Treffen zwischen zwei Europäern.

Heute habe ich meine Biergartensaison eröffnet, wegen des Klimawandels musste man wegen der Kälte allerdings drinnen sitzen. Immer nett, weil die eine tschechische Bedienung haben, weil man eben erfährt wie die Leute von außen Deutschland sehen. Da ich seit einem dreiviertel Jahr selbst tschechisch lerne, mich zumindest unterhalten kann und tschechische Boulevardzeitungen verstehe, hat man da einfach einen anderen Zugang.

Da ist man auch schnell beim Verhältnis zwischen beiden Ländern. Man war sich natürlich einig, dass sich die Bewohner der tschechisch-bayerischen Grenzgebiete näher sind, als der Waidler mit den Franken oder gar Holsteinern. Als ich ihn fragte, wie lange er brauchte Deutsch zu lernen, wusste er keine Antwort, denn die sind einfach hereingewachsen über den Kontakt, die Arbeit oder auch den Schüleraustausch. Ob sie Intergrationskurse brauchten, um hier zu arbeiten, habe ich nicht gefragt. Er beschwerte sich nur, dass man hier hinter jedem Hauseck einen anderen Dialekt spricht. Er selbst kennt aber auch Leute aus Tschechien, die seit 20 Jahren hier arbeiten, aber außer „bitte“ und „danke“ nichts können. Das ist aber eher die Ausnahme, meint er, und bis 100 km hinter der Grenze, trifft man eigentlich in den von Deutschen besuchten Orten oder Restaurants immer jemanden der deutsch spricht. Vor mehr als zwei Jahre versuchte bei mir mal ein Sozpäd einzuhaken, welche Aversionen wir hier gegen die Tschechen haben. Da hörte ich zum ersten Mal, dass es sowas gibt. Es sind eher ältere Leute, die mit den Nazis auch nichts am Hut hatten und unter Diktatur und Krieg litten und sahen, dass diejenigen, die sich in den besetzen Gebieten bereichert hatten, nach ihrer Flucht entschädigt wurden, wie mir der Schwiegervater erzählte. Das waren die ersten die im Ort nach dem Krieg ein neues Haus hinstellten. Manch andere hat gebrogelt (weiß ich keine Übersetzung, aber das Wort klingt so, wie es gemeint ist), dass „Fremde“ kommen, das war aber eher ein Wischer, obwohl es einzelne gab, die lange Vorurteile hatten. Das waren und sind aber die, die sich ohnehin für etwas Besseres halten.

Er sagte mir von sich aus, dass er weiß, dass in den Zeitungen nicht das geschrieben wird, was in Deutschland wirklich los ist. Er sagte auch, dass bestimmte Meldungen von tschechischen Journalisten zurückfließen, was deutsche Medien gar nicht bringen. Er hält Merkel auch für gefährlich und meint, dass der jetzige Zustand nichts mit Demokratie zu tun hätte. Als ich fragte, ob bei ihnen auch vorzensiert würde, stellte sich für ihn gar nicht die Frage: Jeder kann schreiben, was er will. Weil ich natürlich nach gut Glück tschechische Zeitungen gesucht habe und dort über Deutschland einfach Artikel der Süddeutschen Zeitung zitiert werden, gab er mir zwei andere Vorschläge. Nämlich https://g.cz und https://www.idnes.cz, und auch für die, die jetzt kein Wort Tschechisch verstehen, lohnt es sich womöglich mal einen Abschnitt in den Google-Übersetzer zu geben. Ich habe die Seiten selbst aber noch nicht angesehen, werd´ ich aber heute noch tun.

In Tschechien ist man übrigens sehr dankbar, wenn man als Deutscher versucht, in deren Landessprache durchzukommen. Ich selbst muss sagen, dass ich kein Problem habe Artikel in englischer Sprache zu lesen oder nur durch´s Überfliegen den Sinn erfasse. Ist nicht unwichtig. Im Tschechischen sah ich bis vor kurzen kein Ende: Mit einem größeren Wortschatz als im Englisch, kann ich gerade mal eine Boulevardzeitung verstehen, doch man sollte Ausdauer haben. Irgendwann hat man dann auch die Wortstämme parat, sodass man die Wörter ableiten kann. Mit Latein als Grundlage kommt im Westen überall weiter, dort ist man mit einem einzigen unbekannten Wort schon aufgeschmissen.

Er meinte, dass er jemanden vom Arbeitsamt näher kennengelernt hätte, der meinte, man müsse einfach den Mund halten, welche Probleme es mit den Migranten gäbe. Für den ist natürlich die EU auch nur ein Politbüro und sagte, dass die Mark damals in Tschechien wirklich was wert war. Aber der Euro- er machte eine Bewegung mit der Hand- ist einfach nichts. Manche Dinge sind inzwischen in Tschechien teurer als hier in der Region; dass er hier arbeitet ist dann auch der Nachfrage geschuldet.

Wenn ich in dem Biergarten bin und das erlebe, dann muss man einfach sehen, dass eben nicht Landesgrenzen, sondern die Kultur ein Problem ist. Ich habe vor zwei Tagen einen Bericht im Fernsehen gesehen mit einem „Orientalen“ (fällt kein besseres Wort ein), der geht auch auf die bayerischen Feste und so und will sie verstehen und sich dort integrieren. Vom ganzen Habitus, seiner ganzen Art fällt gar nicht auf, dass der eben nicht so aussieht wie wir. Der passt einfach dazu.  Das ist mir schon bei ganz schwarzen passiert: Der ist wie von hier und sieht zufällig anders aus. Ich kenne auch gebürtige Sachsen, die sind mir näher als alle Franken oder Münchner, die ich kenne.

Die ganze linke Betüddelung ist zum einen rassistisch, zum anderen wollen die gar nicht, dass die einfach im einfachen Volk untergehen, weil nur an den Unterschieden können sie Geld verdienen und uns pauschal als Nazi bezeichnen.

Integration geht, wenn es um Nuancen in der Mentalität geht und nicht, wenn man gleich ein ganzes religiöses und kulturelles Modell in ein völlig fremdes pflanzt. Das gilt für beide Seiten.

Wenn ich so einen Abend hatte und die Dummschwätzer von der Amadeo-Stiftung höre, die die Deutschen durchweg für eine „Rasse“ halten, die man erst erziehen müsse, dann könnte ich kotzen. Lehrern und Verwaltungsbeamten nahe zu legen Arabisch zu lernen, ist fast schon ein Affront gegen deren Identität, denn die fragen zurecht, wer hier eigentlich von wem etwas will.

Schön zu sehen, wenn schon eine einfache Bedienung Deutschland nicht für das beste aller Zeiten hält, sondern zustimmt, dass das eher Richtung Sozialismus geht.

Mit dem persönlichen Kontakt, kommt einem wieder das Gefasel in den Sinn, wenn sich unsere Politiker über unser Ansehen im Ausland Gedanken machen. Da freut man sich, wenn der Normalbürger nicht auf deren Hetze gegen Polen, Tschechien oder Ungarn hereinfällt. Unsere Führung mag von der Gefahr für Europa durch den „Rechtspopulismus“ labern, doch es ist nicht sicher, ob das Europa, das sie vertreten noch eine Mehrheit hat. Sie sollten sich von Wahlen nicht täuschen lassen. Der wahre Europäer ist nicht der Befürworter des EU-Politbüros, sondern der Europäer, der seinen unmittelbaren Nachbarn zu schätzen weiß und den gemeinsamen Feind erkennt. Wenigstens ein paar Worte in dessen Sprache zu kennen, ist ein guter Anfang, das zu zeigen.

Auch wenn Deutsche und Tschechen eine grundverschiedene Sprache haben, so gibt es doch Wörter, an denen man allein an der Sprachmelodie erkennt, wie ähnlich unsere „Denke“ ist. Meine drei liebsten Wörter bzw. Ausdrücke sind deshalb:

od dešniho dne = seit heute

následujicí = nachfolgend

samozřemĕ = selbstverständlich

Was hätten die anderes bedeuten sollen? Ich denke, heute haben sich zwei Europäer getroffen.

(š wie sch, ĕ wie je, á wie langes a und ř wie r und sch gleichzeitig, c wie z, z wie s, mit Betonung auf der ersten Silbe)

Ein Gedanke zu “Treffen zwischen zwei Europäern.

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