E-Mails von Rechtsextremen: Eine Nachricht von Freunden?

Ich kann mich erinnern, dass es vor einigen Tagen die wiederkehrende Warnung vor einer rechtextremistischen Bedrohung gab und wie eine selbsterfüllende Prophezeiung tritt nun Irene Mihalic von den Grünen im Innenausschuss auf.

Was war passiert?. Verschiedene Politiker und Personen in herausgehobener Stellung haben Droh-E-Mails erhalten

(…), die mit „Nationalsozialistische Offensive“, „NSU 2.0“ oder „Wehrmacht“ unterzeichnet worden seien, (…)

Sie regt sich darüber auf, weil (wahrscheinlich von den zuständigen Diensten), die Vorkommnisse als Einzelfälle gewertet werden.

 „Alle Vorkommnisse werden als Einzelfälle abqualifiziert.“

Dass sie das nicht mehr nachvollziehen kann, obwohl sie selbst Kriminologie studiert hat, muss wohl damit zusammenhängen, dass ihr die Fähigkeit dazu beim Kontakt mit der grünen Pest abhandengekommen ist. Vielleicht will sie ja aber ihren Fachbereichen etwas mehr Daseinsberechtigung verschaffen, schließlich sind es der Rechtsextremismus selbst und Reichsbürger, von denen sie indirekt profitiert,

Ich will ihr deshalb mal auf die Sprünge helfen. Zu jedem Empfänger gehört natürlich auch ein Absender und, da der unbekannt ist, kann man ja mal versuchen die E-Mails einem Kreis innerhalb der großen Spektrums des Rechtsextremismus zuzuordnen, von wo aus sich dann aber eine ganz andere Vermutung ergibt. Grob wird die Szene aus stiernackigen Hohlköpfen, Altnazis, Reichsbürger, intellektuelle Neu-Rechte (eher ein Kampfbegriff, um Leute zu diskreditieren, denen die Linke intellektuell nicht gewachsen ist), gebildete Rechtsaußen in den Burschenschaften und ominöse rechtsextremistische Netzwerke, die zwar immer bedrohen aber niemals aufgedeckt werden und in denen sich alle Chargen tummeln, gebildet.

Ich versuche nun mal die Fake-Absender jeder Gruppe zuzuordnen. Es geht also um „Nationalsozialistische Offensive“, „NSU 2.0“ und „Wehrmacht“.

Hohler Stiernacken.

Gehen wir davon aus, dass das nun nicht das hellste Licht an der Kerze ist, der sich Vorbilder sucht, die das Deutschtum hochleben lassen, damit er mit ihnen als Deutscher etwas wachsen kann, denn schließlich fehlt ihm jede intellektuelle oder praktische Auszeichnung, über die er Selbstwert erlangen kann. Solche einfach Gestrickte brauchen Personen oder „Ikons“ mit denen sie sich identifizieren können und keine Allgemeinbegriffe oder „Destilate“, die sich aus einer tieferen Beschäftigung ergeben. Er kann aber schlecht unter einem Hakenkreuz senden, fällt aus, weil es keine Taste dafür gibt. Als Alternative sendet sicher keiner unter dem Namen „Wehrmacht“. Wenn er einen Bezug haben will, dann doch eher unter „Rommel“, „Himmler“ oder „Dönitz“. NSU 2.0 halte ich für noch unwahrscheinlicher. Wenn schon die Mainstreammedien, wenn auch um Mitternacht, zum Beispiel die Ermordung Kiesewetters durch die Uwes im Zweifel gibt, dann dürfte das auch der Feinripp recherchieren können, dass es keinerlei Spuren von den Uwes an den Tatorten gibt. Es ist abwegig, dass so einer sich mit fremden Federn schmückt, wo er davon ausgehen kann, dass die oberen politischen Kreise wissen, dass NSU ein Fake sein muss. „Nationalsozialistische Offensive“ ist noch der größte Blödsinn. Da müsste bei einem schon gar keine Latte mehr am Zaun hängen. Das scheitert zusätzlich schon an der Rechtschreibung. Dazu haben die anderen aus der gleichen „Bildungs“-Schicht als wesentlich glaubwürdigere Alternative eine große Auswahl: „Stolz auf Deutschland“, „Deutschland den Deutschen“ oder „Nationale Offensive“. Da wirkt „Nationalsozialistische Offensive“ als völlig abwegig.

Reichsbürger und Altnazis

Beide Gruppen dürften sich teilweise überschneiden und eher über 60 sein. Die sind jetzt nicht so internetaffin und müssen wissen, dass man die E-Mail-Adresse über die IP-Adresse zurückverfolgen kann. Eher unwahrscheinlich, dass so einer in ein Internetcafe geht, ein Fake-E-Mail-Konto einrichtet und dann dort Texte eintippt. Fragt er dann den Betreiber, wenn es Probleme gibt? Die jungen Feinrippnazis, die eher davon Ahnung haben, wissen, dass man die IP sicher bis zu dem Laden zurückverfolgen kann. Wer dort als brauner Pfau auftritt, der ist so auffällig, wenn er dort nur einmal auftaucht (schließlich wird er nicht täglich dort hingehen, um in seinen Naziseiten zu schmökern), dass er gleich seinen Ausweis dalassen könnte.

Bleiben die intellektuelleren Nazis.

Die sind unauffällig und könnten sich womöglich auch technisch behelfen. Die werden aber sicher eher auch „Stolz auf Deutschland“ und oben genannte ähnliche verwenden. Die werden den NSU völlig für eine Inszenierung halten und werden kaum damit Werbung für die eigene Sache machen. „Wehrmacht“ und „Nationalsozialistische Offensive“ empfänden sie wohl selbst für eine Beleidigung ihres Intellekts. Eher noch „Nationale Bewegung“ um halbwegs im Seriösen zu bleiben. Würden sie ein sprachliches Ikon wählen, dann dächte man eher an „Rosenberg“ oder germanisches Beiwerk wie „Irmensul“.

Rechtsextreme Netzwerke

In solchen Netzwerken sind wahrscheinlich alle Schichten vertreten. Man denke an die NPD mit Udo Voigt, der sich gerne mit den grenzdebilen Jungnazis umgibt. Da gibt es dann sicher auch Häuptlinge und Indianer und die Häuptlinge hätten sich dagegen gewehrt und am Ende sicher durchgesetzt, dass man sich hier nicht gleich in den Absendern blamieren muss.

Wenn aber die Absender schon keinem dieser Kreise zugeordnet werden kann, wer steckt dann dahinter? Leute, die sich im Kampf gegen Rechts engagieren, inszenierten so was in der Vergangenheit gerne auch selbst. Die meisten Hakenkreuzschmierereien können nicht aufgeklärt werden, es wurde auch mal eine Grünenpolitikerin, die für den Bundestag kandidieren wollte, selbst dabei erwischt. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass auch Abgeordnete so was in eigener Sache inszenieren, man müsste aber schon hohl wie Brot sein, wenn man Experte in Sachen Rechtsextremismus sein will und dann völlig bescheuerte Absender verwendet. Nun gibt es noch den gewalttätigen Arm der politischen Kämpfer gegen Rechts: Die ANTIFA und die ganzen zwielichtigen bunten Bündnisse, deren Kampf von Steuergeldern gepampert wird. Für die sind solche Vorkommnisse überlebensnotwendig und es waren im NSU-Umfeld auch verschiedene Linksextremisten involviert, die im Hochkochen des NSU auch die Steuergelder zur Unterstützung rechtfertigen konnten. Insofern könnte NSU 2.0 durchaus eine Anspielung sein, dass es wieder an der Zeit wäre, ein größeres Projekt zu starten, denn schließlich verblasst die Wirkung des NSU 1.0 schön langsam. Doch da passt dann „Wehrmacht“ so gar nicht. So tut sich in dem Umfeld ein weiterer Kreis auf. Der Fall Franco A. und die überzogene Reaktion von Ursula von der Leyen gegen vermeintliche Nähe der Bundeswehr zu Wehrmacht und Rechtsextremismus vorzugehen, war auch nichts Anderes als heiße Luft. Liest man diesen Bericht und prüft Verdachtsfälle und Entlassungen in Bezug auf rechtsextremistische Betätigung, so betrifft das gerade mal höchstens 0,2% der Soldaten. Da kann man sogar davon ausgehen, dass Untersuchungen die über ein Jahr hinaus andauern, doppelt gerechnet werden. Nach dem Gerede der Gegen-Rechts-Kämpfer muss der Anteil aktiver Rechtsextremisten innerhalb der Bundeswehr im Vergleich zur Gesamtbevölkerung dann wesentlich höher zu sein. Da ist sogar der Anteil der der NPD-Wähler in Bezug auf diese noch höher. Und dann zaubert man einen Franco A. aus dem Hut, dessen Story so abwegig und unglaubwürdig ist, dass man die Person im Zusammenhang mit Bundeswehr und Rechtsextreme gar nicht mehr erwähnen mag. Der Auslöser für die ganze Hysterie ist völliger Humbug.

Kommen wir also noch mal an den Anfang. „Wehrmacht“, „NSU 2.0“ und „Nationalsozialistische Offensive“ sollen die Absender sein und mit ihren Drohungen Leute in Angst und Schrecken versetzen, die sich dem Kampf gegen Rechts verschrieben haben. Das wäre von den Profiteuren doch recht unhöflich, seinen Geldgeber zu schrecken, auch wenn es der gemeinsamen Sache nützt. Man könnte ja den Empfängern durch die Blume mitteilen, dass keine Gefahr droht. Man verwende Begriffe, von denen nur der innere Zirkel weiß, dass es Humbug ist, der Normalbürger aber eine ernste Bedrohung von rechts annehmen muss. „Nationalsozialistische Offensive“ = rechtsextreme Netzwerke = Humbug, „NSU 2.0“ = 8 Morde von Rechtsextremen (ohne Uwe-DNAs) = Humbug und „Wehrmacht“ = überbordender Rechtsextremismus bei der Bundeswehr = Humbug. Vielleicht werden die Bedrohungen ja deshalb als „Einzelfälle“ deklariert, weil jetzt nicht gleich die ganze Maschinerie anlaufen soll.

Man könnte jetzt um eine weitere Ecke denken und mit dem „2.0“ bei „NSU“ einen Wink verstehen, dass man wirklich daran ist, die Gefahr von rechts mit einem großen Ding neulich zu hypen. Wer in diesem Fall hinter den E-Mails steckt, das will ich gar nicht so genau wissen.

Aber sicher sind meine Ausführungen und Zweifel doch zu weit hergeholt, eher Verschwörungstheorie oder so. Da halt ich mich lieber an Michalic und Clausi Kleber, der mir täglich die Welt erklärt, dass die größte Bedrohung für Deutschland nach dem Klimawandel sicher die Bedrohung durch den Rechtsextremismus ist.

2 Gedanken zu “E-Mails von Rechtsextremen: Eine Nachricht von Freunden?

  1. Keine Ahnung. Ich finde es aber auch schon albern, dass man so tut, als wären Morddrohungen irgendwie etwas, dass von rechts nach links geschickt wird. Das Gros wird wohl die andere Richtung nehmen.

    Gestern wurde ein Bus mit AfDlern Steinen beworfen bis die Windschutzscheibe durch war.

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  2. Am 28.12.1989 wurde das Ehrenmal im Berliner Treptower Park beschmiert, im offiziellen Verdacht die „Jungen Nationaldemokraten“ oder die „Nationalistische Front“, namentlich verdächtigt wurden eindeutige Neonazis:
    https://www.stasi-mediathek.de/medien/dokumentation-zur-schaendung-des-ehrenmales-in-berlin-treptow/blatt/1/

    Aber es fiel auf, dass das Geschmiere inhaltlich seltsam „zurückhaltend“ war, als wäre jemand über eine eigene innere Schwelle nicht hinweggekommen. Aber die Aktion war der SED und der Stasi politisch hochwillkommen, um der Regierung eine neue Legitimation verschaffen zu können und der ganz neuen jungen Opposition zumindest unterstellen zu können, dass sie Wegbereiter für Nazis wären. Es folgte eine Flut von Gegenaktionen in der Presse, aber auch durch staatlich organisierte Aufmärsche, insbesondere kurz darauf am 3. Januar 1990, wo sich im Treptower Park 250000 meist junge Männer versammelten (mit Unmengen an Bussen hintransportiert) und Gregor Gysi zujubelten. Sprechchören riefen wegen der angeblich faschistischen Bedrohung nach einen Verfassungsschutz für die DDR usw. Die Presse warnte, am 30. Januar 1990 würden Nazis einen Marsch durchs Brandenburger Tor veranstalten, wobei dann in Wirklichkeit kein einziger Neonazi dort ankam. Einiges davon findet man hier weiter ausgeführt:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-19916270.html
    Die (Gegen-) Aktionen hatten aber nahezu keine Wirkung bei den normalen Leuten, weil zu auffällig war, was da ablief, zumal das Ehrenmal normalerweise gut durch die Polizei bewacht wurde, die hier aber seltsamerweise nichts bemerkt hatte.

    Mit Google findet man noch viel mehr zu den Anti-Nazi-Kampagnen dieser Tage, die wohl am ehesten der Stasi zugeordnet werden können, die damals händeringend eine Daseinsberechtigung brauchte. Bis die Leute die Nase voll hatten und am 15. Januar 1990 – die Stasi-Zentrale stürmten.

    Ich dachte, das ist mal ganz interessant als Vergleich. Diese seltsame aktuelle Mail-Welle betreffend ist es eher Wurscht, ob das ein Spinner-Kind war, das statt Graffity-Sauerein zu sprühen eine politische SPAM-Aktion startet oder ein Feinripp-Nazi oder ein Antifant (was für ein hübsches Wort). Der Punkt ist eher wie oben beschrieben, dass die sowas händeringend als Daseinsberechtigung suchen. Und daran habe ich nicht den geringsten Zweifel

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