Die fromme Helene und ihre CO2-Bilanz.

Jetzt weiß ich endlich wie sich eine Klimasünderin fühlt. Ja, blöd, wenn man Teil der Klimakirche ist, aber wie bei den Amtskirchen reichte es vollkommen einfach auszutreten, um kein schlechtes Gewissen zu haben. Die Helena hat aber ohnehin nach zwei Tagen nachdenken herausgefunden, dass sich andere viel mehr schuldig fühlen müssen. Am Anfang des Artikels ist sie noch ziemlich geknickt.

Allein, dass ich als Mensch in einer westlichen Industrienation existiere, schadet dem Klima.

Hast Du eigentlich Deine Eltern schon mal dafür zu Rede gestellt, warum sie Dich nicht abgetrieben haben, schließlich hätten sie da schon vor Deiner Geburt für Deine perfekte CO2-Bilanz sorgen können? Das als Erwachsener nachzuholen ist auch nicht jedermanns Sache. Du hättest aber auch eine Deiner vier Flugreisen dazu nutzen können, für immer nach Somalia oder Nigeria zu gehen, denn da würde sich Deine CO2-Bilanz weitgehend aufs Atmen beschränken. Aber, weil Du schon mal da bist… Du lebst fast vegan, fährst nie Auto und lebst in einer winzigen Neubauwohnung und kommst wegen Deiner Flugreisen trotzdem über den Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Da kannst Du Dir vorstellen wie weit die vielfiegenden, grünen Öko-Dödel, die Du höchstwahrscheinlich wählst, noch über Dir liegen. Aber auch die Rentnerin in ihrer heruntergekommenen Altbauwohnung mit ihrem Holzofen dürfte noch schlechter dastehen wie Du, denn die muss ordentlich nachlegen, damit wegen der zugigen Fenster die Temperatur unterhalb Kniehöhe nicht unter 5° fällt. Dass sie dabei meist die Obstkisten und Pallettenreste vom nahen Supermarkt verheizt, macht sie sogar noch zu einen der Spitzenreiter beim Feinstaub. Also kein schlechtes Gewissen haben. Auch nicht, dass Du bei Deinen Flugreisen kein zusätzliches Geld zum Kauf von Kohlensoffzertifikaten ausgeben wolltest, weil nach Deinen Worten die damit geförderten Projekte erst in der Zukunft wirken. Nein es ist wirklich nicht nötig in die al-Gore-Gelddruckmaschine zu investieren und dessen persönliche Bereicherung und die seiner Mitstreiter zu fördern.

Ich bezahle nicht, sondern lege mich erst mal schlafen.

Alles richtig gemacht! Trotzdem hattest Du am nächsten Tag immer noch ein schlechtes Gewissen, weshalb Du im Internet nach Zahlen gesucht hast, um Deinen CO2-Ausstoß ins Verhältnis zu setzen. Und Du hast dann auch gleich die Schuldigen gefunden: Es sind die Energiewirtschaft, die Industrie und der Verkehr, besonders RWE mit ihren Kohlekraftwerken. Die betreiben auch Atomkraftwerke, aber von denen willst Du Deine Bilanz nicht schönen lassen.

RWE versorgt immerhin deutschlandweit Menschen mit Strom. Trotzdem bleibt die einfache Tatsache: Mein persönlicher Einfluss auf den Klimawandel ist verschwindend gering.

„Immerhin“, hast Du festgestellt. Ja immerhin gehörst Du auch zu denen und die von RWE waren so nett, dass Du für Deine Internetsuche nicht auf guten Wind warten musstest. Die CO2-Bilanz von Windkraftanlagen ist allerdings auch nicht null und sie brauchen auch noch ein Netz mit mindestens 45% Grundlast, damit sie überhaupt einspeisen können, sodass es günstig wäre, wenn jeder auf seinen verschwindend geringen Anteil an Strom, den er verbraucht, verzichten würde. Dann bräuchte es nach der grünen Milchmädchenrechnung auch keine Kohlekraftwerke. Auch die Industrie ist am CO2-Ausstoß viel stärker beteiligt als sie selbst, meint die fromme Helene:

Unternehmen profitieren von dieser Lüge, weil sie weiterhin ungestraft Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre pusten können, während die Kunden im Supermarkt damit beschäftigt sind, sich zu fragen, ob sie eigentlich noch Wattepads benutzen dürfen.

Ja, Helene, wenn die Unternehmen einen niedrigeren Ausstoß zwangsverordnet bekommen, dann würden sie sich wahrscheinlich nur mehr auf die lebenswichtigen Dinge konzentrieren. Da würde sich die Frage, welche Wattepads Du kaufen sollst gar nicht mehr stellen. Und dann lässt sich die fromme Helene erst richtig aus über das Umweltbundesamt, die Politik und die Unternehmen, weil sie ihr immerzu ein schlechtes Gewissen machen.

Der Klimarechner ist nicht der Einzige, der zu meiner Läuterung vom Klimasünder beitragen will. Nachhaltige Bambus-Zahnbürsten und Turnschuhe aus Meeresplastik. Stoffbeutel statt Plastiktüten. Ständig appellieren Unternehmen an mein schlechtes Gewissen.

Das ist jetzt ein bisschen ungerecht gegenüber den Unternehmen, weil die können nichts dafür, dass im Parlament weitgehend lauter öko-sozialistische Volltrottel sitzen. Nachdem die Bevölkerung deren Klimaesoterik aber weitgehend glaubt und diese sogar ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie keinen Ablass leistet, haben die Unternehmen gemerkt, dass man mit Vollhonks das beste Geschäft machen kann. Die haben so den Kundenkreis von Gebrauchtwagenverkäufern und Versicherungsvertretern gleich übernommen und das schlechte Gewissen als Geschäftsmodell wiederbelebt. Früher war es der Waschmittelwerbung vorbehalten, der Hausfrau wegen verbliebenem Kragenspeck gegenüber dem Ehemann ein schlechtes Gewissen zu machen; inzwischen kann er froh sein, wenn er nicht selber waschen muss. Kein Unternehmen zwingt Euch Bambus-Zahnbürsten oder Stoffbeutel zu kaufen. Ihr macht das im Moment freiwillig, aber es könnte trotzdem den Übergang erleichtern, wenn alles andere von der Politik verboten wird.

Mein persönlicher Einfluss auf den Klimawandel ist verschwindend gering.

Ja, meine fromme Helene. Dass Du das jetzt feststellst, liegt daran, weil Du unter dem Schwall an Schuldzuweisungen an andere glatt Dein schlechtes Gewissen vergessen hast:

Die Energiewende geschieht nicht radikal genug, noch immer sind wir viel zu sehr von Kohle abhängig. Unternehmen und Landwirtschaft, die der Umwelt schaden, werden gefördert. All das hat die Regierung zu verantworten.

Aber anstatt diejenigen zu kritisieren, die etwas ändern können, anstatt Druck auf staatliche Stellen auszuüben oder Unternehmen auf ihre Doppelmoral aufmerksam zu machen, sitze ich zuhause und schäme mich für meinen Urlaub.

Ich weiß, dass Klimaschutz nur funktioniert, wenn alle mitmachen. Ich bin durchaus bereit, zu verzichten.

Doch allen Bürgern ein CO2-Zeugnis auszustellen und sie zu kleineren Wohnungen zu überreden, verschiebt die Klimarettung ins Private, entpolitisiert sie. Dabei ist sie die drängendste politische Frage, die wir haben.

Da muss ich mal tief Luft holen, um das für Dich aufzudröseln. Am wenigsten haben Energieversorger, Unternehmen und die Landwirtschaft in Deutschland dem Klima gleich nach dem Krieg geschadet. Die Menschen haben trotzdem gelebt; das sah aber dann so aus.

Die Regierung hat Deiner Meinung nach versagt und verschiebt die Klimarettung ins Private und Du meinst, die Klimapolitik müsste von ihr radikaler betrieben werden. Also, fromme Helene, dass dir von Politikern, so genannten Experten und Medienfuzzis ein schlechtes Gewissen gemacht wird, liegt nur daran, dass es nicht zu überraschend kommen soll, wenn die derzeitige ohnehin schon radikale Klimapolitik eben nicht im irgendwo bleibt, sondern bei Dir logischerweise im Privaten anklopft. Sie ist deshalb auch alles andere als entpolitisiert, sie sorgt eher dafür, dass die Auswirkungen ihrer Politik bei wirklich jedem ankommt; auch bei denen, die kein schlechtes Gewissen haben. Heute gibt es schon einen Tag, wo die ganze Welt für den Klimaschutz eine Stunde das Licht abschaltet. Das ist nur zum Üben. Denn irgendwann schaltet man nicht mehr wie jetzt schon Unternehmen den Strom ab, wenn ihn das Netz nicht hergibt, sondern auch bei Dir zu Hause.

Wenn man erst mal alle sinnvollen Kraftwerke abgeschaltet hat, dann braucht man auch keinem Unternehmen mehr Doppelmoral vorwerfen, denn deutsche Unternehmen sind dann längst abgewandert. Dann gibt´s auch keine Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung für Deine Neubauwohnung mehr und mit Deiner öko-Heizspirale wird´s dann nur warm, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Dummerweise ist da ausgerechnet der Januar nicht der günstigste Monat. Bei der dann horrenden Stromrechnung wirst Du Dir dann trotzdem noch mit der Bambus-Zahnbürste die Zähne putzen, allerdings wirst Du ihn in den Berliner Parks selber brechen. Gibt aber sicher auch ausländische Unternehmen, die davon ausgehen, dass noch genügend deutsche Vollhonks in stromlosen, kalten Neubauwohnungen sitzen und immer noch wegen ihrer persönlichen CO2-Bilanz aufgrund der falschen Zahnbürste ein schlechtes Gewissen haben.

Übrigens, niemand kritisiert Dich, wie Du behauptest. Du lässt Dich kritisieren. Schließlich geht dem Moslem eine Kritik des Papstes auch am Arsch vorbei.

Ich weiß, dass Klimaschutz nur funktioniert, wenn alle mitmachen. Ich bin durchaus bereit, zu verzichten.

Nach einem Satz mit „durchaus“ folgt meist ein „aber“. Dabei bedeutet das Wort laut Definition „unter allen Umständen“. Aber es gehört ja zum Usus von Leuten, die das reine Öko-Gewissen brauchen, dass erst mal die anderen machen müssen, bevor man für das angeblich drängendste Problem einen persönlichen Beitrag leistet, der wirklich schmerzen würde. Sozialisten, auch die grünen, meinen immer, sie könnten dem Kapitalismus ihr ökosozialistisches Paradies einfach überstülpen und alle Errungenschaften des Kapitalismus würden trotzdem einfach so dableiben. Deshalb sieht das Ergebnis auch anders aus als von ihnen erträumt.

Wenn Du eine noch radikalere Klimapolitik forderst, dann wird sich nämlich Deine CO2-Bilanz ganz von selbst verbessern. Denn die ganzen unnützen Stromfresser wie Laptop, Waschmaschine oder Theromix sind im Sozialismus, auch im grünen, Mangelware. Und Flugreisen und private Autofahrten machen dann auch nur noch die Mitglieder des Politbüros. Auch eines grünen. Könnte etwas öde werden in diesem nachhaltigen CO2-freien Paradies.

Aber Du kannst ja einmal im Jahr auf die Öko-Parade des grünen Politbüros gehen, wo ihr dann gemeinsam feiert, dass der 5-Jahres-Plan zur Verbesserung der CO2-Bilanz wieder übererfüllt wurde.

 

Ein Gedanke zu “Die fromme Helene und ihre CO2-Bilanz.

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