Sprachlos.

Alles ist dem Wandel unterworfen und ihm gerecht zu werden, werden neue Wörter kreiert oder Wörter erfahren einen Wandel. Mit dem Begriff Arbeit verbinden unsere Großeltern etwas Anderes als Schüler und Studenten von heute und doch bleibt im Kern das Wesentliche erhalten. Eigentlich habe ich nach etwas Anderem recherchiert, doch im bin über einen 10-Ausschnitt der heute-show gekommen und schon nach weniger als einer halben Minute stellte sich mir die Frage: Was ist das eigentlich? Wer will, kann es sich ja mal unvoreingenommen selbst antun. Ist das Comedy? Stand-up-Comedy oder politisches Kabarett? Die heute-show sieht sich selbst als Comedy-Sendung, doch ich habe die Begriffe mal gegoogelt und stellte fest, dass Oliver Welke oder die heute-show nirgends als Vertreter einer Kategorie auftauchen. Über Comedy heißt es:

Comedy hat sich aus der Kleinkunstform der „Stand-up-Comedy“ entwickelt und ist mit dem Kabarett verwandt. Im Gegensatz zu diesem aber ist es meistens nicht politisch. In der Stand-up-Comedy sind Konflikte in der eigenen Umwelt typisches Thema.

Nun besteht aber die heute-show ausschließlich aus politischen Themen und es ist auch keine Satire, denn das Stilmittel der politischen Satire besteht ja darin, die ernstgemeinten Aussagen von Politikern oder auch politischen Wissenschaftlern bis in die Übertreibung weiterzuspinnen, um vielleicht dem einen oder anderen die Augen zu öffnen. Bei dem Welke-Ausschnitt geht es im ersten Teil um die Fridays-for-future-Demo und im zweiten um Upload-Filter, deshalb bietet sich ein Vergleich zu Dieter Nuhr an. Auch wenn ich die Pointe nicht mehr weiß, so hat er die Aussagen von Klimaexperten zum Meeresspiegelanstieg eingespielt. Es steigerte sich von wenigen Zentimeter, halber Meter, 5m, 10m und zum Abschluss zu Schelnhuber 30m- alles ganz ernst und seriös vorgetragen- und Nuhr setzte dann noch irgendeinen drauf und machte die dann irgendwie lächerlich, was ja mit der Klimakatastrophe vor Augen fast ein No-go ist. Aber das macht ja Satire aus.

Welke hat eher das Format von TerraX, wenn es um historische Themen geht. Da kommen nachgestellte historische Ereignisse und dann ordnet ein Wissenschaftler das in einem kurzen Interview ein.

Nach einem seichten Anfang, kommt ein Einspieler, wo ein Schüler meint sinngemäß meint, dass man in die Schule geht , obwohl man ja eine scheiß Zukunft hat. Welke darauf:

Deutsch, Mathe, Englisch, Nachmittag, scheiß Zukunft!

Das haben wir nun davon, dass wir den Kindern die Fakten zum Klimawandel beigebracht haben!

Echte Satire wäre es, das beim Publikum mal sacken zu lassen, denn dieser Satz ist ja glatt eine Selbstoffenbarung, wenn man durch angebliche Dauerberieselung durch „Fakten“, die Schüler nicht dazu bringt, wenigstens eine konkrete Aussage zu machen, sondern nur zu dem Allgemeinplatz: Scheiß Zukunft. Nur faktenfreie Indoktrination und Alarmismus in hoher Dosis können das bewirken. Vielleicht käme das Publikum drauf, würde Welke nicht gleich weiterfegen, denn dann kommt ein Einspieler, wo Merkel die Demos begrüßt. Normalerweise würde man als Witz erwarten, dass man glaubt, dass die Fridays-for-Futere-Kinder von ihr als letztes Aufgebot bestellt wurde, weil die fordern ein noch mehr von dem, was sich in den letzten Jahren schon als völliger nutzloser Humbug herausgestellt hat. Doch ganz im Gegenteil meint Welke, dass es komisch sei, dass es erst die Kinder braucht, dass sie was tut. Es bleibt auch in den nächsten beiden Szenen nicht die Zeit, dass man die Einspieler und Witze einmal sacken lässt, weil Welke die Leute immer mit billigen unpassenden Witzchen in eine ganz andere Richtung zieht. Andernfalls würde nämlich der ein oder andere merken, dass manches nicht so lächerlich ist wie Welke es macht.

Welke erregt sich über die Stimmung gegen die Greta Thunfisch auf vor allem von der AfD (ab 1:45). In einem Ausschnitt spricht Meuthen davon, dass Schuleschwänzen inzwischen eine Tugend geworden seo und

 (…) es folgen ihr (Greta) eine Armada von öko-korrekten Kindersoldaten. Das ist politischer Kindesmissbrauch und nichts Anderes.

Dann kommt Beatrix von Storch:

Da werden Schüler in der Schule indoktriniert und instrumentalisiert, gehen auf die Straße und haben noch nie eine Stromrechnung bezahlt (…)

Schwenk zu Welke, abfälliges Lachen (=wie kann eine so blöd sein).

Beatrix von Storch. Die geistige Energiesparlampe der AfD.

Lachen und Gejohle im Publikum. Da bleibt man selbst ratlos zurück, denn die Aussagen von Meuthen und Storch sind nämlich nicht so blöd, denn es dürfte Kritikern schwerfallen, ihre Aussagen zu widerlegen. Vor allem, weil die linken Träumereien generell weitgehend von selbst aufhören, wenn man das erste eigene Geld verdient und eine eigene Wohnung hat- und Abzüge auf dem Lohnzettel sieht und die Stromrechnung. Welke gibt aber dem Publikum bewusst nicht die Zeit, dass das mal sacken kann- gute Satire lebt ja wie gesagt von solchen Pausen- sondern er peitscht das Publikum mit einer billigen Beleidigung ein.

Dann kommt man zu einem Bericht von Greta bei Weltwirtschaftsforum mit einer Stimme aus dem Off (ab 2:55), dass man sie dort nicht so recht ernst nehmen würde und eine Szene, wo eine Frau sie fragt, was sie den ändern möchte. Und Greta antwortet: Alles! Politische Satire hätte das einfach unkommentiert gelassen, weil es einfach die völlige Faktenleere dieses Hypes entlarvt, doch Welke? Er macht sich lächerlich, dass man sich über sie lächerlich macht und dann kommt ein politisches Statement, eine Klarstellung. Völlig unpassend. Weil die Alten sich nicht dreireden lassen wollen, wird ein Wahlrecht mit 60 gefordert (4:06). Witzig, wenn man zur gleichen Zeit eine Senkung des Wahlrechts auf 16 oder 14 fordert. So diskreditiert man von vorherein eine durchaus sinnvolle und begründbare Anhebung des Wahlrechts auf 21, schließlich macht man auch im Strafrecht Unterschiede, ob jemand schon die geistige Reife hat. Ich bin nicht für eine Anhebung, aber das Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Man kann sich sicher darüber lustig machen, aber dann müsste es einen anderen Aufhänger haben. Man nehme eine Aussage von Bearbock oder KGE und kann dann ehrlich darüber sinnieren, ob es nicht besser wäre, solche Leute völlig vom Wahlrecht auszuschließen.

Dann kommt etwas über Upload-Filter und man macht sich darüber lustig, dass sich manche Youtuber Sorgen machten, dass der Artikel 13 dafür sorgen könnte, dass dieser viele Plattformen zum Verschwinden bringen würde. Es kommen reale Einspieler von jungen Leuten, die irgendwie in Panik sind, davon gehört hätten aber nichts Genaueres wüssten und noch ein selbst fabrizierter mit einem Hohlkopf, der dann deren Aussagen nochmal toppt.

Man bleibt echt fassungslos zurück. Minuten vorher gesteht man einer Horde von Kindern zu, den Erwachsenen die Vorgänge des Klimawandels und die Maßnahmen dagegen zu erklären und dann nimmt man welche zum Thema Upload-Filter und macht sie lächerlich, weil sie nur ein Gefühl hätten oder gehört hätten, dass dieser Artikel massive Eingriffe ins Internet bedeuten würden. Es wird aber unterschlagen, dass genügend Abgeordnete im EU-Parlament auch dieser Meinung sind und deshalb dagegen gestimmt haben. Im Gegensatz dazu sollte man sich die Rede (?) von Greta in Berlin ansehen. (ab 1:05:27-1:07:30) Sie meint, dass alles so toll wäre, dass so viele da wären und dankte noch allen. Und alle waren hin und weg und hingerissen, die Prophetin leibhaftig gesehen zu haben. Keine Fakten, keine konkreten Forderungen, nur leeres Gefühlsgedusel. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass die wirklich den Schneid hat, sich da völlig faktenfrei hinzustellen und sich huldigen zu lassen. Das ist schon fast Realsatire: Seht, der Führer kommt!

Sieht man Welkes 10-Minuten-Machwerk, dann muss man sich echt fragen, wie man so eine Sendung wie die heute-show nennt, denn die fällt völlig aus dem Rahmen. Comedy und vor allem Satire setzen voraus, dass das Publikum nicht voll verblödet ist und es ihr nicht genügt ihr Weltbild bestätigt zu sehen oder mal gemeinsam gegen den vermeintlichen Feind zu hetzen. Wenn ich das Team um Welke wäre und alles soll schnell und effektiv geschehen, schließlich hat man nur jeweils eine Woche Zeit, dann würde ich die Themen abstecken, was behandelt werden muss und was als Botschaft herauskommen soll; festlegen, wo man ungefährliche Witze machen darf, dass es wie Kritik an Merkel aussieht und wo man gerne auch dick auftragen oder beleidigen darf. Wenn sich nichts Passendes von Trump, AfD oder Putin findet, dann einfach passend machen oder schnipseln. Geht gar nichts, Adolf geht immer. Glaubt doch keiner, dass da jeder für sich draufloszaubert, was ihm grad einfällt, außer man nimmt an, dass das lauter geradlinige Systemlinge sitzen, die mit originellem Witz und Humor von Haus aus nicht viel am Hut haben. Leute, denen man in einem Wochenendseminar beigebracht hat, dass vor der Glotze ohnehin nur Schwachmaten sitzen, die nicht nach Niveau verlangen. Einfach irgendwelchen vorher „geframedten“ Schwachsinn zusammenschustern, der Applaus wird sowieso angeordnet oder kommt vom Band, kann also von vorneherein nichts in die Hose gehen. Wer den Niveauunterschied von Oliver Welke zu Harald Schmidt sieht, der weiß, dass Deutschland wirklich tief gesunken ist.

Dass Niveau ist so niedrig, dass man Welkes Sendung nicht mal als Staats-Propaganda abtun kann, denn auch da sollte man eine gewisse Grenze nicht unterschreiten. Wer weiß, ob man sich nicht in anderen Ländern über die heute-show  lustig macht, so wie wir uns über Nachrichtensendungen aus Nordkorea.

Welke hat eine Stufe erreicht, wo mir jetzt partout kein Begriff einfällt, welcher Kategorie man die heute-show zuordnen könnte. Man ist echt sprachlos. Sollte man sich aber jemals an eine Aufarbeitung dieser irren Zeiten machen, dann wird Oliver Welke einen festen Platz darin haben.

3 Gedanken zu “Sprachlos.

  1. „Hofnarr“ nannte man die Leute früher… allerdings hatten die guten unter denen deutlich mehr Eier als Welke…

    Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.