DER SPIEGEL und die unbekannten Leser.

Viele wissen wie ich vielleicht nicht mehr, wann sie genau aufgehört haben den SPIEGEL zu kaufen bzw. zu lesen. Bei mir war es aber noch vor der Zeit als er auf dem Titelbild vulgärstes Bashing gegen Trump, Putin und Ostdeutsche betrieb, was bei vielen später mit den Ausschlag gegeben haben dürfte. Seitdem hab´ ich nur zitierte Textstellen von Relotius und ein paar Kolumnen von Margarete Stokowski mitbekommen. Seit heute frage ich mich aber ernsthaft, wie eigentlich die verbliebene Leserschaft des SPIEGEL aussieht, wenn man sich solche Zumutungen wie die eines Christian Stöcker antut. Zufällig bin ich über eine Kolumne gestolpert mit dem Titel:

Drohende Klimakatastrophe

Vor dem Absturz

Wir sind in einem Flugzeug über dem Atlantik, und der Tank hat ein Leck. Notlanden? Oder Augen zu und durch? Vor genau dieser Frage steht die Klimapolitik.

Nein, Sie müssen das nicht lesen, denn als erfahrener Nichtleser, wissen Sie ohnehin, was kommt. Es wird langatmig ausgewalzt wie ignorant sich die einzelnen Passagiere verhalten. Interessanter wird es gegen Ende:

Existenzielle Krisen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine bemerkenswerte Klarheit schaffen. Allerdings nur, wenn man akzeptiert, dass ein katastrophaler Ausgang droht.

Das ist bekanntlich gerade der Fall. „Der Klimawandel ist unser dritter Weltkrieg“, schrieb der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz diese Woche im „Guardian“.

Wie eine Krebsdiagnose

Die relevanten politischen Akteure hierzulande wissen das längst, die Wähler sowieso. International gilt, mit wenigen Einschränkungendas Gleiche. Es gibt überwältigende wissenschaftliche Evidenz. Manche Leute wollen all das nicht glauben, manche wiegeln ab, manche sind der Meinung, dass ihr Reichtum sie schon irgendwie vor den schlimmsten Folgen bewahren wird.

Der Klimawandel ist aber, anders als zum Beispiel Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner es diese Woche wieder behauptet hat, nicht irgendein politisches „Thema“, das „gerade en vogue“ ist.

Die meisten Leser sind ja Gläubige, so dass selten jemand schaut, was sich hinter den Links verbirgt. Über den zitierten Nobelpreisträger und „unabhängigen“ Wirtschaftswissenschaftler Stiglitz heißt es zum Beispiel:

1995 war er als Leitautor am Zweiten Sachstandsbericht des IPCC beteiligt.

Ja, der muss es ja wissen. Die ganzen öko-sozialistischen Maßnahmen werden im Ergebnis wiederum in Deutschland nur verbrannte Erde in Form von zerstörter Strom-Infrastruktur und der Hochindustrie zurücklassen wie nach den beiden Weltkriegen.

Die Wähler, die es angeblich wissen bzw. daran glauben, haben grün gewählt. Mit den Nichtwählern sind das aber weniger als 13%. Weniger als 10% der Abgeordneten im EU-Parlament sind Grüne und mit den Linksextremisten und Sozialdemokraten auch nur 266 von 751 (hier). Scheint sich nur um einen Inlandsflug zu handeln.

Hinter „wenigen Einschränkungen“ verbirgt sich Trump, der aus dem Klimaabkommen ausgestiegen ist und im Gegensatz zu Merkel unter seiner Regierung den CO2-Ausstoß senken konnte.

Hinter „das Gleiche“ steckt eine eigene Kolumne, wo er für 2018 alles beklagt, was nicht im Sinne links-grün gelaufen ist. Schön ist dann der Ausdruck „überwältigende wissenschaftliche Evidenz“. Blöde Fremdwörter aber auch. Evident ist nämlich etwas, was keines Beweises bedarf. Ja, und wenn das angebliche Wissenschaftler sagen, dann sollte der Zweifel daran erst recht groß sein. Und die das nicht glauben wollen, sind eben nicht mit den Flache-Erde-Verschwörungstheoretikern vergleichbar, auch wenn Du uns das hinter dem nächsten Link gerne glauben machen willst. Deshalb bist Du auch Professor für Laberwissenschaften geworden und nicht in einer Naturwissenschaft. Übrigens sollten man in Zeiten von angeblichen Filterblasen nicht ausschließlich auf sich selbst oder seine eigene Zeitung verlinken. Fast schon witzig, wenn man unter dem nächsten Link zu Deiner Kolumne kommt mit dem Titel:

Argumentationstricks

Klimadebatte – so entlarven Sie die Schwätzer

Im Trend liegen: nachweislich unsinnige Argumente, um von der Klimakatastrophe abzulenken. Diese vier Debattierkniffe sollten Sie kennen.

Jetzt kommen aber nichts zu Strahlungstheorien, Thermodynamik oder Maunder Minimum, sondern man tun so, als würden „Klimaleugner“ ausschließlich ad hominum, ad lapidem usw. argumentieren. Irgendwie kann ich mich erinnern, dass Argumente gegen den menschengemachen Klimawandel grundsätzlich zurückgewiesen werden, wenn sie von eike, AfD, dem Heidelberger  appeal oder einen der über 30000 US-Wissenschaftler kommt, die öffentlich erklärt haben, dass sie keinen Beleg dafür sehen. Schön, dass Söckert selbst gleich zeigt wie man das richtig anwendet. In einem Artikel über Propaganda und Desinformation heißt es:

Es gibt da aber einen Unterschied: Wenn ein Medium wie die „Bild“ bei einer derartigen Aktion erwischt wird, zieht das eine tagelange, intensive Debatte und harsche Kritik nach sich. Weil es eben Standards gibt im Journalismus, die hier unzweifelhaft und für jeden nachvollziehbar verletzt wurden.

Wenn dagegen Weidel, Storch, Jones, Loesch oder Trump lügen, fällt das kaum noch auf. Man hat sich fast daran gewöhnt. Aber genau das darf nicht passieren.

Nein, es gibt keine harsche Kritik mehr, weil, wenn die Leitmedien wie Dein SPIEGEL zu sehr lügen, verzerren und auslassen, dann sperrt ihr wohlweislich die Kommentarfunktion. Darum könnt ihr es nur noch an den Verkaufszahlen ablesen. Oder glaubt ihr wirklich, dass die Exemplare, die Ihr als Bordexemplare und Lesezirkel verschenkt, wirklich jemand liest?

Du bist in etwa so arrogant und von Deiner moralischen und intelligenzmäßigen Größe überzeugt wie ein Sascha Lobo; und Du bist genauso sympathisch. Das ist auch einem Akif Pirincci aufgefallen:

In dieser jüngsten erklärte mir der Autor, er `hoffe´ ich werde – nicht würde – auch dann noch `so schön rational´ bleiben, wenn, `ihre Tochter von einem muslimischen Migranten vergewaltigt und ermordet wird. Oder wenn ihr Sohn von einem Islamisten in Stücke gerissen wird. Oder ihre Frau vor Ihren Augen enthauptet wird´. Der Indikativ `wird´ ist hier wichtig, denn er zeigt an, dass es sich bei den geschilderten Ereignissen in der Fantasie des Autors nicht um Möglichkeiten handelt, sondern um Dinge, die definitiv geschehen werden. Er scheint sich geradezu auf diese fiktive Zukunft zu freuen.

Dicker kann man mi der eigenen moralischen Großartigkeit gar nicht auftragen. Gäbe es nur solche Journalisten wie Dich, dann hätte man sich das Framing Manual sparen können und das Umweltbundesamt müsste keine Angst haben, dass die Journalisten ihren zukünftigen propagandistischen Aufgaben, den Glauben an den menschengemachten Klimawandel wirklich jedem einzupflanzen, nicht gewachsen sein könnten. Aber Du hast Dich längst empfohlen:

Es gibt völlig neue Wege, Informationen aufzubereiten, Geschichten zu erzählen und seine Zielgruppe zu erreichen. All das muss ein Journalist heute nicht nur wissen, sondern wirklich begreifen. Dazu gehört neben der klassischen Ausbildung zum Beispiel auch ein Grundverständnis der Funktionsweisen von sozialen Medien oder Suchmaschinen. Gleichzeitig geht es gerade in dieser Zeit nicht ohne die klassischen Tugenden, denn ohne die gibt es keine Glaubwürdigkeit und kein Publikum: Unabhängigkeit, gründliche Recherche und Verifikation, präzise, im Idealfall schöne Schreibe, souveräner Umgang mit klassischen ebenso wie crossmedialen Darstellungsformen, Hartnäckigkeit, Gespür für Themen, Verständnis für Zusammenhänge, Erklärkompetenz. Fast all das trifft übrigens auf andere Kommunikationsberufe ebenso zu wie auf Journalisten im engeren Sinne.

Ja, es gibt viele Wege Informationen aufzubereiten, Geschichten zu erzählen und seine Zielgruppe zu erreichen. Deswegen arbeitest Du ja auch beim Relotius-SPIEGEL und fallen Dir die journalistischen Standards erst als zweites ein. Nun weiß ich nicht, ob Du die verlinkten NASA Ozean-Temperaturtabellen mit besten Gewissen verlinkt hast oder gehofft hast, dass niemand das Kleingedruckte liest. Dort heißt es nämlich homogenisiert und adjustiert (dt Ü.). Was das in der Praxis bedeutet, kannst Du ja mal googeln; vielleicht gleich, was der IPCC darunter versteht und seine Zuträger. Da fehlt es bei Dir noch ein bisschen an der gründlichen Recherche und Verifikation.

Bei den ersten seiner Kolumnen, die ich heute gelesen, habe, war ich auf eine gewisse Art verletzt, mit welcher Arroganz und Besserwisserei ich hier als Leser behandelt werde. Jeder, der einigermaßen gebildet ist und ernsthaft versucht den Dingen auf den Grund geht, muss sich abgekanzelt fühlen, vor allem, wenn hier einer mit Professur auftritt. Erst als ich das Zitat in dem Artikel von Pirincci gelesen hatte, änderte sich das schlagartig.

Ja, Stöcki. Spätestens dann muss man Dich nicht mehr ernst nehmen und dann kann ich mir als potentieller Leser heraushängen lassen, was für mich neben den Gängigen noch journalistischer Standard wäre. Ein Journalist steckt das Für und Wider zu einer Thematik ab und zwar nicht wie es ihm am besten in den Kram passt. Statt eine Fliegergeschichte an den Haaren herbeizuziehen, damit Du uns wieder mal Deine persönliche Überzeugung verkaufen kannst, hätte das folgendermaßen aussehen können: Die, die einen menschengemachten Klimawandel vermuten, stützen sich auf Modelle und Temperaturdaten und vergleichen das Wetter bzw. Klima mit einem 30 Jahre dauernden, willkürlich ausgewählten Abschnitt in der Klimageschichte. Sie stoßen zum Beispiel an ihre Grenzen, weil die Modelle die Vergangenheit nicht beschreiben können, CO2-Konzentration und Temperatur zu ca. 95% in der Erdgeschichte nicht positiv korrelieren, wegen der natürlichen Fehlerbandbreite bei Temperaturmessungen, Veränderungen unter 0,5°C nicht signifikant sind und sich statistisch keine Zunahme von Wetterextremen nachweisen lässt (sagt auch das IPCC).

Die Skeptiker nennst Du nicht „Leugner“ oder „Schwätzer“, auch wenn es Dir auf den Nägeln brennt. Zähl einfach auf, was sie für Argumente bringen. Zum einen die Sonnenaktivität (füge auch an, dass es nicht um die eingehende Strahlung auf der Erdoberfläche geht, sondern um Vorgänge in der oberen Atmosphäre), die Korrelation von Sonnenflecken und Temperatur, der zu geringe Anteil von CO2 in der Atmosphäre und das schmale Absorbtionsfenster, als dass das Gas im Vergleich zu Wasserdampf Einfluss haben könnte. Die Skeptiker können nicht sagen, welche und ob andere Faktoren für das vergangene Klima verantwortlich sind. Sie können nicht sagen, welchen Anteil der Mensch an der jetzigen CO2-Konzentration hat und wenn, ob er einen Einfluss auf das Klima hat.

Dann könntest Du auch weglassen, dass Du der Autor bist, denn Du hättest damit eigentlich nur gutes journalistisches Handwerk abgeliefert, was die Leute für 5.-€ erwarten können. Und, wenn’s scheiße ist, dann fällt das nicht auf Dich persönlich zurück, sondern kannst hinter Deinem SPIEGEL in Deckung gehen und an Dir arbeiten. Und, wenn Du dann gut genug bist, dann darfst Du auch mal was mit Deiner eigenen Meinung schreiben; vielleicht erst mal nur in einem Nebensatz. Für wen Deine eingangs  zitierte Kolumne eigentlich bestimmt ist, ist mir nicht ganz klar. Lest ihr Euch das nur gegenseitig vor oder willst Ihr damit ernsthaft neue Leser gewinnen. Wahrscheinlich habt Ihr längst einen Kranz am Grab des unbekannten Lesers niedergelegt.

Aber, weil Journalisten sich sofort für erleuchtet und allkompetent halten, wird das nicht geschehen. So wie sich manche Journalisten aufführen, werden sie sicher bald darauf bestehen, dass ihnen ihre Ausfälligkeiten im Grundgesetz rechtlich verbrieft werden.

Ist aber nicht notwendig. Denn bald werdet ihr von Steuergelder ausgehalten, um im Sinne der großen Transformation die Bürger mit Eurem Geschreibsel weichzukochen und dann habt ihr ohnehin Status und Narrenfreiheit wie die ANTIFA.

 

 

 

6 Gedanken zu “DER SPIEGEL und die unbekannten Leser.

  1. Jetzt mal ohne scheiß, ich war in letzter Zeit öfter in Krankenhäusern und ich seh noch nicht mal mehr den Lesezirkel. Die Leute quälen sich durch die Königshaustratschblätter oder lesen steif die Kardiologierundschau oder den Radiologenreport, wenn sie nicht was dabei haben. Der Spiegel liegt nicht mal mehr aus.

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    1. Nett, wenn man 1.Klasse Bahn fährt und sie SIEGEL, ZEIT, usw. an den Platz bringen und keiner will sie. In den Bahnhöfen bekam man früher gegen ein kostenloses Schnupperabo die Zeitung geschenkt. Heute liegen ganze Stapel an unbewachten Ständen und keiner will sie.

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      1. Die FAZ schickte sogar mal jemanden in der Nachbarschaft rum, der sogar in den Mehrfamilienhäusern und dem Studentenwerk an der Haustür die Gratisabos verticken wollte. Ich glaub, die lassen teilweise zum Schein die Druckerpresse laufen und fahren das Zeug gerne auch zum Altpapier. Ich glaub, dass hatte dieser Ulfkotte in seinem Buch auch geschrieben. Ich glaub das. Ich kenne herzlich wenige Leute, die den Papierkram noch kaufen. Der ist aber das Unterscheidungsmerkmal der angeblichen Qualitätspresse, also muss gedruckt werden.

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  2. Den WACHTURM will auch keiner lesen – ich finde, da gibts viele Parallelen 😉
    Schade, dass der Mensch nicht einfach mal zufrieden sein kann, wenns ihm gut geht. Wenn nichts passiert, kriegt er Halluzinationen. Meine Hauptangst ist noch nicht mal, dass die irre teuere Sinnlosprogramme auflegen, sonden, dass sie völlig durchknallen und die Sache gewalttätig wird. Die steigern sich gegenseitig rein. So kriegste via Panik am Ende Tote auf einem Schiff, das gar nicht untergeht. Was weiß ich, weil einer behauptet, wassermoleküle diffundieren durch die Stahlwände und jemand hat da Promille ausgerechnet (hat jemand von einem gehört, der es gehört hat), die sich ganz schön potenzieren können. So in der Richtung. Lachhaft? Nee. CO2 ist sowas – und die Heilige Greta weiß das, weil sie CO2 sehen kann. Sagt sie.
    Oh Mann (und Frau*☠!in).

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