Sehend und doch blind.

In meinem vorgestrigen Artikel kommt es sicher so rüber, als wäre man als junger Mensch nicht ebenso anfällig für Hysterie und Verblendung gewesen. Mitnichten, denn schließlich habe ich das „Waldsterben“ live und aktiv erlebt. Es gibt aber auch einen großen Unterschied zu damals und einen fast trivialen Grund, warum es auch heute wieder funktioniert.

Meine Eltern abonnierten damals die Zeitschrift „Schöner Bayerischer Wald“, die vermeldete um 1980 ein Tannensterben. Ich kann mich sogar noch an die Titelseite erinnern. Das ging dann relativ schnell über ins Waldsterben durch sauren Regen. Man muss bedenken, dass es ja damals kein Internet gab, nur die ÖR-Medien und bei uns den Bayerwald-Boten. Wer zusätzlich den Spiegel las, war schon gut informiert. Natürlich fühlten ich mich als Waidler durchaus bedroht davon. Ein Freund organisierte in einer Kneipe einen von Greenpeace, das war aber recht unergiebig und heute weiß ich, dass wir einfach uninteressant waren, weil es rein ums Geld und Medienpräsenz geht. Wir schrieben mit der Hand Plakate „Der Wald stirbt“ und malten was dazu und hängten sie an der Wanderstrecke des Volkswandertages, die es damals noch gab, an Bäume. Wir waren, so kann ich mich erinnern, nur zu Dritt. Irgendwie war es mir peinlich, wenn ich von Weitem jemanden sah, der mich kannte, sich so öffentlich mit einem Protest zu zeigen war nicht mein Ding. Als ich 1980 das Zitat von Professor Ulrich las,

„Die ersten großen Wälder werden schon in den nächsten fünf Jahren sterben“

wurde mir durchaus mulmig zu Mute. In der Schule wurden Messungen zum pH-Wert des Waldbodens gemacht und der war natürlich ziemlich sauer. Man musste es einfach glauben. Wir lernten über verschiedene Bodenarten, Vegetation, Säuren, Basen und Neutralisation, über die Umweltverschmutzung im Ostblock und, dass vor allem Harz, Fichtelgebirge und Bayerischer Wald betroffen waren. Schon vor der Hochzeit des Waldsterbens war für jeden sichtbar, dass eben kein gelber Qualm mehr aus den Fabrik- und Kraftwerksschornsteinen kam. Man war so von der Hysterie in den Medien paralysiert, dass man unfähig war, sein Wissen und seine Wahrnehmungen zusammenzuführen. Hätte es damals Internet gegeben, dann hätte ich dieses Zitat nicht erst jetzt gelesen

Die Franzosen lachen über „Le Waldsterben“, der Rest der Welt über die „German Angst

und hätte es Internet gegeben, dann wäre man auch auf ganz banale Erhebungen über Bodenarten und Waldbestand gekommen. Es hätte gereicht, auf seine eigene Wahrnehmung zu vertrauen, warum es auch heute nicht funktioniert, komme ich später.

2003 erklärte die damalige Umweltministerin Künast das Waldsterben für überwunden und in der Rückschau muss sogar Professor Ulrich zugeben, dass man überzogen hatte:

Es habe durchaus „Anklänge von Hysterie gegeben“, erinnert sich Ulrich, aber nicht bei ihm, dem Wissenschaftler, sondern in den Medien und der Öffentlichkeit. „Ich bin immer auf dem Boden der Fakten geblieben.“ Er gibt allerdings zu: Die Entwarnung, dass der Wald doch nicht stirbt, hätte früher und deutlicher kommen können.

Dass er sicher finanziell und in Bezug auf sein Ego von dem Hype profitiert hat, verschweigt er aber. Der objektive Schlüssel, warum man seiner Wahrnehmung nicht vertraut hat, findet sich in Aussagen von Förstern, die damals beauftragt wurden, den Waldzustandsbericht zu verfassen, der später alarmistisch in Waldschadensbericht umbenannt wurde. Im Grunde ließ sich nämlich nicht unterscheiden, welche Bäume auf natürliche Weise geschädigt waren oder in Folge sauren Regens. Heute, da wir selbst Wald besitzen ist mir das noch klarer. Der Bestand im naturnahen Mischwald ist etwa ein Drittel Jungwuchs und jüngere Bäume, Bäume von etwa 30 Jahren und Altbestand. Durch die natürliche Konkurrenz stirbt der größte Teil des Jungwuchses, sind sie größer, dann an Lichtmangel oder, weil ein älterer Baum in der nächsten Umgebung steht. Ohne Windwurf und Schneebruch können wir so von 12 Tagwerk etwa 20 Ster Holz entnehmen, ohne einen gesunden Baum umschlagen zu müssen. Man nimmt den natürlichen Prozess vorweg, indem man einfach von zwei eng stehenden Bäumen einen entnimmt. Dazu gibt es immer genügend Bäume, die durch den Standort einfach immer ziemlich ungesund aussehen, wenn sie nahe an Rückewegen stehen, wo der Boden verdichtet wird. oder plötzlich durch Rodung zum Randbaum werden. Im Nachhinein ist mir auch klar, wie ich mich täuschen habe lassen. Der Wald hatte sich in der ganzen Zeit nicht verändert. Null. Njente. Da man in den Medien immer mit Bildern von Bäumen mit dünnen Nadeln zugedröhnt wurde, richtete sich die Wahrnehmung genau auf die. Die standen aber meist immer schon da oder entstanden erst aus ganz anderen Gründen. Witzigerweise standen die meisten durch das „Waldsterben“ geschädigten Bäume direkt an einer ziemlich protzig ausgebauten Landstraße. Heute ist da nichts mehr zu sehen. Die ganzen Bäume die vorher durch andere Bäume, die durch die Randlage einfach dichteren Nadelbewuchs hatten, geschützt waren, standen plötzlich völlig frei. Die heben einfach nur ganz oben dichten Nadelbewuchs, weil dort eben Licht ist. Gleichzeitig wurde der ganze Boden verdichtet, als man die Bäume für die Straße fällte. Heute ist da nichts mehr zu sehen. Die Hysterie entstand meiner Meinung nur dadurch, dass man das Interesse der Wahrnehmung genau auf diese Bäume lenkte. Das war vorher so natürlich, dass dieser Prozess niemanden bewusstgeworden ist. Das war zu normal, um es wahrzunehmen, vor allem, wenn man kein Waldbesitzer oder Förster war.

Die Medien haben uns zu einer selektiven Wahrnehmung gebracht und gleich noch die Begründung geliefert, was da zu sehen wäre. Als Künast 2003 das Ende des Waldsterbens verkündete, dachte man bei uns War das was? Schließlich hatte es sich für die, die in den „bedrohten“ Gebieten lebten, schon Jahre vorher erledigt. Man war am Anfang der Hysterie sehend und doch blind.

Die obigen Zitate von Ulrich stammen aus einem Artikel der taz, und für die ist heute alles ganz anders:

Die halbwegs realistischen Szenarien gehen davon aus, dass uns selbst im günstigsten Fall immer mehr Überschwemmungen und Dürren, Missernten und Stürme, Flüchtlingsströme und Hitzewellen bevorstehen. Schon jetzt schmilzt das Arktiseis, verschieben sich Klimazonen, kämpfen Tier- und Pflanzenarten gegen das Aussterben, taut der Permafrostboden und verkürzt sich der Winter.

Das gleiche aufgeblasene Bedrohungsszenario wie damals; nur global. Die Klimaplatte läuft jetzt auch schon zwanzig Jahre und die Hysterie findet vor allem in den Städten und unter jungen Leuten statt. Alte Leute auf dem Land am besten mit Landwirtschaft wie mein Schwiegervater, lassen sich nicht (mehr) beeindrucken. Die haben an Fasching schon im Biergarten gesessen und Schneestürme im Mai erlebt. Seit 20 Jahren bin ich auf dem Hof, mein Vater macht sogar noch länger eigene Temperaturaufzeichnungen. Die Temperaturen schwanken im Sommer um +/-3° um den Durchschnitt, im Winter sogar +/-6°. Seit der Klimawandeldiskussion ist man auch selbst wesentlich sensibler geworden, wenn man das Wetter beobachtet, doch wie beim Waldsterben haben junge Leute und Städter das gleiche Problem. Es fehlt die bewusste Erfahrung des Wetters über längere Zeit und nun wird wieder selektiv auf natürlich wiederkehrende Erscheinungen hingewiesen und gleich die Erklärung mitgeliefert. Kein Wetterbericht, bei dem nicht schon Temperaturen über 15° in dunkelrot präsentiert werden. Vor zwei Tage vermeldete man, dass der Temperaturschnitt im Februar um 3,5° über dem jährlichen Mittel lag. Für die einen ist das der Klimawandel, für die anderen eine natürliche Schwankung in einem 12°-Korridor im Winter. Ich frag mich immer, wo die messen, wo der Februar nach DWD-Daten (hier, hier, hier) in den letzten Jahren kälter geworden ist. Das lässt sich auch an unseren Aufzeichnungen ablesen. Zwischen 2007 und 2011 betrug der Durchschnittsmaximaltemperatur etwa 6,5°, so wie in den letzten fünf Jahren. Allerdings war die Minimaltemperatur damals bei +0,8°, in den letzten fünf Jahren aber bei -1,9° (bis 2,4° bzw. 2° um das Mittel). Sicher keine Anzeichen für Eiszeit, nur ist es eben bei klarem Himmel in der Nacht kälter und am Tag scheint die Sonne.

Klimawandel eignet sich noch besser als das Waldsterben, er ist ja angeblich global, sodass, sobald es bei uns mal kalt ist, sofort berichtet wird, es wäre in Australien gerade besonders heiß. Wer sich unabhängig informieren will und an Rohdaten will, dem werden aus eigener Erfahrung wirklich Steine in den Weg gelegt. Anstatt jetzt alles zusammenzutragen, muss man andersherum die Frage stellen, warum die „Belege“ für den Klimawandel nicht aktiv von Fernsehen und Presse verbreitet und zugänglich gemacht werden. Alle ihre Aufzeichnungen beginnen immer in einem Temperaturtal in den Sechzigern. Warum nicht früher? Warum behauptet der medienbekannte Klimaforscher Latif, dass die optimale Temperatur der Erde bei 15° läge, die Nachrichten 2015 vermelden, dass wir die höchste jemals gemessene Durchschnittstemperatur gehabt hätten, die offiziellen Daten aber 14,8° nennen, tiefer als in den Jahren zuvor? (Alle Dokumente usw. im Video)

Die Menschen von heute, vor allem die internetaffine Jugend, haben um Welten bessere Möglichkeiten sich zu informieren, aber wie damals ich selbst können sie bei der ganzen Hysterie nicht die richtigen Fragen stellen und ihre Erfahrungen und ihr Wissen nicht unvoreingenommen kombinieren und mit der öffentlich vertretenen Linie abgleichen. Selektiv und penetrant werden sie von den Medien indoktriniert und manipuliert. Wenn es kein Wetterereignis, keinen Wetterbericht, keine Natur- oder Tierdoku ohne den Hinweis auf Klimawandel mehr gibt, dass muss es einfach wahr sein. Da Australien die Energiewende für gescheitert erklärt und neue Kohlekraftwerke bauen will, wird auch hier nach und nach die Front bröckeln, wenn auch bei uns größere Blackouts häufiger eintreten. Die Meldung bezüglich Australien kommt bei uns natürlich nicht in der tagesschau Dann merken die Leute, dass diese eine größere Bedrohung für sie sind als der Klimawandel. Die Große Transformation kann nicht gelingen, wenn die Bürger fordern, dass man sich endlich um die konkreteren Bedrohungen kümmern sollte und die Aufwendungen im Kampf gegen den Klimawandel auch angemessen sein müssten. Noch höhere Strompreise und die Gängelung von Industrie, Autofahrern und Hausbesitzern wird bald nicht mehr hingenommen werden, weil andere Länder das eben in keiner Weise mitmachen.

Dass Medien und Politik die Bedrohungsszenarien durch den Klimawandel noch befeuern und die Hysterie noch steigern, ist nicht den Temperaturen in deren Büros geschuldet:

In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auch auf diese Weise geplant warFranklin D. Roosevelt (1882-1945)

Wenn Ideologie jedoch auf die Realität trifft, dann gewinnt am Ende immer die Realität.

3 Gedanken zu “Sehend und doch blind.

  1. Wir sind auch als Schüler mit PH-Streifen rumgelatscht und haben Wasserstellen gemessen. An mir sind alle Hysterien vorübergegangen. Aber ich glaub auch, dass ich nicht normal bin und eine dem Autismus nahe Veranlagung hab.

    Einmal haben wir in Bio einen Tierfilm geschaut an dem am Ende ironiefrei etwas im Sinn von „Bevor der Mensch die Erde bevölkerte, sind keine ganzen Tierarten ausgestorben.“ Ich hatte so laut aufgelacht, dass mein Biolehrer meinte, „OK, das ist natürlich Quatsch.“

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