Die Gnade der frühen Geburt.

Die Gnade der späten Geburt, diesen Ausspruch prägte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem Verweis darauf, dass alle, die nach 1930 geboren wären, nicht das Schicksal erleiden konnten, zum Täter oder Mitläufer zu werden. Für die Deutschen als Ganzes hat diese Gnade nicht geholfen, denn die Schuld ist uns sozusagen genetisch weitergegeben worden, egal ob die Vorfahren Täter, Mitläufer oder auch Opfer waren. Es ist nicht so, dass nach dem Krieg die Welt stehen geblieben wäre, so dass man im Blick auf die gegenwärtigen Zustände sagen muss, dass man froh sein kann, die Gnade der frühen Geburt erhalten zu haben. Eigentlich müsste man es noch auf die Gnade der „richtigen“ Geburt ausweiten. Ein gutes Beispiel ist der Schriftsteller Rainer Kunze. Er hat eine Petition gegen den neomarxistischen Gender-Neusprech unterschrieben und ihm wurde vom SPIEGEL eine Nähe zur AfD vorgeworfen. Er erwiderte daraufhin:

„Ich las, ich hätte mich in den Dunstkreis der AfD begeben. Ich fühle mich tatsächlich in einer Art Dunstkreis – es ist der Dunstkreis einer mehr und mehr zurückkehrenden DDR, als dort die gleichen Methoden politischer Denunziation angewandt wurden.“

So eine Aussage ist ein Wirkungstreffer, der die Diskussion schnell beendet, denn kein journalistischer Jungspund und keiner der renommierten Weltenerklärer kommt gegen die persönlichen Erfahrungen eines Rainer Kunze an, der sich lange zwischen der Stasi-Bespitzelung hindurchlavierte, bevor er dann aus der DDR ausgewiesen wurde. Wer, wenn nicht er, könnte schon feinste Nuancen der Meinungsdiktatur, Repression und Denunziation wahrnehmen, wenn einer sie am eigenen Leib erlebt hat? Man stelle sich vor, Rainer Kunze wäre im Westen geboren und aufgewachsen, er brächte nach dieser Aussage keinen Fuß mehr auf den Boden. Politiker und Medien würden mit „Bestürzung“ und „Fassungslosigkeit“ reagieren, dass unsere beste Demokratie aller Zeiten in dieser Weise diffamiert wird.  Mit seiner frühen Geburt und das auf der richtigen Seite geboren zu sein, bleiben diese Reaktionen aus.

Im Gegensatz zu Kohl ist die späte Geburt heute ein Fluch, besonders für junge Leute, die direkt ins beginnende Handy- und Computerzeitalter hineingeboren worden sind und das, obwohl es nie so leicht war wie heute, sich selbst zu informieren und der Vergangenheit sogar jenseits der eigenen Erfahrungen und der der Eltern und Großeltern auf den Grund zu gehen. Die Millennials wissen durch die mediale Gehirnwäsche, die von sämtlichen Programmen, Zeitungen und Plattformen betrieben wird, nicht mehr, dass es eine Zeit gab, in der Meinungsvielfalt völlig normal war. Keiner wäre auf die Idee gekommen, die Kritik an der Regierung als pauschal „umstritten“ oder „rechtsaffin“ zu bezeichnen. Den Begriff „rechtspopulistisch“ als Kampfbegriff gab es ja damals noch nicht. Keine Uni, keine Gemeinde und kein irgendgeartetes Bündnis wäre damals auf die Idee gekommen, zu verhindern, dass sich Kritiker öffentlich versammeln oder öffentliche Veranstaltungen abhalten. An den Unis war die Mensa zwar vollgemüllt mit Aufrufen von AStA, MLPD und DKP, sie hätten sich aber auch bei linken Studenten völlig als Demokraten disqualifiziert, hätten sie zum Boykott von Veranstaltungen aufgerufen, wenn dort jemand über die Unterdrückung der Menschen in islamischen Ländern referiert hätte. Sogar während der letzten Asylkrise, als die Meinungen doch sehr gespalten waren, kam niemand auf die Idee sich zu „entfreunden“, wenn er eine andere politische Meinung hatte. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die Kritiker mit den Brandstiftern in Solingen gleichzusetzen, obwohl man das womöglich beabsichtigt hat. Die Menschen damals erfuhren durch die Gnade der frühen Geburt, dass die Unterdrückung der anderen Meinung einfach in den Totalitarismus führt und man sie zum Wohle der Demokratie einfach aushalten muss. Es ist fast schon bescheuert, dass man, wenn sich Kritiker gegen die EU, die Migration oder die Energiewende formieren, die Demokratie in Gefahr sieht. Wenn man sieht, wie viele „bunte“ Bündnisse sich dann dagegen bilden, muss man annehmen, dass es denen nicht nur an eigener Erfahrung fehlt, sondern auch nicht die hellsten sein können, bzw. die Indoktrination ausgezeichnet funktioniert hat. Ich gehe mal vom letzteren aus, denn viele junge Leute haben eine völlig naive Vorstellung von der Welt und ihrem eigenen Leben und die ist nicht vom Himmel gefallen.

Da fehlt es schon an der Einsicht von Arbeiten und Lebensunterhalt. Die meinen, mit einem Schul- oder Uniabschluss wäre man in irgendeiner Weise erleuchtet und zu allem befähigt. Ein Ehepaar, die eine Computerfirma betreibt, meinte, die hätten völlig abwegige Gehaltsvorstellungen und ein „gefährliches“ Halbwissen. Dabei musste man sich früher auch mit Abschluss an der Arbeitsstelle auch wieder erst mit Leistung nach oben dienen. Und heute zusätzlich nach Work-live-Balance nachzufragen käme keinem in den Sinn, der als Kind noch mitbekommen hat, dass der Vater noch samstags arbeiten musste.

Heute kann man unter jungen Leuten mit dem Kampf gegen den angeblich menschengemachten Klimawandel fast eine Hysterie erzeugen kann, dass das Ganze gerade zu einer quasi-religiösen Bewegung mutiert und ist auch dem Fluch ihrer späten Geburt geschuldet. Wer ein Bildungssystem durchlaufen hat, wo allein richtige Haltung und Indoktrination zählen und von Naturwissenschaften und Geschichte nur mehr rudimentär Grundlagen vermittelt werden, der muss natürlich alles glauben.

In einer Gesellschaft, wo der richtige Weg nicht durch den Widerstreit der Meinungen entsteht, sondern die Wahrheit quasi von höchster Stelle verkündet wird und alles andere eine Bedrohung für die Demokratie gelten soll, da kommt am Ende keiner mehr von den Millennials auf die Idee, die könnten fasch liegen. Echt ein Fluch. Dem angeblichen Vorzeigeklima von 30 passend ausgewählten Jahren stehen bei denen oft bis zu 80 Jahren persönlicher Erfahrung gegenüber, ins besondere, wenn die ein Leben lang im freien gearbeitet haben. Da die nicht jeden Tag Party machten, sondern an festen Feiertagen, nach dem Heueinfahren oder zum Richtfest, haben sie eine gute Erinnerung. Eine dritte Maht im November war genau so normal wie 20° minus. Wetter eben, selbst erlebt. Ich selbst habe noch die Schreckensszenarien erlebt, die der Club of Rome entwarf. Ab 2000 Ende des Öls, Hungersnöte, Versiegen von Rohstoffen. Das Gegenteil ist eingetroffen. Manche davor kennen noch die Warnung vor einer kommenden Eiszeit. Als Anfang der 80-iger mit dem Waldsterben zum dritten Mal in 15 Jahren eine kommende Katastrophe hochgekocht wurde, rührte die älteren das schon kaum mehr. Ozonloch ignorierte man und wartete bis der Hype wie zu erwarten vorbei war. Der Klimawandel ist dann für die schon der größte Betrug in der Menschheitsgeschichte, weil man diesmal nicht nur ein paar Stellschrauben zur Deko dreht, sondern gleich das ganze System umwälzen will. Stromversorgung mit einem Green-New-Deal zerstören und gleich noch die Wirtschaft mit Fake-Arbeitsplätze in diesem Bereich, Individualverkehr einschränken, Nationalstaaten und Familie abschaffen, unliebsame Meinungen unterdrücken. Jetzt, wo es wirklich gefährlich wird, liegt unsere Zukunft in den Händen von großteils verwöhnten, narzisstischen Halbgebildeten, die das Wissen und die Erfahrungen ihrer Eltern- und Großelterngeneration verteufeln. Es regt sich kaum mehr Widerstand, außer bei denen mit der Gnade der richtigen Geburt. Moslems dürfen den Islam kritisieren und Juden die Migrationspolitik, doch auch hier ist man inzwischen weniger zimperlich. Ab del Samad oder Henryk Broder gelten ja auch schon als ins rechte Lager abgedriftet. Deren Meinung hat somit kein Gewicht mehr.

Die späte Geburt ist heute ein Fluch, denn man läuft sehenden Auges mit Euphorie ins Verderben. Doch auch diese Generation macht neue Erfahrungen, die jenseits der propagierten Wahrheit liegen. Für den kollektiven Augenöffner brauchte es vor 80 Jahren einen Krieg, hoffen wir, dass es diesmal nicht die gleichen Verheerungen braucht. Zumindest kann ich sagen, ich hatte die Gnade der frühen Geburt, auch das beste Deutschland erlebt zu haben und zumindest sagen kann, mit dagegen Anschreiben, Demos besuchen und den Konsensparteien nicht meine Stimme geben wenigstens ein bisschen gegen diesen Irrsinn angekämpft zu haben. Mitläufer und Täter sind wiederum die, die mit Duckmäusertum und der Unterstützung der Blockparteien die Jugend neuerlich ins Verderben laufen lassen, obwohl sie die Gnade haben es besser wissen zu können.

 

 

6 Gedanken zu “Die Gnade der frühen Geburt.

  1. Ich glaub, die Jugend war schon immer zu allen Zeiten und in allen Kulturen narzistisch. Mao zeigte der Welt, wie man das nutzt. Mir kommt es so vor, als ob das Geschiss um Greta und Co sehr viel damit zu tun hat.

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  2. Wie saubloed man mit 20 war, merkt man oft erst mit 40. Als Beispiel kann man immer die Feministinnen anfuehren, die es oft mit Mitte 30 auch nicht mehr schaffen einen Braten in die Roehre zu kriegen, und falls doch sich die naechsten 20 Jahre beschweren, wie furchtbar anstrengend das ist.

    Mein Vater hat in den 60’ern einer meiner Grundschullehrerinnen eine geknallt, weil sie meinte die Pruegelstrafe im Unterricht (Tatzen geben) waere ihr gutes Recht. War es auch offiziell bis in die 70’er (in Bayern etwas laenger). Heute sind Eltern der Meinung, dass sich der Sproessling bei einer Aussage im Unterricht nicht unwohl fuehlen duerfte und die Lehrer passen sich an. Der Wunsch nach extremem Anti-Autoritarismus fuehrt immer zu Autoritarismus, aber weder die Alt-68’er noch deren Nachfolger haben das je geschnallt.

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    1. Dein Vater war aber auch nix gegen die heutigen Helikoptereltern. Die meisten Lehrer hätten wohl lieber eine Ohrfeige als eine Armada von Anwälten und Journalisten am Hals. Die Lehrerin hatte auch mehr Rückhalt bei Vorgesetzten und der Bevölkerung. Heute lassen sich die Lehrer gleich von den Kids kloppen, weil die Eltern zu aggressiv sind und man die nicht involvieren will.

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  3. Les extrêmes se touchent! Ja, ich kann mich auch noch an die 70er Jahre erinnern, als immer autoritärer Antiautorität gefordert wurde. Die Menschheit verblödet und lernt einfach nichts. ansonsten müssten wir die gleichen Fehler nicht endlos wiederholen, dh. in jeder Generation von Neuem. Je älter man wird desto langweiliger, weil: Alles schon erlebt. Nichts Neues unter der Sonne.

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