Worauf es keinen Reim gibt.

Gestern habe ich etwa eine Minute gebraucht, um die Fernsehkiste wieder abzuschalten. Lindner, FDP, meint irgendwas zum Klima, Bild von einem süßen Eisbären, aus. Man kann es nicht mehr hören und interessiert keinen Schwanz. Wenn man etwas genauer hinschaut, ist so ein Bericht sogar noch jenseits von dem angesiedelt, wo sich jemand, je nach Interesse, entscheidet sich so einen Bericht anzutun oder nicht.

Das sogenannte Agenda-Setting und die damit zusammenhängende Berichterstattung, soll dem, der die Nachrichten schaut, vermitteln, was besonders wichtig sei. Und die, die vor der Kiste sitzen, die glauben, dass auch die anderen vor der Kiste sitzen, Klimawandel bedrohlich finden, Rechtspopulisten Europa zerstören und irgendein Politiker irgendwas gesagt hat, wo sich alle jetzt darüber aufregen und man an jeder Ecke jemanden findet, der sich auch darüber aufregt. Das können aber nur die sagen, die das auch wissen. Etwa 10% beträgt die Einschaltquote der Tagesschau um 8 Uhr. Da kann man sagen, die anderen schauen aber dafür n-tv oder lesen eine Tageszeitung. Schließlich kannten 100% der Befragten damals Guido Westerwelle und sogar noch 93% eine Renate Künast. Nein, nur die Hälfte kann überhaupt einen FDP-Politiker nennen und von denen dürften es wieder deutlich weniger sein, die wissen wer etwas über Eisbären gesagt hat. Aber die GRÜNEN und Habeck sind bekannt, schließlich ist er inzwischen der beliebteste Politiker Deutschlands -von den weniger als die Hälfte, die ihn überhaupt kennen. Wenn sich die Anna Bearbock über die Wortwahl eines politischen Gegners aufregt, dann kommt es zu einem Shitstorm im ganzen Land, zumindest unter den 27%, die sie kennen. Und nicht mal die sind gesichert, weil es auf die Art der Fragestellung ankommt, dass man Ergebnisse hat von 25% Bekanntheitsgrad bis 100% Bekanntheitsgrad bei der gleichen Person. Wo letzteres schon ein Widerspruch ist, wenn die gleichen Medien behaupten, unter jungen Leuten hätte Merkel einen Bekanntheitsgrad von 66%. Diejenigen, die Lindener kennen, könnte man dann wohl namentlich aufzählen.

Dass man etwas weiß und zwar nicht nur, dass man mal was davon gehört hat, setzt ja voraus, dass es einen zu einem bestimmten Zeitpunkt mal interessiert hat oder als wichtig erachtet und es deshalb abgespeichert hat. Wichtig ist es, wenn es mich selbst berührt, auch wenn es mich vielleicht nicht interessiert. Es ist zum Beispiel wichtig zu wissen, dass man sich in der Badewanne nicht die Haare föhnt. Manche wissen es immer noch nicht, weshalb es Sicherungen gibt. Man darf nicht ohne Kennzeichen Auto fahren, weil es sonst Probleme gibt. Viele Dinge wissen die meisten nicht, weil sie einfach da sind und funktionieren, weshalb man sich nicht näher damit beschäftigen muss. Und das ist auch gut so, denn ich kann mich dann mit anderen und sinnvolleren Dingen beschäftigen und verhungere nicht, bloß, weil ich nicht weiß, wie man Kartoffeln richtig anbaut. Solange etwas meine Kreise nicht stört kann es mir im Grunde egal sein. Damit etwas nicht unvermittelt meine Kreise stört und mich nicht unvorbereitet trifft gibt es seit alters her Nachrichten. Erst als Boten und Kundschafter, dass zum Beispiel Strauchdiebe im Anmarsch sind oder eine Schweinepest, später als Bücher und heute zum Beispiel als Klaus Kleber, der mich über Dinge unterrichtet, die meine Kreise in Zukunft stören könnten. Und, weil eine Regierung einen wesentlichen Einfluss darauf hat, beschäftigen sich Nachrichten besonders mit der Politik. Schließlich würde es schon meine Kreise stören, wenn ich morgen enteignet würde. Wer nicht davon betroffen ist, und das dürften die meisten sein, kann auch da weiterzappen.

Geh´n wir an die Ränder, wo Dinge aus eigenem Antrieb wirklich wichtig sein dürfen, nicht, weil sie einfach geschehen – zum Beispiel man plötzlich einen Pflegefall in der Familie hat- oder, weil man seine Identität mehr oder weniger nur durch den Zuspruch anderer schafft. Dort ist es nicht nur wichtig, Lento von Adagio unterscheiden zu können, sondern im Klang des eigenen Instrumentes aufzugehen, weil man etwas Anrührendes mit eigenen Händen schafft, das man auf die möglichen Zuhörer überspringen lassen kann. Man tut es, weil es gut ist, weil es etwas ist, was in transzendente Sphären weist und nicht von dieser Welt zu sein scheint. So wie ein Wissenschaftler, der in einem kühlen, abweisenden Labor den Blick in einen Kosmos wirft, der, je genauer man schaut und versteht, dennoch fast von unbegreiflicher Fügung ist, als hätte dieser Ort darauf gewartet, diese Erkenntnis zum Wohle aller zu nutzen. An solchen Orten wird Bahnbrechendes für alle geschaffen. Ein Tweet von Anna-Lena Bearbock kommt in diesen Welten nicht vor. Und auch nicht dort, wo ein Handwerker eine elegante Lösung für ein Problem gefunden hat und auch nicht, wo eine Mutter ihrem Kind die Matheaufgabe so erklärt, dass es diese versteht. Darüber hinaus ist nur wichtig, was deren Kreise stört.

Zum Beispiel, wenn der Musiker plötzlich Haltung zeigen muss. Haben sie schon mal einen guten und erfolgreichen Musiker gehört, der sich dafür instrumentalisieren lässt? Können nicht viele sein. Zum Beispiel Wissenschaftler, die nicht mehr unverblümt ihre Erkenntnisse preisgeben dürfen, weil sie sich die Grundlage ihrer Arbeit entziehen würden oder den Handwerker, der nur noch ranklotzen soll, lieber Pfusch und dafür schnell, damit am Ende des Monats das Geld reicht. Oder die Mutter, die nach den Hausaufgaben eben nicht mehr mit dem Kind als Belohnung auf den Spielplatz gehen kann, weil er von Junkies und Dealern okkupiert wird. Das stört nämlich deren Kreis, so zu leben wie ihnen beliebt.

Das sind genau die, die irgendwann auch Lindner, Merkel, Nahles oder Bearbock kennen und alles, was die sonst den ganzen Tag von sich geben. Deshalb kreieren die auch mit der Gefahr für die Demokratie durch Rechtspopulisten, menschengemachten Klimawandel, Feinstaub und Vielem anderen immer Bedrohungen, die unsere Kreise erst recht stören würden, wenn es auch nur der Verlust unseres guten Gewissens ist. Allerdings erst in einer unbestimmten Zukunft. Wenn WIR das alles verhindern, dann kann man doch den vermüllten Spielplatz locker als Kollateralschaden hinnehmen, wenn WIR dann nicht verantwortlich sind, wenn in 1000 Jahren eine Südseeinsel im Meer versinkt oder gar ein Hurrikan über Deutschland zieht. Und sogar die süßen Eisbären würden alle nicht sterben. Da kann man schon mal hinnehmen, dass man ein Windrad in den Garten gestellt bekommt, nicht mehr mit dem Diesel in die Innenstadt kommt, um die Tochter zum Klavierunterricht zu bringen oder die Stromrechnung mal etwas höher ausfällt.

Stellen wir uns vor, nur drei von zehn der Wähler der Konsensparteien würde sich deshalb genauer informieren und feststellen, dass zum Beispiel laut DWD der Niederschlag in Deutschland seit 1881 um 11% zugenommen hat und auch es auch in Spanien und Frankreich nicht trockener wird und keine Südseeinsel im Meer versinkt, der würde diese Einschränkungen nicht hinnehmen, weil für ihn das Hier und Jetzt zählt und auch die Zukunft seiner Kinder. Wenn sich nur drei von zehn von jeder Blockpartei in eine neue Richtung verabschieden oder plötzlich überhaupt wählen würden, dann wäre eine solche Partei knapp an der absoluten Mehrheit.

Damit die Macht erhalten bleibt und auch die ganzen Trittbrettfahrer weiter schmarotzen können, reicht nicht mehr die einfache Propaganda. Das, was meine Kreise stört, muss Gesetz wären, am besten auf totalitäre Art ohne Zustimmung des Bürgers. Da reicht es nicht mehr, nur zu wissen, dass man ein Nummernschild braucht, sondern eine Ökoplakette oder am Ende das Öko-E-Auto, das mich in den finanziellen Ruin treibt oder in die Immobilität. Da reicht es nicht mehr unbedarft zu allen höflich zu sein, denn das falsche Pronomen an ein Fake-Geschlecht gerichtet, kann mich auch hinter Gitter bringen. Was heute die Nachrichten sind, wird zur Verkündigung werden, wenn gegen diese Welt verstoßen wurde. Nicht mehr die vermeintliche oder tatsächliche Bedrohung stört dann meine Kreise, sondern die Willkür eines Regimes, die diese in Gesetze gegossen hat. Es ist längst schon da und die wenigsten merken es. Bis vor wenigen Jahren reichte es, wenn die Parteien mit ihren Programmen einfach die ansprachen, die sich überhaupt dafür interessieren bzw. angesprochen fühlen, weil sie nicht aus Gewohnheit oder dem Vorbild ihrer Eltern wählen. Seit Merkel Bundeskanzlerin ist, ist es ohnehin egal, wen man von den Altparteien wählt, man bekommt von allen das Gleiche und die gleichen „Bedrohungen“ vorgesetzt. Im Grunde kämpfen die Parteien nur deshalb so erbittert um eigene Wählerstimmen, damit die Abgeordneten und Funktionäre ihre persönlichen Pfründen erhalten können. Darauf, dass nun die Folgen ihrer Politik bei immer mehr Menschen direkt an der Haustür ankommt, reagieren die Parteien entweder mit immer infantileren Wahlslogans oder mit solchem Blödsinn wie die Mitte-Studien, in denen man diese Leute einfach als Verschwörungsheoretiker oder Rechtsextreme abtut.

An wen richten sich eigentlich Lindners Eisbär oder die Phantasien über brauen Netzwerke? Sicher nicht an die, die auf das Wohlwollen durch den Staat oder einer Partei angewiesen sind, denn die wollen, dass für sie persönlich alles so bleibt. Lieber wählen die weiterhin rot-grün und deren Versagerpolitik und schicken ihre Kinder auf migrantenfreie Privatschulen.

Sie richten sich sicher auch nicht an die, deren Horizont nie über das Dschungelcamp hinausreicht und die den Namen Lindner oder Habeck erst dann kennen, wenn sie dort auftreten.

Es sind Nachrichten aus der Parallelwelt, die nicht mitbekommen hat, dass sie mit der Realität nicht mehr in Einklang zu bringen ist. Die haben das Glück, dass die meisten Wähler das ignorieren, nicht verstehen oder gar nicht wissen, was Merkel, Nahles oder Habeck mit ihrem Leben zu tun haben sollten.

Lisa und Lena haben 14 Millionen Follower, Heiko Maas 51 000. Fans protestieren gegen die Montagsspiele der Fußball-Bundesliga. Zum Verkaufsstart des neuen i-Phones kampiert eine Menschentraube vor einem Apple-Store.

Auf manche Dinge kann ich mir echt keinen Reim mehr machen.

 

 

3 Gedanken zu “Worauf es keinen Reim gibt.

  1. Im Rückspiegel sieht man auch seine eigene Ignoranz. Ich dachte mein ganzes Leben, ich sei politisch interessiert. Aber erst seit 2015 ist mir aufgefallen, dass da Dinge im Gange sein müssen, die schon länger gären. Andere sind noch ignoranter.

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