Mut zur eigenen Meinung.

In der Frankfurter Allgemeinen gab es eine Umfrage dazu, wie die Bürger die Meinungsfreiheit in Deutschland einschätzen. In einem Artikel dazu heißt es:

(…) geben 59 Prozent der 1.283 Befragten an, sie könnten sich unter Freunden frei äußern, nur 18 Prozent sehen aber im öffentlichen Raum eine vergleichbare Freiheit.

Interessant ist der erste Wert und nicht der zweite, denn es war in allen Zeiten so, dass man sich generell in der Öffentlichkeit anders äußert als unter Freunden. Manches wäre taktlos oder zu einem bestimmten Anlass unangemessen. Dass sich 40% unter Freunden nicht frei äußern könnten, ist natürlich schon ein Wert. Ich meine allerdings, dass es doch einen weiten Spielraum gibt, wer zu meinen Freunden oder sehr gut bekannten gehört. Man denke nur an seine eigene Arbeitsstelle.

Es heißt, dass sich knapp 60% in der Öffentlichkeit vorsichtig äußern und das dürften die Themen sein, die auch im Internet von Bedeutung sind: Flüchtlinge und Islam. Dort sagen 83%, dass sie sich nicht oder nicht vollständig offen äußern.Entweder die Bürger finden diesen Zustand nicht so schlimm oder sie stellen nicht den Zusammenhang her,  dass Politik und Medien dafür verantwortlich sind:

35 Prozent ziehen für sich sogar den Schluss, dass freie Meinungsäußerung nur noch im privaten Kreis möglich sei. Zu dem Eindruck, dass die Freiheitsspielräume im öffentlichen Raum kleiner werden, trägt auch die Rigorosität bei, mit der bestimmte Sprachregelungen eingefordert werden.

Andernfalls müssten ja Parteien Zulauf haben, die das anprangern. Die Werte zeigen, dass eine deutliche Minderheit in der Lage ist, die Mehrheit so einzuschüchtern, dass sie mit ihrer Meinung hinter den Berg halten. In der Endphase der DDR dürfte der Anteil der Denunzianten noch geringer gewesen sein und übten trotzdem einen ungleich größeren Druck aus, weil man natürlich auch im engeren Umfeld nicht sicher sein konnte.

Nun habe ich natürlich auch meine eigenen Erfahrungen gemacht und habe mein Verhalten auch angepasst. Schlimm genug, wenn ich an meine eigene Jugend denke. Ich habe festgestellt, dass Menschen mit höherem Abschluss weniger aufgeschlossen sind, ein relativ gefestigtes Bild in Bezug auf bestimmte Themen haben und über aktuelle Themen generell nicht reden wollen. Ins besondere, wenn sich andeutet, dass man deren Meinung nicht teilt.

Mit gewöhnlichen Arbeitern und Angestellten, die reale Werte erwirtschaften, war immer ein gutes Gespräch möglich. Da konnte man auch völlig unterschiedlicher Meinung sein, ich kann mich nicht erinnern, dass sich dann plötzlich dessen Verhalten änderte oder mich gleich in eine bestimmte Schublade steckte. Ein Freund, den ich leider sehr selten sehe aber seit über 30 Jahren kenne, steht mir inzwischen im Grunde politisch 180° entgegen, obwohl wir früher da auf einer Linie lagen. Als ich ihn wieder mal getroffen habe und gesagt habe, dass ich die linke „Konsenspolitik“ für gefährlich und totalitär halte, in Dresden war und mir Berlin und Frankfurt mal genauer angesehen habe, da hat er sich eben nicht entfreundet, sondern war wirklich interessiert, weil er das eben alles noch nicht gewusst hatte. Sein Ego ist eben nicht an seine Haltung gebunden, wie bei vielen anderen, die gleich ihre ganze Identität bedroht sehen, wenn sie merken, dass sie all die Jahre falsch gelegen haben.

Das Gegenteil erlebte ich an anderer Stelle. Ich kenne jemanden, der Leute, die sich jenseits von Tageschau und SPIEGEL informieren oder sich sogar auf alternativen Webseiten rumtreiben, schon als rechtsextrem bezeichnen. In der Folge, als ich für den geoutet war, habe ich gemerkt, wie sich auch das Verhalten anderer Kollegen gegenüber mir veränderte. Nicht unfreundlich, doch eben um die Nuance reservierter. Das merkt man einfach. Dabei ist es erfreulich, dass für einen Teil rein das persönlich Verhalten zueinander zählt und es eben weitgehend nur um die Arbeit geht. Ich merke, dass diese wissen, wie ich ticke, und wissen, dass ich davon ausgehe, dass ich das weiß. Denn die „Nazijäger“ sind eben sehr mitteilsam gegenüber Kollegen, wenn sie einen auch in anderen Bereichen schlechtmachen oder etwas anhängen können. Hier dürfte das eigentlich Problem liegen, warum sich manche mit ihrer Meinung zunehmend zurückhalten, denn die tun alles, damit sich der „schlechte“ Ruf facettenreich weiterverbreitet. Damit kann man echt das ganze soziale Gefüge eines anderen durcheinanderbringen oder, wenn es dumm läuft, auch Probleme mit Vorgesetzten bekommen.

Nun bin ich alles andere als ein Gesellschaftsmensch und stecke solche Dinge einfach weg, während andere bei mir schon einen Wirkungstreffer vermuten. Wenn jemand aber voll für seinen Freundes- und Bekanntenkreis lebt und sich bei einem einzelnen einfach zu weit nach rechts vorgewagt hat, der ihn dann bei den anderen anschwärzt und schlechtmacht, für den hat das natürlich persönlich gravierende Auswirkungen. Da sind dann berufliche Probleme noch gar nicht dabei.

Die anonyme Öffentlichkeit ist mir aber ziemlich egal, sodass ich mit meinen Ansichten nie hinter dem Berg halte und auch völlig „unvorsichtig“ bin. Die Wahrscheinlichkeit, auf jemanden zu treffen, der richtig froh ist, dass er mal offen ohne Nachteile aussprechen darf, was er politisch denkt, ist nämlich statistisch äußerst hoch, wenn man die obige Umfrage ansieht. Vor allem unter Wildfremden.

Wir sind noch nicht ganz so weit, dass das aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt ist. Für manchen persönlich vielleicht, aber wir befinden uns in einer Übergangsphase, wo man dennoch unerwartet heftige Probleme bekommen kann, wenn man bestimmte Missstände unverblümt anspricht. Für jeden einzelnen gilt es abzuwägen wie weit man mit seiner Meinung gehen will; DDR eben. Der Anteil derer, die laut Umfrage, sich mit ihrer Meinung zurückhalten, weil sie etwas zu verlieren haben, ist relativ groß, sodass die politkorrekten Aufpasser leichtes Spiel haben. Da unser Land Meinungsfreiheit garantiert und niemand wegen der falschen Meinung gleich Haus und Hof verliert, dürfte der Nachteil eher im Verlust von Freundschaften oder einer persönlichen Stigmatisierung liegen. Weil der Mensch ein soziales Wesen ist, ist das natürlich gravierend.

Doch in Zeiten wie diesen, kann man seinem Leben (noch) weitgehend ungestraft einen Sinn geben. Wer sich informiert und merkt, dass wir einer riesigen Propagandamaschinerie erliegen, der muss es richtig und wichtig finden, dies auch anderen Leuten aufs Auge drücken. Wenn sich dann welche entfreunden? Will man überhaupt solche Freunde haben? Man wird nach einiger Zeit selbst merken, dass es immer wieder der richtige Schritt ist, nicht mit seiner politischen Meinung hinter dem Berg zu halten.

Internet ist ein Problem, natürlich auch für mich. Natürlich spare ich bestimmte Themen weitestgehend aus, kommentiere nur sparsam auf anderen Blogs und veröffentliche anonym. Warum, das kann ich hier wohlweislich nicht begründen. Dass sich welcher nichts veröffentlichen traut, weil er getrollt wird oder vermeintliche „Hassbotschaften“ bekommt, ist ein Witz. Da muss man mit seiner Argumentationslinie schon schwach aufgestellt sein, wenn man da nicht gegenhalten kann oder das als andere Meinung akzeptieren kann. Ich finde Kommentare auf meinem Blog, wo nur gepöbelt wird einfach nur lästig und gehen mir zusätzlich am Arsch vorbei. Da halte ich es wie Hadmut Danisch: Mein Blog, meine Meinung-dein Blog, deine Meinung.

Was die politische Korrektheit betrifft, da braucht niemand Angst haben. Sag diesen ganzen Gendersternchen, was du von Frauenquote hältst und ihren bescheuerten Geschlechterstudien. Das Gleiche beim Thema Klimawandel. Wenn bei einer Umfrage in den USA zu ganz allgemeinen Fragen zum Klima 77% nur die Note D oder F erreichen (also eine 5 oder 6), dann kann ich auch bei uns jedem ins Gesicht sagen, dass der menschengemachte Klimawandel völliger Humbug ist und der größte Betrug der Menschheitsgeschichte. Da reicht es zu fragen, ob sie ihr tolles Wissen aus dem SPIEGEL haben oder jemals eine Statistik mit der Historie über die Anzahl der Tornados, Hurrikans, CO2-Werte, Niederschläge oder Temperaturaufzeichnung einer beliebigen immer schon freistehenden Wetterstation gesehen haben oder lieber gegen die Kohle hüpfen.

Wer sein tolles soziales Umfeld erhalten will, der sollte sich lieber über Game of Throne oder die Bundesliga unterhalten. Wer seine Freundschaften mal nach wertvoll und wertlos sortiert haben will, der braucht einfach mit nichts hinter dem Berg zu halten. Vorausgesetzt er ist nicht noch zusätzlich wieder irgendwie von denen abhängig. Wer sich nicht freimachen kann, der kann auch nicht frei reden. Deshalb ist auch die angestrebte sozialistische Öko-Volksgemeinschaft Gift für die Meinungsfreiheit. Noch besteht die Gelegenheit, dass auch andere durch Sie davon erfahren. Also, Mut zur Meinung.

 

10 Gedanken zu “Mut zur eigenen Meinung.

  1. […] Wer sich nicht freimachen kann, der kann auch nicht frei reden. […]
    Guter Satz.

    Wenn sich jemand in ueberlebensnotwendigen Abhaengigkeiten, vom Arbeitgeber, vom Staat, von einzelnen Banken, usw. befindet, ist die Redefreiheit immer beschraenkt. Deshalb ist der „free speech“ Aktivismus wirkungslos. Man muss an der Wurzel des Problems ansetzen, d.h. seine Abhaengigkeiten minimieren.

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    1. Sich wirtschaftlich unabhängig zu machen, ist in der Tat der erste Schritt. Werden die meisten leider nicht tun. Generell tut sich der Deutsche damit sehr schwer, er vertraut der Vollfürsorge des Staates. Und die letzten 2 Jahrzehnte ist ja auch sehr viel unternommen um den Bürger eben auch wirtschaftlich vollendend zu entmündigen. Der Sprung in die Selbstständig ist verpönt. Interessanterweise machen dieses umgekehrt viele Migranten, idealerweise natürlich solche Geschäfte wo Bargeld den Besitzer wechseln. So müsste es natürlich auch nicht verwundern, dass man bei den Opfern einer gewissen Gruppe die nach einem ehemaligen Autohersteller im Heilbronner Raum, viel Geld in der Türkei fand. Obwohl diese mit ihrem versteuerten Geld noch nicht einmal ihren normalen Lebensstandard finanzieren konnten.

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      1. Ich denke, dass die großen Clans ihre Mitglieder durch ihre „legalen“ Geschäfte finanzieren, wie z.B. Wohnungvermietungen. Dort kann man schwarzes Geld auch weiß waschen. Die ganzen HartzIV-Einnahmen in bar dürften in die Zenhtausende gehen, mit denen sich dann die illegalen Geschäfte finanzieren lassen. Kein Amt wird nachprfüfen, wofür sie ihr Geld ausgeben.

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      2. Kleingewerbetreibende werden kaum kontrolliert. Kein Mensch kann kontrollieren, ob ein Friseur oder Schuster o.ä. alles versteuert. Das war auch früher schon so.

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  2. Ein echtes Problem. – Da mein Bekanntenkreis zu 90% linksgrün ist, reduziere ich echte politische Diskussionen möglichst auf Einzelthemen unter Vermeidung der allumfassenden „Gretchenfrage“. Dann gehts halbwegs. Und wenn doch die Gesinnungs-(Gretchen-)-Frage gestellt wird, also eher von linksgrün-orthodoxen Leuten, dann ziehe ich mich meist mit einem Gag aus der Diskussion, so nach dem Motto: „Zigtausendmal ist der unmittelbar drohende Weltuntergang vorhergesagt worden – und – isses EIN EINZIGES Mal passiert?“. Damit sag ich klar, dass mir das hysterische Geheule auf den Keks geht und ich es für unsubstantiiert halte, aber ich gebe denen eine Chance, unter Wahrung des Gesichts das Thema zu wechseln. So in etwa.

    Red mit nem Schwein chinesisch, hat meine Oma bei solchen Gelegenheiten gesagt 😉

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  3. @diehassrede sagt:
    25. Mai 2019 um 12:43
    „Kleingewerbetreibende werden kaum kontrolliert“
    Stimmt! Allerdings fuhr der Besitzer des Würstchenstandes früher keinen Porsche, so wie heute mancher Döberbudenbesitzer. 🙂

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  4. Auf „Freunde“ die andere politische Meinungen nicht akzeptieren kann ich verzichten. Auch wenn man wirtschaftlich unabhängig ist bewegen sich Familienangehörige immer in irgendwelchen Abhängigkeiten. Z.b.in der Schule wo sie gezwungen! Werden sollen am Fff „mitzumarschieren“ (Ja ich gebrauche bewusst dies wort) . Dieses Land wird langsam zu einem alptraum. Das sage ich allen die es hören und nicht hören wollen. Ps: ich Les den waidler jeden Tag, Danke dafür !!

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