Mit Zwang zur Meinungseinfalt.

Ich kenne genügend Leute, die die Meinung über politische oder gesellschaftliche Dinge, die sie irgendwo gelesen oder gehört haben, als ihre eigene verkaufen, obwohl sie keine Ahnung über größere Hintergründe haben. Vor dem Internet hielt sich schon als belesen und besser informiert als der Rest, wenn man Die Zeit, Süddeutsche oder den SPIEGEL gelesen hat und war auf dem neusten Stand, wenn man Report oder Panorama regelmäßig geschaut hat. Und es war ja nicht alles schlecht.

Wenn man sich mit jemanden über ein Thema interessiert unterhalten hat, dann war man am Ende eigentlich immer schlauer als zuvor, denn niemand konnte alles gelesen und gesehen haben. Im Grunde waren es nur „Rohdaten“, die von niemandem vorverdaut wurden, so dass sich die eigene Meinung, die man sich zu einem Thema bildete, zusätzlich an der Realität und dem gesunden Menschenverstand messen musste.

Heute kann man dagegen alles schnell googeln oder in der Mediathek bzw. Youtube abrufen. So geht es heute nicht mehr um Inhalte, sondern um die seriöse Quelle und die Seriosität der Personen, denn nun kann jeder selbst recherchieren und kann bei jedem Ereignis „live“ dabei sein. Tun aber die meisten nicht, weil sie glauben, allein, weil das, was z.B. die Meldungen der ÖR-Medien leicht nachprüfbar wären und sogar in jeder Sendung ein passender Experte antanzt, der die Meldung oder Meinung veredelt, wäre Glaubwürdigkeit genug. Und, wenn alle Leitmedien das gleiche bringen, muss es ja wahr sein und wahr ist, was die richtige Haltung zeigt. Nun ist es blöderweise so, das sich trotzdem nicht vermeiden lässt, dass dieser Humbug mit der Realität und dem gesunden Menschenverstand kolidiert und es inzwischen genügend Plattformen gibt, die den Finger in die Wunde legen. Da diese aber nie bis in den Mainstream vordringen und dieser jede Diskussion verweigert, haben zwar viele Artikel dort einen sachlichen Kern, der gut belegt ist, doch wer nicht gehört wird, der wird irgendwann zynisch, macht sich über die offensichtliche Unfähigkeit lustig oder wird schlicht und einfach wütend. Die Wut findet sich dann aber meist in den Kommentarspalten.

Ich war ziemlich blauäugig, dass ich schon vor langer Zeit Bekannten und Kollegen auch Plattformen wie Jouwatch, achgut, Tichy, RT oder eike u.a. empfohlen habe, nicht, weil die immer recht haben, sondern, weil sie eine andere Sichtweise auf die Realität bieten. Früher las man SPIEGEL, taz, FAZ usw. und setzte aus allen verschiedenen Sichtweisen und Fakten seine eigene Meinung zusammen; damals konnte man Nachricht und Meinung noch unterscheiden. Inzwischen schreiben ja alle denselben Teig wie auch das ÖR-Fernsehen verkündet. Kein Wunder, dass deren Verkaufszahlen Monat für Monat weiter in den Keller rattern. Nun hat man sich ein ganz perfides Spiel ausgedacht, um die Talfahrt zu stoppen. Man hat jouwatch die Gemeinnützigkeit aberkannt, was an sich noch nicht schlimm wäre. Erst die „Qualitätsmedien“ haben den Schaden angerichtet, denn Zeit online schreibt zum Beispiel, dass jouwatch rechtsradikale Hetze verbreiten würde, und man kann sicher sein, dass man auch die oben genannten Plattformen nach und nach abarbeitet, damit man ihnen das Label rechtsradikal medienwirksam anhängen kann, denn Wikipedia tut es bereits. Bei all diesen Plattformen heißt es entweder rechtsradikal, rechtspopulistisch, immer weiter nach rechts gerückt, verbreiten Verschwörungstheorien, AfD-nah usw. und als Beleg werden dann Vertreter der Leitmedien zitiert wie von der taz. Das ist so, wie Veganer über die Qualität von Metzgereien urteilen zu lassen. Da es sich bei den Internetseiten meist um Autorenkollektive handelt, kann man darüber hinaus Autoren diskreditieren, wenn sie dort schon veröffentlicht haben bzw. man kann jede Plattform der islamfeindlichen und rechtsradikalen Hetze bezichtigen, der jemals einen Artikel von Akif Pirinci veröffentlicht hat. AKK und von der Leyen nicht fähig für ihr Amt zu halten, könnte inzwischen auch schon reichen.

Dieses Vorgehen ist aber von besonderer Tragweite, denn jeder, der einen Artikel von diesen Plattformen auf Twitter oder Facebook weiterverlinkt, den kriegt man jetzt wegen Verbreitung rechtsradikalen Gedankengutes dran und kann ihn sperren. Bitter, wenn man einen eigenen Blog betreibt und sich einfach aller Quellen bedient, dann kann man natürlich ebenfalls sofort als rechtsradikal gebrandmarkt werden. Man kann nicht mal mehr seine eigenen Beobachtungen öffentlich machen, wenn sie die richtige Haltung beeinträchtigen, denn die völlig Irren glauben da an eine verzerrte Wahrnehmung, wenn man zum Beispiel der Berliner Polizeipräsidentin folgt.

 Sorge bereite ihr aber, dass die Belastung mancher Polizisten in schwierigen Kiezen Berlins zu problematischen politischen Meinungen führen könne, sagte Slowik. „Etwa in bestimmten Stadtteilen, wo die Polizisten immer wieder mit denselben Problemen wie Respektlosigkeit, Widerstand konfrontiert sind.“ Daraus könne sich eine bestimmte Einstellung entwickeln. „Das prägt, wenn man da über Jahre ist. Das kann ja nicht ausbleiben. Und das ergibt dann ein gewisses Zerrbild der Realität, weil man das alltäglich erlebt.“ (bz-berlin.de, 18.7.2019) zitiert von hier wie unten.

Wer das Falsche liest oder sogar weiterverbreitet, dem wird unterstellt, dass er das auch inhaltlich völlig gutheißt bzw. alle, die jemals für die gleiche Seite geschrieben haben. Ich merke das natürlich auch persönlich, wie sich Leute plötzlich verhalten, wenn sie wissen, dass man da keine Berührungsängste hat. Selber würden die nicht draufkommen, es braucht mindestens einen, der sie darauf hinweist und in ihrer Gegenwart dann hochkocht.

Hessen will ja Hass und Hetze im Netz stärker bestrafen, doch meist scheitert es daran, die Urheber zu ermitteln, deshalb sucht man sich Partner außerhalb der Polizei:

„Dazu will das Ministerium auch mit Nicht-Regierungsorganisationen zusammenarbeiten, die den Behörden Hass-Postings melden sollen. Als zentrale Ansprechpartnerin ist die Zentralstelle zur Bekämpfung von Internet-Kriminalität (ZIT) in Gießen vorgesehen, die dazu personell aufgestockt werden soll.“

Man kann sich jetzt schon vorstellen, wen man dazu engagieren wird und, dass diese dann sehr selektiv nur gegen die Kritik am Mainstream und der Regierung vorgehen werden, so wie schon in den USA, wo man Paul Joseph Watson im Grunde straflos beleidigen und gegen ihn hetzen kann wie man will, denn er fällt unter die Ausnahme bei Facebook, weil er unter die Kategorie bösartig fällt.

Da die Gerichte inzwischen dazu übergegangen sind, auch kritische Vergleiche, Anspielungen oder Andeutungen zwischen den Zeilen als „Beleidigung“ zu bewerten, ist einer flächendeckenden Verfolgung Andersdenkender Tür und Tor geöffnet. Denn im Zweifelsfall zählt nicht das Wort selbst, sondern wie der Betroffene das Wort auffasst.

Die Folge ist die Schere im Kopf des Bürgers und präventives Schweigen, denn nicht jeder kann das Spiel mitspielen, wie Dushan Wegner bemerkt:

Wer heute in der deutschen Gesellschaft mitspielen will, wer seinen Job braucht oder ihn einfach nur gern tut, wer sein Häusle abbezahlen und seine Kinder noch durch die Schule bringen will, der tut klug daran, für eine Weile noch das moderne Spiel mitzuspielen.

Einen Weg zurück gibt es aber nicht, denn man plant die IP-Adressen länger zu speichern, was dazu führen könnte, dass man für einen Post vor Gericht gezerrt wird, den man schon Jahre vorher veröffentlicht hat. Es muss strafrechtlich nicht mal relevant sein, denn Dienstherr und Arbeitgeber können dann die Daumenschrauben anlegen. Da genügt ein persönliches Gespräch, wo sie Besserung geloben müssen, damit sich die Leute in Zukunft generell jeder persönlichen Meinung enthalten.

Das obige Zitat der Polizeipräsidentin oder der Kommentar in der tagesschau, dass Flureisen keine Privatsache wären und

„Der Mensch funktioniert nicht über Freiwilligkeit, er will gezwungen werden.“

zeigen, dass man in den Führungszirkeln von Politik und Medien völlig die Bodenhaftung verloren hat. Man trägt mit Klima und Rechts derzeit so dick auf, dass sie von der nahenden Rezession überrascht werden und bei den folgenden Verwerfungen völlig planlos umherirren. Dann dürften Klima, Rechts und Hass und Hetze im Netz wohl das kleinste Problem sein. Voraussetzung ist, dass sie zumindest oberflächlich ihren Ausgang in Deutschland nimmt, dass man es nicht Trump in die Schuhe schieben kann. Ich denke, dass er da aber am längeren Hebel sitzt und die USA allgemein nicht als Sündenbock dastehen wollen. Die Lunte scheint schon gelegt, denn von der Deutschen Bank werden täglich 1 Milliarde Euro von Hedge-Fonds abgezogen und da Zweifel an ihrer Liquidität bestehen könnten es auch die 150 Milliarden Reserve auf einmal sein, sozusagen ein Bank-run der anderen Art. Die Bank nimmt seit Jahren eine Entwicklung wie Lehman Brothers und irgendein Ende bzw. Neuanfang muss es ja geben.

Die alternativen Internetportale und in der Folge die Bürger mundtot zu machen wird immer mehr beschleunigt. Gleichzeitig sind die politischen Entscheidungen und die Berichterstattung in den Leitmedien inzwischen eine derartige Zumutung für den Bürger, dass es inzwischen dem wohlmeinensten auffallen muss.

Standhaft zu sein und nicht zu schweigen kann im Nachhinein eine mutige Entscheidung sein. Es könnte aber auch eine große Dummheit sein, wenn sich dieser Irrsinn über Jahre verfestigt und man finanziell und beruflich sillgelegt wird. Für mich ist die Sache ohnehin gegessen, denn wer mir durch meine bisherigen Äußerungen und Veröffentlichungen etwas anhängen will, der schaffte das vielleicht vor drei Jahren noch nicht, doch bei den sich ständig wechselnden Maßstäben vielleicht schon nächste Woche. Jetzt plötzlich einen auf Haltung zu machen, wäre ja völlig bescheuert.

Also, wenn hier mal für eine Woche nix erscheint, dann bin ich entweder tot oder wurde stillgelegt.

 

 

 

6 Gedanken zu “Mit Zwang zur Meinungseinfalt.

  1. Danke. Mein Leser/Zuschauer American Viewer hatte mir von der Dienststelle in Gießen geschrieben, aber nicht genau den Namen genannt.

    Was auch krass ist, ist dass sich die AfD so von Pegida und Identitären abgrenzt. Die tun sich damit keinen Gefallen. Ich will ehrlich gesagt auch nicht von Herrn Meuthen in die Naziecke geschoben werden.

    Ich werf noch mein Video zum Jouwatchgeschiss hier rein:

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  2. Google ist mittlerweile auch krass. Es gibt Videos, die ich einstelle, die haben 0 Views auf Youtube. Die haben natürlich immer noch Dutzende auf Bitchute und Dailymotion, aber der ganze Witz von Youtube ist gewesen, dass Leute auf ein Video aufmerksam werden. Da kann man nicht mal meinen, es läge an der Qualität, wenn so schier kein einziger überhaupt mitkriegt, dass etwas online gestellt wurde.

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  3. Ich gehe davon aus, dass ein gewalttätiger Bürgerkrieg angefacht werden soll. Ich hatte das vorher schon geäußert, aber die neulichen Tagesschau-Kommentare sind zu „militärisch“. Das sind keine Zivilisten mit komischen Meinungen und auch keine Dummen, sondern Anheizer. Man pienzt entsprechend nach jeder Salve über die Morddrohungen und dass bei dem Lübcke die Sache auch noch aufgegangen ist, ermutigt die nur weiter. Die Brauchen ihre Märtyrer. Der ganze Scheiß ist von der Hamas kopiert.

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  4. Es ist die ständige Wiederholung die es macht. So geht irgendwann die Information direkt ins Unbewusste. Und das ist in der Regel eben stärker als das Bewusstsein mit dem eigenen Denken. Auch die Halbwahrheiten sind sehr gefährlich. Trotzdem. Dieses Rächts -und Nazi-Bashing ist dermassen überzogen und penetrant, dass es einem irgendwann auffallen und sauer aufstossen sollte. Manipulation vom Feinsten, meine eigentlich sollte es heissen vom Gröbsten.

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  5. Grundsätzlich: Ich empfehle schon seit längerem die NZZ für diejenigen wenigen, die noch eine echte Papierzeitung lesen. Da hat der Maaßen meine Meinung: Ist wie Westfernsehen.

    In Deutschland – das zeigt das Zitat sehr schön – ist Haltung wichtiger: „Das prägt, wenn man da über Jahre ist. Das kann ja nicht ausbleiben. Und das ergibt dann ein gewisses Zerrbild der Realität, weil man das alltäglich erlebt.“

    WIESO ist es ein _Zerrbild_ der Realität, wenn man es _täglich_ erlebt? Ist dann nicht vielleicht das, was du als Realität haben willst, Mädel, das utopische Wunschbild? Was halt nix mit dem zu tun hat, was man _täglich erlebt_?!

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