Journalismus ganz unten.

Auf meedia setzt sich ein Frederik Fischer damit auseinander, wie sich der Journalismus in der Gegenwart neu erfinden könnte, weil die Verkaufszahlen einfach so nach unten gehen. Die Journalisten wundern sich, dass nur die wenigsten für die Onlineangebote zahlen wollen und man beklagt jetzt Zustände die man selbst verursacht hat.

Ein Großteil der reflexhaften Berichterstattung über rhetorische Grenzüberschreitungen, obskure Absichtserklärungen oder politisches Ränkespiel ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass redaktionelles Verhalten vorhersehbar ist.

Jetzt stellen sie nämlich fest, dass alternative Nachrichtenseiten genau diese Inhalte aufgreifen und sie „politisch instrumentalisieren“. Ja, es ist einfach zu blöd, dass zum Beispiel die Forderungen der Deutschen Umwelthilfe und die Behauptung von zehntausenden Toten durch Feinstaub, die „Experten“ nachgewiesen haben wollen, nicht einfach mehr so vom Konsumenten gefressen werden. Dass dieser Verein nur aus ein paar Versprengten besteht, von Abmahnungen lebt, kein Beitrittsformular auf seiner Seite kennt und nicht jeder einfach so beitreten kann und am Ende ein Jürgen Trittin von den Grünen, die am meisten von deren Gebaren profitieren, mitgegründet wurde, ergibt natürlich ein völlig anderes Bild als das gewünschte. Seit Jahren werden aus dem politischen Umfeld reale oder vermeintliche Probleme inszeniert, die von den Medien aufgeblasen werden und auf die die Politik dann wieder medienwirksam reagiert.  Politiker brauchen die Medienpräsenz um überhaupt wahrgenommen zu werden, Journalisten müssen sich dadurch veredeln, dass sie Zugang zu den Mächtigen haben. In dem Artikel findet sich eine Stelle, die zeigen, dass das Problem in einem Knick in der eigenen Wahrnehmung beruht. Es geht los mit

Einfach Lösungen für diese komplexe Gemengelage an Herausforderungen kann es nicht geben. Fest steht aber, dass die traditionellen Nachrichtenkriterien im neuen Mediensystem ebenso schädlich sein können wie die Jagd nach Klicks.

Die traditionellen Nachrichtenkriterien sind für den Journalismus schädlich? Neutralität und Objektivität und berichten, was ist, wäre schädlich, weil man dann zu wenig Klicks bekommt? Die meinen, dass man dem gewöhnliche Nachrichtenkonsumenten die Berichterstattung aus dem Bundestag und Gesetzesvorlagen auf die gleiche Weise präsentieren müsste wie das neuste aus dem Dschungelcamp, Maggans Babybauch oder die Messerstecherei in einem Hinterhof. Erst gestern hat mir ein älterer Mann gesagt, dass er sich nach den alten Nachrichtensendungen zurücksehnt, wo einfach vorgelesen wurde, was passiert ist, ohne irgendwelches erklärendes Gequassel.

Journalismus war noch nie ein beliebiges Produkt. Immer schon ging es auch um einen öffentlichen Auftrag, und um das Gemeinwohl. Journalismus vertritt Werte. Journalismus selbst ist ein Wert. Werteorientierter Journalismus lässt sich aber nicht länger ohne eine Ethik der Aufmerksamkeit denken.

Ich denke, der Auftrag der Alliierten, die Deutschen mit Hilfe der Presse zu Demokraten zu erziehen, dürften schön langsam abgeschlossen sein, wenn auch eine Anja Reschke immer noch davon angetrieben ist, wenn die Bürger nicht die richtigen Ansichten haben. Und Journalismus ist kein Wert an sich. Meinungsfreiheit, der Zugang zu öffentlichen Quellen, Neutralität und Objektivität sind Werte, die ein Journalismus vertreten sollte, aber nicht, dass Leute, die sich für moralisch erleuchtet halten, zusammensitzen und überlegen wie sie uns Meldungen vorverdauen, damit wir uns die richtige Meinung bilden. Sie sollen uns die Meldungen mit ein paar Hintergründen einfach durchreichen, damit wir uns selbst eine eigene Meinung bilden können. Ich brauche keinen Berufsstand, in dem 90% eine Ausbildung haben, dass sie die heutigen Inhalte höchstens auf dem Niveau ener Schülerzeitung behandeln können.

Eine Ethik der Aufmerksamkeit erfordert, die Verantwortung zu übernehmen für die Wirkung der eigenen Berichterstattung. Das wiederum erfordert ein Verständnis von den komplexen Zusammenhängen des derzeitigen Informationsökosystems. Es erfordert Empathie für das Publikum und es bedarf einer Dienstleistungsmentalität.

Einfach gesagt, haben die festgestellt, dass es wie seit dem Beginn der ungesteuerten Migration 2015 ein Fehler war, dass man den Konsumenten mit Erfolgsmeldungen, Tränendrüsenberichten und selektiver Berichterstattung zugemüllt hat und in Unkenntnis des „derzeitigen Informationsökosystems“ feststellen müssen, dass die Leute zu diesem Thema eben auch ihre eigenen Erfahrungen und Bilder aus einem anderen Blickwinkel ins Netz stellen und der „unpassende“ Einzelfall, der der Lokalzeitung nur ein Vierzeiler wert ist, an eine breite Öffentlichkeit getragen wird und alles in der Summe eben ein völlig anderes Bild ergibt, wie es die wertorientierten Journalisten gerne hätten. Was meinen die eigentlich mit Empathie? Eine selektive Empathie betreiben sie ja jetzt schon und, wenn sie eine Dienstleistung anbieten wollen, dann sollten sie sich wie jedes Unternehmen daran ausrichten, was nachgefragt wird, und nicht, was sie gerne an den Mann bringen möchten. Man braucht nur die „Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN)“ und SPIEGEL-online ansehen. Das DWN-Angebot ist nicht kostenfrei, dafür sind die Überschriften und die ganzen Berichte vollkommen neutral und objektiv gehalten und frei von jeder moralischen Bewertung oder persönlichen Meinung. Echt angenehm zu lesen. Warum sollte jemand für SPIEGEL-online bezahlen? Was interessieren mich die Meinung einer Sibylle Berg oder ideologisch vorverdaute Meldungen. Die müssen das weitgehend kostenlos anbieten, damit die Eitelkeit der Meinungsmacher mit Reichweite befriedigt wird und die Bürger auch erreicht, was politisch gedacht werden soll. Kein Wunder, dass Frederik es für unvermeidlich hält, dass der Journalismus irgendwann vom Staat finanziert werden muss.

Der Prozess der Relevanzbewertung erfolgt bei langjährigen Journalisten fast automatisch im Hintergrund. Das Blöde ist: Dieses gelernte Verhalten ist allgemein bekannt und kann dementsprechend leicht manipuliert werden. Anders gesagt: Ein Großteil der reflexhaften Berichterstattung über rhetorische Grenzüberschreitungen, obskure Absichtserklärungen oder politisches Ränkespiel ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass redaktionelles Verhalten vorhersehbar ist.

Seine Diagnose ist schon mal richtig. Davor beklagt er sich, dass Leuten, die „Falschnachrichten“ verbreiten, eine Plattform in den Leitmedien gegeben würde. Meint er damit die „Klimaleugner“, EU-Kritiker oder diejenigen, die in der ungebremsten Migration keine Chance und Bereicherung, sondern Gefahr und Risiko sehen? Erst schreibt er, dass David Berger Falschnachrichten verbreitet, im Link erfährt man, dass er an einer Stelle eine falsche Nationalität genannt hat, für die „richtigen“ Journalisten sind das dann Ungenauigkeiten, die in der Hektik entstehen. Er gibt dann Beispiele, was nicht mehr sein darf

Auch hierzulande konnten Nachrichtenkritiker aus den Vollen schöpfen. Erst ließen sich Medien von AfD-Politiker Frank Magnitz instrumentalisieren. Dann halfen die Medien einer kuriosen Gruppe aus Lungenfachärzten dabei, Falschnachrichten zu verbreiten. Und dann war da noch Sascha Lobos Generalabrechnung mit dem Nachrichtenjournalismus „So kann es nicht weitergehen“.

Wer ein Bild eines halb Erschlagenen ins Netz stellt und darauf hinweist, dass Angriffe auf die Opposition von den Leitmedien ständig ignoriert werden, der instrumentalisiert. Wer Hass-Mails an Politiker, die schwer daran arbeiten, dass sie die erst bekommen, als neuerliches Aufziehen des Nationalsozialismus deutet, der betreibt objektive Berichterstattung. Ach, was.

Man muss wirklich nochmals eine Stelle zitieren, denn sie ist ja der Kern, der uns vermittelt werden soll:

Eine Ethik der Aufmerksamkeit erfordert, die Verantwortung zu übernehmen für die Wirkung der eigenen Berichterstattung.

Das gleicht der Quadratur des Kreises. Die große Mehrheit der Journalisten ist selbst links-grün und verbrät ihre Haltung in beinahe jeder belanglosen Überschrift und schönt oder verzerrt konsequent die Meldungen, um den Bürger auf Linie zu bringen, und genau das ist der Grund für deren Niedergang. Würden sie objektiv und neutral berichten, dann würde ihre Ideologie an der Realität zerbröseln und die Bürger würden schneller andere Werte vertreten, als sie dagegen anschreiben könnten. Wie es aber dennoch umgesetzt werden könnte, dazu gibt er zwei Beispiele:

Statt wie ferngesteuert immer von einem Aufreger-Thema zum nächsten zu eilen, wäre ein ethischer Umgang mit der Aufmerksamkeit der Leser, an Themen konsequente dranzubleiben. Jedes halbe Jahr könnte sich die Redaktion unter Einbindung der Leser auf sechs Schwerpunkte einigen und diese hartnäckig verfolgen. Wie würde beispielsweise eine Berichterstattung über CumEx aussehen, die Woche für Woche dokumentiert, was seitens Politik und Regulierungsbehörden nun genau (nicht) unternommen wird? Das Verhältnis von Wadenbeißer- zu Verlautbarungsjournalismus würde sich verschieben. Der Druck auf die Politik würde steigen und Journalismus als vierte Gewalt eine größere Wirkung entfalten.

Da macht die linke taz-Redakteuren eine Umfrage unter ihrer Zielgruppe, was sie hören möchte, und sagt dann in der Redaktionskonferenz, dass man weitermachen kann wie bisher. Wie soll der Leser denn sagen können, an welchem Thema die Journalisten dranbleiben sollen, wenn sie ja erst mal die Meldung dazu brauchen? Bevor die alternativen Medien den Migrationspakt ans Licht zerrten, hätten man nach einer Umfrage leicht sagen können, dass das die Leute gar nicht interessiert. Wenn man dem Leser wieder nur selektiv vorsetzt, was er wissen darf, dann tritt man nur breit, was man ohnehin vermelden würde; nur eben ausführlicher. Wenn man beinahe unter jedem Artikel einen Shitstorm erntet oder die Kommentarfunktion gleich präventiv sperren muss, dann kann man schlecht sagen, was die Leute von dem Müll am liebsten hören wollen. Als zweites Beispiel bringt er dann:

Eine Frage, die das Bewusstsein für eine Ethik der Aufmerksamkeit schärft, lautet: „Ist dieser Inhalt die wertvolle Zeit der Leser wert?” Warum nutzt man nicht ein Umfragetool wie Opinary dazu, eine Woche lang und nach jedem Inhalt konsequent nur diese eine Frage zu stellen?

Ja, Geld wollte er anscheinend nicht dafür bezahlen. Wenn man nun fragt, wie viel seiner wertvollen Zeit der Leser gnädigerweise für einen Inhalt aufwenden will, dann ist nicht mehr ganz klar, wer hier von wem etwas will. Die verschenken ihre Artikel online und müssen sich noch Gedanken machen wie sie es schaffen könnten, dass der Leser dieses Geschenk annimmt. Die müssen wirklich ganz unten angekommen sein. Gerade kam mir in den Sinn, sie könnten dem Leser etwas bezahlen, dass er das liest. Dabei gibt es das schon. Da bekommt man eine Geldprämie, wenn man kostenlos das Abo einer Zeitung nimmt. Scheint auch nicht wirklich zu helfen, wenn die Abneigung der Leser so groß ist, dass sie nicht mal dafür auf die Internetseite des Blattes zu gehen, um seinen Namen in ein Kästchen zu schreiben. Am besten sollten sie Leute an die Haustüren schicken, die dann 100.-€ und ein Exemplar persönlich vorbeibringen; oder beim Bäcker hinterlegen, damit ihnen keiner von denen unter die Augen kommt. Oder sie überweisen das Geld und schicken ein Video aufs Handy, als Beweis, dass sie das persönliche Exemplar in der Papiertonne entsorgt haben. Die brauchen einfach Leute, die auf die Werbedeko auf ihren Netzangeboten schauen, denn die leben ja von den Werbeeinnahmen und nicht mehr vom Verkauf. Wo es auf Dauer hinführt, steht dann auch im Artikel.

Wenn eine Umstellung auf Bezahlinhalte gelingen soll, aber auch wenn eines Tages kein Weg mehr an staatlicher Unterstützung vorbeiführen sollte, braucht Journalismus ein anderes, positiv besetztes Image,

Nein. Wenn Journalisten irgendwann mal vom Staat oder einer GEZ leben, dann braucht es zusätzlich echt kein positives Image. Die ganzen staatsalimentierten Politiker und ihre professionellen Verlautbarer in den ÖR-Medien und Stiftungen haben das beschissenste Image überhaupt, verdienen aber ein Vielfaches der Schreiberlinge in den Printmedien. Wenn die erst mal von diesem Staat ausgehalten werden, dann lösen sich alle Probleme in dem Artikel wie von selbst. Dann können Journalisten nämlich endlich sorgenlos so schreiben wie bisher.

 

 

 

3 Gedanken zu “Journalismus ganz unten.

  1. Meiner Ansicht ist wirklicher Journalismus mit Haltungsjournalismus gar nicht vereinbar, letzteres ist sogar das Gegenteil von echtem Journalismus.

    Wenn man sich darauf zurueckzieht, nur Meldungen verbreiten zu wollen, hat auch das mit Journalismus wenig zu tun. Das waeren dann unbewertete Nachrichten. Auch das geht nicht, da es 10.000 Mal mehr Nachrichten gibt als Zeit, diese zu berichten oder zu empfangen. Klar muss bewertet werden. Die tausendste Meldung der Homoeopathen sich mit anders verwaessertem Wasser heilen zu koennen hat keinen Wert. Die Meldungen von „free energy“ oder der „Beweis der flat earth Theorie“ ist ebenso wertlos. Der Journalist soll auswaehlen, aber nicht aufgrund seiner „Haltung“, sondern aufgrund von seiner Faktenrecherche und seiner im Leben erworbenen Weisheit.

    Vor allem den vielen jungen Journalisten fehlt beides. Die haben keine Ahnung von Fachthemen und koennen nicht bewerten was Fakten sind. Waere das anders, haetten sie einen besser bezahlten Beruf ergriffen. Da sie meist jung sind fehlt auch die Weisheit. Meist fehlt nicht nur die Erfahrung in einem Fachbereich, sondern die Bereitschaft ueberhaupt etwas zu lernen. Als Ersatz leihen sie sich die fehlende Weisheit bei ihren Chefideologen aus, woraus der Haltungsjournalismus entsteht.

    Warum soll man etwas lesen/empfangen, teilweise ueber Zwangsgebuehren finanziert, von Leuten generiert, die fachlich keine Ahnung haben und auch nicht die Erfahrung und Weisheit, die Nachricht bewerten zu koennen?

    Wirklicher Journalismus waere, wenn einer in einem Fachgebiet so versiert ist, dass er praktisch selbst darin mitarbeiten koennte, und die Resultate, vom Fachjargon befreit so darstellt, dass jeder Nicht-Fachmann es nachvollziehen kann. Das ist nicht einfach und erfordert lebenslanges Lernen. Seine Erfahrung und erworbene Weisheit wuerde auch verhindern, dass er auf jeden Bloedsinn reinfaellt. Moralisieren hingegen kann jeder Hinz und Kunz.

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