SPIEGEL-Parallelwelten

SPIEGEL-Leser wissen mehr, heißt es. Nicht nur, weil sie uns mit den wichtigsten Nachrichten und Hintergründen versorgen und sogar noch diverse Kolumnisten beschäftigen, die uns die Welt erklären. Ich habe nun auf SPIEGEL-online ein wenig geschmökert. Wie üblich werden auf der Nachrichtenseite die üblichen Feindbilder und Hysterien bedient. „Es dauert 100 Jahre bis der Regenwald nachgewachsen ist.“ Wahnsinn! Wahnsinn mit welcher Banalaussage man die Leute ködert, nicht nur, dass hier die jährlichen Feuer ausgerechnet jetzt gehypt werden wie vor einigen Wochen in Sibirien, sondern, weil ein ausgewachsener Wald gewöhnlicherweise eben 100 Jahre braucht bis er nachwächst. Für jeden Holzbalken musste ein Baum sterben, dessen Samen vielleicht gerade aufgeht, damit ich in 100 Jahren wieder zum Obi fahren kann. Der Niedergang dieses Magazins scheint nicht nur an solchen Meldungen zu liegen, sondern vor alle an den Kolumnisten, die alle eines gemeinsam haben. Die Welt besteht nur aus ihrem Bekanntenkreis und dem unbekannten Pöbel bzw. ist genauso wie es im Spiegel erklärt wird. Deshalb verlinken sie immer auf sich selbst oder andere SPIEGEL- Artikel.

Deren Weltbild wird von mir nicht nur behauptet, sondern wird von Christian Stöcker beispielhaft bedient.

Wer hat Angst vorm kleinen Mann?

Progressive Klimapolitik ist in Deutschland kaum möglich – weil sich Politik und Wirtschaft vor dem Aufschrei der Bevölkerung fürchten. Von der haben sie aber offenbar ein vollkommen veraltetes Bild.

Er stört sich daran, dass Politiker sich gegen den Kohleausstieg wehren, weil dies unsozial wäre. Zuerst beschreibt er die Durchschnitts-Pöbelfamilie, nach der Politiker (angeblich) ihre Politik ausrichten.

Manchmal kann man den Eindruck gewinnen, dass bei uns vor allem für eine ganz bestimmte Familie Politik gemacht wird: für die schwäbische Hausfrau, den kleinen Mann und ihre zwei Söhne, den rechtschaffenen Kohlekumpel und den fleißigen Mitarbeiter einer Automobilfabrik. In manchen Versionen gibt es auch noch eine Tochter, die ist alleinerziehende Mutter und das schwarze Schaf der Familie. In der Windenergie- oder Solarbranche arbeitet ganz bestimmt kein Mitglied der Familie.

Natürlich isst diese Familie liebend gern Fleisch, grillt, wäscht das Auto jedes Wochenende; jedes Klischee wird bedient. Natürlich fahren sie einen Diesel, ungern U-Bahn, haben ein schlecht isoliertes Haus mit Ölheizung und verschwenden nur einen kurzen Gedanken an Greta Thunberg, Klimaflüchtlinge und die Zukunft ihrer Kinder.

Das kommt aber selten vor, denn die Mitglieder der fiktiven Familie sind mit ihren Hauptbeschäftigungen „hart arbeiten“ und entweder „bescheidenen Wohlstand genießen“ oder „um gesellschaftliche Teilhabe kämpfen“ weitgehend ausgelastet.

Diese veränderungsunwillige Vorzeigefamilie, die bei jeder Veränderung rumschreit, hat der gemeine Politiker im Hinterkopf, wenn er sich gegen die einschneidenden Maßnahmen für den Klimaschutz stellt, meint Stöcker.

Er meint auch, dass die zwar das Gefühl hätten, dass sich was ändern müsste, aber diese Familien ohnehin nur mehr eine Minderheit wären, weil (er verlinkt einen Spiegelartikel) die meisten schon viel weiter wären. Schließlich sind 68% für mehr Klima- und Umweltschutz.

Und genau hier muss an einhaken, denn Klimaschutz ist kein Umweltschutz, ganz im Gegenteil. Die meisten haben nämlich nur ein „Gefühl“, man müsste explizit etwas für den Klimaschutz tun. Jeder wird täglich von Horrormeldungen über Waldbrände und Wetterextremen aus aller Welt zugemüllt, wer jedoch direkt betroffen ist und schon ein gewisses Alter hat, der wird es nicht auf den Klimawandel schieben. Wenn die Passauer wie 2013 „Jahrhunderthochwasser“ haben, dann haben sie 500 Jahre gewartet bis sie zumindest 2013 wieder an den damaligen Höchststand herankamen und auch die restlichen Höchststände sind schön über ein Jahrtausend verteilt. Ebenso „Schneekatastrophen“ im Bayerischen Wald und jetzt der Borkenkäfer wird außer den staatlichen „Experten“ keiner dem Klimawandel zuordnen. Es gab hier schon blühende Kirschbäume im Januar und wie im letzten Jahr auch fast zwei Meter Schnee. Genauso wird der Bewohner von Sibirien den Kopf schüttelt, dass man heuer die jährlich wiederkehrenden Waldbrände in seiner Region bei uns so gehypt hat.

Wenn es um den Umweltschutz geht, dann sind die Bürger sehr wohl zu Veränderungen bereit. Man hat gerne gezahlt für Autokatalysatoren und Kläranlagen. Früher hatte jeder Ort seine offene Müllkippe, die habe ich noch erlebt. Natürlich war es bequemer seinen Müll in die Grube zu werfen, die die Bauern von Zeit zu Zeit ausgehoben und dann zugeschüttet haben. Die Bürger haben gesehen, dass sie was davon haben, wenn sie ihren Dreck nicht einfach in der Natur deponiert, weshalb heute auch der deutsche Pöbel weitgehend seinen Müll säuberlich trennt und den Sperrmüll nicht wild entsorgt, sondern dafür bezahlt.

Wo der Bürger aber nicht mehr als ein „Gefühl“ hat und später, wenn er sich informiert, auch die Bestätigung, dass angebliche Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen völlig überzogen, wirtschaftlich zerstörerisch sind und neben horrenden Kosten sich inzwischen auch gegenseitig ausschließen, kann man nicht erwarten, dass er noch freiwillig diesen Humbug mitmacht. Er muss sozusagen zu seinem Glück gezwungen und genötigt werden, indem man mit Steuern und Abgaben „steuernd“ eingreift. Ja, Stöcki, da werden die Bürger noch weniger an die Zukunft denken, wenn sie in der Gegenwart schon damit zu tun haben durch ihre Arbeit den Rachen der Klimalobbyisten voll zu kriegen. Das ist Dir auch aufgefallen, weshalb Du da gleich die Lösung hast:

Wenn all diejenigen, die bei, sagen wir mal, höheren Fleischpreisen vor „sozialen Schieflagen“ warnen, sich wirklich so für soziale Gerechtigkeit interessieren – wieso regen sie dann nicht einfach mehr Umverteilung an?

Typisch die linke Denke. Man quetscht alle aus und verteilt den kümmerlichen Rest dann vermeintlich gleichmäßig auf alle. Deshalb finden auch so viele die 100.-€ Klimaprämie so toll, während nach den Vorstellungen der Ökosozialisten pro Bürger im Gegenzug tausende Euro im Jahr fällig werden um uns zu dekarbonisieren. Ja, Stöcki, da bleibt dann wohl kein Geld mehr, die Fenster zu isolieren und den Dachstuhl zu dämmen.

Aber auch, wenn es weiterhin in der Wohnung zugig bleibt und man Urlaub in Balkonien machen muss, so weiß er genau, was der nichtexistenten Durchschnittsfamilie zu ihrem Glück fehlt:

Schöner, ruhiger, entspannter, gesünder, heller

Was diese Gesellschaft braucht, ist ein neues, positives Selbst- und Zukunftsbild. Dieses Bild existiert sogar längst, jenseits dessen, was sich viele Politiker immer noch ausmalen, wenn sie „öko“ sagen. Eine nachhaltige Lebensweise hat heute rein gar nichts mehr mit Kleidung aus Jutesäcken, verfilztem Haar, Freudlosigkeit, Humorlosigkeit und geschmacklosem Essen zu tun.

Auch die schwäbische Hausfrau und der kleine Mann würden sich freuen, wenn auf der Straße vor ihrer Mietwohnung nicht mehr Feinstaub und Abgase in die Luft gepustet würden, wenn der Verkehrslärm nachließe oder ganz verschwände. Wenn die Söhne Jobs hätten, die sie nicht physisch kaputtmachen. Sie würden länger, gesünder und glücklicher leben, wenn sie sich gesünder, also weniger fett-, fleisch- und zuckerhaltig ernährten. Wenn sie öfter mal mit dem Rad unterwegs wären.

Es geht nicht ohne Veränderung, das ging noch nie

Sie würden begeistert in modernen Hightech-Zügen auf Schienen durchs Land zischen und in den weitläufigen Fußgängerzonen autofreier deutscher Innenstädte entspannt bummeln gehen. Sie würden stolz auf lautlos kreisende Windräder und blauschimmernde Solardächer blicken und sich denken: „Was ist das doch für ein schönes, sauberes, zukunftsfähiges Land.“

Ein nachhaltiges, CO2-neutrales Leben ist ruhiger, entspannter, gesünder, heller, schöner. Wer das „unsozial“ findet, hat nicht verstanden, dass Veränderung zum Wesen jeder Gesellschaft gehört.

und man würde Fußwalfahrten zum Heiligenbild Gretas machen. Ich seh´sie direkt vor mir in bunten, wallenden Gewändern singend durch die Windparks ziehen mit diesem seligen Lächeln auf den Lippen, das man von Sektenmitgliedern kennt. Dieser Wohlfühlsozialismus wird entgegen seiner Annahme trotzdem wieder in Jutesäcken, verfilztem Haar, Freudlosigkeit, Humorlosigkeit und geschmacklosem Essen enden. Natürlich wird es keinen Feinstaub und Abgase mehr geben, denn die Fahrzeugdichte würde geringer sein wie in der damaligen DDR. Wie damals werden die Leute am Straßenrad stehen, wenn die Politikerkarossen diesmal mit den Ökoapparatschiks übers Land kommen, um sich an ihrem Werk zu erfreuen. Weil bis dahin sicher völlige Drogenfreigabe gilt, werden sie dabei sogar lächeln.

Der kleine Mann in der Mietwohnung würde länger, gesünder und glücklicher leben ohne Feinstaub, ohne Fleisch und mehr Fahrradfahren. Und ruhig und entspannt voll Stolz vor den lautlos surrenden Vogelschredder und den blauschimmernden Solardächern sehen. Was für ein schönes, sauberes, zukunftsfähiges Land! Ich muss gleich kotzen! Der kleine Mann reicht es, wenn sein Diesel nicht zerbröselt und die Waschmaschine geräuschlos surrt. Wie zukunftsfähig sein Land ist, sieht er daran, wenn er mit seinem Hauptschulabschluss heute locker mit dem Abi in Bremen mithalten kann und gegen die ganzen orientalischen Fachkräfte wie ein Nobelpreisträger wirkt und nicht gleich psychische Probleme bekommt, wenn er mal Überstunden machen muss.

Der kleine Mann und die kleine Frau haben sich für ihre Familie womöglich aufgearbeitet, damit ihre Kinder mal glücklicher leben können. Und damit ist nicht gemeint, in den Windpark zum Picknick zu gehen oder Atemübungen in der Fußgängerzone zu machen. Die wollen sehen, dass ihre Kinder einen Beruf haben, der sie ernährt, einen Partner finden und nicht um ihr Leben bangen müssen, wenn sie nachts noch unterwegs sind. Die reden dürfen wie ihnen das Maul gewachsen ist, ohne Angst um ihre Existenz haben zu müssen.

Dass jemals irgendwelche High-Tech-Züge flächendeckend durchs deutsche Land zischen werden, kann sich wohl nur so ein SPIEGEL-Knilch ausdenken, der die Bahn nur aus deren Hochglanzprospekten kennt. Nächster Halt BER oder was. Was haben wir gelacht.

Einer, der die Welt nur aus dem Blickwinkel seines eigenen Schmierenblattes kennt, der meint auch, dass der Deutsche erst glücklich ist, wenn man die Bundesliga zu einem bunten, antirassistischen Politevent umgestaltet und die Bürger beim CO2-neutralen Grillen ihren Ernährungsplan abarbeiten können.

Für linksgepolte Leute wie Stöger besteht überhaupt kein Zusammenhang mehr zwischen notwendiger freiwilliger Wertschöpfung der Bürger und dem Steuergeld, das die Regierung für ihre Utopien verbrät. Die meinen, alles läuft so weiter wie bisher, auch, wenn der Strom 1.-€ pro kWh kostet oder am besten nur noch zugeteilt wird, man nur mit Elektroautos fahren lässt und dem Bürger über den Preis indirekt vorschreibt, was er noch essen darf.

Dass man die Bürger im Sozialismus halbwegs bei Laune halten muss, hatten sogar die Russen erkannt, weshalb der Wodka immer billig war und über das Schwarzbrennen hinweggesehen hat, auch, wenn es dann einen Mangel an Kartoffeln gab. Die Öko-Sozialisten in der Politik und den Zwangs- und Leitmedien glauben in ihrem Größenwahn, dass man die Bürger so umerziehen kann, dass sie für ihr kleines Glück lieber Selfies vor Windrädern machen, als sich ein Schnitzel auf den Grill zu werfen und drei, vier Halbe zu trinken.

Stöcker ist aber kein Einzelfall. Auch die restlichen SPIEGEL-Kolumnisten schreiben einen derart weltfremden Krempel, was wohl daran liegt, dass man nur auf die „Realität“ zurückgreifen darf, die der SPIEGEL verbreitet. Da kann man leicht behaupten, die Politik hätte ein veraltetes Bild vom Pöbel, wenn man selbst verbreitet, die Klimajünger bildeten eine Massenbewegung aus hochgeblideten Weltenrettern, die nur noch die wenigen zurückgebliebenen, weißen Männer überzeugen müssten bzw. man die auch gleich  übergehen könnte.

Als einmaliger SPIEGEL-Leser weiß ich jetzt mehr. Es besteht ein Zusammenhang zwischen den SPIEGEL-Parallelwelten und seinen sinkenden Verkaufszahlen.

 

2 Gedanken zu “SPIEGEL-Parallelwelten

  1. Man merkt an dem grünen Gelaber, dass keiner von denen ist. Wenn man mal was selbst baut, merkt man, dass auch nich alles geräuschlos, perfekt durchs gleisende Licht schwebt. Meistens ist man froh, wenn die Funktion möglichst sauber erfüllt wurde, und hofft darauf, die Schwachstellen in Version 1.5 so langsam im Griff zu haben.

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.