Vermüllen im Kollektiv.

Wenn sich linke oder feministische Gruppen zusammentun, dann ist es erst mal ganz wichtig, dass es keine Hierarchien gibt. Es geschieht immer mit dem Argument, dass keiner übergangen werden soll, aber es endet entweder darin, dass man gar nicht bis zur eigentlichen Arbeit vordringt oder es Unmut gibt, wenn trotzdem jemand das Zepter übernimmt. Dabei geht es nicht darum, dass man den- oder diejenige wieder ins Kollektiv herunterholt, sondern, dass es den anderen darum geht, ebenfalls auf der höheren Stufe wahrgenommen zu werden. Wenn aber etwas funktionieren soll, dann kann es nicht nur Häuptlinge, sondern muss es auch Indianer geben. Jedes Vereinsfest funktioniert nur deshalb, dass Arbeiten, auch die unangenehmen, verteilt werden. Da aber alle an einem Strang ziehen, versucht man natürlich den anderen Gruppen ihre Arbeit nicht unnötig zu erschweren. Keiner der Vereinsmittglieder würde seinen eigenen Müll in der Gegend herumwerfen, nur, weil er zufällig nicht zum Aufräumen eingeteilt ist. Bis vor 30 Jahren lief es sogar in unserem Land auf diese Weise. Niemand trat als Besserwisser auf, schon gar nicht als Jugendlicher, verhielt sich rücksichtslos oder warf seinen Müll einfach in der Gegend rum, nur, weil man zufällig kein Müllwerker oder Straßenreiniger war. Bei den Linken, die das Kollektiv hochleben lassen, müsste das sogar noch besser funktionieren. Doch im Grunde ist das Gegenteil der Fall. Je linker und bunter sich eine Stadt gibt, desto vermüllter ist sie. Das gilt vor allem für die rein linken Refugien. Man sehe sich nur das Areal in der Köpenicker Straße in Berlin an oder Gebäude in Neukölln. Ich bin da mal an einer Kita vorbeigegangen. Das sah von außen eher aus wie ein Autonomenzentrum, so beschmiert war die. Oft reicht es, wenn Linke nur für kurze Zeit Häuser oder Räume besetzen, um Einblick in ihre Lebensweise zu bekommen. Man denke an die Besetzung der Berliner Humboldt Uni, wegen der Entlassung von Andrej Holm, wegen seines Eintritts in die Stasi in der ehemaligen DDR. In wenigen Wochen verursachten sie einen Schaden von 31000.-€. Kein Wunder, dass viele auch den Berichten und Bildern über Müll, den Fridays-for-future angeblich auf ihren Demos hinterließen, glaubten. Dass die Fake-Bilder nicht von einem Umzug von Blasmusikern stammten, sondern von einer Street-Parade von 2011 in Zürich, macht es nicht besser. Das Motto war LOVE, FREEDOM, TOLERANCE & RESPECT und hinterher sah es laut tagesanzeiger so aus. Ich glaube aber nicht, dass die Demoteilnehmer von Fridays-for-Future auf diesem Video ab 0:40 min am Ende noch in der Lage waren ihren Müll wegzuräumen. Linke scheinen in dieser Hinsicht ein weitweites Kollektiv zu bilden.

Vielleicht war es dem Zeitgeist geschuldet, dass man in Prag, das unter dem Kommunismus zu leiden hatte, einer linksautonomen Gruppe ein besetztes Gebäude hinterließ. Man glaubte einfach den Aktivisten 2014, was sie hier alles ausdrücklich ohne staatliche Hilfe auf die Beine stellen wollten. Es handelt sich um das Autonomní sociální centrum Klinika, das einen Teil einer ehemaligen Lungenklinik besetzten, in dem zeitweise Obdachlose nächtigten.

In der Klinik sollte ein Café, ein vegetarischer Speisesaal aus dem Gemeinschaftsgarten, eine Bibliothek, ein Lesesaal und eine Gemeinschaftswerkstatt entstehen.

In der Selbstbeschreibung heißt es:

Treffpunkt emanzipatorischer sozialer Bewegungen, Nachbarn und unabhängiger Kultur ist. Nachdem sie zum Zentrum der Fluchthilfe geworden waren, wurden die Neonazis auch von rechten Politikern angegriffen.

Nachdem inzwischen doch staatliche Hilfe zur Instandsetzung an die Gruppe geflossen war, kam am Ende nach mehreren Anläufen die Räumung, weil sich die Anwohner über Lärm und Dreck beschwert hatten. Nachdem sich so ein Zentrum mit den Aktivisten in Berlin nur wenig vom Stadtbild und dem dahinterstehenden Senat unterscheidet, wird dort natürlich nicht geräumt bzw. werden die vorgefundenen Zustände nicht an die große Glocke gehängt. Anders in Tschechien. Hier berichtet man ausführlich mit einer ganzen Fotostrecke. Schön die Überschrift, würden man einer Berliner Zeitung in Deutsch wohl nicht finden:

Wo Musen mit Schimmel an den Füßen kommen und gehen: Aktivisten der Clinic for All Culture haben vergessen aufzuräumen.

Der Artikel spricht von „einzigartigen“ Bildern und, dass die Aktivisten vor Gericht behaupteten, sie hätten das Gebäude so übernommen, weil dort auch Obdachlose lebten. Das Gericht wies das zurück:

Sie werden nicht einmal so viel an Bordell, Dreck, zerbrochene Sachen und Müllhaufen auf einer öffentlichen Müllkippe finden. Die Behauptungen von Aktivisten aus der Klinik, sie hätten das ehemalige Gebäude der ehemaligen Lungenklinik in einem prunkvollen (!) Zustand gehalten, verloren an Gewicht, weil sie [normalerweise] nicht im Kuhstall leben.

Die Autoren sehen darin eher eine Beleidigung der Obdachlosen:

Beim Betrachten des veröffentlichten Filmmaterials steigt der Magen, denn unter diesen Umständen würde vielleicht sogar ein Junkie Katka, der seit vielen Jahren auf der Straße ist, nicht leben. Einige Leute stellten sich die Klinik ursprünglich als eine künstlerische Kniebeuge vor, die kultiviert, repariert und in einen viel offensichtlicheren Zustand versetzt wurde als zuvor. Das Gegenteil ist der Fall. Ein paar Videos und Fotos sagen mehr als tausend Worte.

Den Schreibern ist etwa aufgefallen, was bei den linken und autonomen Vereinen Standard ist:Das autonome Sozialzentrum der Klinik präsentierte sich zwar durch die Organisation zahlreicher kultureller und pädagogischer Veranstaltungen, aber nirgendwo wissen wir, für wen und auf welcher Ebene diese Veranstaltungen stattfanden.  Bei dem ganzen Projektkäse, der für Flüchtlinge oder im Kampf gegen Rechts angeboten wird, fragt man sich auch immer, wer dort hingeht und wer auch noch dafür bezahlt. Nun lebt aber das Autonomní sociální centrum Klinika nicht von tschechischen Fördergeldern und sieht seit längere Zeit nicht so aus, als könnte man damit Geld verdienen. Wie gesagt sind sie ja in der Fluchthilfe tätig und haben nach eigener Aussage Verbindungen zu linken Gruppen in Berlin, die auch die Enteignungs-Demo gegen die privaten Wohnungsbaugesellschaften organisiert haben. Bei den Millionen, mit denen man in Deutschland linksextremistische Gruppen fördert, dürfte für die auch noch was übriggeblieben sein. Die Aktionsgruppe leipzig-für-alle residiert in der Demmringerstraße 32 und verlinkt auf ihrer Seite auf eine „Erlärung des Kollektivs“ besagter  Prager Gruppe. An dieser Adresse sitzt auch die LINKE mit dem offenen Projekte- und Abgeordnetenbüro INTERIM (es) ist das gemeinsame Bürgerbüro des Landtagsabgeordneten Marco Böhme, der Bundestagsabgeordneten Susanna Karawanskij und Dr. Axel Troost sowie dem Mitglied des Europäischen Parlaments Dr. Cornelia Ernst. Dort gibt es auch einen Drogen-Infoladen. Würde mich wundern, wenn das Fördergeld- und Drogenkollektiv in diesem Haus die Prager Kollegen all die Jahre im Stich gelassen hätte.

Die Autoren zeigen im letzten Teil, dass sie davon ausgehen, dass die Aktivisten auch einen Sprung in der Schüssel haben sollten:

Es wird gesagt, dass Reinheit die Hälfte der Gesundheit ist. Und da die Klinikleute im Dreck lebten, müssen wir sagen, dass sie wegen der veröffentlichten Aufnahmen nicht so gesund sind. Dies beweist auch ihr Verhalten.

Fast wie Ironie klingt es, dass die auch einen Wasch-Workshop angeboten haben. Bei uns werden solche Verhältnisse weitgehend unter Decke gehalten und gar nicht danach gefragt, ob für die ganzen Projekte überhaupt Nachfrage besteht. Umso schlimmer, wenn sie noch staatlich gefördert sind. Auch die Gewalt, die von solchen Gruppen ausgeht, wird völlig ignoriert. Wenn mir selbst ein Polizist erzählt hat, dass er schon in ganz Deutschland auf Demos eingesetzt war, und viele von den ANTIFA-Mitgliedern auf jeder Demo wiedersieht, dann dürfte das auch dem Verfassungsschutz nicht entgangen sein und mal fragen, wovon die eigentlich leben, wenn mehrmals im Monat eine Deutschlandreise unternehmen können. Vielleicht genügt auch ein Blick in die Liste der Verteilung von Fördergeldern. Ein Gerichtsvollzieher bei uns dürfte auch nie solche Bilder freigeben, denn schließlich geht es hier um Persönlichkeitsrechte. Dabei zeigt es nur, dass sich die, die sich als Teil des Kollektivs sehen, denken, am Ende wird das „Kollektiv“ den Dreck schon wegräumen.

Im Gegensatz zu den Deutschen, dürften die Tschechen aber gewarnt sein, wenn wieder Mal linke Aktivisten großmäulig ankündigen, welche tollen Projekte sie starten wollten. Denn, dass Großmäuler etwas ankündigen und am Ende nur Müll herauskommt, kennen die Tschechen noch aus der kommunistischen Zeit.

Berlin zeigt, dass es im Gegensatz dazu darin die Zukunft sieht.

 

5 Gedanken zu “Vermüllen im Kollektiv.

  1. Zu der Zeit, als die Linksalternativen in Hamburg die Rote Flora und die unzähligen Berliner Stellen „besetzt“ haben, ist das übrigens auch in München passiert. Das war aber halt gerade Franz-Josef Strauss erste Amtszeit, sodass die Aktivisten ihren fast 36-stündigen Erfolg acht Jahre lang in Stadelheim feiern durften.

    Wundert mich, dass die Tschechen so einen Mist länger mitmachen.

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