Ende der Demokratie.

Wir leben im liberalsten, tolerantesten und buntesten Deutschland aller Zeiten, doch wäre sie durch Rechtspopulisten bedroht. Durch sie hätte die Verrohung der Sprache zugenommen, was unweigerlich in direkte physische Gewalt mündet. Letzteres ist allerdings Blödsinn.

Die dauernd öffentlich hochgehaltenen Werte, die wir verteidigen müssten, Buntheit, Weltoffenheit und Toleranz, sind allerdings nur schwammiger Schönsprech, der unserem Zusammenleben in Wirklichkeit nicht förderlich sind.

Ich kann mich als kleiner Junge an Arztbesuche erinnern. Das Wartezimmer von damals war die erste Bewährungsprobe im Leben in die Erwachsenenwelt hineinzuwachsen. Man durfte nicht auf Mamas Schoß sitzen, sondern man klammerte mit den Händen zu beiden Seiten an den viel zu großen Stuhl und ließ höchstens die Füße baumeln. Im Wartezimmer herrschte auch dann, wenn es voll war, völlige Stille, absolute Ruhe. Es durfte wenigstens im Notfall geflüstert werden. Nichts war peinlicher als, wenn ein Kind einfach nicht stillsitzen wollte und die Mutter die vorwurfsvollen Blicke der anderen abbekam.

Heute sind wir tolerant und offen und die Kinder verhaltensoriginell. Heute dürfen sich Kinder in Wartezimmern und Zügen völlig frei entfalten. Rumrennen und Schreien sind da nicht das harmloseste. Jüngere Eltern kommentieren das höchstens wohlwollend, dass das Kind recht aufgeweckt sei, andere finden es zwar lästig, aber nicht mal peinlich wie zu meiner Zeit. Denn ich habe schon mal einen jungen Erwachsenen gesehen, der in einem Nachtzug in einem Zwischenabteil herumging und überlaut mit dem Handy telefonierte. Bei jeder Runde ging dann die automatische Schiebetür auf und nach kurzer Zeit wieder zu. Nach etwa 15 Minuten (!) stand dann eine Zugbegleiterin auf und sagte, dass das nicht so ginge. Auf einem Bahnsteig habe ich dann mal eine miterlebt, die mit ihrem Streit über das Handy den ganzen Bahnsteig unterhalten hat. Toleranz, Offenheit und Buntheit bedeutet nicht nur, dass sich heute Schwule mit nacktem Arsch ohne Gefahr an einer Hundeleine durch die Stadt führen lassen können, sondern, dass man nicht nur bestimmte Regeln völlig über Bord geworfen hat; nein, kaum einen von den jungen Leuten kommt in den Sinn, dass es Orte geben könnte, wo man nicht einfach tun und lassen sollte, wozu man gerade Lust hat. Nun gibt es kein Gesetz, das so ein Verhalten sanktionieren würde, denn es war früher nicht notwendig, weil ein angemessenes Verhalten an bestimmten Orten fast Gesetzeskraft hatte, denn es wurde von allem mitgetragen, obwohl man dadurch persönlich eingeschränkt war. Nun ist es eben anderes und man kann es für gut oder schlecht halten und für einen Gewinn. Und es bedroht auch nicht unsere Demokratie oder hätte es zu einer besseren gemacht.

Nun gibt es manche, die durch die angebliche Verrohung der Sprache unsere Demokratie in Gefahr sehen, was die anderen Parteien vor allem der AfD im Bundestag vorwerfen. Dazu differenzieren die ihre Feindbilder nur aus in Messer-Fachkräfte und Asyltouristen usw., während die andere Seite alle nur Nazi, Nazi nennen. Das ist nichts, was uns bedroht. Was schon gravierender war, dass man der AfD einen Posten der Bundestagsvizepräsidenten verweigert hat. Das Grundgesetz hatte vorgesehen, dass jede Partei einen stellt und ging davon aus, dass da wirklich jede Partei den „Rahmen“ akzeptiert, denn schließlich gelten alle Parteien, die nicht verboten sind, als demokratisch. Nur aus Haltungsgründen wurde das verweigert und die Kandidaten der AfD fielen durch. Natürlich war das kein Rechtsbruch, so wie es kein Rechtbruch ist, dass sich sein Balg in einem Wartezimmer aufführt wie Sau.

Das gleiche Bild in den MS-Medien. Es galt bisher als demokratischer Konsens, dass ein demokratisch gewähltes Oberhaupt eines anderen Landes entsprechend mit Respekt begegnet wird. Nun wird aber auf niedrigstem Niveau gegen Salvini, Trump, Orban und Johnson gehetzt und sie werden auf peinliche Art lächerlich gemacht. Was man gegen Johnson ablässt würde dem entsprechen, wenn man Altmaier bei seinem Besuch in den USA als aufblasbaren Fettsack über dem Silicon Valley hätte schweben lassen. Peinlich und Anlass zum Fremdschämen, doch immer noch in dem Rahmen. Ob es diplomatisch schlau ist, seine zwangsläufigen Kollegen so herabzuwürdigen, steht auf einem anderen Blatt. Man kann Politiker abwählen und muss auch keine der Tageszeitungen der „Qualitätsjournalisten“ kaufen.

Doch nun ist meiner Meinung etwas eingetreten, was den Rahmen sprengt. Ein links-grüner Überzeugungstäter hatte beim Auszählen der Kommunalwahl angeblich spontan Stimmen der AfD den Grünen zugeordnet. Dies ist nun kein Einzelfall, dass Auszähler aus der „richtigen“ Haltung heraus meinen, sie müssten Stimmen von politischen Gegnern umdeklarieren. In den Medien ging das völlig unter und auch kein Politiker der großen Parteien, sah das Ganze irgendwie groß problematisch. Dabei ist es nicht das Gesetz, was übertreten wurde so wichtig. Diese Tat untergräbt das unhinterfragte Vertrauen in unseren demokratischen Rahmen und in die Personen, die beauftragt sind ihn zu wahren. Und, was das schlimmste ist, es juckt keinen oder keiner sieht diese Tat als schwerwiegend. Man kann sowas nicht als Zeitgeist abtun oder gutheißen, auch wenn man davon profitiert. Medien können Lügen oder betrügen und die Altparteien Propaganda betreiben, am Ende bleibt nur, dass meine Stimme bei der Wahl wenigstens symbolisch sichtbar wird, dass ich damit nicht einverstanden bin. Das war bisher der Rahmen.

Wenn aber nicht mal mehr praktisch möglich ist, Dinge rückgängig zu machen, die unserem Zusammenleben widersprechen, weil Wahlfälschung von einem Teil der Bevölkerung als legitimes Mittel gesehen wird, dann stellen wir auch den Rahmen unseres Zusammenlebens in der Demokratie in Frage. Nach der Wahl hatte man es schwarz auf weiß, dass die eigene politische Meinung und Wahrnehmung vielleicht doch nicht mehrheitsfähig ist. Diesen Rahmen übertritt man nicht mal, auch, wenn Wahlbetrug nicht verboten wäre, weil es zu beschämend ist. Dachte ich, und es wird im Gegenteil sogar als lässliche Sünde behandelt.

Dass Politiker und Medien gegen andere demokratisch gewählte Staatsmänner hetzen, könnte ich noch ertragen, wenn eine Mehrheit das so akzeptiert. Wenn aber die Vermutung besteht, dass sich diese Hetzer ihre Legitimation durch einen Betrug erschleichen könnten, dann ist für mich die Sache gegessen. Von der Minimalanforderung für das Zusammenleben, dass man sich in einem Wartezimmer oder einem Zug nicht aufführt wie ein Gartenschlauch, davon habe ich mich schon verabschiedet. Dass sich der gleiche Abschaum, der sich für den moralischen Mittelpunkt der Welt hält, auch unter den Wahlhelfern befindet und dieser Dreck auch noch von den Konsensparteien und den MS-Medien gedeckt wird, hat mein Vertrauen in diesen Staat nicht nur erschüttert. Es ist weg.

Fahrt diese Pseudodemokratie möglichst schnell an die Wand, dann reformierbar ist sie so jetzt nicht mehr.

8 Gedanken zu “Ende der Demokratie.

  1. Die Linke hat seit dem Brexit die Demokratie schulterzuckend für tot erklärt. Wenn ihr nicht wählt, wie die wollen, dann gibt es halt keine Wahlen mehr. Dann ist „Demokratie“ halt nur noch was wir grad machen und „demokratiefeindlich“ ist dann nur, wen wir dämonisieren oder verfolgen. Schulterzuck. Gähn. Die hatten auch schon keinen Respekt vor Bush, aber seit Brexit werden möglichst viele Staaten einfach zu Diktaturen erklärt, damit die berechtigten Anschuldigungen gegen Linke einfach überschrieen werden. Dann ist Polen eine Diktatur, weil die korrupten Richterdynastien mal aufgebrochen werden. In Ungarn sind die Linken angeblich kaum noch hörbar, weil die ja nur einen Bertelsmann-FERNSEHSENDER haben, statt wie hier ALLE Sender. Und in Großbritannien kam es zum Brexit wegen DEN Lügen, plural. Das ist IMMER der Vorschlag die Beiträge lieber ins Gesundheitswesen zu investieren. Alternative Infos im Internet sind a) Hass und b) Lügen. Und es sind genau ZWEI „Lügen“, die immer genannt werden. Angeblich sei das eine russische Mädchen nicht vergewaltigt worden und man könne nicht von einem Kirchenbrand sprechen, solange nur das brennbare Gerüst brennt und nicht die Steine. Die neuste DIKTATUR ist England, weil das Parlament einen Urlaub macht, der immer noch kürzer ist als die Pausen des Bundestags, aber einen haufen durcharbeiter Urlaubstage nachholt. Angeblich soll damit verhindert werden, dass die Kammer gegen Boris Johnson einen Deal mit der EU durchjagd. Klar. Der greise ARD-Zuschauer glaubt eh alles. Deutsche sowieso.

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    1. Wir sind mit so hochwertigem Kinderfernsehen aufgewachsen.
      Löwenzahn.
      Maus.
      Kopfball.
      Logo.
      Das muss einfach glaubhaft sein.
      Immerhin ist das ja alles in echte Reportagen aus den Zoos der Nation eingebettet und Tierpfleger lügen nicht.
      Das wusste schon Doktor Bayer.

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      1. Den Eindruck könnte man aber haben.
        Hat seinerzeit ja auch Napoleon so empfunden. Nicht, dass der das Maß aller DInge wäre, beileibe nicht, aber zumindest ist der Gedanke nicht neu und auch nicht abwegig, dass die Deutschen halt gerne und schnell glauben, was in der Zeitung steht.

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