ÖR-Nachrichten: Irrelevanz als Marke.

Ich habe ja schon häufiger beschrieben, dass ich schon das Kotzen kriege, wenn ich nur den Vorspann einer deutschen Nachrichtensendung sehe. Es gibt in meinem Alltag nichts, was denen das Wasser reichen könnte, der Rest des Programms kommt knapp dahinter. Vor Jahren hielt ich solche Sendungen wie Goldfisch, Tiger & Giraffe wegen des zuckersüßen, dämlichen Gelabers für nervig; heute bin ich so abgehärtet, dass ich die Zoosendungen als einen der wenigen Lichtblicke sehe. Falls ich die Kiste überhaupt als Hintergrundrauschen anhabe.

Da frag ich mich natürlich, was macht diese Nachrichtensendungen inzwischen so unerträglich. Es ist nicht allein das, dass es abwechselnd fast nur mehr Klima, Nazi, Trump gibt, sondern es muss tiefer liegen. Es ist nämlich nicht, dass man belogen würde, sondern durch die Art des Framings, das sich über lange Zeit hingezogen hat, wo man am Anfang dachte, das wäre jetzt einfach zu blöd. Man kann es an zwei Beispielen sehen. Während des #metoo-Gedöns sah man immer Frauen in Interviews und Gerichtverhandlungen fast zusammenbrechen, weil sie angeblich rassistisch oder sexuell beleidigt oder angegrabscht wurden. Die Vorwürfe, ins besondere die Äußerungen, die die Männer ihnen gegenüber gemacht hatten, waren meist ziemlich lachhaft. Ebenso die angeblichen rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen von Trump. Können sie noch eine nennen? Natürlich nicht. Irgendwann hieß es nur mehr irgendwas wäre rassistisch und das müsste so sein, weil alle bestürzt sind und alle ihren Senf dazu geben. Der Kontext oder die Vollständigkeit einer Aussage spielt gar keine Rolle mehr. Das gleiche gilt für den angeblichen Klimawandel. Da hieß es plötzlich auf allen Programmen, die Welt würde in 10 Jahren untergehen, wenn wir nicht alle „umkehren“ und ein paar Städte riefen gleich den Klimanotstand aus. Warum jetzt ausgerechnet in 10 Jahren die Welt untergehen soll oder warum sich jetzt ausgerechnet Konstanz im Notstand befinden soll, wurde gar nicht angesprochen.

Und plötzlich war wieder Ruhe; nur die Begriffe laufen neu geframed weiter, denn der indoktrinierte Zuseher wird jetzt alles automatisch in der gewünschten Weise im Kopf verarbeiten. Der Grad wie rassistisch irgendwas ist, misst sich daran wie viele Leute bestürzt sind und ihren Senf dazugeben. Allein in der gestrigen tagesschau-Startseite handelten drei der vier Schlagzeilen davon, warum Trump durch seine rassistischen Tweets für die Amokläufe der letzten Tage verantwortlich sei. Er habe sozusagen durch seinen verbalen Hass bzw. Hetze für diese Ergebnisse gesorgt. Genauso wie man das PEGIDA oder der AfD beim Fall Lüdcke anhängen will. Dadurch wird allein durch das Framing eine Relevanz aufgeblasen, die früher gegen Null ging. Und man ist schon etwas mehr als verstimmt, wenn sie das ganz genau wissen. Was soll man von so einem Idiotensender halten, wenn ein ehemaliger Journalist von taz und NEON, die das sogar noch über das normale Maß hinaus aufblasen, ein Buch zu vermeintlichen Naziwörtern und deren damaligen Gebrauch geschrieben hat und in einem Interview mit der Überschrift „Sprache ist kein Gift“ meint:

Allerdings gab es die Neigungen schon vorher. Die Leute waren bereit, zu morden. Sie wurden nicht durch die Begriffe dazu gebracht – das ist eine Überschätzung von Sprache. Sprache ist kein Gift, das langsam, aber sicher die Hirne zersetzt.

Aha. Uns wird uns also täglich der größte Bullshit erzählt, angebliche „Experten“ hauen uns genau das Gegenteil um die Ohren und ganze Sendungen wie Talkshows und Presseclub befassen sich damit.

Aber einen Tag vorher, also vorgestern, kam es noch schlimmer. Die vier ersten Schlagzeilen auf tagesschau.de: Zum Klimawandel. Nun springen da in den Sendungen ja auch wieder vermeintliche Experten herum, die das für uns „einordnen“. Da heißt es immer mehr, immer schlimmer, immer stärker und es werden uns monströse Zahlen um die Ohren gehauen. Nicht nur, dass man dabei die Zuseher rein auf der emotionalen Schiene kriegen will, nervt mich, sondern, dass man alles tut, damit sich der Zuseher ja keine Vorstellung von der Relevanz des Ereignisses an sich und der Meldung überhaupt machen kann. Weil heute schon manche Studenten nicht mehr in der Lage sind Prozentberechnungen durchzuführen, geschweige irgendwelche Vorstellungen von Mengen, Flächen und Konzentrationen haben, kann man sich ausrechnen, dass der Durchschnittsbürger natürlich alles von Haus aus fressen wird.

Die angeblich so gefährlichen Waldbrände in Sibirien gefährden das Weltklima lief im Fernsehen rauf und runter und war jeder Zeitung eine Schlagzeile wert. In der ZEIT heißt es: 3 Millionen Hektar abgebrannt. Es dauert 100 Jahre bis der Wald nachgewachsen ist und es ist mit 30 Grad „ungewöhnlich“ heiß. Im Text darf dann einer von Greenpeace ran, so wie gestern im Fernsehen, und irgendwas vom Klima labern.

„Ungewöhnlich“ ist inzwischen jedes Wetter, obwohl es zu Sibirien sogar in einer ARD-Sendung heißt:

Im Winter fällt das Thermometer bis minus 50 Grad, im Sommer dagegen herrschen öfter plus 30 Grad Celsius.

Wenn man mit Hektar hantiert, müssen schon alle Alarmglocken läuten, vor allem, wenn diese Zahl mit der Banalaussage, es dauert 100 Jahre bis die nachwachsen, kombiniert ist. 3 Millionen Hektar sind 30000 km2, also ein Rechteck mit etwa 175 km Kantenlänge. Bei einer Gesamtwaldfläche von 800 Millionen Hektar ist das ein Fliegenschiss, vor allem, wenn es sogar auf einer Lernplattform für Schüler heißt, die hier zitiert wird:

Durch die häufig beobachtbaren Taigabrände werden einerseits jährlich etwa 80000 km² Taigawald vernichtet, andererseits aber wird durch das Feuer das Nährstoffangebot aus der lebenden und toten Biomasse beschleunigt freigesetzt und für den Neuaufbau von Biomasse wieder bereitgestellt. Deshalb werden Waldbrände auch nicht mehr als Umweltkatastrophen betrachtet.“

Wie relevant ist also die Meldung über die jährlichen Waldbrände, wo durch die Medien mehr heiße Luft hineingeblasen wird, als bei den sämtlichen Bränden dort entsteht? Das ist völlig irrelevant und wird durch die Medien zu einem großen Haufen Bullshit verquirlt, wo dann Lobbyisten wie Greenpeace ihren Senf dazugeben dürfen. Ich fühl mich da nicht mal mehr belogen, sondern nur noch völlig verschaukelt, wenn dazu in der Anmoderation die Labertussi eine unterdrückt bestürzte Miene aufsetzt, als würden die Brände übermorgen auf Sachsen übergreifen. Gut, dass es jetzt in Deutschland ohnehin ein neues Waldsterben gibt. 100000 Hektar wären schon tot. Fichten, Tannen, Buchen streben großflächig ab, habe ich gelesen. Ein Quadrat mit der Fläche 10×10 km, bei einer Waldfläche von 11,4 Millionen Hektar? Großflächiges Absterben? Was für ein Schwachsinn.

Man gibt Meldungen nicht mal mehr nur einen gewünschten Spin, sondern bläst in allen Bereichen entweder eine apokalyptische Phantasiewelt oder ein wie-haben-uns-alle-lieb Lala-Land auf. Angeblich haben die ÖR-Sender einen Bildungsauftrag, doch heute befördern sie und nutzen es aus, dass wir ein Land der Doofis werden, wo unser Bildungssystem schon den Grundstein legt.

In einem Land, wo man „Seenot“ im Kopf meist mit Titanic und hohen Wellengang in Verbindung bringt, kann man auch koordinierten Fährdienst nach Europa und den Umstand, dass Joachim Gauck bis zu den Knien im Wasser steht als solche verkaufen. Ja FAZ, alles richtig gemacht im Fall Gauck:

FISCHERBOOT GEKENTERT:

Ehemaliger Bundespräsident Gauck aus Seenot gerettet.

Mehrere Rettungskräfte waren im Einsatz und er konnte unverletzt aus dem Wasser gezogen werden. Die meisten Leser fabulieren sich mit so einem Artikel im Kopf natürlich die Dramatik selbst zusammen. Seenot! Gauck hängt japsend an einer Holzplanke und muss sich beim Anblick des Rettungskreuzers am Horizont gefühlt haben wie Robinson Crusoe als er seine Insel erblickte. Man muss natürlich verschweigen, dass Gauck stand und das Wasser ihm bis irgendwo zwischen Knie und Steißbein reichte. Aber das wissen inzwischen auch die Praktikanten bei den Leitmedien wie man einen belanglosen Vierzeiler zu einer relevanten Meldung aufbläst.

Gestern ist durch den Wind ein Baum umgestürzt. Gab es sogar einen Filmbericht dazu. Da bekommt auch der Wetterbericht danach einen ganz anderen Spin, wenn es wieder heißt Gewitter mit extrem heftiger Starkregen mit Unwetterpotential. Da hat ganz Deutschland wieder schlaflose Nächte wegen der Schönen Geranien und dem Zuchtapfelbäumchen. Und mit dem Klimawandel wird alles noch viel, viel schlimmer werden, hat die Greta gesagt. Der findet anscheinend nur in Deutschland statt, denn in einer Straßenumfrage, hat man gefragt, was man von der Greta Thunfisch hielte. Witziger weise hat man die ganzen Verschleierten nicht gefragt, war aber egal, denn die auch die ganzen Niederländer und Belgier meinten, sie würden sie nicht kennen, sie wären nicht von hier. Sogar zwei etwa 16-jährige Mädels kannten sie nicht, dass die das Zugpferd von FFF sind. Schande! Das wäre so, als würden sie ihren Lehrer fragen, wann die nächsten Ferien begännen.

Man könnte die Liste völlig irrelevanter Meldungen noch fortsetzen: Maas hat eine Meinung zum Iran, E-Scooter sind gefährlich, meinen „Experten“, Panda im Berliner Zoo geboren. Wenn ich denke wie ich schon geladen bin, wenn ich nur zufällig die Kleber-Fresse sehen – und ich bin eher von der gutmütigen Seite- dann frage ich mich, ob man in Deutschland auch so wahllos rumballern würde wie in den USA, wären Waffen auch bei uns so verbreitet.

Wie wollten die das ÖR-Fernsehen framen? Bürgerfernsehen oder Gemeinschaftsfernsehen, kann ich mich erinnern. Keine gute Idee, denn der Durchschnittsbürger produziert keinen solchen unglaublich bodenlosen und irrelevanten Schwachsinn wie die und will sicher nicht damit in Verbindung gebracht werden. Allein für die Zwangsgebühren, die sie dafür abkassieren, müssten sie ihnen wenigsten diesen Gefallen tun.

 

 

 

9 Gedanken zu “ÖR-Nachrichten: Irrelevanz als Marke.

  1. Mir schon lange, lange ein Dorn im Auge. Mir ist auch zuviel Ausland. Die Engländer sollen dies machen, die Amis jenes. Nur bei uns ist schon alles perfekt und kaum einer Meldung würdig. Es sei denn über „Nazis“ oder Leuten, denen man jetzt nur mit Steuergeldregen helfen kann.

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  2. Man fragt sich schon, warum jeder Twitter-Furz von Trump (das ist seine Oeffentlichkeitsarbeit fuer SEIN Wahlvolk, nicht fuer Auslaender) in den deutschen Medien ausfuehrlich zitiert und abgebuerstet wird, waehrend man die lokalen Geschehnisse als nur regional relevant ignoriert. In schwarz-diversifizierten US-Grossstaedten sterben jedes Wochenende mehr Leute an Schussverletzungen, als bei jedem der sog. Amokschuetzen-Vorfaelle. Wie in der DDR sind die deutschen Nachrichten praktisch ausschliesslich Propaganda. Aber wie Goebbels und andere Propaganda-Experten schon wussten, man muss eine Luege nur oft genug wiederholen, dann wird sie geglaubt.

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  3. Wie wäre es mit „Gleitmedien“?

    Mein Anlass zur dauerhaften Abschaltung war die Abschaltung von DVB-T. Hab ich mir wie Du gesagt: Nervt mich bloß noch und auf so dummes Zeug käme ich auch von alleine. afür keinen Pfennig, äh Cent mehr.
    Ach ja, Niedersachsen hat auch die Förderung für DAB+-Radio eingestellt; wäre nicht mehr zeitgemäß, die wollen auf 5G raus. Also sag ich mir: Ja ja, die gleitmedien sind nicht mehr zeitgemäß, ich kauf nix neues Radio, um denen auch noch hinterherzurennen. Also bei mir auch im Radio dauerhafte Abschaltung.

    Lebt sich gut so! Ich muss nicht mehr warten, was die mir reindrücken, sondern ich klicke im Netz selber, wen ich wann worüber lesen will. Das ist zeitgemäß 🙂

    An die ganzen Zentrallorgane: Sterbt. Ihr habts euch gründlich verdient. Auf allen Ebenen. Aber echt. Und heult nicht so dabei, das nervt.

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