Fools-for-future.

Heute war ich in einem neu eröffneten Baumarkt in der Nähe. Vorher bin ich immer zum OBI gegangen, weil die meisten Angestellten wussten, nach was ich suche und wo ich das finde. Seit einiger Zeit beschränkt sich der Service darauf, dass man eben zu zweit sucht. Der neue Markt hat zwei jüngere Frauen angestellt. Eigentlich suchte ich nur ein Stemmeisen für Holz, nur war es nicht dort zu finden, wo das normalerweise sein müsste. Also fragte ich eine der Frauen. Sie meinte, sie hätten nur ein großes und zeigte mir ein Brecheisen. Was deshalb aufschlussreich ist, weil bei uns niemand Brecheisen sagt, sondern Goaßfuaß (Geißfuß). Das heißt, die hat erst mal alle Sachen gelernt, wie die heißen, ohne, dass sie jemals damit zu tun hatte. Ich bedankte mich trotzdem und suchte nach der anderen. Die kannte ich vom Sehen und wusste, dass sie die Tochter eines Landwirts ist und noch dort wohnt. Ich meinte, dass sie sich ja auskennen müsste, wo sie herkommt, weil so ein Werkzeug bei ihnen doch immer rumliegt. Als ich sagte, ich suchte ein Stemmeisen, schaute sie mich an, als hätte ich 200 Gramm Pressack gewollt. Ich war nicht wirklich böse, denn wer handwerklich ein bisschen Ahnung hat, der räumt nicht im Baumarkt für einen Hungerlohn die Regale ein. Mir kommt es bei jungen Leuten inzwischen so vor, als würde auch alles, was Menschen schaffen und herstellen wie Natur und Landschaft wahrgenommen. Das ist einfach automatisch da und man muss es nur verwenden. Ein Auto fährt, weil man den Anlasser betätigt, Strom gibt es, weil er aus der Wand kommt und irgendwo stehen Maschinen, die das herstellen, was man braucht und, wenn man was Anderes will, dann macht man eine Maschine, die das kann. Nichts kommt von irgendwoher, gab´s alles schon immer oder wurde gemacht. Weil die Leute nicht mehr zu Fuß gehen wollten, haben sie Autos gebaut und, weil man immer krank wurde, hat man Medikamente gemacht und, weil man auch fliegen wollte, hat man schnell ein Flugzeug gebaut. Werkzeuge oder Werkstoffe oder gar technische Probleme kommen in solchen Gedankengängen gar nicht vor. Kleinere Dinge sind ja noch viel leichter. Ein Stuhl, ein Tisch oder ein Holzschuppen, da ist ja nichts dabei. Ich mache den beiden Damen jetzt keinen Vorwurf, sie können nicht mal merken, dass sie in dem Laden zur Beratung völlig überflüssig sind. Da braucht heutzutage auch kein Student auf die herunterschau´n. Bildung bei denen bedeutet heute nur, dass sich ihr Unwissen auf mehrere Gebiete erstreckt, die teilweise zusätzlich noch völlig überflüssig sind für den Fortgang der Menschheit. Ich denke, dass es genügend Architekturstudenten gibt, für die steht ein Schuppen auf freiem Feld auch nur deswegen ebenerdig im rechten Winkel, weil ein Schuppen eben nicht nicht im rechten Winkel schief steht. Wer würde so bauen. Wer weiß von denen, dass man da nicht einfach einen Winkel in die Ecken legen kann und in Kette einmal herummisst und am besten das Gleiche mit der Wasserwaage. Wer weiß da noch die 3-4-5-Regel, wie man Kettenmaße vermeidet oder wo man sich Luft lassen muss, um vielleicht später doch noch Korrekturen vorzunehmen?

Und jetzt dreht genau die Generation am großen Rad wie man in einem Aufwasch so mit kurzem Nachdenken die ganze Energieversorgung neu erfindet, dazu die Landwirtschaft und das komplette Verkehrssystem. Man kann den Fridays-for-futures-Jünger gar nicht böse sein. Wie soll man sich mit einem Problem auseinandersetzen, wenn man es gar nicht erkennen kann? Für die gibt es nur Leute, die haben jeweils ganz viele nützliche Dinge einfach so gemacht und ganz viele davon, ohne Rücksicht auf Verluste, um damit Geld zu verdienen um reich zu werden. Die nennt man dann böse Kapitalisten.

Die meinen, den ganzen Wegbereitern unserer Zivilisation hätte man damals einfach ein wohlbeheiztes Labor oder eine Werkstatt hingestellt und ein paar Halbwissende mit staatlichen Fördergeldern zugeschissen. Bevor jemand zum Studium zugelassen wird sollte er sich alle Folgen von „Meilensteine der Naturwissenschaften“ ansehen müssen. Leute, die zu Hause in einem primitiven Zimmer auf eigene Rechnung forschten. Durch Europa reisten- nicht mit dem Flugzeug- um sich ein Mikroskop zu besorgen. Destilliertes Wasser selbst herstellten, alle Aufzeichnungen handgeschrieben und illustriert waren, nix mit Datei einfügen oder Text formatieren. Nicht schnell mal auf Wikipedia schauen, sondern 100 km in die nächste größere Stadt in eine Bibliothek, um auf dem neusten Stand des Wissens zu sein. Dazu hat man so auf sein Wissen vertraut auch Risiken für sein Leben einzugehen, nicht nur finanziell, sondern auch für die Gesundheit. Man denke an Edward Jenner oder Lise Meitner und Otto Hahn. Auch, wenn es fast in die Gegenwart gedauert hat und höchste Anstrengungen und auch Rückschläge bedurfte, bis man zu einer weitgehend sicheren Nutzung der Atomenergie gekommen ist (Flüssigsalzreaktoren), so ist es doch vor allem deren Beharrlichkeit und Ausdauer zu verdanken. Deshalb erhielten sie auch alle den Nobelpreis. Heute meint man, das wäre alles vom Himmel gefallen, hätten alles nur für Ruhm und Geld getan und die Folgen von vorneherein ausgeblendet. Heute zeigt sich allein an dem wie verblödet wir schon sind, wenn ein Al Gore den Nobelpreis bekommt. Einen der größten Blender, Betrüger und Gierlappen aller Nobelpreisträger. Heuer werden wir es noch mit Greta steigern. Eine PR-Marionette, die als Lösung technischer Probleme blanke Panik vorschlägt.

Viele Junge Leute, vor allem aus den gut situierten Familien und auch deren oft verbeamteten Eltern übersehen, dass sie es nicht irgendwelchen gutmenschlichen Dampfplauderern und feministischen Brüllaffen zu verdanken haben, dass sie ihren Größenwahn mit dem Handy per Livestream ins Netz stellen können. Sie fühlen sich von den Grundlagen, die erst ihre Wohlfühlecke erzeugt haben, bedroht und fordern, dass sie die jetzt auch nachhaltig, CO2-frei und vegan zur Verfügung gestellt haben wollen, bei gleichzeitigem Wohlstand für alle. Diese größenwahnsinnigen Jungspunde sollten erst mal ohne Navi in den nächsten Ort finden und dort ein Jahr ohne die häusliche Rundumversorgung und die Kreditkarte der Eltern überleben, bevor sie irgendwas fordern.

Man hat hier verwöhnte Nörgler produziert, die ich live schon mal erleben durfte, wie sich deren Weltbild auf ihr Verhalten niederschlägt. Im Dresdner Bahnhof ist ein Chinesischer Schnellimbiss, der ist wirklich preiswert, die sind nett und es schmeckt wirklich hervorragend. Als ich mal dort war, nahm einer seinen Teller von der Theke ging zu einem Platz, setzte sich, stand wieder auf und ging zur Theke und beschwerte sich, dass auf seinem Gericht weniger Sojasprossen wären und dafür mehr von- weiß ich nicht mehr- und, dass das nicht mit dem Bild über der Theke übereinstimmen würde. Der Koch meinte, die seien ihm gerade ausgegangen, er könne ihm aber ein anderes Gericht machen. Das war nicht der Spießer mit dem Dackel, sondern ein richtiger Alternativer mit gestricktem Schal, Häkelmütze und verwaschenen Jeans. Solche, die meinen, weil eine App auch beim dritten Mal runterladen exakt die gleiche ist, dass der Koch das Gericht auch wo runterlädt und dann horrende 5,50€ fürs Rüberreichen kassiert. In deren Vorstellung kommt Kochen als Prozess gar nicht mehr vor, das kann man einfach so aus dem Stegreif, wenn man sagt, ich werde heute Koch und alles, was ich tun muss, ist rüberreichen und abkassieren. Man könnte locker ein Auto mit einem Verbrauch von 1,3 Liter/100 km bauen und Batterien von der Größe einer Garage, die dann mit dem gespeicherten Ökostrom eine Großstadt versorgen, weil da gibt´s ja Maschinen, die Erwachsenen hatten aber keinen Bock und zockten die Bürger lieber mit RWE-Kohlekraftwerken oder SUV- Feinstaubschleudern ohne Rücksicht auf Umwelt und Klima ab.

Die ganze Politik ist schon voll von solchen jungen Labertaschen, die in die Politik drängen. Bei uns ist die Wirtschaft schon so durch Regulierungen geknebelt und im Bereich von IT so rückständig gegenüber dem Rest der Welt, dass man nicht mehr lange warten muss, bis einfach nicht mehr genug Geld da ist, um diese Hohlköpfe mit Pseudoqualifikation durchzufüttern. Das einzig Positive ist, wenn dieser ganze schmarotzende Sumpf auf der Straße steht, weil sich dieses System nicht mehr finanzieren lässt, dass sie auch nicht verstehen werden, warum das jetzt einfach weg ist, wo es doch die ganze Zeit da war.

Die beiden Damen aus dem Baumarkt haben wenigstens noch den Vorteil, dass sie wissen, dass es sowas wie Werkzeuge gibt und dann die Möglichkeit haben, jemanden zu fragen, wofür man sie braucht.

 

7 Gedanken zu “Fools-for-future.

  1. Ich war ja auch über den Winter im Obi; wollte was basteln. Die Mitarbeiterin war ausgesprochen hübsch, aber die hat da wohl auch das Ordnungssystem gemacht; ich hab jedenfalls keine Holzbohrer gefunden; daher gefragt.

    Wurde dann zu den Bohrmaschinen gemacht, mit dem Kommentar „wir haben da ganz viele; ich weiß nicht, wozu die genau gut sind“.

    Stehste da und guckst doof. Versuchst es dann ganz vorsichtig mit „den spiraligen Dingern, die man da vorne reintut, in diese Bohrmaschinen“.

    Stehen wir _beide_ da und gucken doof.

    Ich bin dann zum Hornbach. Ich geh jetzt auch nur noch zu Hornbach; aber das ist hier halt auch Glück, dass (a) da kompetente Leute arbeiten und (b) ich 2km nach links zum Obi oder 2km nach rechts zu Hornbach fahren kann.

    Zu Deinen Schlussfolgerungen…. ja, ich denke, dass Du da durchaus Recht haben könntest. Ich frage mich gerade, ob das so ein „Frauen darf man nicht kritisieren“ – Dings ist, aber fairerweise sind die Männer bei Obi auch nicht merklich kompetenter. Scheint so Zeitgeist zu sein, kompetent tun bei vollkommener Ahnungslosigkeit. Früher machten das wenigstens nur Professoren; die hatten aber wenigstens Ahnung von _irgendwas_.

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  2. In den Philippinen ist „Obi“ quasi der Regelfall. Das liegt an den ‚phantastischen‘ Gewerkschaften, die durchsetzten, dass sobald jemand mehr als 6 Monate wo arbeitet, er unter extremsten Kuendigungsschutz faellt (da muss selbst Diebstahl verziehen werden, wenn seine Oma krank ist und Geld braucht).

    Alle Haendler, Supermaerkte, Restaurants usw. stellen ihr Personal nur befristet auf 6 Monate ein. Danach werden sie automatisch gekuendigt und muessen sich neu (auch auf die selbe Stelle) bewerben. Da die hier Kinder mit fast afrikanischer Effizienz produzieren, herrscht auch kein Mangel an Bewerbern. Es ist eher selten, dass ein Mitarbeiter im Baumarkt weiss, wo oder was das Zeug ist, welches er vorher selbst in das Regal vor seiner Nase eingeraeumt hat. Jeder von denen weiss, dass er/sie nach 6 Monaten einen voellig anderen Job machen wird und seine „on the job performance“ unwichtig ist, bzw. nur darin besteht nicht negativ aufzufallen.

    Deutschland naehert sich den Verhaeltnissen der 3. Welt stetig an.

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  3. Ja, und kochen können die jungen Frauen (und Männer) halt auch nicht mehr. Das lässt man kommen, oder Mutti kocht. Falls man irgend eine Reparatur machen muss, kommt der Handwerker entweder nicht, (überlastet) oder man bleibt irgendwo in der Warteschleife am Telefon stecken. Auch wenn man eine Information braucht, klappt da in der Regel nicht. Keiner ist für nichts mehr zuständig. Am Besten wird man Selbstversorger.

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    1. Zum Glück sind meine Söhne da Ausnahmen. Selbstgemachter Apfelstrudel, Kaiserschmarrn, Soßen mit Einbrenne und nicht mit Soßenbinder. Ja, immer gut, wenn 3 Generationen in einem Haus aufwachsen. Da wirft keiner 6 Fertigpizzas in den Ofen.

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      1. Bei solchen Söhnen war vermutlich aber auch der Vater ein Vorbild. Und heute sind halt viele Väter und Mütter kaum mehr Vorbilder. her ich die Gesellschaft bietet diesbezüglich kaum Anreize. Alles ist nur auf Fastfood und Fast-Konsum ausgerichtet.

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