Besserwisser gewährt Audienz.

In Zeiten von Wikipedia und Internet werden Referate in der Schule oft nicht mehr das Ergebnis eigener Recherche sein. Man hat das Thema und irgendwann, wenn die Zeit drängt, kopiert man ein paar Sachen zusammen und hofft, dass man später bei den Fremdwörtern nicht allzu sehr stolpert. Man nimmt die passable Note und das war’s. Und, weil das Wissen der Lehrer oft nicht mehr über das Schulbuch hinausreicht, werden sie nicht lange nachfragen, auch, wenn sie daran zweifeln, dass der Schüler auch kapiert, was er da erzählt. Keiner von ihnen wird sich die Blöße geben, es sei denn, man hat es einfach aus dem Stegreif drauf, jemanden auflaufen zu lassen.

Nun habe ich mir das bei dem Rezo-Video auch gedacht. Kaum einer wird so lange geschaut haben, bis er kurz erwähnt, dass sie ein Team waren, die das alles recherchiert haben. Nachdem er einfach nur ein Hampelmann ist, den man zu einem bestimmten Thema buchen kann, denke ich, dass der außer den Floskeln, die in Talkshow und den Nachrichten in Dauerschleife wiederholt werden, nicht mehr drauf hat. Die Reaktion von AKK und Athmor haben ihn ja geradezu dazu animiert anzunehmen, dass er mit seinen Behauptungen völlig richtigliegen muss und es nur am Unwillen bei der Umsetzung bei beiden liegt. Wie weit muss man eigentlich ein Land gesunken sein, dass er dann Tage später folgendes nachschieben kann:

Bei Twitter schrieb Rezo am Mittwoch, seine „öffentliche Frage an die CDU“ sei nun, ob man in der Partei einen Kurswechsel in der Klimapolitik inzwischen für notwendig halte oder nicht. Bei der SPD sehe er bereits jetzt „eine gute Basis“ für ein Gespräch.

Für die SPD hatten Generalsekretär Lars Klingbeil, Juso-Chef Kevin Kühnert und der Europaabgeordnete Tiemo Wölken nach Rezos Video einen eigenen Clip auf Youtube gepostet. „Uns hat eure Kritik erreicht“, sagte Klingbeil darin.

Rezo befand nun, die drei Sozialdemokraten hätten öffentlich klargemacht, dass sie „einen deutlichen Kurswechsel“ wollten, um die Bekämpfung der Klimakrise voranzutreiben. „Daher ist dort eine gute Basis für so ein Gespräch vorhanden, bei dem ich […] auch gern mitmachen kann.“

Zu gütig. Man stelle sich vor, seine Gegenüber wären ein Helmut Kohl, ein Helmut Schmidt oder ein Franz-Josef Strauß gewesen. Letzterer hätte ihm wohl gesagt, er solle bei seinem Gedudel bleiben und nicht meinen er könnte ihm sagen, wie ein Land zu führen sei, denn da braucht man mehr als ein bisschen Halbwissen und eine große Klappe. Der hätte ihm so im Vorbeigehen die Luft rausgelassen. Ich denke auch nicht, dass Strauß einen Journalisten verschont hätte, der sich auf die Seite Rezos geschlagen hätte.

Rezo findet, dass es bei der SPD eine gute Gesprächsbasis gebe und SPD-Klingbeil meint jetzt, dass die Kritik angekommen sei. Der meint wohl, der Rezo würde der SPD jetzt helfen, sie so aufzupeppen, dass sie auch für junge Leute wieder attraktiv würde. Die SPD-Fuzzis bräuchte sich eigentlich nur mal das Gruppenbild ihrer Führungsriege ansehen, dann wüssten sie, warum sogar die eine Spaßpartei an manchen Orten mehr Stimmen bekommt wie sie. Wer sich dann noch das Video vom Nahles-Auftritt in Bremen ansieht, der weiß, dass da nix mehr zu retten ist.

Früher traf man keine solchen Besserwisser wie Rezo, der älter war als vielleicht 12 und Erwachsenen noch dazu in einer bestimmten Position sagte, was sie zu tun hätten, oder so größenwahnsinnig, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wem er nun eine Audienz gibt. Das erlaubte man sich nicht mal gegenüber seinen eigenen Eltern, auch wenn man vielleicht mal recht gehabt hätte. Da saßen die Eltern einfach am längeren Hebel und konnten so einen Balg damit einbremsen, er solle erst mal was Richtiges lernen, Haus und Auto hinstellen und eine Familie ernähren, dann kann er seine Visionen umsetzten, die er so toll findet.

Heute sind Politiker jenseits der Politik berufliche Versager. Der Selbsterhalt innerhalb der Partei ist die einzige Befähigung und ihre (Bildungs-) Titel sind weitgehend nur wertlose Deko. Die können so ein Windspiel wie Rezo nicht in die Schranken weisen, weil sie keine Ahnung von irgendwas haben, was außerhalb des Politbetriebes liegt. Die halten es für Bildung, wenn sie die vorverdauten Versatzstücke zu den Themen aus dem SPIEGEL oder der SZ kennen. Deshalb glauben sie auch an eine Stromversorgung ohne Grundlast, dass wir 50 Geschlechter hätten oder, dass man Salafisten durch Stuhlkreise integriert. Und, wenn ein YouTube-Kunstfigur mit blauen Haare sagt, wir werden alle in spätestens 12 Jahren verbrennen, glauben sie das natürlich auch.

Dabei sagt das jetzige Verhalten Rezos viel über ihn selbst. Niemand würde sich jetzt ohne Not soweit vorwagen, wenn man nur „Fakten“ nachplappern kann, mit denen man von anderen ausgestattet wurde. Beim Thema Klima würde ich mir schon überlegen, ob ich auch ein wenig Ahnung von Physik habe und die Gegenpositionen kenne. Doch die SPD- und die CDU-Spitze sind in der Lage, wie die Eltern, die nichts auf die Reihe kriegen: Keinen brauchbaren Abschluss und von nichts Ahnung und sich nun von ihrem besserwisserischen Balg umherkommandieren lassen müssen. Wenn das Geld dazu noch vom Amt kommt bzw. vom Steuerzahler, dann kann man nicht mal auf Augenhöhe diskutieren.

Ich denke nicht, dass Rezo von sich aus erkannt hat, dass die Volksparteien sturmreif geschossenen sind und mieses Personal haben, um die mal zum Spaß für Klickzahlen auflaufen zu lassen. Ich denke, dass der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und mit seiner Machart ziemlich widerstandslos nach oben gesegelt ist, sodass er sich mit der Zeit für allkompetent gehalten hat. Wegen der Art und Weise wie er nun an die etablierten Parteien herantritt, vermute ich eher, dass er ein ewigpubertierender Besserwisser ist:

Rechthaber und Besserwisser sind das Ende jeder normalen Unterhaltung. Für sie ist ein Gespräch kein Dialog, sondern eine Kampfhandlung. Auf die Idee, einem anderen Menschen in Ruhe zuzuhören, seine Gedanken zu akzeptieren und zu einem gemeinsamen Ergebnis zu finden, kommen sie nie. Im Gegenteil. Ihr einziges Streben liegt darin, dem anderen zu demonstrieren, wie wenig er weiß und wie wenig er kann – selbstverständlich ganz im Gegensatz zu ihnen selbst.

In seinem besagten Video beschwert er sich ja nicht so sehr, dass die CDU untätig wäre, sondern, dass sie einfach nicht kapieren wie gefährlich der Klimawandel sei und wie inkompetent sie generell seien. Die ganze Riege ist ja ebenso beschränkt wie er:

Rechthaber wissen oft viel, halten sich für klug und intelligent, doch leider sind sie emotional unintelligent und wenig lebensklug. Sie spüren nicht, wie stark sie sich selbst innerlich begrenzen und ihr Wachstum hemmen, da sie nur ihre einen Sichtweise gelten lassen und sich gegen jegliche neue Erfahrung oder Selbstreflektion sperren. Sie werden ihr eigenes Gewässer nie verlassen oder beleben. Irgendwann beginnt es dort zu modern.

Wer die zunehmenden Probleme mit Migranten beklagt, ist ein Nazi, wer den menschengemachten Klimawandel für Humbug hält ist auch einer und zusätzlich ein Leugner, wer die Probleme auf dem Wohnungsmarkt beklagt, ist ein Abgehängter; mit allen muss man erst gar nicht darüber reden, was die beste Lösung sein könnte. Umgekehrt selektiert auch Rezo danach, wer ihm intellektuell gewachsen ist. Natürlich gibt es auch Möglichkeiten mit Besserwissern fertig zu werden und bei dem ganzen infantilen Gehabe auf beiden Seiten denkt man am ehesten an diesen Vorschlag:

Eine andere Herangehensweise ist den Umgang mit Besserwisser-Kindern spielerisch anzugehen. Das könnte dann folgendermaßen aussehen: “Bernd. Wenn du es schaffst zu beweisen, dass die Welt eine Scheibe ist, dann habe ich kein Problem damit, nachzugeben und einzugestehen, dass DU Recht hast und ich falsch liege.” Dadurch entspannt sich die Situation, denn dem Kind geht es hauptsächlich darum Recht zu haben oder schlauer als die Eltern zu wirken.

Blöd nur, wenn sich beide zumindest einig sind, dass die Erde eine Scheibe ist und nur noch darüber streiten, mit welchen Maßnahmen man sich am besten gegen das Hinunterfallen schützen kann. Ob Rezo und unserer Polit-Elite auch psychologisch wie Besserwisser ticken, kann ich nur vermuten:

Besserwisser haben tief im Innersten häufig ein geringes Selbstwertgefühl und Minderwertigkeitskomplexe. Dieses Gefühl wird verdrängt und ist manchmal nur noch unbewusst vorhanden. Daraus resultiert aber der Drang, sich beweisen zu müssen, perfekt zu sein, keine Fehler zu haben, besser zu sein als andere Menschen oder die Macht zu demonstrieren.

Zumindest wollen beide Seiten Macht demonstrieren. Männer bekommen ihr Selbstwertgefühl allein dadurch, wenn sie dazu noch einen Haufen Schotter abgreifen können. Frauen wollen dagegen zusätzlich noch attraktiv sein. Wenn ich mir die SPD-Schreckschrauben ansehe, wird sich deren Selbstwertgefühl auch nicht mit viel Geld steigern lassen.

Gerade lese ich bei nt-v, dass es in der CDU massiven Widerstand gegen den Kohleausstieg gäbe. Ach was. Morgen wird ihnen wieder das laue journalistisch-grüne Lüftchen entgegenwehen, damit sie wie gewohnt einknicken und zurückrudern können, weil man ihnen AfD-Nähe vorwirft. Dann war alles nur ein Missverständnis oder ein Versprecher. Wenn dann noch der Renzo kommt und ihnen das Gleiche vorwirft, dann werden sie bei ihm um eine Audienz bitten, damit sie sich bei ihm persönlich um Entschuldigung bitten können.

 

4 Gedanken zu “Besserwisser gewährt Audienz.

  1. Beim SPD Gruppenbild einfach mal den Hintergrund wegretouchieren und mit einer Bruecke ersetzen. Dann den Leutchen etwas abgerissene Klamotten anziehen. Sprechblase ueber Maas: Haste mal ne Mark?

    Ich glaube ich wuerde ihm sogar eine geben. Der sieht fast aus wie ein Aids-Kranker im Endstadium.

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