Beckmann und die ewige Gegenwart.

Was haben eigentlich der Bundessteimi oder Sröbele von den Grünen mit Reinhold Beckmann zu tun, werden Sie sich jetzt fragen. Mehr als Sie denken. Jeder von uns hat ja in seiner Biographie mehr oder minder starke Brüche in der Horizontalen oder der Vertikalen und einige positive Ausreißer, an denen man sich sein Leben lang hochzieht, und negative, an die man besser nicht erinnert werden möchte. Irgendwann ist man dann doch aufgestiegen oder hat Posten und Ämter, die einen zumindest über das Gehalt oder die mediale Umschwänzelei suggerieren, man könnte sich eine besondere Leistung raushängen lassen. Am Ende gehört man eben dazu. Die Vergangenheit? Schwamm drüber. Nicht nur der einzelne schönt und klittiert, sondern auch das Umfeld will es nicht so genau wissen, wenn jemand inzwischen qua Beruf zur Moralikone in Politik, Kultur oder Medien aufgestiegen ist. Menschliche Fehltritte werden im Nachhinein genutzt, um ihn zu einem nahbaren Menschen wie Du und ich zu machen. Vielweiberei haben keinem Willi Brandt je geschadet, bei Jelzin, Juncker oder Bush haben die Alkoholexzesse Hirn und Leber sicher mehr geschadet als ihrem Ansehen. Strukturelle Perversität wie bei den Grünen, Steuerhinterziehung oder die kriminelle Vergangenheit perlten schon immer ab wie Fett von der Teflonpfanne. Auch eine Petra Pau, eine Maybrit Illner oder ein Lothar Bisky, müssen nicht fürchten, dass ihr Vorleben in der SED oder kommunistischen Parteien jedes Mal mit einem Nebensatz in die Gegenwart gezogen wird. Man kann sogar eine terroristische Vereinigung unterstützt haben und wie Hans-Christian Ströbele zum Alterspräsidenten des Bundestages aufzusteigen, um dann die moralischen Standards in dem Haus zu setzen, oder wie Steimi in einer kommunistischen Zeitschrift veröffentlicht haben und dann zur höchsten politisch-moralischen Autorität werden.

Sie müssten uns Bürgern eigentlich dankbar sein, dass wir da nicht immer tiefer wühlen, um es ihnen vor die Nase halten, doch wir gestehen ihnen eigentlich nur zu, was wir uns oder was ihnen ihre Kollegen auch zugestehen. Wer lebt schon gerne in der ewigen Gegenwart.

Ja, Reinhold, für Dich ist aber jetzt leider die ewige Gegenwart angebrochen. Da hättest Du lieber ordentlich gesoffen und öffentlich die Hose runtergelassen, deinen Steuerbescheid getürkt oder ordentlich gekokst. Auch im Halbdunkel hättest Du erkennen müssen, dass Du mit Deiner Band, wenn auch unabsichtlich(?), vor lauter Rechten(!) aufgetreten bist. Matthias Matussek, Susanne Degen und Erika Steinbach. Huch! Da hilft es auch nicht, dass Du ihnen mit dem Dylan-Song „Times they´re changing“ ins Gewissen singen wolltest. Da hättest Du gefahrloser mitDie Bullenhelme, die sollen fliegen/ eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein! deine Haltung beweisen können, allerdings vor einem ausgewählten Publikum. Du hättest es eigentlich wissen müssen, denn Du hast doch die Sendung von Eva Hermann übernommen, nachdem man sie gefeuert hat, nicht, weil man in Sichtweite zu ihr einen Rechten ausgemacht hat, sondern, weil sie „Mutter“ gesagt hat. Da hätte es bei Dir schon klingeln müssen, denn die lebt seitdem auch in der ewigen Gegenwart. Sie ist in allem „ehemalig“, wenn man ihren Wiki-Eintrag liest, nur ihre angeblich „rechtspopulistischenAnsichten“, die Wiki schon in der sechsten Zeile erwähnenswert findet, werden ewig an ihr kleben. Sie hat sich damals erklärt und richtiggestellt, es half alles nichts. Die könnte heute über das Balzverhalten von Eintagsfliegen oder den Fettgehalt von Margarine reden, es wäre alles rechts-kontaminiert und stünde in direkter Linie zum 3.Reich. Eva Hermann hat sich vor ihrer Ächtung nicht den Ratschlägen ihrer Vorgesetzten gebeugt, wieder auf Linie zu kommen, heute genügt es über Deinen Fehltritt ins rechtsextreme Lager zu berichten und den Kommentarbereich freischalten und schon stürzt sich die gutmenschliche, dressierte Herde auf Dich und zeigt Dir, wo das Areal der Aussätzigen beginnt. Du bist natürlich richtigerweise gleich schuldbewusst zurückgerudert, doch das wird nicht helfen. Schon morgen steht der Vorfall in Deiner Wiki-Biographie im ersten Absatz und dann weiß Du, dass Du in der ewigen Gegenwart angekommen bist. Du kannst jetzt im Flüchtlingsheim wochenends freiwillig das Klo putzen, Bäume im Sahelzone pflanzen, Angela Merkel die Fingernägel maniküren, es hilft alles nichts. Dieser Tag wird an Dir kleben, wie die Scheiße unter dem Schüsselrand. So wie einer heute bangt, dass der One-Night-Stand im Schullandheim vor 30 Jahre nicht doch noch durch #metoo an die Öffentlichkeit gezerrt wird, und deshalb schon schwitzige Hände bekommt, wenn er allein mit einer Frau im Fahrstuhl steht, so wird es auch Dir ergehen. Beim Rechtsabbiegen in die Garage wirst Du Dich beobachtet fühlen, die braune Ledergarnitur wird Dir plötzlich nicht mehr gefallen und zuckst zusammen, wenn Dir versehentlich das Wort „Autobahn“ über die Lippen kommt.

Wärst Du nicht weiß, Mann und deutsch, sondern mit anderer Hautfarbe und Religion veredelt, dann könntest Du nach einer meterdicken Akte auch noch eine vergewaltigen und messern; wenn Du Dich bei Gericht geläutert zeigst, dann gibt´s höchstens Bewährung. Da rechnet man ganz unbedarft natürlich nicht damit, dass der Karriereknick aus einer ganz anderen Richtung kommen könnte. Wenn man für einen Witz über das 3. Geschlecht und für einen Doppelnamenwitz schon an die Wand genagelt wird, hättest Du es eigentlich wissen müssen.

Eigentlich ein gutes System. Man lässt den Bürger erst mal gegen eine politische Inkorrektheit hetzen, bis es sauber köchelt

Rainer Schwarzer

Herr Beckmann hätte wissen müssen, dass er sich ins Umfeld von Straftätern begibt. Hätte er gesunden Menschenverstand ….

#216 | vor 4 Std.

und dann darf eine Autorität, in diesem Fall Jan Böhmermann, das Urteil sprechen. Das führt entweder zum Ausschluss aus dem bunten Zirkel oder man behält das nun völlig rückgratlose Schaf in seiner Mitte, schließlich heißt es: Strafe einen, erziehe hundert. Reinhold Beckmann wird man behalten, denn auf diese Weise produziert man erst einen linientreuen Systemling, wofür man bei einem Neuling sicher wieder Jahre bräuchte.

Warum haben wohl Leute wie Matthias Matussek, Nikolaus Fest, Eva Herman oder Thilo Sarrazin sich nicht erniedrigen lassen, sich für ihre Worte und Taten zu entschuldigen? Vielleicht haben sie die Schicksalsfrage Deutschlands zu ihrer eigenen gemacht.

5 Gedanken zu “Beckmann und die ewige Gegenwart.

    1. Danke. Wahrscheinlich verwechselt, weil ich gelesen habe, dass Will ein Stipendium der Friedrich Ebert Stiftung hatte. Das ist wie SED und bietet die selben Ausstiegschancen wie SED.

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  1. Vor gefühlt 20 Jahren war Gesinnungs-Terror noch nicht so verbreitet. Da hatte man höchstens ein schlechtes Gewissen, wenn das Polizeiauto hinter einem herfuhr und man nicht angegurtet war, dafür Eine rauchte. Und heute? Muss man sich entschuldigen, dass man überhaupt noch lebt und den Klimawandel nicht subito stoppen kann. Ausserdem schweigt man am besten, sonst könnte man zufällig Autobahn sagen und für immer und ewig in der Nazi-Hölle schmoren. Soweit sind wir schon wieder. War da noch was? Ach ja! Freiheit und freie Meinungsäusserung. Wann war das noch möglich? Ich glaube in den 80gern. Und ja, heute wird man von jedem Rotzlöffel frech abgekanzelt, der noch nicht einmal je gearbeitet hat. Dafür Alles besser weiss.

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  2. Guter Text wiedermal!

    Sich zu entschuldigen ist der größte Fehler, den man machen kann. Das ist ja ein Schuldeingeständnis! Sie lassen doch nicht locker. Das macht die Assgeier erst so richtig wild.

    Auch der Frahn vom Chemnitzer FC hätte sich niemals entschuldigen dürfen; das nützt ihm gar nichts. Der ganze Club hätte das sein lassen müssen und einfach dazu stehen, dass es Brauch ist, einem zu früh Verstorbenen einen würdigen Abschied zu geben. Jetzt haben sie den Salat und müssen allen Arschlöchern zu Kreuze kriechen. Vier Köpfe sind schon gerollt, aber es wird alles noch viel schlimmer kommen.

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