Was kommt nach der Staatskunst?

Auf einigen Blogs wir über den Zusammenschluss politkorrekter Künstler unter dem Namen Die Vielen berichtet. Ich habe schon im Juli letzten Jahres dazu einen Artikel verfasst, deshalb will ich nicht mehr auf deren bedenkliche politische Ausrichtung eingehen, sondern mal auf das rein formale deren „Werke“ eingehen, denn man kann vielleicht mit Hilfe der Kunstgeschichte eine Parallele finden, wo diese Form der Staatskunst hinauslaufen könnte . Natürlich sehr vereinfacht.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein zeigten sich Kunstwerke fast immer innerhalb eines Gesamtkunstwerkes von Architektur, Skulptur und Malerei, die Auftraggeber waren weit überwiegend Adlige und die Kirche. Bürgerliche ließen sich Bilder, meist Portraits aus Prestigegründen anfertigen. Das freie, unabhängige Künstlergenie gibt es erst etwa seit knapp 200 Jahren und fällt zufällig mit er Erfindung der Photographie zusammen. Die ersten 70 Jahre setzte man sich damit auseinander, was Malerei dann im Gegensatz zur Photographie noch leisten könnte und provozierten durch ungewohnte Malweisen. Mit Malewitsch Schwarzes Quadrat fand diese Entwicklung ihr Ende, seitdem herrscht ein Stilpluralismus. Die weitere Entwicklung verlief eher inhaltlich, indem immer mehr Tabus gebrochen wurden. Erst z.B. durch Francis Bakon über Georg Baselitz zu Piss Christ u.a. Nun wurde diese Zeit durch die nationalsozialistische Kunst unterbrochen und diese kam beim Publikum an. Die deformierten Figuren eines Dix oder Schiele waren den meisten Normalbürgern ein Graus. Dass der Nationalsozialismus mit seiner Staatskunst Erfolg hatte, war nicht überraschend, denn die Deutschen strebten in den 30-igern zu neuer Größe. Kein Wunder, dass man sich antiker Vorbilder bediente, kombiniert mit einer Gigantomanie eines Arno Breker. Die Skulpturen Brekers und auch die Bilder von Adolf Ziegler kamen den Sehgewohnheiten der gewöhnlichen Ausstellungsbesucher entgegen. Dabei sahen sie jedoch nur das beeindruckende technische Können, die Stimmigkeit in den Proportionen und den vermeintlichen Realismus. „Die Bürger von Calais“ von Rodin sind auf dem Hintergrund der Geschichte wesentlich „realistischer“ und glaubwürdiger als jedes Werk Brekers. Brekers Figuren sind eine Vorwegnahme des He-Man oder gedopter Bodybuilder. Alle Muskeln grundlos angespannt, der Gesichtsausdruck emotional leer, eindimensional und dadurch entmenschlicht. Dazu ein Minipimmel als Applikation. Man vergleiche Michelangelos David mit Arno Brekers Die Kraft. Da merkt man erst wie lächerlich  Brekers Figuren wirken. Nach dem Krieg, als alles darnieder lag, merkten das auch die Normalbürger. Man sehnte sich nach Frieden, Geborgenheit und die Freiheit sich nicht mehr soldatisch verstellen zu müssen, da wirkten diese Figuren plötzlich wie Fremdkörper. Die ehemaligen Anhänger und Mitläufer im 3. Reich waren im Zwiespalt und Ringen mit sich selbst. Wolfgang Borcherts Buch „Draußen vor der Tür“ trifft ehrlich den Nerv der Zeit. Je länger der Krieg zurücklag, desto weniger wurden die Kunstwerke auch so empfunden. Zur modernen Kunst in den Nachkriegsjahrzehnten waren sie direkt ansehnlich. In dem Film Die Rückkehr der Giganten (Leider nicht mehr erhältlich) kommen sowjetische Besatzungssoldaten zu Wort, was sie davon halten, dass auf ihrem Sportgelände lauter Nazi-Skulpturen herumstehen. Sie meinten sie hätten nichts dagegen, sie wären recht ansehnlich und könnten ruhig stehenbleiben. Es sind nicht mehr als kitschige Putten, eben nur in gigantisch, aber qualitätsmäßig auf gleichem Niveau. Und wie gesagt, die Entwicklung ging ja weiter bis zum Piss-Christ. Jedes Tabu ist gebrochen, keine Erregung mehr, wie in den Sechzigern, als die Berliner Polizei gegen eine Baselitz-Ausstellung anrückte, weil die Besucher Pornographie vermuteten. Wie kann man nur!

Und heute? Alle Tabus gebrochen? Wir erleben politik-genehme Staatskunst, die alles Traditionelle verteufelt und dem Neomarxismus ein Denkmal errichtet. Abartigste Performance, Vögeln, Scheißen und Urinieren auf der Bühne und die Entmenschlichung ungenehmer Personen. Dreck und Deformierung, aber nicht als als Teil menschlichen Innenlebens, sondern die völligen Verneinung des Menschlichen wie bei den Nationalsozialisten. So wie Brekers Werk formal die innere Größe bzw. den Größenwahn der Deutschen aufnahm, so nimmt man heute formal die völlige Ablehnung der Neomarxisten bezüglich unsere Kultur und ihrer Gegner auf. Heimat und Symbole der Zugehörigkeit, das muss alles ausgemerzt werden! Und ihre Anhänger sowieso, ins besondere unter den toxischen, weißen Männer zu finden. Wer auf der Bühne nur Fäkalien und Vulgärsprache als Abbild der Realität sieht bzw. hört, der kann auch diese Kritiker nur ablehnen. Alle Tabus gebrochen?

Meiner Meinung kommt die Gegenbewegung aus einer ganz anderen Richtung. In Bautzen wurden wie an anderen Orten auch wieder Kreuze aufgestellt. Jedes mit dem Namen einer von Migranten ermordeten Person und eines dazu mit der Aufschrift: Weiterer Einzelfall. Alles ganz schlicht, nicht vulgär oder anstößig und trotzdem rufen Leute die Polizei und Politiker führen sich auf, wie die Leute, die sich damals über die angeblich entartete Kunst eines Lovis Corinth aufregten. Welcher Deutschnationale hätte sich durch sein Bild Ecce home nicht entlarvt gefühlt, wo man doch zu den Guten gehörte. Da rief man natürlich nach der Polizei, denn dieses Bild stellte in Machart und Inhalt die damalige political correctness in Frage.

Und in Bautzen? Gezeter der Ertappten, weil ihre Politik gescheitert ist und Bestürzung, dass der Konsens so in Frage gestellt wird, der Staat selbst in Frage gestellt wird. Man rettet sich damit, dass man es als Hetze sondergleichen bezeichnet. Schon, dass die Aktion im Geheimen geschieht  und der Staatsschutz aufmarschiert, zeigt, dass hier ein Tabu gebrochen wurde und hier sogar eine Straftat vermutet wird, bei einer Aktion, die vor 30 Jahren die meisten in einem anderen Zusammenhang nicht mal groß registriert hätten. Witzig, dass man sogar da von Hetze sprach, als Aktivisten christliche Kreuze auf einem zukünftigen Moscheegelände aufstellten. Dass das Schlichte, Einfache, das Zeichen, das für die Erlösung steht, plötzlich als Hetze wahrgenommen wird, liegt nicht am Kreuz, sondern im Auge des Betrachters. Sie setzen voraus, dass dahinter mindestens Hetze, wenn nicht Gewalt oder Mord gegenüber Muslimen vermutet wird. Sie können mit diesem gewaltlosen Widerstand nicht umgehen, wenn sich eben nicht jeder verbiegen lässt und es irgendwann dazu kommen wird, dass sich Bürger wegen ihres Glaubens und ihrer freien Meinung lieber verhaften lassen, als sich selbst zu verleugnen. Dann werden auch die, die sich verbiegen haben lassen, sehen, dass sich das System selbst entlarvt hat. Als die ersten im Nationalsozialismus verhaftet wurden, Schreib- und Malverbot erhielten, gab es schon zu viele Verblendete und das System war bereits zu repressiv, dass es noch ein Zurück gegeben hätte. Vielleicht sind die Kreuzaufsteller noch rechtzeitig auf den Plan getreten und der Mut wächst mit jeder Aktion. Reden wir nicht inzwischen wieder offener als noch vor zwei Jahren? Sprechen wir Missstände in der gegenwärtigen Politik nicht wieder etwas mutiger in der Öffentlichkeit  an und trauen uns mit jeder Bestätigung mit unserer Meinung weiter vor? Ich warte darauf, dass diese Kreuze offen aufgestellt werden und die Macher buchstäblich Gesicht zeigen. Verhaften? Vor aller Leute?

Hier könnte die Trendwende eingeleitet werden. Und Die Vielen? Ihre Werke werden als neomarxistischer Kitsch enden, denn die Menschen sehnen sich nach Werken, die die menschliche Zwiespältigkeit und Schwäche zeigen, aber auch Mut und Bestimmtheit, in einer Zeit, wo man zwischen Nächstenliebe, Toleranz, Ablehnung der Intoleranz vieler Einwanderer und Angst vor der Zerstörung unserer Kultur hin und her gerissen ist.

Die Frage ist nicht „Was ist Kunst?“, sondern „Wann ist Kunst?“ Auch wenn die Kreuze in Bautzen nicht als Kunst (-aktion) daherkommen, würde man sie mit linker Intention durchaus so bezeichnen. Wenn sich eine staatliche Einheitskunst etabliert hat, dann ist Kunst nicht mehr in Ausstellungen zu sehen. Die heutige politkorrekte Fäkalkunst zerfällt zum Humus, auf dem ein zartes Pflänzchen echter, aufrichtiger Kunst wachsen kann. Hoffen wir, dass der Dreck nicht schon zu hoch liegt.

 

5 Gedanken zu “Was kommt nach der Staatskunst?

  1. „Reden wir nicht inzwischen wieder offener als noch vor zwei Jahren? Sprechen wir Missstände in der gegenwärtigen Politik nicht wieder etwas mutiger in der Öffentlichkeit an und trauen uns mit jeder Bestätigung mit unserer Meinung weiter vor?“
    Hmm….nö. Und ganze Regionen werden für die Planwirtscht gestrukturwandelt also plattgemacht, während Altmeier im Namen des Konkurrenzkampf den freien Markt durch vereinfachte Machtaggregation/Firmenzusammenlegungen zerstören will. GBP „wächst“ nur noch um 1%, wobei die deutschen Behörden die geschätzte Schwarzarbeit einfach mit in den GBP einrechnen (kein Scheiß).

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    1. Ich meine mit „wir“, die losen Bekanntschaften und nicht diejenigen, von denen Politiker sprechen: eine im Fernen wabernde Masse, die sie beliebig ausnehmen können. Mit denen brauchen sie auch nicht zu reden, denn es genügt, wenn sie fleißig malochen, abdrücken und sich höchstens über Anstoßzeiten bei der Bundesliga beschweren. Politiker sehen sich ja als Teil des „Wirs“, denn sie meinen sie gehörten dazu, denn das Volk wäre ohne sie völlig hilflos.

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