Gute Absicht oder nur Salamitaktik.

Man muss nicht hinter jedem Vorschlag oder jeder politischen Entscheidung böse Absicht vermuten, vielleicht ist man selbst nur schon so paranoid, dass man gleich um die nächste Ecke zu denkt. Da Politik inzwischen kein Hauruck-Verfahren mehr anwendet, sondern eine Salamitaktik in feinsten Scheibchen, kann hinter einer offensichtlich guten Begründung, auch eine ganz andere Absicht stecken. Deshalb ist mir folgende Meldung aufgefallen.

Zum besseren Schutz von Honigbienen fordern Experten einen verpflichtenden Wissens-Nachweis für Imker. (…) Wir müssen den Mut dazu aufbringen und notfalls in Kauf nehmen, die Hälfte der Hobbyimker zu verlieren.

Er argumentiert damit, dass man ja zum Fischen auch einen Anglerschein braucht. Ich habe jetzt von Bienenhaltung keine Ahnung, aber er bringt ja gleich das Ergebnis, sobald man sich von staatlicher Seite irgendwo einmischt. Solche Kurse werden ja auch freiwillig angeboten für ca. 300.- mit mehreren Praxistagen im Jahr und es gibt oft nicht genügend Plätze für die Bewerber. Wie immer verweisen Experten darauf, dass man ja bei der Bienenhaltung etwas falsch machen könnte. Komischerweise interessiert es keinen, wenn man sich privat Hühner oder Stallhasen hält. Es ist völlig schizophren, wenn Öko-grüne den Schutz der Bienen fordern, gleichzeitig nichts dagegen haben für Ökokraftstoff Monokulturen anzupflanzen und für noch mehr Windräder sind, damit für Ökostrom noch mehr Bienen geschreddert werden. Dass man gerade in Berlin darauf gekommen ist, liegt wohl daran, dass es inzwischen genügend Hobbyimker gibt, dass es sich rentiert, dass man eine neue Gebühr für die Lizenz abgreifen kann und Ordnungsgelder bei Nichtbefolgen. Meist sind es ja staatliche Schreibtischtäter, die alles einschränken wollen, was ein oder mehrere Bürger ohne Zutun des Staates selbst organisieren wollen. Da genügt ein einzelner Dödel, der ungeeignet ist, dann meinen staatliche Stellen, man müsse den vermeintlich unfähigen Rest auch noch bemuttern.

Kaum jemand beginnt etwas anspruchsvolles Neues, ohne dass er sich informiert. Würde ich gerne imkern wollen, würde ich mir erst mal im Internet das Entsprechende anlesen, ob das überhaupt was für mich ist, und dann zu einem Freund gehen, der mir das mal näher erklärt oder wirklich einen Kurs besuchen. Dass sie Bürger auch untereinander ohne Endgeld Wissen austauschen und auch freiwillig Risiken eingehen, darauf kommt der Staat inzwischen ohnehin nicht mehr, deshalb meint er, er müsse sich überall einmischen.

Ein Beispiel ist, dass heute der Kaminkehrer bei denen die einen Holzofen haben, dass Brennholz mit einem Messgerät überprüft, ob es nicht zu feucht ist. Wie auch bei den ganzen Nachbarn mit Holzofen, stehen bei uns die abgedeckten Holzkobel mit Meterscheiten im Freien und ein Schuppen, in dem die Scheite aufgerichtet sind. So wie man es schon seit hunderten Jahren macht, weil feuchtes Holz eben nicht brennt und man es eben erst mal ein Jahr liegen lässt. Aber irgendwo in Berlin hat man sich im klimatisierten Büro Sorgen gemacht, dass die Leute das im hintersten Bayerischen Wald noch nicht wissen können und man es ihnen gegen Gebühr sagen muss. Vielleicht setzen sie aber auch nur einen Vorschlag der Kaminkehrerlobby um. Und, weil man in den Städten meist Kohlen in den Ofen wirft, werden dann irgendwann auch Holzöfen verboten werden, wenn nicht wegen Feinstaub, dann wegen CO2, und holzen dann den Wald ab, um Windräder aufzustellen, damit wir Wärme aus der Steckdose bekommen. Wie war das nochmal mit der CO2-Bilanz?

Aber es geht noch penetranter. Wenn Vereine auf dem Land ein Fest für die Mitglieder ausrichten, dann verdient auch das Ordnungsamt, weil man ja überprüfen muss, ob alles hygienisch und ordnungsgemäß abläuft und das wird immer strenger. Ja, voll realistisch und womöglich von einer Tussy in Berlin ausgedacht, die den schon angemachten frischen Biosalat im Schälchen kauft. Da laufen Dutzende Hausfrauen rum, die jeden Trick in der Küche kennen, damit nix verdirbt oder versifft und sich auf einem Fest wohl als letztes blamieren wollen, wenn sie selbstgebackenes verkaufen, und werden dann von den Gesetzgebern behandelt, als wären es lauter Vollhonks. Früher kam man auch nicht auf die Idee Schmerzensgeld zu verlangen, wenn man am eigenen Vereinsfest vor Suff über eine Kabeltrommel gestolpert ist. Der Gesetzgeber orientiert sich dann immer genau an solchen Typen, die das nicht so sehen.

Bis vor wenigen Jahren gab es immer Führungen in einer Trinkwassertalsperre. Als ich da mal anfragte, dass ich für Bekannte und Freunde eine Führung in den Stollen unter den Damm wollte, meinten die, das machen sie nicht mehr. Da ist mal eine ausgerutscht und hat sich was gebrochen. Die hat dann auf Schmerzensgeld geklagt. Nur, weil ein einzelnes blödes Weib meint, ein Arbeitsstollen müsse mit Teppichen ausgelegt sein, wenn sie da freiwillig und kostenlos reingeht, dann sind andere dafür verantwortlich, wenn sie die Beine nicht voreinander bekommt. Niemand hätte sich beschwert, wenn sie am Anfang gesagt hätte, das sähe ihr zu feucht aus und wäre draußen geblieben. Kein Wunder, dass die keinen Bock mehr dazu hatten.

Wegen solchen Einzelfällen, müssen dann alle darunter leiden. Wie bei den einzelnen Missbrauchsfällen in Sportvereinen. Ich kann ja verstehen, wenn man von einem Übungsleiter ein polizeiliches Führungszeugnis sehen will, wegen der Missbrauchsfälle haben sie dann den Übungsleitern aber Fragebögen schicken müssen, mir auch, in denen man genau auflisten musste, wie viele Stunden man mit Kindern oder Jugendlichen trainiert, welches Alter die haben usw. Ich habe den nicht zurückgeschickt, sondern sie gleich merken lassen, dass sie ihren Krempel auch alleine machen können. So ein Verhältnis beruht auf Vertrauen und dieses Vertrauen kann auch missbraucht werden. Bei den tausenden Übungsleitern dürften das wirklich Einzelfälle sein und ein Verein schaut ja nicht absichtlich weg. Da muss man es einfach an die Eltern weitergeben, ob sie das Risiko eingehen wollen oder lieber dem Kind verbieten, in einen Sportverein zu gehen.

Keiner will mehr für sich selbst Verantwortung übernehmen oder selbst ein Risiko eingehen und am Ende dafür geradestehen, wenn etwas schiefgeht. Vor allem bei Letzterem glauben die meisten inzwischen, es müsse da grundsätzlich jemand anderes schuld sein. Wir sind schon so weit, dass man vom Staat erwartet, dass er präventiv dafür sorgt, dass man auch nicht auf irgendeine Weise psychisch oder religiös beeinträchtigt wird, weil andere Kinder Indianerkostüme tragen, man nicht mit Gendersternchen angeredet wird oder jemand unverschleiert badet.

Der Staat verhindert dadurch mit der Zeit jegliche freiwillige Kooperation unter den Bürger und da gehe ich stark davon aus, dass das beabsichtigt ist. Ich denke, dass es bei den Privatimkern auch darum geht, zu wissen, wer sich selbst versorgen kann. Das Landwirtschaftsamt überfliegt mit Drohnen alle vier Wochen ihr Gebiet, um festzustellen, ob die geförderten Programme auch eingehalten werden. Aus den Bildern lassen sich sicher auch andere interessante Sachen herauslesen. Wer hat einen großen Gemüsegarten? Die Vieh- und Flurverzeichnisse sagen nicht nur aus, wie viel Tiere jemand hat, sondern auch, welche Menge Futtermittel und welche Menge Ernte eingelagert sein muss. Es ist bekannt, dass im Katastrophenfall mit Lebensmittelengpässen der Staat Zugriff auf die Sachen hat. In einer Zeit, in der die meisten Städter Lebensmittel höchstens Vorräte für wenige Tage haben, wenn überhaupt, ist das nicht ganz unwichtig. Prepper, die nicht auf Versorgung von außen angewiesen sind, gelten ja gemeinhin als suspekt.

Der Vorschlag, dass Privatimker einen Nachweis erwerben müssen, beinhaltet alles, was im Sinne eines Staates ist, der nach Allmacht strebt: Er greift Gebühren ab, er hat Kontrolle und kann sanktionieren, er verhindert freiwillige Kooperation und weiß, wer möglicherweise Lebensmittel hortet oder Einkünfte hat, die er nicht versteuert.

 

 

4 Gedanken zu “Gute Absicht oder nur Salamitaktik.

  1. Sehr gute Beobachtungen. Zum Zynismus las ich neulich einen fiesen Kommentar. Man ist mittlerweile so weit, dass man den Eltern der Thunberg glatt zutrauen würde, sie mit Hormonblockern zu stopfen, damit sie noch wie ein Kind aussieht, wenn sie wie eine Jugendliche reden soll.

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