Krankes Hirn.

Früher war es in meinem Heimatort gang und gäbe, dass das, was jemand sagte, dadurch Gewicht hatte, weil er, einfach gesagt, sein Leben auf die Reihe brachte und nicht nur ein Schwätzer war. Wer sein Handwerk beherrschte, im wahren Sinn des Wortes, verbindlich und umgänglich war und am Ende sogar einen gewissen Wohlstand hatte, der konnte auch mitreden. Man war wirklich auf Augenhöhe, unabhängig vom Bildungsstand. Sicher gibt und gab es Leute, die etwas schräg oder nervig waren, aber es gab bestimmte Grundprinzipien, die einer erfüllen musste. Wer einer Arbeit nachging, sollte auch etwas können, arbeitsam, pünktlich und verlässlich sein, wer eher wenig hatte, weil er eben die Dinge schleifen ließ und nicht andere dafür verantwortlich machte, dann war das auch in Ordnung, wenn es charakterlich gut zu haben war.

Es musste keiner erzählen, nach welchen Prinzipien er lebte, weil man es ohnehin gesehen hat. Die anderen waren nur „Schmatzer“. Heute gibt es auch hier „Gschtudierte“, die etwas verächtlich auf die anderen herunterschauen. Viele Junge haben finanziell einen guten „Background“ durch die Eltern und studieren so nach Lust und Laune, ohne dass die genau wissen, was sie später machen werden. Die sind meiner eigenen Erfahrung nach solche, die sich von weniger Gebildeten nichts sagen lassen, immer recht streng urteilen, wenn bei denen was schiefläuft und immer, und wirklich immer, links-grün angehaucht sind. So eine war sogar der Ursprung meines Blogs. Reist in der Welt herum, gesponsert von den Eltern, und meint dann, sie hätten irgendeinen Anspruch darauf, dass ihr andere was hinterhertragen. Wenn sich da auf Dauer jemand nicht mehr ausnutzen lässt, dann hat derjenige einen schlechten Charakter, weil er in ihren Augen egoistisch sei. Die meinen, dass sie ja selbst auch immer hilfsbereit wären, kommen aber nicht drauf, dass sie sich nie bewähren müssen, weil die ohnehin keiner nach etwas fragen würde. Eine, die mit dem Fahrrad zum zwei Kilometer entfernten Reitstall fährt, das Rad zwei Monate im Freien stehen lässt bis es die Eltern mit dem Auto abholen, so eine wäre bei jeder beliebigen Tätigkeit ein Ballast. So eine würde man als letztes um Hilfe bitten.

Die hat ihre festen Prinzipien und meint, dass die wegen ihres Discount-Abiturs irgendein Gewicht hätten. Und so spannt sich eigentlich der Bogen zu dem was wir heute täglich in den Medien sehen. Besonders Gymnasiasten und Studenten fühlen sich berufen, den Leuten, die im Alter ihrer Eltern oder Großeltern sind, zu sagen, wie sie zu Leben hätten und was sie bisher alles falsch gemacht hätten. Die schmarotzen von der Vorleistung der älteren und wollen denen sagen, wo der Hammer hängt. Die haben Abitur mit Realschulniveau und können im Gegensatz zu den meisten Realschülern nix, nach dem sie jemand fragen würde. Die haben ihre Prinzipien, an denen sie alle anderen messen, die sich aber nie irgendwo praktisch bewähren mussten. Die verlangen, dass alle tolerant und bunt sein sollen und Verzicht üben sollen wegen des angeblichen Klimawandels, können aber keine fünf Minuten ohne Handy sein oder mehr als einen Kilometer zu Fuß gehen. Und dauernd sind sie genervt, weil was “stressig“ ist, nicht, weil jemand etwas von ihnen verlangt, sondern, weil ihr persönliches Wohlfühlumfeld gestört wird. Wie viele Szenen im Fernsehen gibt es von dem Kaliber, wo die Göre genervt am offenen Kühlschrank steht und meint: Du hast schon wieder keinen Bioapfelsaft eingekauft! Sich dann mit dem Handy pampig auf die elterliche Ledercouch werfen und sich über irgendeine Wortwahl ihres Lehrers aufregen, der ihnen für das Referat aber den zehnten Nachtermin gibt, obwohl sie einfach nur zu faul oder zu unfähig sind, das auf die Reihe zu kriegen.

Die Prinzipien, nach denen sie lebt, also die Regel nach denen auch gefälligst die anderen leben sollen, müssen sich bei ihnen nie bewähren. Die halten sich wie gesagt für hilfsbereit, die fragt aber keiner, weil sie schon einen Flunsch ziehen, wenn sie nur den Müll raustragen müssen. Die wollen Vegan, Klimafreundlich und Nachhaltig, hocken aber dann in der elterlichen Rundumversorgung mit täglich zweimal duschen und dem Handy als Herzschrittmacher auf der Terrasse und beschweren sich, dass das Gemüse wieder nicht gegossen ist, das der Vater auf ihre Forderung hin anbauen musste. Wehe es gibt mal ein Außenstehender Kontra und sagt solchen Jungspunden, dass sie einfach nur alles nachplappern und von nichts Ahnung hätten, dann werden sie gleich pampig und sind beleidigt.

Früher mussten sich die Prinzipien, nach denen einer lebt, bewähren. Da hieß es dann: Da hilft der ganze „Schmaatz“ nix, wer seinen Oasch ned bewegt, der bewegt nix. Heute erschöpfen sich die Prinzipien in der richtigen Haltung. Haltung zeigen, also dumm rumstehen, in der Hoffnung, dass man sich mal bewähren darf. Die ganzen kleinen Stauffenbergs, denen einer abgeht, wenn sie AfD-Plakate abreißen. Die lassen sich zum Schulschwänzen für die Klimademo den einen Kilometer zum Veranstaltungsort mit dem SUV fahren. Der ist natürlich hybrid, weil die Tochter so lange genervt hat, bis der Vater den statt eines Diesels gekauft hat. Man hat sich deswegen fast zerstritten, aber was tun man nicht alles für seine Prinzipien. Wenn sie jetzt in den Medien immer ein paar von den Freitags-Klima-Demonstranten interviewen und die so altklug daherreden, dann weiß ich immer gar nicht, was ich denken soll.

Ich kenne einen, der hat Trisomie-21 und er ist für seine Behinderung schon steinalt. Ein lustiger und echt witziger Typ, mit dem ich mich manchmal unterhalte, weil er direkt an unserer Weide wohnt. Der braucht sicher mein Mitleid und, obwohl er glücklich ist, möchte ich trotzdem nicht mit ihm tauschen. Ich würde den jetzt nicht unbedingt zum Minister machen, wo er Schaden anrichten kann; schlechtes Beispiel, also nicht in einem Kernkraftwerk arbeiten lassen, aber der läuft eben so mit und ist keine Plage wie andere ohne Behinderung. So denke ich über diese jungen Demonstranten. Die sind eben ein wenig beschränkt, sind gut drauf, weil sie was mit Haltung machen und, wenn sie am Ende wieder nach Hause gehen, wäre alles gut. Leider sitzen die ganzen Dödel ähnlichen Kalibers jetzt genau da, wo sie Schaden anrichten können. Also, richtigen Schaden. So völlige Zerstörung nur ohne Krieg. Und deren Nachwuchs geht jetzt aus denselben Prinzipien mit demselben persönlichen Hintergrund auf die Straße. Völlige Selbstüberschätzung, weil sie sich an die welthöchsten Prinzipien halten und das auch von anderen verlangen, dabei keinen blassen Schimmer haben und meinen sich zu bewähren, indem sie ein paar selbstgemalte Plakate hochhalten. Wahrscheinlich hat Mama noch Kleber und Farbstifte besorgt. Wenn die Prinzipien hoch sind, die Bewährung allerdings mickrig ausfällt, man nix kann, was für sich selbst steht, dann bleibt natürlich nichts übrig, wenn sich die eigenen Prinzipien irgendwann in Luft auflösen. Man hat sich an den Fehlern der anderen abgearbeitet und ist fast schon eine kleine Greta, wenn man dem alten Spießer von Lehrer im Referat seinen Diesel um die Ohren haut. Sicher wählt er auch die AfD. Die eigene Identität ist die heiße Luft aus den ganzen edlen Prinzipien.

Prinzipien sind Augenwischerei und am Ende sinnlos, wenn sie sich nicht in einer Tat bewähren müssen. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen, heißt inzwischen, an ihrer Haltung sollt ihr sie erkennen. Prinzipien sind für mich selbst konkrete Handlungsanweisungen, wenn ich mich im öffentlichen Raum bewege und keine Auszeichnungen meiner persönlichen Identität, an denen ich mich gedanklich pausenlos hochziehen müsste, um überhaupt so etwas wie eine Selbstwahrnehmung zu besitzen. Würde von den Medien nicht dauernd eine Bedrohungslage durch Klimawandel oder Rechtsradikale inszeniert, würde man bei den Freitagsdemonstranten eher an den versprengten Haufen einer Endzeitsekte denken. Sollte es doch noch wider Erwarten einen neuen Tag der Befreiung geben, dann wird es bei den ganzen jungen Leuten aus der links-grünen Ecke das gleiche Erwachen geben wie bei den Hitlerjüngern vor fast 75 Jahren. Der Scham, dass man sich so hat blenden lassen und die Leere, dass plötzlich der ganze Lebenssinn abhanden gekommen war, der die eigene Identität vollkommen ausfüllte. Während man sich vorher im Geiste immer wieder die Momente vergegenwärtigte, wo man es dem anderen mal richtig gegeben hatte und den klein und dumm aussehen hatte lassen, war man plötzlich peinlich berührt, wie blind und selbstgefällig man all die Jahre gewesen war. Wie viele halbstarke Hitlerjungen sind am Ende des Krieges weinend zu Mama gelaufen, als sich das System, an dem man sich jahrelang hochgezogen hat, in Luft auslöste und man feststellte, dass man mit schuld an dem ganzen Elend war, das jetzt in Form der gnadenlosen Realität auf sie einschlug.

So kann es auch jetzt kommen. Bisher war es für sie damit getan, dass man die gefährlichen Orte mit Papas SUV umschiffen konnte und von Einzelfällen sprechen konnte, die nichts an der Bereicherung von Multikulti änderte. Irgendwann werden sie nicht mehr vor die Tür gehen können, weil sich eine archaische Gegenwelt etabliert haben wird, die auf unsere Gesetze und Prinzipen scheißt und ihnen dies auch täglich zeigt. Am hellichten Tag werden sie durch die Städte ziehen, einfach gewaltsam nehmen, was ihnen beliebt, den Frauen in den Schritt greifen oder sie gleich missbrauchen, diese Schlampen. Da hilft auch nicht den Notruf zu wählen, weil das keinen mehr interessiert. Wenn die Energieversorger dann noch Last abwerfen müssen, weil der ganze Grünstrom so unzuverlässig ist, und man im Dunkeln sitzt, dann wird das auch niemanden mehr interessieren, weil man das ja die ganze Zeit so gewollt hatte. So wie manche der Hitlerjünger, die vorher alle die Gegner des Systems denunziert haben, feststellten, dass es den Bach runterging und schweigen mussten, weil sie dadurch von dem gleichen System bedroht wurden, das sie bedingungslos unterstützt hatten, so wird es auch den heutigen Gutmenschenjünger gehen. Da werden sie merken, dass Feinstaub und Klimawandel wirklich das geringste Problem sind. Man könnte jetzt meinen, dass das Verhalten dieser jungen Leute völlig normal sei. Aber dem ist nicht so:

(Denn es) fehlt ihnen oft jegliches Gefühl für Verhältnismäßigkeit (siehe auch Psychopathie). Andere Ansichten werden zum Teil radikal bekämpft. Menschen mit einer naiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung schaffen sich ihre eigenen Moralvorstellungen und vertreten diese vehement – teilweise sogar radikal – nach außen. Dabei besteht der Hang, die Lebensweise anderer Menschen (möglichst vollkommen) zu dominieren.

Die naive Persönlichkeit kennzeichnet sich auf den ersten Blick durch scheinbar besonders großzügiges Verhalten oder übertriebenen Altruismus. Dem Anschein nach verfolgen viele Betroffene humanistische, altruistische oder religiöse Lebensziele. Tatsächlich geht es aber nicht um das „Gutsein“, sondern um die Aufrechterhaltung und Überspielung eines Wunschbildes, das – wie bei der narzisstischen Persönlichkeitstörung – übertrieben nach außen gezeigt wird, jedoch bei objektiver sachlicher Betrachtung der Realität nicht standhält. Insofern könnte man auch von Realitätsverlust sprechen.

Das ist der Nachwuchs, der in ein paar Jahren die ganzen Gestörten in der Politik ersetzen und deren Werk zu Ende bringen werden. Das Ergebnis wird dann die beste Therapie für sie sein, vorher wird sich nichts ändern. Da hilft nur seine eigenen Kreise zu ordnen und gewappnet zu sein, wenn es so weit ist, und sich bis dahin an seine eigenen Prinzipien zu halten, die sich bisher immer bewährt haben.

 

5 Gedanken zu “Krankes Hirn.

  1. „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann“ angeblich von irgendwelchen Kanadischen Indianern, 1:1 von den Gruenen uebernommen (aber wahrscheinlich den Indianern von den Gruenen in den Mund gelegt).

    Erst wenn der letzte Kapitalist im Gulag sitzt, werden die Gruenen merken, dass man Grass nicht essen kann, dass man von Luft und Liebe nicht leben kann, und dass sogar Soya angebaut werden muss. (C) Luisman 😉

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  2. Das ist wieder ein sehr wahrer Artikel; und wunderbar anschaulich geschrieben. Genau so ist es. Und da die meisten dieser hochbegabten, alles besser wissenden „Nachwuchstalente“ immer noch bis in die 30er von ihren Eltern alimentiert werden, müssen sie auch nie ihre Theorien an der Praxis messen. Selten so viele narzisstische junge Erwachsene gesehen, welche zwar völlig Unnützes studieren und machen, aber allen Älteren ihre Weisheiten ungefragt um die Ohren hauen; und deren Lebensstil samt Einstellung bemäkeln. Die „neuen ungefragten Erziehungsbeauftragten“. Im Namen der politisch-korrekten Linken. Taten statt Worte, möchte man ihnen zurufen. Aber selbst deren Eltern sind tödlich beleidigt, wenn man es wagt, an dem selbst-verbreiteten Image dieser Wunderkinder zu kratzen. Man kann nur hoffen, dass das Leben selbst die notwendigen Korrekturen vornimmt.

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