Die Anmaßung der vermeintlichen Eliten.

A. spielt stundenlang Counterstrike, B. fliegt jedes Jahr nach Thailand in den Urlaub, C. pflanzt das Blumenbeet mit Hilfe eines Meterstabs, D. frühstückt täglich an der Tankstelle drei Leberkässemmeln und eine Cola, D. liest täglich pi-news, jouwatch oder infowars, E. fährt täglich zum Zigarettenautomat und zum Spaß noch eine Runde durch die Stadt, E. sammelt Blondinenwitze, F. erzieht seine Kinder streng christlich und hält Schwulsein für Sünde, G. entspannt gerne bei Landserromanen und Marschmusik, H. arbeitet neben dem Studium als Prostituierte und findet gefallen daran, I. zahlt immer bar, denn es geht niemanden an, was er kauft, J. und K. gingen im Fasching als Indianer und Negerkönig, L. trinkt abends immer vier Halbe Bier, M. vermietet nur an Deutsche und alle gehen sie arbeiten und zahlen Steuern. Jetzt ist schwer zu sagen, welche sie als Gefährten wählen würden, wenn es zum Beispiel darum geht, in der Wildnis zu überleben. Vielleicht wäre es praktisch, wenn man noch wüsste, wer einen dafür brauchbaren Beruf ausübt oder besondere Kenntnisse besitzt. Würden alle gemeinsam auf einer einsamen Insel stranden, dann würde man sich sicher beratschlagen, wer was kann, gemeinsam abwägen, wie man jetzt weiter verfährt und alles organisiert. Ich würde zumindest so einen inhomogenen Haufen vorziehen, als mich ausschließlich auf lauter Lehrer, lauter Schuhverkäuferinnen, lauter Ärztinnen oder lauter Dachdecker verlassen zu müssen. In Notzeiten war es immer ein Erfolgsmodell, wenn Leute mit unterschiedlichsten Fähigkeiten zusammenkamen und Leute, die dazu noch Organisationstalent besaßen. Manche hatten mehr Hirn, mancher weniger, das fiel aber am Ende nicht so ins Gewicht.

Nun habe ich vor einigen Tagen gelesen, dass im Zuge der Gerta-Demos der Vorschlag kam, das Wahlalter auf 21 oder sogar 25 zu erhöhen, weil die jungen Leute erst mal Erfahrung sammeln und für sich selbst Verantwortung übernehmen sollten. Der Vorschlag ist ja durchaus begründet. Fast unbemerkt hat sich aber eine andere Ansicht breitgemacht, die mir auch persönlich schon aufgefallen ist und die am Ende eigentlich in einer Aussage Schäubles treffend beschrieben ist.

… brauchen eine andere Art internationaler Governance…

Von denen, die ich kenne, unter ihnen alle Akademiker würden dieses Modell begrüßen, denn sie meinen, dass eine Verkäuferin bei Lidl oder ein Maurer gar nicht überschauen können wie komplex die Probleme heute wären. So würden Wahlen es verhindern oder verzögern, dass eine gebildete Elite für die beste Lösung für alle sorgte. Daraus spricht eine gewisse Arroganz, aber es ist gleichzeitig ein Fehlschluss und gerade weil die Polit- und Medienkaste genau so denkt, haben wir eigentlich erst die Krisen, wo vorher nicht mal ein Problem war. Die glauben, dass man sich das Ringen um die beste Lösung sparen könnte, weil die, die dabei mitreden wollen in ihren Augen ja ungebildet bzw. nicht entsprechend ausgebildet wären. Ihr beschränkter Horizont hat dazu geführt, dass sie sich anmaßen zu wissen, was es zum guten Leben braucht und wodurch es bedroht ist. Deshalb die ganzen Personen, die ich am Anfang beschrieben habe. Nach den Politeliten dürfte es die Leute gar nicht geben, weil sie ja sich, der Umwelt und der Gesellschaft „schaden“. Der größte Teil des aufgeblasenen medialen und politischen Wasserkopfes beschäftigt sich im Grunde mit Social Engineering, mit Hilfe von Nudging, Nötigen, Bestrafen, Angst machen, Verbieten und Vorschreiben, das meiste gleich in entsprechende Gesetze gegossen. Es geht den Staat nichts an, wie viel ich saufe, ob ich mich ausschließlich von Leberkäse und Presssack ernähre, wie weit, wohin und wie oft ich mit meinem Auto fahre, ob ich meine Freizeit nur mit Computerspielen verbringe, wem ich meine Bude vermiete oder wen einstelle, was ich mir im Internet anschaue, ob ich Schwule mag oder nicht, an Jesus Christus glaube und Abtreibung für Mord halte, wie ich mich verkleide oder was ich lustig finde. Und neben dem Staat glauben auch viele Mitmenschen, dass sie das etwas angehen müsste.

Ja, ich kann sogar Schadenfreude empfinden, wenn in Regensburg genau drei Kneipen zusperren müssen, die ausdrücklich keine Leute mit der falschen Haltung bedienen wollten. Genauso wie Leute über eine Trump-Maske mit Arschgesicht lachen dürfen. Alle sollen mitreden und über Wahlen mitbestimmen dürfen, aber man darf ihnen dann Informationen nicht vorenthalten, sie über die Medien nicht manipulieren und sie nicht schamlos anlügen, denn niemand würde sich freiwillig ins Knie schießen.

Schäubles Idee von der New Governance manisfestiert sich jetzt schon darin, dass sich Leute qua Erleuchtung in Führungspositionen aufschwingen. Es ist wie mit lauter Politologinnen auf einer einsamen Insel zu stranden. Lauter unfähige Häuptlinge und keine Indianer. Bei der Besetzung der Kohlekommission haben sie bewiesen, dass sie nicht mal wissen, wo das Problem liegen könnte. Wenn egal bei welchem Problem die vermeintliche Lösung nicht auf Machbarkeit überprüft wird, bzw. der Horizont nicht so weit reicht, überhaupt ein Problem bei der Umsetzung zu erkennen, zeigt, dass die vermeintlichen „Experten“ nur eine Ansammlung von ideologisch verblendeten Normalbürgern sind. Ich denke, wenn man einfach per Zufall ein paar Leute von der Straße ausgewählt hätte, wäre das Ergebnis wesentlich realistischer ausgefallen, denn es hätte sich wenigstens einige darunter befunden, die wenigstens ein wenig Ahnung von Physik haben. Ohne die heiße Luft aus den Medien, gäbe es auch keine Genderklos, Dieselfahrverbote oder NetzDg.

Man kann noch verstehen, wenn Bildungseliten sich für kompetenter halten einen Staat zu führen als die Verkäuferin an der Kasse. Man sollte sich aber nicht anmaßen zu wissen, was sie für ein gutes Leben bräuchte und soll nicht damit argumentieren, der Horizont jedes Normalbürgers reiche auch nicht weiter wie bei ihr. Mag sein, aber zusammen mit allen Dachdeckern, Bäckern, Kindergärtnerinnen, Chemikern und Professoren ist er bei weitem größer als der einer Ansammlung von Parteisoldaten ohne Abschluss.

New Governance bedeutete nur eine Möglichkeit, sich im Hauruckverfahren der Probleme zu entledigen, die man selbst geschaffen hat, und die Folgen dem Normalbürger aufzubürdem. Mit NetzDG, Zensur und Upload-Filter will man nun auch noch verhindern, dass jemand blöde Fragen stellt. Daran zeigt sich, dass ohne die gelenkte Medienmacht schon längst aufgefallen wäre, dass die vermeintlichen Eliten aus Parteisoldaten, Studienabbrechern, Quotenfrauen und Fehlqualifizierten wirklich für jedes Problem eine Fehlbesetzung wären, das außerhalb von Machterhalt und eigener Pfründe liegt. Nur eine „echte“ Krise, die sie persönlich betrifft, wird zeigen, dass sie ihr weniger gewachsen sind als jede zufällig ausgewählte Gruppe an Menschen von der Straße. Deshalb sollte Schäuble nicht so großspurig verkünden, man bräuchte die große Krise um die europäische Einigung zu vollenden.

Ja, ich kenne auch Hohlköpfe und Ideologen, auf deren Wahlentscheidung man echt verzichten könnte, doch in der Zusammenschau muss ich sagen: Jeder soll eine Stimme haben und jeder soll sich anmaßen dürfen mitreden zu dürfen, denn niemand kann sagen, ob nicht der es ist, der dann den entscheidenden Beitrag zur Lösung eines Problems liefert.

 

 

13 Gedanken zu “Die Anmaßung der vermeintlichen Eliten.

  1. Ich liebäugele ja mit einem Steuerzahlerwahlrecht. Wer mindestens ein Jahr vor der Wahl einzahlt, darf wählen. Von der Richtung her hast du natürlich aber total recht Schäuble ist kein Demokrat.

    Zufall, aber heute hat ich es auch von Indianern.

    Hab Groß- und Kleinschreibung vertauscht, ausgerechnet beim Hinweis auf den Rechtschreibfehler. Bin noch am Üben.

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  2. Wer 3,5 Stunden Zeit hat kann sich mal den letzten Joe Rogan Poscast mit Jim Pool und zwei Twitter Executives anhoeren. Wer danach immer noch freiwillig bei Twitter ist, sollte mal einen Besuch beim Psychiater in Erwaegung ziehen.

    Die tech-Plattformen, Medien und Linken sind in ihrer eigenen Bubble derart gefangen, dass sie ihre wahnwitzigen Aussagen und ihre Zensur nur mit Luegen und Bullshit verteidigen koennen. Der Bullshit geht mir dabei mehr auf die Nerven als das Luegen.

    Ohne absolute Meinungsfreiheit, ist Demokratie nur eine Fassade und sehr einfach zu manipulieren. Ich bin der Meinung, man kann ersteres nie gewaehrleisten, weswegen zweiteres zum Scheitern verurteilt ist. Gerade deshalb sollte man die Macht der Politik und die Macht der Waehler soweit wie moeglich einschraenken – d.h. ein Minimal-Staat im libertaeren Sinne.

    Eingriffe ins Wahlrecht sind auch nur Manipulation. Es ist schon richtig, dass eine Mehrzahl der Waehler ueber die Themen, die sie mitentscheiden sollen, keine Ahnung haben. Fast alle Wahlanalysen haben bisher ergeben, dass die meisten Ein-Thema-Waehler sind. Im Bible-Belt der USA wird die Partei gewaehlt, die gegen Abtreibung ist, ziemlich egal, was diese Partei sonst so macht und will. Die Schwarzen waehlen die Partei, die ihnen ihre bedingungslosen Sozialleistungen auf ewig garantiert, egal was diese Partei sonst so will und macht. usw. usf. In diesem Sinne funktioniert Demokratie durchaus, aber eine Republik funktioniert so eben nicht mehr.

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  3. Betrachtet man die in den letzten Jahren getroffenen Entscheidungen unserer politischen „Eliten“, dann kann angesichts von Bankenrettung, Energiewende, Verschrottung der Autoindustrie und der Kernforschung, stetig sinkender Bildungsstand, völliger Öffnung aller Grenzen, NetzDG, Isolierung Deutschlands in Europa (gut, die Franzosen „mögen“ uns noch, solange wir zahlen…) und sonstigen Katastrophen eigentlich kein Zweifel daran bestehen, dass eine Änderung des Wahlrechts von unserer derzeitigen GröKaZ-Truppe nie und nimmer zum Wohle des Volkes oder zur Rettung der Demokratie erfolgen würde, sondern kediglich eine Maßnahme zum eigenen Machterhalt wäre.

    Man sieht, dass die Grünen gerade bei jungen Leuten (und ich mache denen keinen Vorwurf; die Suche nach einfachen Lösungen und das Schwärmen für Verführer jeder Art ist seit jeher ein Anrecht der Jugend) einen erheblichen Aufwind haben und dass solche tragischen Figuren wie Greta Thunberg hier noch als Katalysator wirken.

    Man sieht weiter, dass eine wachsende Schicht aus mittelalten bis älteren Menschen immer unzufriedener mit der derzeitigen Situation sind und den kommenden Katastrophen zunehmend unwillig entgegen blicken.

    Was also tun, um die völlige Dekarbonisierung von allem (Mensch und Ding! Denn im völligen Verschwinden liegt das eigentliche Ziel fermute ich mittlerweile stark…) was mal deutsch war oder es vielleicht noch sein mag, nicht unnötig zu verlangsamen?

    Ganz klar: neue grüne und linke Wählerschichten abgreifen. Dazu passend ja auch die herzhaften Süßholzraspeleien zwischen AKK und KGE… ob die Union nömlich die Bude hier mit der SPD abwirtschaftet oder mit den Grünen… darauf kommt es denen, die das Ziel ausgegeben haben (und ich weiß wirklich nicht wer das sein könnte, der eine totale open society ohne nations und borders als unendlichen Wirtschaftsorgasmus wollen könnte…) nicht wirklich an.

    Traurig dabei: die Kinder, die morgen wieder die Schule schwänzen und auf die Demos gehen, die machen das ja nicht aus bösem Willen. Die denken wirklich, dass sie was bewegen damit. Die können sich nicht einmal vorstellen, dass sie (und im Übrigen auch Klima und Umwelt) Merkel, AKK, KGE und Claudia Roth kilometerweit an ihren feisten Hintern vorbeirauschen.

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      1. Auf den veröffentlichten Bildern, die ich zum Thema „Friday for Future“ gesehen habe, meinte ich hauptsächlich Menschen im ALter zwischen 13 und 16 Jahren zu erkennen. Allerdings könnte es sich dabei auch um Soziologiestudentinnen gehandelt haben. Da ist der Unterschied ja manchmal eher marginal.

        Im Übrigen berufe ich mich auf unsere glorreiche Fremdenführerin, die ausdrücklich das Engagement von Schülern erst nicht und dann doch lobte.

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  4. Der Anfang vom Ende kommt doch immer dann, wenn sich Einzelne (Tyrannen, Führer, Politiker, Grosswesire und Muftis) anmassen, genau zu wissen, was das Beste für „die Andern“ (das Volk, die Völker) ist. Keine Ahnung wie viele Grossreiche an dieser Hybris bereits zerschellten. Jetzt ist halt die EU dran. Linke Propaganda und blinder Aktivismus sollen das Ende noch etwas hinausschieben helfen. Aber: Es ist bereits gelaufen, Leute.

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    1. … ein echtes Revolutionspotential sehe ich allerdings innerhalb der EU eher nicht.
      Dafür läuft die Propagandamaschine schon zu lange. In den nächsten Wahlen kommen schon Leute zum Kreuzchenmachen, die nie eine andere Figur als die derzeitige Kanzlerin an der Spitze dieses Landes kennengelernt haben (sofern wir mal davon ausgehen, dass sie sich noch nicht mit zwei oder drei jahren für Politik interessiert und Gerhard Schröders letzte Züge erleben durften). Die kennen nicht einmal mehr freie Presse. Von freier konservativer Presse ganz zu schweigen. Deren Reaktion auf das Zugemülle ist im Großen und Ganzen Desinteresse – leider auch an den Gegenargumenten.

      Nee… falls Putin oder Orban uns nicht von Außen befreien (Opertion Overlord diesmal an der Ostsee?), sehe ich ein „Zerschellen“ irgendwie nicht auf dem Radar.

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  5. Interessante Gedanken.

    Könnte man eine Reality-TV Sendung draus machen, einfach 100 zufällig ausgewählte Politiker auf eine einsame Insel und 100 zufällig ausgewählte nicht-Politiker auf eine andere Insel stecken, 1 Jahr warten und dann nachschauen wer etwas auf die Reihe bekommen hat (bzw. überhaupt noch lebt …).

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    1. Es gibt ein Experiment, bei dem eine reine Frauengruppe bzw. eine reine Männergruppe auf so einer Insel ausgesetzt wurde. Find ich leider nicht mehr; weiß nur, dass das Ergebnis nicht polit-korrekt war.

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