Die Rückkehr der Schreibtischtäter.

Wenn man unser Land beschreibt, dann pauschalisiert man es ja grob in die Gruppe, die politisch eh nichts interessiert, die Haltung-Zeiger, angefangen von der gewalttätigen ANTIFA bis über die bürgerliche Mitte hinaus, wo man einfach konform mitläuft, um nirgends anzuecken. Auch „Einzelfälle“ und persönliche Erlebnisse oder Kenntnisse lassen sie nicht daran zweifeln, dass sie von den Medien wahrheitsgetreu unterrichtet werden. Und am Ende die rechtspopulistischen, sozial und intellektuell Abgehängten. Es wundert mich immer wieder, dass die Deutschen weitgehend ohne großes Murren, was ihnen von der Regierung vorgesetzt wird, schlucken. Vielleicht, weil man es ihnen immer entweder als notwendige Maßnahme gegen die Selbstverbrennung verkauft, als humanistischen Akt oder Akt der Gerechtigkeit. Wer könnte da schon dagegen sein? Nicht mal gegen die Vorschläge Kühnerts zur Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften oder die Verstaatlichung von BMW gab es einen größeren Aufschrei und der Block aus rot-rot-grün, der das befürwortet, hat bei der Sonntagsfrage lediglich einen Prozentpunkt eingebüßt. Man ist echt ratlos, weil man sich keinen Reim darauf machen kann, wie die Leute ticken. Nun habe ich in den letzten beiden Tagen einige Videos und Berichte gesehen, die wenigstens ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.

In einem Video fragte man vorwiegend ältere Leute, ob sie die Flüchtlingskrise überwunden sehen oder, ob die Probleme weiterbestehen würden. Alle waren der Meinung, dass das momentan schon ein großes Problem ist und es uns noch Jahre beschäftigen wird. Keiner sagte etwas in der Richtung, dass man eben mehr Maßnahmen zur Integration durchführen müsste oder ähnliches. Die machten eher den Eindruck, als müsste man versuchen den größten Schaden abzuwenden; dass man aus dieser Richtung eine Bereicherung erwartete, damit scheint keiner von den Befragten zu rechnen. In dem Interview ist mir etwas aufgefallen, was ich auch selbst festgestellt habe: Wenn man unverblümt und direkt eine von vorne herein politisch inkorrekte Frage stellt, dann ist das heute schon ein Zeichen für die Befragten, dass man offen sprechen darf. Denn jemand mit „Haltung“ würde keine solche Frage stellen. Das heißt für mich, dass es zwar genügend Kritiker an der heutigen Politik gibt, aber sie lassen sich nicht mobilisieren, weil sie von sich aus nicht outen und nicht ihr Gesicht verlieren wollen. Wer lässt sich schon gerne in die rechte Ecke stellen; könnte ja beruflich auch Nachteile geben.

Aus der Fraktion der Guten gehören für mich die über 50-jährigen entweder zu den Kadern, Opportunisten oder zu den naiven Gesinnungsethikern wie in den Helferkreisen, die sich daraus persönliche Vorteile oder ein Wohlgefühl versprechen auf der richtigen Seite zu stehen. Die würden sich für dieses Ergebnis auch für alles andere hergeben, wenn es die Regierung und die Medien für gut erachten.

Interessanter sind die Jugendlichen und die bis 30-jährigen. Bei Fridays-for-Future lässt sich nicht sagen, wie viele sind Kader, Opportunisten, Mitläufer oder reine Schulschwänzer. Allerdings gibt es einen Fall, aus dem man doch etwas herauslesen kann: Ein 19-jähriger Schüler ist für das Klima in den Hungerstreik getreten.

Seit Montagabend hat der Däne Mikkel Brix nichts mehr zu sich genommen. Der 19-Jährige will bis zur dänischen Parlamentswahl am 5. Juni keine feste Nahrung zu sich nehmen.(hier)

Aber auch die Risiken sind ihm bewusst. Sollte er krank werden und im Krankenhaus landen, werde er die Aktion abbrechen, versichert der 19-Jährige. „Ich muss vorsichtig sein. Ein toter Aktivist ist kein guter Aktivist.“ Anderen rät er vom Nachahmen ab. „Ich empfehle niemandem, in einen solchen Hungerstreik zu treten. Das ist eine gefährliche Sache.“ (hier)

Manche Berichte unterschlagen, dass er nur auf feste Nahrung verzichten will, so bekommt die zweite Quelle von der SZ natürlich den besonderen Spin. Was geht in so einem Kopf vor? Sein Dunsegesicht zeigt mir, dass da bisher kein Mangel an Nahrung geherrscht hatte und inszeniert sich so, als würde er sich in weiß Gott welche Gefahr begeben. Die Medien hätten das wohl auch gehypt, wenn er angekündigt hätte, einmal in der Woche auf eine warme Mahlzeit zu verzichten. Da muss sich eine Nachkriegsgeneration reichlich verarscht vorkommen, bei denen kam noch Kälte, Zugluft und Ungeziefer dazu. Der sollte mal so diszipliniert und enthaltsam leben wie Skispringer und Marathonläufer, wenn die Gewicht machen und gleichzeitig noch ihr Programm abspulen. Hier glaubt einer, er würde eine besondere Leistung erbringen, wenn er mal kurz die Wohlfühlzone verlässt. Hier will einer mit einer Minimalleistung mal seinem langweiligen Leben entkommen, indem er mal für ein paar Tage im Rampenlicht steht. Jeder No-Name bei einer Gelbwestendemo gegen Macrons Politik oder gegen das Dieselverbot nimmt für diesen Protest auch in Kauf denunziert, angefeindet oder sogar verletzt zu werden, um dann in den Medien mit gewalttätigen Aufwieglern in eine Tonne getreten zu werden. Wenn ihm das Thema so wichtig ist, warum informiert er sich nicht so, wie einer, dem wirklich an der Sache gelegen ist, und geilt sich durch Alarmmeldungen nicht soweit auf, dass er meint er müsse jetzt ein Greter werden?

Deshalb hüpfen auch alle so bescheuert gegen die Kohle, denn bei sowas kommt man eher ins Fernsehen, als wenn man nur blöd rumsteht. Am Ende meinen sie, sie hätten toll fürs Klima gekämpft, wenn man dann Leuten, die sie nicht kennen, eine CO2-Steuer oder eine noch höhere EEG-Umlage um die Ohren haut oder eine Windkraftanlage in den Garten stellt. Noch einfacher ist natürlich vom Computer aus eine Petition zu starten. Man kann sich gut fühlen, ohne an die Konsequenzen denken zu müssen.

Geht es einen persönlich an, so redet man sich entweder heraus oder lässt sich nötigen wie in zwei Videos zu sehen. In einem fragt man Passanten, ob sie einen Flüchtling vorübergehend aufnehmen würden. Denen, die das bejahten, präsentierte man sofort einen „Flüchtling“. Alle wanden sich damit heraus, sie hätten gerade keinen Platz oder keine Zeit.

Etwas unverschämter ist ein Versuch von Kaitlin Bennett, die Passanten fragt, ob sie Schwarzen Reparationen dafür zahlen würden, weil ihre Vorfahren unter der Sklaverei gelitten hätten. Die das bejahten, präsentierte sie gleich einen Schwarzen mit Sammelbüchse und alle zahlten, wenn auch überrascht und möglicherweise widerwillig. Hier konnte man sich schwerer herausreden. Einer ohne Geld musste ihn als „Reparation“ umarmen.

Wie weit würden die ganzen Guten gehen, um die Welt in ihrem Sinne zu einer besseren zu machen, indem sie Maßnahmen mit ihrer Wahl oder Unterschrift unterstützen, die ihrer vermeintlichen Toleranz und Humanität diametral gegenüberstehen? Ich meine seit heute, weiter als wir uns vorstellen können.

Wiederum Kaitlin Bennett hat eine entsprechende Befragung auf einem Uni-Campus gestartet, ausstaffiert mit „All are humans“-T-Shirt und „Equality“-Cap mit Regenbogen. Sie fragte, ob man Konservative in Erziehungslager (re-education camps) stecken sollte, damit sie sich danach angemessen gegenüber Minderheiten und den diversen Geschlechtern verhalten. Es brauchte zwar manchmal ein paar weitere Argumente, zum Beispiel, dass es eine Art Training wäre und es zwar eine radikale Lösung sei, aber schließlich machen die Konservativen unter Trump auch eine radikale Politik.Alle unterschrieben.  Zufällig traf sie eine, die selbst als Lobbyistin bei den Demokraten tätig ist und versprach sich darum zu kümmern (ab 7:12). Sie meinte, es wäre zwar schwierig, das so direkt umzusetzen, man müsse das aber nur in die richtigen Worte kleiden, dann könnte man das durchaus umsetzen. Auch ein weiterer Passant, war dieser Meinung, dass die Idee zwar gut wäre, aber mit Erziehungscamp zu radikal formuliert.(ab 10:18)

Was zeigt uns das? Gewöhnliche Leute aus der Bildungsschicht wären bereit ihren Mitbürgern ihre Grundrechte zu versagen, ihrer Freiheit zu berauben und eine Art „Gehirnwäsche“ (einer, der oben Befragten, verwendete diesen Begriff), um ihre eigenen Ideen für die vermeintlich bessere Welt durchzudrücken. Deshalb hatte Bennett auch ihr Out-fit so gewählt. Das hat nämlich nichts mit Gleichheit aller Menschen zu tun. Für die sind es nur die Menschen, die die richtige Haltung zeigen. Die anderen werden entmenschlich, sogar von unseren Medien. Unter dem Hungerstreik-Bericht in der SZ hieß es vorhin: Rechtspopulist mit Stöcken und Knüppeln verletzt. (hier auch in der BILD). Ja, der Völkische Beobachter hat durch seine Hetze und Entmenschlichung gegenüber Juden auch die Hemmschwelle soweit heruntergesetzt, dass viele glaubten, dass ihre Verfolgung, Internierung und Ermordung im Holocaust schon seine Richtigkeit für die gute Sache hätten.

Nun weiß ich zwar immer noch nicht wie solche Leute ticken. Sicher ist nur, dass sie für die gute Sache auch wieder über Leichen gehen würden, solange sie sich selbst dabei nicht die Hände schmutzig machen. Die Nachfolger von Adolfs Schreibtischtäter eben.

 

 

3 Gedanken zu “Die Rückkehr der Schreibtischtäter.

  1. Die Umfragestabilität ist tatsächlich erschreckend. Man meint, wer fähig zum Umdenken ist, hat es schon gemacht. Ich seh auch den alternativen Mediensektor nicht wachsen.

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  2. Nun ja, vom Einzelnen auf die Gesamtheit zu schliessen, bei derart medienwirksam gestalteten „Umfragen“, ist mir etwas zu ‚mutig‘. Das ist natuerlich auch Propaganda. Es zeigt aber, dass gerade diejenigen, die am lautesten „Du Nazi“ schreien, ohne es zu merken, Nazimethoden einsetzen wuerden. Wuerden man das z.B. auf einer Pegida Demo tun, waeren die Umfrager wohl nur bei den drei Verfassungsschuetzern erfolgreich, die dort eben Neo-Nazis simulieren muessen.

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