Normale Frauen. Feinde der Gleichberechtigung?

Sie kennen sicher die Geschichten „Mit Rechten reden“, „Hilfe, mein Freund ist rechts“ und auch die, wo geklagt wird, wenn Onkel Werner beim Familienfest wieder alle mit seinen rechtpopulistischen Ansichten auf die Nerven geht. Und sie kennen auch die Onkel Werners, die wohlweislich den Mund halten oder sich von solchen Feiern fernhalten, weil es dauernd um den Klimatod oder die Vorzüge der kunterbunten Gesellschaft geht, und gar keine Überzeugungsarbeit in die andere Richtung mehr leisten wollen und lieber abwartet bis die Realität zuschlägt.

Blöd für eine Mareice Kaiser, wenn sie sich gemäß ihres Kommentars unter ihresgleichen genauso deplatziert sieht, wenn die anderen Frauen unter Emanzipation eben nicht das Gleiche verstehen wie sie, nur, dass die Realität in die andere Richtung zuschlägt.

Ein Essen unter Frauen, alle zwischen Ende 20 und 40, alle emanzipiert, würden sie wohl sagen. Eine ist vor einigen Monaten Mutter geworden. Im Gespräch geht es um den beruflichen Wiedereinstieg. „Meinem Mann macht seine Arbeit viel mehr Spaß als mir und er verdient mehr, eigentlich will ich gar nicht wieder zurück“, sagt sie. Die anderen Köpfe nicken verständnisvoll. Ich möchte nicht die Spielverderberin sein, bestelle einen Wein und atme durch.

Ja, da musst Du erst mal durchatmen, dass uns seit Jahrzehnten von Medien und linker Politik erzählt wurde, dass nur eine Frau mit Vollzeit-Männerberuf und Karriere eine vollwertige Frau ist, und dann bekommt auch noch eine ein Kind und will sich von ihrem Mann durchfüttern lassen. Und die ist in meinen Augen wirklich emanzipiert, dann emanzipieren das heißt

sich aus einer die eigene Entfaltung hemmenden Abhängigkeit lösen, sich selbstständig, unabhängig machen.

Dass man jetzt anfügt hat, Gleichstellung erlangen, liegt wohl daran, dass der Sieg in der Gleichberechtigung nicht die gewünschten Folgen hatte. Denn kein Mann nötigt sie zu arbeiten und kein Sozialismus ihr Kind so schnell wie möglich in die Krippe zu geben, um wieder zu malochen, sie hat frei und unabhängig entschieden, dass sie ein Kind und einen Ehemann will und lieber zu Hause bleibt.

Gender Pay Gap, Mother Gap, Altersarmut, Mother Wage Penalty – das Gespräch an diesem Tisch klammert all die strukturellen Nachteile unserer Gesellschaft für Frauen aus. Es bildet ab, was ich auch an vielen anderen Orten erlebe. Mütter, die ihre Kinder zu Hause betreuen, die mehrere Jahre aus ihrem Beruf aussteigen und vom Gehalt ihres Mannes leben. Frauen, die für weniger Geld arbeiten als ihre männlichen Kollegen. Frauen, die berufliche und private Entscheidungen treffen, als würde es Altersarmut nicht geben. Frauen, die sich selbst als emanzipiert beschreiben und dennoch reaktionäre Entscheidungen treffen.

Nein, die klammern das angebliche Gender Pay Gap und den anderen Krimskrams nicht aus, weil sie reaktionär sind oder nicht davon wüssten, sondern der Kram ist ihnen egal. Die wissen, dass sie nach dieser Pause womöglich nicht mehr Bankvorstand werden und man ihnen beim Widereinstieg nicht die Tausender hinterherwirft aber dafür bekommen sie auch im Normalfall ein ziemlich stressfreies und erfülltes Leben, mal von den ersten Jahren abgesehen. Ich sehe solche Frauen, deren Kinder in Schule oder Kindergarten sind, vormittags beim Reiten, im Fitnessstudio oder beim Bummeln. Wer dann noch gerne kocht und ein gutes Zeitmanagement hat und die Beschäftigung mit dem Kind nicht als Last empfindet, wie immer propagiert, der hat wirklich den Hauptgewinn gezogen.

Dann kommt was, dass bei Männern zwischen 30 und 50 viel mehr über 2000 Netto verdienen als Frauen. Ja, Frauen verkaufen ja lieber Schuhe bei Deichmann als eine Autobahn zu asphaltieren und, wenn alle in die gleichen Lehrberufe wie Friseuse, Arzthelferin oder Verkäuferin drängen und lieber irgendeinen Nutzlos-Abschluss in einer randständigen Geisteswissenschaft machen, als einen in Wirtschaftsinformatik, dann schlagen eben Angebot und Nachfrage gnadenlos zu.

Eine Partnerschaft, in der Frau und Mann sich gleichberechtigt die Aufgaben für Haushalt und Kinder teilen und auch das Einkommen erwirtschaften, wollen 47 Prozent der Frauen zwischen 30 und 50 Jahren – doch nur bei 24 Prozent ist das der Fall. In der Studie heißt es: „Die praktische Lebenswirklichkeit der Frauen bleibt weit hinter ihren Potenzialen und Wünschen zurück“. Woran liegt das?

An den politischen Rahmenbedingungen.

Falsch! Es zeigt, dass die Entwertung der Mutterrolle und der Hype der Medien, dass alle Frauen alles können und nur vollwertig sind mit Karriere und der gleichen Kohle wie Männer, Wirkung zeigen. Welche Frau, die 20 Jahre vorher noch von der eigenen Karriere geschwafelt hat, möchte sich jetzt gerne Heimchen am Herd nennen lassen? Die finden das sicher auch toll, wenn Frauen erfolgreich sind, aber für sie selbst wär‘s eben nichts und insgeheim sind sie vielleicht wesentlich glücklicher, dass sie sich für Kinder und für das überwiegende Zuhausebleiben entschieden haben. Ja, Mareice, gegen die Biologie hilft das ganze Gelaber nix.

Die Zahlen sind das, was ich erlebe: Menschen, die von Gleichberechtigung sprechen, sie aber selbst nicht leben. Dabei ist jede private Entscheidung ein politisches Zeichen. Jede vermeintlich private Entscheidung hat eine politische Relevanz. Das Private ist politisch, das Leitmotiv der Frauenbewegung gilt weiterhin.

Mareice!!! Das ist Gleichberechtigung, wenn die Frau tun und lassen kann, was sie will. Sie kann sich heute sogar dafür entscheiden fünf Kinder von sechs Vätern zu bekommen, ohne dass das noch jemanden juckt. Für Dich ist diese Entscheidung natürlich politisch reaktionär, vor allem, wenn eine Frau sie mit dem gleichen Mann hat und ihr Leben lang bei ihm bleibt. Und in Deinen Augen muss man alles tun, damit Ehepaare genau diese Entscheidung aus finanziellen Gründen nicht mehr treffen können.

Unsere Entscheidungen treffen wir vor dem Hintergrund politischer Rahmenbedingungen. Diese begünstigen unsere Entscheidungen – oder erschweren sie. „Aktuell begünstigen sie vor allem ein traditionelles Familien- und Geschlechterrollenbild“, sagt Carsten Wippermann, Autor der BMFSFJ-Befragung. Die politischen Rahmenbedingungen stünden damit im Gegensatz zur Mehrheit der Bevölkerung, die eine eigenständige ökonomische Existenz- und Alterssicherung für alle Geschlechter betone. In der Studie heißt es: „Im Vergleich zu früheren Dekaden sind für Frauen dieser Generation zudem die Ressourcen und Potenziale größer und vielfältiger. Gleichzeitig sind trotz Modernität im Selbstbewusstsein, Anspruch und Lebensstil gesellschaftliche Geschlechterrollenbilder, tradierte Verhaltensmuster und Fehlanreize wirksam, welche die bestehende Entgeltungleichheit befördern.“

Das hier die traditionelle Familie begünstigt würde, sehe ich jetzt nicht. Die ganzen Gelder mit der Gießkanne und das Ehegattensplitting könntet ihr Euch nämlich wo hinschieben, die Leute würden trotzdem Familien gründen und Kinder kriegen. Denn mit dieser Politik, mit der man Bauen, Wohnen und Energie permanent verteuert, sorgt man nämlich dafür, dass der Postbote oder Handwerker eben finanziell keine Familie mehr stemmen kann. Und dann meinst Du noch, dass wir Entscheidungen ob wir Fahrrad, Auto oder öffentliche Verkehrsmittel fahren oder erwerbstätig sind oder nicht, treffen wir nicht einfach so, sondern aufgrund politischer Rahmenbedingungen. Ja, da spricht die Sozialistin. Wenn sich Politik aus allem weitgehend raushalten würde, dann hätten wir nicht so beschissene Rahmenbedingungen, wo wir zu einem bestimmten verhalten genötigt werden. Und in vielen Bereichen funktioniert das schon. Nur bei den Frauen, die Familie, Kinder und Hausarbeit wollen, beißt man sich die Zähne aus. Kein Girls-Day, kein Madigmachen der Mutterschaft, keine hypen erfolgreicher Frauen in Serien und Filmen zeigt da irgendeinen Erfolg. Eine Genugtuung für die, wenn die so erfolgreichen Frauen, dann kinderlos im Zwischendeck einer Firma festhängen und auf Parship und  Ü40-Singletreffen gehen, weil weder Mann noch Kinder zu Hause auf sie warten.

Ja, Marlice, ist einfach blöd, wenn man sich mit Frauen trifft und eine über die Erfüllung durch ihr Kind und Familie spricht und das positiv bei den anderen hängen bleibt. Das grämt das, dass natürlich Signalwirkung hat. Aber Du hast eine Lösung:

Eigentlich ist es einfach. Was weg muss: Ehegattensplitting und Entgeltungleichheit. Was reformiert werden muss: Lohnsteuersystem und Minijobs. Bis dahin (und das dauert hoffentlich nicht mehr lange), geht es aber auch um unsere Entscheidungen, um unsere Haltung. Entscheidungen treffen zu können ist ein Privileg.

Ja, und dieses Privileg sollten wir dazu nutzen ein Vorbild dafür zu sein, dass die Welt möglichst bald so aussieht wie sie Du Dir vorstellst. Wenn noch immer 70% der Kinder in Familien aufwachsen, dann sollte man deren Stimme berücksichtigen, schließlich soll Politik nicht der Tummelplatz von Utopisten sein, sondern soll den Wählerwillen umsetzen.

Dagegen meinst aber Du:

Wir sollten sie bedacht treffen und dabei die gesellschaftliche Relevanz nicht aus den Augen verlieren. In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Wir haben bei dieser Frage ein Mitspracherecht, das wir nicht nur bei Wahlen mit einem Kreuz nutzen sollten, sondern bei all unseren Entscheidungen.

Wir können nicht darauf warten, dass Politik sich endlich modernisiert. Die Menschen, die das Privileg haben, Entscheidungen treffen zu können, müssen es bewusst nutzen. Wenn wir Gleichberechtigung wollen, müssen wir uns dafür entscheiden, politisch und privat.

Die Gleichberechtigung, die Du willst, ist weder modern noch erstrebenswert. Was die Gesellschaft denkt, wie ich im Rahmen der Gesetze leben will, kann mir und ihr völlig egal sein und geht sie auch nichts an. Das nennt man Freiheit.

Im Zuge eines kommenden Grünen Reiches kann man sicher auch die Kinderlosigkeit oder Ein-Kind-Politik fürs Klima durchsetzen. Dann kann Mareice Vollzug vermelden, dass sich die Frauen jetzt endlich gegenseitig ein gutes Vorbild sind und sich deshalb die Gleich(un)berechtigung endlich durchgesetzt hat.

 

7 Gedanken zu “Normale Frauen. Feinde der Gleichberechtigung?

  1. Neulich hatte ich auch so ein Gespräch. Ja, wenn sich die Politik mal raushalten würde, wäre das Problem, das sie lösen will, gar nicht da. Der konkrete Fall war die horrenden Mietpreise und die sozialistischen Preissetzungs- und Enteignungswünsche. Ben Shapiro hatte den Punkt mal vor einer Weile gemacht. Aber erst jetzt wird mir klar, wie oft das echt stimmt. Einfach lächerlich.

    Zu dem ganzen Feminismus fällt mir noch ein, dass es natürlich eine Befreiung war, dass Leute nicht mehr die Rolle erfüllen MÜSSEN, die statistisch für die meisten Mitglieder des Geschlechts geeignet ist. Also das Natürliche war mal zu sehr als Zwang abweichenden Gemütern aufgedrückt worden. Aber die Lehre der Linken war natürlich das möglichst Überformte nun allen aufzuzwingen.

    Liken

  2. Die Abwertung der Mutterrolle und der „Care-Arbeit“ allgemein haben Feministinnen nicht alleine verbrochen. Dies wurde leider auch von der Politik und vielen vielen Männern betrieben. Und jetzt haben wir den Salat!

    Liken

  3. Ist schon wirklich seltsam, dass schwanger sein und Kinderkriegen keine weibliche Rolle sein darf und Stillen auch nicht. Das muss man intellektuell erst mal hinkriegen…
    Und das schlecht- oder kleinzureden ist auch so ein Ding.

    Aber mir war eigentlich beim Lesen des Artikels noch was Anderes durch den Kopf gegangen: Wieso ist es minderwertig (-er als Karriere), sich um den eigenen Nachwuchs zu kümmern? Ist eine minderwertige vernachlässigende (Fließband-) Erziehung dasselbe wie eine fördernde mit genug emotionaler Zuwendung?

    Klingt für mich eher nach Neid. Zu hoch hängende Trauben, die man sauerredet.

    Liken

    1. Passende Überschrift: „Ehefrauen und Mütter gleichberechtigt? – Das darf doch nicht wahr sein!“
      😉

      Liken

  4. „Ehegattensplitting abschaffen“ bedeutet noch höhere Steuern zahlen. Bedeutet noch weniger Geld für Familien. Bedeutet Frau muss dazuverdienen und das Kind in eine Indoktrinations— und Verwahranstalt geben. Ist schon irre das Gesülze von so einer Brotloskünstlerin zu lesen.

    Gefällt 1 Person

    1. Genau! Links-grün-feministische Ideen gehen immer davon aus, die würden neben ihren positiven Wünschen keinerlei Nebeneffekte haben. In jedem Artikel, wo es über sowas geht bin ich schon soweit, dass ich eine pdf zum Runterladen anhänge, weil sonst würde das jeden Rahmen sprengen, wenn man auch noch im Detail darauf eingeht, wo solcher geistiger Müll in der Realität hinführt. Berlin wird allerdings genau so regiert und da kann man das Ergebnis dann immer live mitverfolgen. Lehren zieht man allerdings nicht daraus, sondern will zur Lösung noch mehr vom Gleichen.

      Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.