsgruppe  TIPS

(Transformation  and  Innovation  in Power Systems, http://www.tips-project.org), gefördert vom BMBF  Nachhaltige Transformation des Stromsystems als Zielfunktion

Analyse der Verbreitung und Governance von Innovationen (u.a.

Mikro-KWK, CCS, innovative Politikinstrumente) (von mir hervorgehoben)

 

Nun gibt es tips auch in Südafrika. Südafrika ist heute täglich von Stromausfällen bedroht, sodass sich viele Kleinunternehmen Dieselaggregate anschaffen, der Kraftwerkspark ist marode, denn

Ende der neunziger Jahre wollte Südafrikas damaliger Präsident Thabo Mbeki mit aller Macht Teile des Stromsektors privatisieren. Fast ein Jahrzehnt lang durfte Eskom kaum investieren, um möglichen Investoren keine Konkurrenz zu schaffen. Auch bereits bestehende Kraftwerke wollte Mbeki aufspalten und verkaufen.

Auf dem Papier ist das ein guter Plan – allerdings blieben die erhofften Geldgeber aus. In Südafrika wurde der Strompreis über Jahrzehnte so niedrig wie in kaum einem anderen Land der Welt gehalten, um Bergbau-Konzernen Anreize zu schaffen. Der Verkauf von Strom lohnte sich dort daher nicht. (hier)

Man muss da zwischen den Zeilen lesen. Von der UN gibt es keine Förderung für Kohlekraftwerke mehr und „zuletzt intensivierte Südafrika zunehmend in erneuerbare Energien“. Doch es fanden sich keine Geldgeber. Zwei Drittel des Stromes verbraucht der Kohlebergbau. Was würde jetzt jeder normale Mensch tun, um den CO2-Ausstoß zu senken und endlich für eine sichere Stromversorgung zu sorgen? Effiziente Kohlekraftwerke bauen und den Bergbau modernisieren. Doch nach über weiteren zehn Jahren des Projektes hat man keinerlei Interesse daran, dass man die Lage der Bewohner verbessert und schiebt den schwarzen Peter auf die Kohlekraftwerksbetreiber. Die „sektorale Steuerung“ hat also schon 20 Jahre versagt. Man lese hier mal eher die „Nebensätze“. Dort heißt es unter anderem, erneuerbare Energien würden immer billiger, doch sie werden wie Grid-Off-Optionen blockiert. Warum diese Vorgeschichte? Barbara Praetorius arbeitete für agora-energiewende und die haben einen 12-Punkte-Plan entwickelt wie man bis 2030 zu 65% Erneuerbarer Energien kommt. Genau dies dürfte auch den Mitgliedern der Kohlekommission vorgelegen haben, denn die Machbarkeit wird auch dort in keiner Weise in Frage gestellt. Von dort dürfte Bearbock auch ihre Aussage von den von den konventionellen Kraftwerken verstopften Leitungsnetz her haben. Das steht nämlich auch dort. Auch, dass man die Grundlast weiter zurückfahren müsste, damit der „grüne“ Strom auch eingespeist werden kann, denn er würde immer billiger. Es spielt gar keine Rolle in dem ganzen Pamphlet, dass immer 100% Grundlast vorgehalten werden muss, um einzuspringen, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint wie vor einigen Tagen, wo beide weniger als 1GW von den >80 GW lieferten. Dass man nur höchstens 55% des Flatterstroms in die Grundlast einspeisen kann, spielt erst gar keine Rolle. Die großen rotierenden Massen in den Kraftwerken müssen nämlich diesen sekundenweise schwankenden Strom der geforderten Frequenz von 50 Hertz angleichen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Überlastungen und Stromengpässe, weswegen es zu Netzeingriffen kommt. Entweder indem man Windräder vom Netz nimmt, Grundlast zuschaltet oder Last abwirft d.h. einfach den Strom abstellt. Letztes Jahr wurden 78-mal große Verbraucher wie Aluminiumhütten abgeworfen. Diese Redispatch-Maßnahmen schiebt man aber auf die konventionellen Kraftwerke:

Neben der verbleibenden technischen Inflexibilität bestehender Kraftwerke erhöht derzeit ein ganzes Bündel weiterer Ursache…

Technische Inflexibilität? Ach, was. Es gibt nichts, was so inflexibel ist wie Windkraft. Zu viel, wenn er nicht verbraucht werden kann, zu wenig, wenn man ihn braucht. Trotzdem heißt es weiter:

Das bedeutet, dass durch automatisierte, schnelle Steuerungszugriffe von Übertragungsnetzbetreibern Redispatch-Eingriffe künftig kurativ statt präventiv (wie es heute größtenteils geschieht) erfolgen können.49 Durch einen sogenannten fehlerbasierten Redispatch können Betriebsmittel wie Leitungen und Transformatoren im Normalbetrieb deutlich höher ausgelastet werden, was insgesamt eine effizientere Netznutzung erlaubt. Erst nach dem Eintritt eines Netzengpasses oder eines Fehlers erfolgen weitgehend automatisierte Abhilfemaßnahmen durch Steuerungseingriffe auf Erzeugung, Speicher und/oder Lasten.

Und jetzt kommt Südafrika ins Spiel. Anstatt frühzeitig den Strom abzuregeln, um das Netz stabil zu halten, will man warten, bis die Folgen durchschlagen und dann erst reagieren. Man muss wissen, dass keine Batterie der Welt in diesem Fall länger als Minuten durchhalten kann und gar nicht die notwendige Energiedichte für die Industrie liefern, so kann man nur reagieren indem man Lasten abwirft, wenn man die Grundlast senkt, obwohl man im Moment schon ziemlich genau 100% des Verbrauchs vorhält. Hier kommen Off-Grid-Optionen ins Spiel. Entweder haben die Kommissionsmitglieder das nicht gekannt und nicht gegoogelt oder sie wollen das so:

Der Ausdruck Off-the-grid oder Off-Grid bezeichnet im Allgemeinen eine selbstgenügsame Lebensweise, die geringe Abhängigkeit von öffentlichen Einrichtungen aufweist. Wörtlich übersetzt lautet „off the grid“ abgeschaltet vom Netz. Im Deutschen lässt sich der Begriff am besten mit netzunabhängig oder autark übersetzen.

Ja, da sollte man schon genügend Kerzen und Vorräte horten. Da ist eine weitere Idee in diesem Plan ein noch größerer Irrsinn. Den Machern ist nicht verborgen geblieben, dass viele öffentliche Gebäude und Wohnblöcke Fernwärme beziehen, und bieten als Lösung an.

(Die Abnehmer)profitieren von einer Erstattung der Investition in die Power-to-Heat-Anlage, einer angemessenen Vergütung für die Absenkung der KWK-Einspeisung sowie einer Erstattung für die dafür benötigte elektrische Energie aus dem Netz.

Power-to-Heat? Nichts anderes als die elektrischen Heizungen, die jeder wegen der Kosten und der Ineffizienz längst verschrottet hat,  aber man will das ja wieder mit Steuergeldern fördern, damit es sich rentiert. Will man dann einen riesen Tauchsieder in ein Becken halten und dann zu den Abnehmern liefern? Da gehen schon die nagelneuen Elektrobusse in die Knie, sobald man die Heizung zuschaltet und dann wollen die das gleich für eine ganze Stadt. Absicht, Dummheit, Lernresistenz?

Liest man den Plan, dann hantiert man dort immer mit der installierten Leistung, dabei liefern Windkraftanlagen über das Jahr nur 20% von dieser. Vielleicht, will man deshalb vor allem auf den Ausbau von Photovoltaik setzen, nur, dass die Energiebilanz noch schlechter ist und die bei Dunkelheit ja gar keinen Strom liefern. In Berlin gehen im Winter dann um 4 Uhr nachmittags schon endgültig die Lichter aus. Dagegen beschäftigt man sich zu 90% mit der Veränderung am Netz, wo der Strom herkommen soll spielt aber nirgends eine Rolle. Und dabei rechnen sie noch mit einem Anstieg des Verbrauchs um ca. 100 TWh durch die Elektroautos. Da bekommt das Wort „flexibel“ im Text, wenn es um die Betankung geht eine besondere Note.

Mit Phasenschiebertransformatoren, Netzbooster, und mit Flexiblen AC Transmission Systems (FACTS) und HGÜ-Systemen will man alles in den Griff kriegen. All diese wichtigen Ausdrücke verschleiern, dass man mit dem Zubau bei der Einspeisung von Wind und Sonne das Netz nicht gleich in die Knie zwingt. Dass sie die Grundlast in die „Must-Run-Kapazität“ umgetauft haben, ist ja zu witzig. Vielleicht ist bei den Mitgliedern nicht ins Bewusstsein durchgedrungen, dass „Must-Run“ wirklich „must run“ heißt. Da schreiben die über 35 Seiten und planen alles ohne diese „Must-Run-Kapazität“ und reden als Alternative von Off-Grid-Optionen“. In diesem Zusammenhang rückt das Ausstiegsdatum wieder in den Blickpunkt. Ich denke, dass die sich nach langen Streit nur deshalb auf 2038 geeinigt haben, weil dann das Durchschnitts-Mitglied seine statistische Lebensdauer erreicht hat und man sie für diesen Irrsinn nicht mehr belangen kann und auch keine Vorräte mehr anlegen muss.

Barbara Praetorius wirkt wie eine Gläubige der Klimasekte der ersten Stunde. Sie dachte schon an die Umsetzung der Großen Transformation, da belächelte man die heutige Klimakirche noch als Sekte. Ja, Bischof Oster wird eben auch nicht mehr Papst oder Kardinal werden. Kein Wunder, dass sie bei den Bewerbungen für diverse Projekte und Arbeitsgruppen in Sachen Klima und Energie immer die beste Bewerbung abgeben konnte, obwohl sie ja laut Studienfächer von Physik eher wenig Ahnung zu haben scheint. Schließlich arbeitete sie vorher als Musikjournalistin bei diversen Zeitungen. Ich bekomme das Gefühl nicht los, dass man sie damals angesprochen hat und mit ihr durch Ziehen und Schieben am Ende eine besonders Klimagläubige, die dem Sozialismus nicht abgeneigt zu sein schein, an die richtige Position gebracht hat. Nämlich in die Kohlekommission.

Zumindest haben wir schon eine Vorstellung, wie die Zukunft aussehen wird. Ein Land mit zu wenig Grundlast wird eben mit den gleichen Konzepten irgendwann aussehen wie Südafrika.

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3 Gedanken zu “Kohleausstieg 2038: Warum hinterfragte niemand die Machbarkeit?

  1. Fehlende Grundlast kenne ich seit Jahrzehnten aus den Philippinen. In den 90’ern war es in Manila noch voellig normal, dass um 9am der Strom abgeschaltet wurde und erst um 6pm wieder eingeschaltet. Tagsueber brauchte man die Grundlast eben fuer die Industrie. Strom ist hier etwa so teuer wie in der BRD. Vieles hat sich inzwischen deutlich verbessert. Stromausfaelle gibt es meist nur noch Stundenweise, wenn mal wieder Unwetter ist.

    2038 sind nicht nur die heutigen Entscheider tot, sondern auch der Grossteil der Boomergeneration. Die Engpaesse betreffen dann die Millenials und die „Neubuerger“, die dann in endlosen Konferenzen entscheiden koennen, ob sie eine sozialistische oder islamistische Verteilung der Reste bevorzugen. Ich goenne es ihnen 😛

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