Fasten als präsozialistisches Event.

Können Sie sich erinnern wie vor einigen Wochen ein paar Studentinnen wegen Diebstahls verurteilt wurden, weil sie aus den Müllcontainern von Lebensmittelgeschäften weggeworfene Lebensmittel mitgenommen haben. Bei der Berichterstattung wurde immer betont, dass es ja ethisch richtig war, was sie getan hatten, weil wir ja so viele Lebensmittel verschwendet würden. Das Argument, dass die ja ohnehin weggeworfen werden, ist in etwa so bescheuert auf das Auto zu verzichten und dann schwarz mit der Bahn zu fahren mit der Begründung: Die Bahn fährt ja so oder so, da macht es keinen Unterschied, ob ich da auch noch drinsitze. Das ganze Land ist schon derart durchseucht von solchen Sichtweisen, dass man sofort das Gefühl hat, dass das mal wieder kein Zufall ist. Heute habe ich zufällig einen Bericht gesehen, von einem Restaurant, das Küchenabfälle zu neuen Gerichten verarbeitet; Chips aus Kartoffelschalen, daran kann ich mich noch erinnern. Ich weiß nicht mehr, auf welchem Sender das war, hab nur ein paar Sekunden gesehen, aber es gibt andere Videos im Netz zu diesem Thema. Das passte heute, weil es gerade der Beginn der Fastenzeit ist. Das ganze Geschwafel von Nachhaltigkeit und Weltenrettung, sowie die Verteufelung einer Lebensmittelproduktion, die sich aller technischen Möglichkeiten bedient, hat ja dazu geführt, dass viel junge Leute nur aus diesem Grund Vegetarier oder Veganer geworden sind und nicht aus Gründen der Gesundheit. Und da gibt es noch eine Steigerung:

Da Bananenmilch und Erdbeerpüree das Odium der zahnlosen Oma anhaftet, entstanden als Gegenentwurf die „grü­nen Smoothies“ zur Rettung der Welt. Und sich selbst kann man damit auch gleich schöner trinken.

Die edelsten Rohstoffe kommen heu­te aus der Biotonne. Explizit werden die Blätter von Radieschen, Kohlrabi und das Kraut von Möhren empfohlen, selbst zu giftigen Rhabarberblättern wurde schon geraten. „Am Gemüse­stand oder im Supermarkt lassen wir sie gern als Abfall zurück“, beklagen Ernährungsexperten, „doch das ist eine ungeheure Verschwendung.“ (..) Abfall allein genügt für eine echte Weltrettungsplörre noch nicht. Da fehlt noch eine Handvoll Laub, welches uns die Bäume darbieten.

Ich denke, mein Schwiegervater kommt nicht mehr auf diesen Trip. Wenn der sagt, Wir waren soo arm, dann treibt es ihm heute noch die Tränen in die Augen, vor allem als er erzählte, dass damals als er etwa 10 Jahre alt war einmal  gegen Mittag rumänische Zwangsarbeiter auftauchten und begannen das Gras von der Wiese zu essen. Sein Vater hat dann die Reine mit ihrem Essen zu ihnen hinausgetragen.

Natürlich ist es vor allem für junge Leute aus der gebildeten Schicht cool, wenn man sich nicht nur zu den Guten zählen kann, sondern auch zu den Nachhaltigen. Vegan sein ist hipp. Küchenabfälle und verschrumpeltes Obst der normalen Kost vorzuziehen noch mehr. In einem Elternhaus mit Vollversorgung übersehen die aber meisten, dass sie noch so weit weg vom Abgrund stehen, dass sie ihre eigene potentielle Fallhöhe nicht wahrnehmen. Da kann man leicht für ein Dieselverbot sein, gegen konventionell erzeugte Lebensmittel oder für Ökostrom. Dass sich viele in Deutschland deshalb allein schon wegen der horrenden Strompreise im „Flugmodus“ befinden, wird einfach ausgeblendet. Da greift man dann schon gezwungenermaßen zu den abgelaufenen Waren in der Ramschbox und zwar nicht um das Überleben der Menschheit zu sichern, sondern sein eigenes und das seiner Kinder. Die Verklärung des Verzichts auf gekaufte, makellose Lebensmittel zu einer moralischen Großtat, verhöhnt alle, die wirklich nichts zu fressen haben. Werktags aus der Biotonne und am Wochenende dann zum Edelvegetarischen Restaurant mit anschließender Party bei exotischem Superfood, das man sich um die halbe Welt einfliegen lässt.

Ein bestimmter Grad an Verwöhnmodus ist schon so selbstverständlich, dass man schon Kleinigkeiten meint, als Verzicht verbuchen zu können. Vor gut einem Jahr war ein halbseitiger Bericht in der Zeitung, wo ein paar Schüler ein Monat lang auf ihr Handy verzichtet haben. Das mag man ja heute als gravierenden Einschnitt wahrnehmen, doch für manche scheint schon ein leichtes Gefälle auf dem eigenen Hochplataue erwähnenswert zu sein.

(…) ein guter Start für diesen „Autofastentag“ und Försters Frühschicht in einer Mainzer Behörde. Dennoch an diesem eiskalten, zugigen Morgen wäre es durchaus verlockend gewesen, wie üblich ins Auto zu steigen, gibt Förster zu:

„… weil man weiß, im Auto wartet die Sitzheizung, die normale Heizung, und dann ist die Fahrtstrecke doch schon ein bissel kürzer als mit dem Zug jetzt.“

Ja, die Mutter möchte auch gerne darauf verzichten ihre Kinder mit dem Auto in die Kita bringen zu müssen und dann zu Lidl an die Kasse zu hetzen, weil man für Strom und Wohnung allein ein zweites Einkommen braucht. Die kratzt aber immer Winter die Scheibe ab und fährt zwangsweise eine 12 Jahre alten Diesel und träumt höchstens von einer Sitzheizung.

Autofasten“ heißt Klima schützen und damit die Schöpfung bewahren, deshalb haben die Kirchen diese Aktion angestoßen.

Ans Klima denkt die höchstens, wenn wieder mal die Batterie streikt wegen der Kälte. Wenn ich die ganzen Fettwanste sehen in der ersten Reihe der katholischen Kirche, wenn sie vom Fasten reden, kommt mir zur gleichen Zeit das Frühstück hoch. Wie heißt es nochmal in der Bibel übers Fasten?

Mt 6,16 Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

Da winselt einer, wenn ihn die Sitzheizung nicht den Arsch wärmt und der Deutschlandfunk findet das sogar noch berichtenswert. Ja, Jesus hat echt recht, wenn er dann sagt:

Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

Welcher von den ganzen Nachhaltigkeits-Faster könnte es ertragen, auf das Handy zu verzichten, ein paar Tage auf das Auto oder Fleisch, ohne dass er den Arbeitskollegen sein Leid klagt? Da haben es die jungen Leute schon leichter. Die moralische Überhöhung ist einfach zu verführerisch, vor allem, wenn man für seinen „Verzicht“ noch medialen Beistand bekommt. DSDS war gestern, Verzicht für die Menschheit ist heute. Da kann man sogar auf Gretas Jünger herabsehen, die freitags fürs Klima die Schule schwänzen, denn mit ihrem eigenen Verzicht nehmen sie einen Teil des Leides von der ganzen Menschheit. Und die Kirchen haben sich in Bezug aufs Fasten auch vor den neo-marxistischen Karren spannen lassen.

Früher war Fasten eine persönliche Sache eines Christen im Verhältnis zu Gott. Heute ist es zu einer öffentlichen und kollektivistischen Nötigung geworden. Nach der Bibel waren die fastenden Christen nicht von den anderen Christen zu unterscheiden. Heute ist es ein öffentliches Event, bei dem man gleichzeitig noch auf die mit dem moralischen Zeigefinger zeigen kann, die immer noch Fleisch essen, zu viel Alkohol trinken oder Diesel fahren. Ja, und wenn der gesellschaftliche Druck nicht ausreicht, dann sind die Grünen die ersten, die die Verweigerer mit Verboten zum „Fasten“ zwingen. Weil Deutschland, nein,  Europa, nein, die Welt muss nachhaltig werden und sich im Verzicht üben, um den Planeten zu retten. Das haben auch die Kirchen erkannt, dass allein fasten einfach zu dröge ist. Früher konnte man noch mit Hilfe von Hölle und Fegefeuer den Schäfchen genug für die Amtskirche abpressen und den Mangel und das Leid noch als gottgefällig hinstellen. Heute zeigen ihnen die meisten den Stinkefinger, wenn die Bischöfe mit ihrer Wohlstandswampe vom Fasten reden. Im Fahrwasser des Ökosozialismus ist der Verzicht ja viel leichter zu vermitteln und er hat ja auch was Praktisches. So wie der braune und der rote Sozialismus scheiterte, so scheitert auch der grüne. Da ist klar im Vorteil, wer schon mal in der Biotonne nach Lebensmittel gewühlt hat und nicht erst den Ekel überwinden muss, das auch noch zu essen. In Venezuela ist Fasten ja inzwischen Volkssport. Wohl dem, der weiß, wie man einen leckeren Smoothie aus Laub und Gras mixen kann, wenn es bei uns in ein paar Jahren so weit ist. Übt aber auch schon mal den Verzicht auf Strom und rührt mit der Hand, denn der ist im Sozialismus auch Mangelware.

 

 

3 Gedanken zu “Fasten als präsozialistisches Event.

  1. Ich steh ja mit Jesus hie und da auf Kriegsfuß, aber das, was er zu öffentlichen Show-Gebeten gesagt hat, trifft den Nagel auf den Kopf. Im Wesentlichen ist die Linke v.a. eine heidnische Religion. Das ist nicht nur so ein Spruch.

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