Klimakampf: Vom psychologischen Phänomen zum religiösen Auftrag.

Der versierte Heimwerker wird es vielleicht schon erlebt haben, dass die Ehefrau meint er, solle doch mal schnell dieses oder jenes bauen, zum Beispiel schnell mal eine Durchreiche durch die Wand mit einer Ablage auf beiden Seiten der Wand. Schon solche Banalitäten bieten viele Stolpersteine: Wo verlaufen Strom und Wasserleitungen, ist es eine Ziegelmauer, Naturstein oder nur eine Hohlwand in Trockenbauweise. Kein Meister unter den Heimwerkern fällt vom Himmel und lernt am besten durch eigene Fehler. Wer eine handwerkliche Berufsausbildung macht, der lernt von der Pike weg, alle Eventualitäten, die man beachten muss. Je komplexer etwas ist, desto mehr spielen Erfahrung, Berechnungen, Gedankenexperimente und Wechselwirkungen eine Rolle, denn vieles ist nicht auf den ersten Blick eingängig. Man hält sich nicht mit Details auf, sondern bei den grundlegenden Problemen, die sich stellen. Vor allem bei Großprojekten, wo man Neuland betritt (nicht der BER), kann nicht jeder alles wissen, sodass man auch Gutachten und Fachmeinungen einholen muss.

Zu meiner Zeit waren mindestens Leute mit bayerischem Abitur in allen Natur- und Sozialwissenschaften so ausgebildet, um praktikable Lösungen von Unfug oder Irrwegen unterscheiden zu können. Zu unserer Zeit wurden noch ergebnisoffene Erörterungen zu einem Thema geschrieben, wo nicht schon in der Aufgabe stand, was als gewünscht herauskommen soll, sodass man sich erst das Für und Wider selbst zurechtlegen und dann stichhaltig begründen musste.

Wenn ich sehe, was in der Politik in den letzten Jahren so angeleiert wurde, denke ich mir, dass unser Land heute eher das Land der Dichter als der Denker ist. Nur ein paar Beispiele: Man möchte Elektro-LKWs fördern, man möchte in Berlin einen Mietdeckel und hofft dadurch das Wohnungsproblem zu lösen, man möchte ein grundlastfähiges Stromnetz nur mit Hilfe von Wind und Sonne aufbauen. Man muss kein Physiker oder Wirtschaftler sein, aber man sollte wenigstens ohne die Krücke eines Fachmanns erkennen, wo da ein Problem liegen könnte. Und obwohl vdL als Verteidigungsministerin Millionen an Steuergeldern für „Experten“ ausgegeben hat, hat man zwar neue Fregatten in Auftrag gegeben, aber gar nicht daran gedacht, dass man dazu eine entsprechend ausgebildete Besatzung braucht. Das nötige Ausbildungszentrum hat man aber erst einmal „vergessen“.

Jetzt besteht ja der Bundestag nicht nur aus Anwälten, Soz-Päds, Lehrern oder Studienabbrechern, sodass der Grund, dass solcher Humbug passiert, woanders liegen muss. Nun kann es natürlich sein, dass es nicht gut für die Karriere ist, gegen die Allmacht und Allkompetenz einer Merkel oder vdL aufzumucken, doch zumindest könnte man sich einmischen, wenn richtig Scheiß produziert werden soll, denn schließlich wäre das am Ende auch vor dem Wähler kein Aushängeschild.

Ein Grund könnte die Verantwortungsdiffussion sein:

Bei der Untersuchung der Aufgabenverteilung in Organisationen stößt die Soziologie immer wieder auf das Phänomen, dass Tätigkeiten, die von Mitarbeitern durchaus als notwendig eingestuft werden, dennoch nicht ausgeführt werden. Als Erklärung wird etwa genannt, dass die Verbindung zwischen der eigenen organisatorischen Rolle und dem Charakter der Aufgabe für die in Frage kommenden Akteure ungeklärt ist.

In den ganzen ministerialen Wasserköpfen wird sich kaum einer herausnehmen Vorgesetzte oder andere Fachabteilungen zu belehren. Schließlich will man nicht anecken, redet sich ein, dass man ohnehin nicht wirklich zuständig sei, möchte seine Karriere nicht aufs Spiel setzen oder sich unnötige zusätzliche Arbeit aufhalsen. Allerdings haben Politiker direkt oder indirekt eine organisatorische Rolle. Wer den Energiemarkt neu „organisiert“, der sollte sich auch überlegen, was die Folgen sind, wenn man den Energiemarkt aushebelt. Zum Beispiel sind seit 2017 zehntausende Arbeitsplätze in der Wind- und Solarproduktion verlorengegangen und man rennt nun zu Wirtschaftsminister Altmeier, er solle was tun. Die meinen wirklich, es läge an den Genehmigungsverfahren, dass nicht mehr Anlagen gebaut würden, dabei wären die ganzen Produzenten schon jetzt tot, wenn sie nicht hoch subventioniert wären. Dabei war das Ergebnis absehbar, denn, wenn die Dinger sooo rentabel sind, dann würden die Hersteller die auch ohne die garantierte Abnahme selbst betreiben und nicht versuchen möglichst viele davon zu verhökern. Und auch so musste jeder damit rechnen, dass den Markt irgendwann ausländische Hersteller wie China übernehmen, die billiger produzieren.

In den Parteien scheint jedoch die pluralistische Ignoranz noch ein größeres Problem zu sein:

Pluralistische Ignoranz ist ein Begriff aus der Sozialpsychologie. Er beschreibt die Situation, in der eine Mehrheit eine Norm insgeheim ablehnt, jedoch fälschlicherweise davon ausgeht, dass die Mehrheit diese Norm akzeptiert (etwa: „jeder glaubt, dass alle anderen daran glauben, während in Wirklichkeit keiner daran glaubt“).

(…) Wenn sich eine Gruppe von Menschen in einer mehrdeutigen, schwer einschätzbaren Situation befindet und keiner weiß, was zu tun ist, versuchen die Anwesenden aus der Beobachtung der jeweils anderen Hinweise auf mögliches sinnvolles Verhalten zu bekommen. Die Gruppe übt auf ihre einzelnen Mitglieder informativen sozialen Einfluss aus. Wenn die anderen aber ebenfalls ratlos sind, entsteht pluralistische Ignoranz.

Alle arbeiten an der Energiewende und halten den menschengemachten Klimawandel für erwiesen, machen die schrägsten Vorschläge wie FFF, man müsse Kohlekraftwerke sofort abschalten, in dem vermeintlichen Wissen, dass es keinerlei Probleme bzw. Zweifel gäbe, weil die Kohlekommission ja auch keine Probleme gesehen hat und der Klimapapst Schellnhuber, der sogar Professor ist, gesagt hat, dass wir alle verbrennen, wenn wir nix tun. Und, weil alle so hysterisch rumrennen und das für bare Münze nehmen, wird man auch die stärksten Widersprüche, die einem selbst aufgefallen sind, ignorieren. In Alltagssituationen, wo sich alle insgeheim denken, hoffentlich haben die anderen wenigstens Ahnung, dann ist man froh, wenn es einen gibt, der den Wortführer macht, wo man sich unterstellen kann.

Heute werden die Bürger täglich mit angeblichen Katastrophen und zukünftigen wilden Szenarien wegen des Klimawandels zugemüllt und gleichzeitig hypt man die Grünen, die vorgeben, sie würden die Lösung aller Probleme so locker aus dem Ärmel schütteln. Welcher Bürger traut sich da noch dagegen anzuschwimmen, wenn sämtliche Politiker, Medien und „Experten“ das Gleiche behaupten, obwohl schon einfache Physik reicht, dass Sonne und Wind niemals unseren Strombedarf grundlastfähig decken können.

Doch so blöd kann man eigentlich nicht sein, dass man die Probleme und Widersprüche nicht erkennt. Darum wandeln höchstwahrscheinlich alle schon in einer religiösen Sphäre. Man ordnet alles dem Ziel der Weltenrettung unter und der Transformation in ein öko-sozialistisches Paradies. Es muss einfach gelingen, weil die Schriften (IPPC-Bericht und Grünes Parteiprogramm) das sagen. Als Greta New York erreichte, berichteten die ÖR-Medien, als wäre der Messias selbst an Land gegangen und haben sich gewundert, dass sich nur ein paar Klimaaktivisten eingefunden haben und der Kai nicht gesäumt war von Gläubigen. Man rätselte, warum nicht mehr Journalisten da wären und keine große Fernsehstation es nötig fand live zu berichten. Ja, jede Weltuntergangssekte hatte bisher das gleiche Problem, nämlich, dass sich die Zahl der Anhänger in Grenzen gehalten hat und man trotzdem glaubte, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein. Die Sektenmitglieder hat man einer Gehirnwäsche unterzogen, damit wenigstens die bei der Stange bleiben und irgendwann kontrollieren sie sich gegenseitig, ob der andere auch wirklich fest im Glauben ist. Und es sind nicht immer die dümmsten, die sich solchen Gruppierungen anschließen, so ist es nicht verwunderlich, dass vor allem eher Gebildete betroffen sind. Den Kampf gegen den Klimawandel als religiösen Auftrag wahrzunehmen, ist die einizige Möglichkeit die kognitive Dissonanz zu überwinden.

Lösung? Keine.

 

5 Gedanken zu “Klimakampf: Vom psychologischen Phänomen zum religiösen Auftrag.

  1. Ja, so blöd kann man nicht sein. Ich rede dauernd mit Leuten, die es sind. Ein Problem ist vielleicht tatsächlich, dass Intelligenz nur zu c.a. 80% vererbbar ist. Daraus folgt, dass sich bei Kindern von klugen Machern einen Teil dummer Kinder findet, die trotzdem gut vernetzt sind und auf gute Schulen gehen. Daraus ergibt sich eine Gründerfolgegeneration, die teilweise dümmer ist, als die Leute, die sie anführen sollen. Augstein, von der Leyen … Das muss man auch abstrakt sehen. Wenn 10% vielleicht durch Umwelteinflüsse klug wie die Eltern wird, dann bleiben 10%, die halt dumm sind. Und das ist vielleicht kulturell signifikant. Das wäre ähnlich wie das Spiteful-Mutant-Phänomen, ist aber nicht genau das Gleiche.

    Liken

    1. Heute sind ALLE dümmer als ihre Eltern, da selber denken und Erfahrungswerte gar nichts mehr zählen. Nur die Haltung und korrekte Sprache werden „honoriert“. Für ausgewachsenen Mist gibt’s auch keine shitstorms oder Ausgrenzung, sondern für eine falsche Wortwahl oder fehlende Haltung. Das sagt und erklärt alles, dh. den ganzen Mist, der derzeit abgeht. Keiner hat Ahnung, aber alle machen und hüpfen mit.

      Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.